Mittwoch, 25. Juni 2014

Gesundheitsminister Gröhe beim Hauptstadt Kongress Medizin und Gesundheit

Seit heute findet im CityCube Berlin auf dem Messegelände der dreitägige Hauptstadt Kongress 2014 Medizin und Gesundheit statt. Der Kongress war uns vor einigen Wochen bei einem Assam-Tee von Bert Rürup empfohlen worden.

Ein Tee wäre gut gewesen. Unwetterwarnung und strömender Regen riefen nach präventiven gesundheitsfördernden Maßnahmen. Mit über 2.000 Teilnehmern aus dem medizinischen Bereich befanden wir uns bereits in der passenden Gesellschaft.

Während des Kongresses geht es um sehr viele Themen, die Herz und Gedanken eines Mediziners bewegen. Es beginnt bei Arbeitsbedingungen im Krankenhaus, geht über Internetmedizin, vernetzte Apotheker und Praxisfinanzierung bis hin zu Trends bei öffentlichen und kirchlichen Krankenhäusern sowie um ethische Befindlichkeiten bei freiheitsentziehenden Maßnahmen an Pflegebedürftigen. Eine Fülle an Wissensvermittlung, der sich die Teilnehmer nur selektiv annähern können.

Hauptstadt Kongress 2014 Medizin und Gesundheit
Prof. Dr. Otmar D. Wiestler beim Hauptstadt Kongress 2014
Sehr aufmerksam lauschten die Gäste den Ausführungen von Prof. Dr. Otmar D. Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums. Krebs starte in der Regel in den Stammzellen, die eine genetische Veränderung erfahren.

Die zunächst gutartige Entwicklung sollte rechtzeitig erkannt und behandelt werden, da ein Fortschreiten zu Tumoren führt, die weitere Bereiche des Körpers tangieren.

Man habe festgestellt, dass als geheilt geltende Patienten plötzlich wieder Krebsdiagnosen bekommen, da Stammzellen durch das Gewebe gewandert waren und die schlummernde Krebsinformation an einer anderen Stelle wieder aktiviert wurde.

Die Forschung sei jedoch in den letzten Jahren so sehr fortgeschritten, dass innerhalb weniger Tage eine DNS-Sequenz aufgebaut werden kann. Diese benötige zwar enorme Speicherkapazitäten, die jedoch durch Clustersysteme bereitgestellt werden können.

Es wurden diverse genetische Strukturen entdeckt, die bestimmte Krebserkrankungen hervorrufen. Diese können inzwischen gezielt behandelt werden. Voraussetzung ist eine rechtzeitige Erkennung.

Beeindruckend war ein Chart zur Isocitrat-Dehydrogenase. Wo der Laie nur Himbeersaft sieht, entdeckt der Fachmann genetisch veränderte Zellen und entwickelt Antikörper, die ebenfalls nur genau diese veränderten Zellen angreifen und unschädlich machen. Diese gezielt wirkenden Medikamente entfalten bereits nach wenigen Tagen ihren Erfolg. Gerade wegen krebskranker Kinder habe man die Wirkstoffe in den letzten Jahren deutlich verfeinert, so dass bei gleichen Krebsarten sehr differenziert gemäß der weiteren Spezifika des Patienten behandelt werden kann.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 2.000 Kinder an Krebs. 70% von ihnen können geheilt werden. Ein Ansporn zur weiteren Forschung!

Hauptstadt Kongress 2014 Medizin und Gesundheit
Hermann Gröhe mit Andreas Eichler beim #HSK14
Die Forschung möchte auch Gesundheitsminister Hermann Gröhe fördern. In seinem anschließenden Vortrag lobte er die deutsche Hochleistungsmedizin, die unabhängig von sozialen Ständen der gesamten Bevölkerung zur Verfügung stehe.

Allerdings gebe es zur Zeit einen Engpass bei der flächendeckenden Versorgung mit Allgemeinmedizinern. Er plädierte für eine stärkere Werbung an den Hochschulen um Studenten für Allgemeinmedizin.

Bundesminister Gröhe ging auch auf die Herausforderungen der höheren Lebenserwartung ein, die sich zunächst in einem längeren Berufsleben widerspiegele und den Bedarf am demnächst zu verabschiedenden Pflegestärkungsgesetz wecke. Begeistert berichtete er von einem Herzschrittmacher-Patienten, der weltweit mit den heimischen Einrichtungen zur Funktionsüberwachung verbunden sei und im Bedarfsfalle einen Alarm auslöse. Das erinnert an unser Auto, welches bei Unregelmäßigkeiten per SMS mit uns kommuniziert.

Ganz klar positionierte sich Hermann Gröhe gegen die organisierte Hilfe zur Selbsttötung. Diese sei mit der bestehenden Rechtsordnung nicht vereinbar.

Hauptstadt Kongress 2014 Medizin und Gesundheit
Fehlalarm im CityCube beim Hauptstadt Kongress 2014 Medizin und Gesundheit

Anschließend war ein Rundgang durch die Messehalle geplant. Kaum hatten wir jedoch mit Hermann Gröhe den Fahrstuhl betreten, tönte ein Signal durch den CityCube, begleitet von einer Ansage, dass alle Gäste die Fluchtwege benutzen und das Haus verlassen sollten. Auch die Veranstalter zeigten sich überrascht, so dass es sich um einen tatsächlichen Notfall hätte handeln können. Daran glaubten wir zwar nicht, verließen aber das Haus. Die Aktion stellte sich nach einer gesundheitsgefährdenden Viertelstunde im Freien als Fehlalarm heraus.

Hauptstadt Kongress 2014 Medizin und Gesundheit
Charité als Aussteller auf dem Hauptstadt Kongress 2014 Medizin und Gesundheit

An den Ständen der Anbieter aus dem medizinischen Bereich schnappten wir neben Bällen, Taschen, Prospekten, Kugelschreibern und ungewohnt reichhaltigem Essen auch weitere Informationen auf. Bei Sodexo, in Berlin bekannt und berüchtigt für Schulspeisung, erfuhren wir von einer Ausstellerin in Sicht auf die fortgesetzte Essensversorgung durch ihre Kollegen, dass sie "gleich platze".

Bei der Knappschaft diskutierte man über die nur augenscheinlich innovative Medizinbranche, die jedoch in Wirklichkeit nicht sehr wandlungsfähig sei. Überhaupt fielen uns überproportional viele Stände mit Vortragsbühnen und Diskussionsrunden auf.

Als wir den CityCube verließen, regenete es immer noch. Eine Erkältung war nicht ansatzweise zu merken. Offensichtlich hatten die Bazillen beim Wahrnehmen so vieler kampferprobter Mediziner Reißaus genommen.

Autor: Matthias Baumann