Montag, 13. April 2026

Tradition und Brauchtum des Wachbataillons

Im März 2026 wurde die neue Militärgeschichtliche Sammlung (MGS) im Stabsgebäude des Wachbataillons in der Julius-Leber-Kaserne eröffnet. Diese konzentriert sich auf zwei Räume, einen Flur und das Treppenhaus. Sie ist in vier Kapitel eingeteilt, die sich mit allgemeinen Betrachtungen von Garden, deren Besonderheiten wie das Gardemaß, mehr oder weniger tradierenden Persönlichkeiten, Zeitachsen und der fast 70-jährigen Geschichte des heutigen Wachbataillons beschäftigen. Bei einer Begehung der Ausstellung erklärt der Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Maik Teichgräber, das Traditionsverständnis seines Verbandes und die Identität stiftende Neubelebung des Schlachtrufs „Semper talis!“:


Bis vor zehn Jahren stand beim Wachbataillon noch die Traditionslinie zum Ersten Garderegiment zu Fuß (EGRzF) im Raum. Dieses Regiment war 1806 nach der Niederlage gegen Napoleon aufgestellt worden. Die Kaserne des EGRzF lag gegenüber der Garnisonkirche in Potsdam. 1819 wurde das Infanterie-Lehrbataillon gegründet und dem Ersten Garderegiment zu Fuß unterstellt. Dieses Elitebataillon hatte nicht nur Schutz- und Repräsentationsaufgaben, sondern durfte auch sämtliche neuen Waffen und Taktiken erproben. 1820 führte König Friedrich Wilhelm III. das Schrippenfest ein. Das Schrippenfest diente der Gemeinschaftsförderung zwischen den Familien der Soldaten. Hier konnten sich die Angehörigen mal so richtig sattessen.

Bis 2019 wurde das Schrippenfest auch noch mit viel Aufwand durch das Wachbataillon gestaltet. Zunehmender Personalmangel, reger Personalwechsel und letztlich auch die mehrjährigen Einschränkungen durch COVID führten zu Zäsuren bei der Pflege von Tradition und Brauchtum. Deshalb wurde ab 2023 überlegt, wie man Identität stiftend und zeitgemäß unter Einbeziehung des Traditionserlasses von 2018 mit den preußischen Exponaten von Möllendorff-Degen über alte Gemälde, Pickelhauben und Grenadiersmützen bis hin zu kunstvoll gestalteten Truppenfahnen umgehen könne. Auch wurde über den Schlachtruf „Semper talis!“ (immer gleich) diskutiert. Das Ergebnis wird nun einerseits in der Ausstellung präsentiert und andererseits in die politische Bildung des Verbandes integriert. Die Buchstaben von "Semper talis!" wurden mit Identität stiftenden Begriffen untermauert und statt des Schrippenfestes gibt es seit einigen Jahren das wesentlich kleiner gestaltete Bataillonsfest, das nach Innen wirkt und dem Zusammenhalt des Verbandes inklusive dessen Familienangehöriger dient.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 6. April 2026

16K3-Märsche erinnern an das Karfreitagsgefecht von 2010

Am Osterwochenende fanden bundesweit Märsche zum Gedenken an das Karfreitagsgefecht von 2010 statt. Das war vor 16 Jahren. Auf diese 16 Jahre bezieht sich die „16“ in „16K3“. Man war bestrebt, eine Marschstrecke von 16 Kilometern Länge mit 16 Kilogramm Gepäck zu absolvieren. Das „K“ in „16K3“ steht für Karfreitag und die „3“ für die drei gefallenen Bundeswehrsoldaten.


Am 2. April 2010 – es war Karfreitag – wurden 34 Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 373 aus Seedorf beauftragt, Sprengfallen aufzuklären und diese zu beseitigen. Bei Isa Khel, südwestlich von Kunduz, gerieten sie in einen komplexen Hinterhalt der Taliban. Das Gefecht dauerte acht Stunden. Dabei gab allein die Bundeswehr 25.000 Schuss ab. Am Ende gab es viele Schwerverletzte und Tote – darunter auch die drei Bundeswehrsoldaten Hauptfeldwebel Nils Bruns, Stabsgefreiter Robert Hartert und Hauptgefreiter Martin Augustyniak.

Weitere Infos:
https://zms.bundeswehr.de/de/mediathek/afghanistan-dossier-karfreitagsgefecht-5746712

Das Karfreitagsgefecht war ein Einschnitt in der Wahrnehmung der Auslandseinsätze, die in Deutschland bislang eher als humanitäre Aktionen mit Brückenbau und Brunnenbohrung verkauft wurden. In der Folge wurden Ehrenhaine errichtet und Druck bezüglich der stark vernachlässigten Veteranen- und Gedenkkultur aufgebaut. 2025 fand dann sogar der erste Nationale Veteranentag statt.

Seit 2020 gibt es die Märsche zum Gedenken an das Karfreitagsgefecht: 10K3, 11K3, 12K3 bis 16K3 in 2026. Wer schon mehrfach teilgenommen hatte, trägt stolz den Patch der Vorjahre an der Kleidung oder dem Rucksack. Die Märsche sind so unterschiedlich wie die Schwerpunkte der Veteranenvereinigungen. So kann es Märsche mit Motorrad, zu Fuß oder per Fahrrad geben. Die Teilnehmer sind Veteranen, aktive Soldaten, Reservisten, Familienangehörige, ausländische Kameraden und am Thema interessierte Bürger. Letzteren gilt besonderes Augenmerk, da Gesamtverteidigung nur dann funktioniert, wenn auch die zivile Seite der Bevölkerung, die keinen Bezug zu Blaulichtorganisationen oder der Bundeswehr hat, eingebunden wird.

Autor: Matthias Baumann