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Montag, 28. September 2026

Das Buch zum Nationalen Sicherheitsrat

Der Nationale Sicherheitsrat (NSR) steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Seine „Mutter“ ist die Politologin Christina Moritz. In ihrem kurzweilig geschriebenen „Buch zum Nationalen Sicherheitsrat“ stellt sie fest, dass er noch nicht so wirklich laufen gelernt hat.

Bereits 2016 hatte sie ihr Konzept zum NSR vorgestellt und war auf sehr unterschiedliche Reaktionen gestoßen. Da gab es die Bedenkenträger, die Verhinderer sowie die Sammler neuer Posten.

Umso erstaunter war die Autorin, dass mit Beginn der Regierung Merz auch die Gründung eines NSR auf die Tagesordnung kam. Seitdem wurde der NSR mehrmals einberufen, um aktuellen Ereignissen wie dem Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig oder Anschlägen auf die Stromversorgung hinterher zu hecheln.

Wenn es nach Christina Moritz ginge, würde das Alles viel schneller und konzeptionell besser strukturiert ablaufen. Sie plädiert nicht nur für eine Rotation der Spitzenposten, sondern auch für eine breite Sicht in die Gesellschaft. So sollten Informationen von Wirtschaft, Bürgern, Institutionen, Behörden und Diensten gleichermaßen betrachtet und daraus ein realistisches Lagebild gebaut werden.

Das Buch ist in kurze Kapitel eingeteilt, die auch selektiv oder in einer anderen Reihenfolge gelesen werden können. Die Überschriften geben das Thema vor und referenzieren auf bekannte Zitate und Ereignisse von Bibel bis Star Trek.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 4. September 2026

Die lange Militärgeschichte im Nordwesten Berlins

Gestern Abend wurde in der Humboldt-Bibliothek in Tegel ein Buch vorgestellt, das für viele Nordberliner interessant sein dürfte.

Die Autoren, Hauptmann a.D. Ernst Schüßling und Oberst a.D. Andreas von Studnitz, waren viele Jahre in der Julius-Leber-Kaserne tätig und hatten Zugang zu hochwertigem geschichtlichen Material sowie zu Zeitzeugen, die mit Begeisterung weitere Informationen, Fotos und historische Gegenstände zur verfügung stellten. Einige davon sind in der Militärhistorischen Sammlung beim Landeskommando Berlin zu bestaunen.

Auf über 100 Seiten kann nun auch der geneigte Leser an diesem Wissen teilhaben und erfährt, „Wie das Militär den Norden Berlins für sich entdeckte“.

Es beginnt bei den leicht bewaldeten Rehbergen, die um 1826 als natürlicher Schießstand für Handwaffen genutzt wurden. Bei der Suche nach Übungsplätzen für weitreichende Systeme wie Artillerie fiel der Blick ebenfalls auf die Rehberge und man baute das Gelände weiter aus. Der besondere Charme lag darin, dass sich weit und breit keine Ortschaften befanden und Reinickendorf tatsächlich noch ein kleines Dorf war.

Mit der aufkommenden Fliegerei wurde das Gelände einer Doppelnutzung zugeführt, so dass sich Luftschifffahrt und Artillerie abwechseln mussten. Teilweise wurde sogar aus der Luft beobachtet, wie die Artillerie in verschiedenen taktischen Szenarien wirkt. Sehr spannend sind die Schilderungen zu ersten Selbstversuchen von Wissenschaftlern, die die Wirkung der Bedingungen in 10.000 Metern auf den menschlichen Organismus testeten. Nach dem ersten Weltkrieg mussten die Aktivitäten wegen des Versailler Vertrages eingestellt werden. Allerdings stand in dem Vertrag nichts von "Raketentechnik", so dass sich der Erfindergeist in Reinickendorf mit dieser neuen Technologie ausprobieren konnte. Auch namhafte Raketentechniker wie Wernher von Braun machten hier erste Experimente.

Mit Ausweitung des Stadtgebietes nach Nordosten begannen die Konflikte mit den Bürgern. Da ging es um Lärmbelästigung und die versehentlichen Einschläge von Granaten oder Versuchsraketen in Gebäude oder den Tegeler See.

In Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs ließ Hermann Göring auf dem Gelände der heutigen Julius-Leber-Kaserne eine Waldstadt errichten. Diese wirkte von oben wie ein ganz normaler ziviler Ort, war aber in der Bausubstanz bereits auf Luftangriffe vorbereitet: Die Dächer waren mit Stahlbeton verstärkt. Lagerhallen waren in Wirklichkeit riesige Garagenkomplexe. Es gab eine Kirchen-Attrappe und echte Sportkomplexe. Durch diese architektonische Verschleierung wurde die Kaserne im Zweiten Weltkrieg kaum bombardiert und die finalen Zerstörungen hauptsächlich durch Artillerie der Roten Armee verursacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen die Franzosen in den Norden Berlins ein und entdeckten das Areal für sich. Sie bauten den Kasernenkomplex möglichst originalgetreu wieder auf und nannten ihn Quartier Napoleon. Die Kaserne wurde zum Zentrum des französischen Lebens in der nordöstlichen Besatzungszone. Um das Gelände wurden Einkaufszentren, Kinos, Kulturhäuser und sehr viele Wohnungen gebaut. Während der Berliner Luftbrücke wuchsen Westberliner und Besatzer so eng zusammen, dass die Besatzer zu Beschützern wurden.

Mit der deutschen Wiedervereinigung ging auch die Zeit der französischen Präsenz zu Ende. 1994 verließen die alliierten Truppen nach einem Appell und einem Großen Zapfenstreich die Stadt. Kurz darauf zog die Bundeswehr ins Quartier Napoleon ein und benannte die Liegenschaft bereits 1995 in Julius-Leber-Kaserne um.

Die Bezirksbürgermeisterin von Reinickendorf, Frau Emine Demirbüken-Wegner, fühlt sich sehr mit der Bundeswehr, dem Landeskommando Berlin, dem Wachbataillon und der Julius-Leber-Kaserne verbunden. Bis heute will sie nicht akzeptieren, dass die Julius-Leber-Kaserne geografisch dem Bezirk Mitte zugeordnet ist. Weil der Wedding mental so eng mit Reinickendorf verbandelt ist, fühlt sich die Zugehörigkeit des Wedding zu Mitte einfach nur falsch an. Aber auch diese Bezirksaufteilung ist Ergebnis der Wiedervereinigung. Frau Demirbüken-Wegner hat auch eines der Vorworte zu diesem Buch verfasst.

Über den Buchhandel oder Amazon ist das Buch nicht erhältlich. Wer es kostenfrei bestellen möchte, kann sich an die Pressestelle des Landeskommandos Berlin unter LKdoBEPresse@bundeswehr.org wenden.

Zu einigen Aspekten dieses Buches haben wir mit Oberst a.D. von Studnitz folgende Filme gedreht:

Geschichte der Julius-Leber-Kaserne
Zeitzeugen führen durch den französischen Sektor
49 Jahre französische Armee in West-Berlin

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 25. Juni 2026

Warum David Matei für Deutschland kämpfen würde

Mit „Deutschland ist es Wert“ hat der ehemalige Gebirgsjäger und Jugendoffizier David Matei ein Buch verfasst, das mit viel Ehrlichkeit, Emotionen, persönlichen Erfahrungen und daraus abgeleiteten Prinzipien punktet.

Das Buch regt zum Nachdenken an und liefert wertvolle Argumentationshilfen für den politischen Diskurs um Wehrpflicht, Abschreckung, Rüstung und Gesamtverteidigung.

Seine TikTok-Aktivitäten mit Erklärvideos zu sicherheitspolitischen Themen haben ihn von Russland bis in die USA bekannt gemacht und so manch eine spannende Reise ermöglicht. Der kurzweilige Schreibstil entspricht seinem Wesen.

Den Hauptmann der Reserve David Matei hatte ich auf der Reise nach Alaskaund Washington D.C. im Sommer 2024 kennengelernt. Im Flugzeug saß er direkt hinter mir. Die Schilderungen aus Kapitel 8 kann ich so bestätigen. Einen Monat später waren wir zusammen in Indien. Wieder saß er hinter mir und wurde Zeuge eines größeren Malheurs mit Tomatensaft. Ansonsten hatten wir einen sehr guten Austausch über Medienstrategien und die dafür sinnvollen Plattformen.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 1. Juni 2026

Alles über den Hohen Norden – lesenswerte Neuerscheinung des ZMSBw

Auch Lesern, die sich schon länger mit dem Hohen Norden beschäftigen, bietet das Taschenbuch „Wegweiser zur Geschichte– Hoher Norden“ auf seinen knapp 300 Seiten einen erheblichen Erkenntnisgewinn.


Die kurzen Kapitel sind von verschiedenen Autoren verfasst, lesen sich aber wie aus einer Feder. Der Reiz dabei ist, dass die Autoren die unterschiedlichen Aspekte der Arktis aus ihrer jeweiligen Perspektive beleuchten und der Leser damit ein gut ausdifferenziertes Lagebild erhält. Die Beiträge ergänzen und bestätigen sich. Durch gelegentliche Wiederholungen bleiben wichtige Themen und Daten noch besser haften.

Das Buch beginnt mit der spannenden Historie der arktischen Gebiete, geht auf die Bedeutung der Wikinger, die politischen Konstellationen, die Sprachen, die Ethnien, das Klima, die Geografie und die Tierwelt ein. Aufbauend auf diesem regionalen Grundverständnis steigen die Autoren immer tiefer in die Zusammenhänge von Wirtschaft, Forschung, Rohstoffen, Militär und geostrategischen Ambitionen ein. Ausführlich und gut verständlich werden völkerrechtliche Fragen wie die UN-Seerechtskonvention erklärt oder der Frage nachgegangen, ob sich die Nutzung der Nordost- oder der Nordwestpassage zwischen Atlantik und Pazifik wirtschaftlich überhaupt lohnt.

Das Buch wurde vom ZMSBw (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr) herausgegeben.

Autor: Matthias Baumann