Heute Nachmittag
wurde der Präsident der Republik Malediven, Mohamed Muizzu, durch
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit militärischen Ehren am Schloss
Bellevue empfangen.
Es ist keine
Seltenheit, dass Staatsgäste aus Ländern in der Nähe des Äquators bei
winterlichen Temperaturen in Berlin empfangen werden. Die Malediven liegen
südwestlich von Indien im Indischen Ozean. Die Flugzeit bis Berlin beträgt mehr
als zehn Stunden. Die Malediven haben nur etwa 400.000 Einwohner, die
weitestgehend muslimisch geprägt sind. Das Bruttoinlandsprodukt beläuft sich
auf 7,64 Milliarden USD von denen 110 Millionen USD zur Verteidigung abgezweigt
werden. Die 4.000 aktiven Militärangehörigen sich hauptsächlich auf die Marine
und den Küstenschutz verteilt. Die kleine maledivische Luftwaffe hat keine
Flugzeuge, sondern arbeitet mit türkischen Drohnen. Die Malediven unterhalten
gute Beziehungen zu China, aber auch zum US-Militär.
Seit vielen Jahren
engagieren sich die Malediven im Umweltschutz, weil deren Inselgruppe
maßgeblich von Klimawandel und Anstieg des Meeresspiegels betroffen sein wird.
Es ist anzunehmen, dass auch dieses Thema neben dem Tourismus aus Deutschland
Gegenstand der Gespräche zwischen Mohamed Muizzu und Frank-Walter Steinmeier
sein wird.
Vor 20 Jahren
starb Johannes Rau. Er war von 1999 bis 2004 Bundespräsident. Wegen seines
klaren Bekenntnisses zum Christentum wurde er zuweilen auch als „Bruder
Johannes“ bezeichnet. Während die CDU eine starke Fraktion von Katholiken
beheimatet, finden sich in der SPD die Protestanten. So ist es kaum
verwunderlich, dass an der heutigen Kranzniederlegung auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte neben dem amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (SPD) weitere SPD-Politiker teilgenommen
haben.
Die
Kranzniederlegung war ein guter Anlass, noch einmal das Wirken von Johannes Rau
ins Gedächtnis zu rufen. Er war als Politiker der alten Schule im Gedächtnis
geblieben und Bürger, die ihn noch bewusst erlebt hatten waren erschrocken,
dass er nun schon 20 Jahre tot ist. Statt einer Grabrede las die Witwe des
Präsidenten a.D. die Tagesverse aus der Herrnhuter Losung vor. Auf seinem
Grabstein ist der provokante Vers zu lesen: „Dieser war auch mit dem Jesus von
Nazareth.“ Im Kontext geht es um Petrus, der sich aus der Ferne die
Verurteilung von Jesus anschaut und plötzlich als dessen Anhänger erkannt wird.
Kurz darauf hat Petrus so getan, als kenne er Jesus nicht.
Heute fand der traditionelle Neujahrsempfang des
Diplomatischen Korps bei Bundespräsident Steinmeier statt.
Bei weit über 100 diplomatischen Vertretungen und
internationalen Organisationen kann allein schon das Defilee mehr als eine Stunde dauern. Normalerweise wird die Begrüßungszeremonie durch den Doyen des
Diplomatischen Korps angeführt und erfolgt dann in der Reihenfolge ihrer
Akkreditierung. Bei der Akkreditierung kommt es neben dem Datum auch auf die
Uhrzeit an. Mitte Dezember 2025 waren noch die drei Botschafter aus Indonesien,
der Komoren und von São Tomé und Príncipe in ebendieser Reihenfolge akkreditiert
worden.
Dem Defilee schließen sich die Reden des Bundespräsidenten
und des Doyen an und gehen dann in ein kurzes Stehbankett über. Letzteres ist
im diplomatischen Dienst besonders wichtig, weil dort auf kurzem Wege so manch
eine wichtige Verabredung getroffen werden kann. Wenn ein Land diplomatische
Beziehungen zum Vatikan unterhält, wird der Doyen in der Regel durch den
„Apostolischen Nuntius des Heiligen Stuhls“ gestellt. Seit 2013 fungiert der
aus Kroatien stammende Erzbischof Nikola Eterovic als Doyen für das
Diplomatische Korps in Deutschland.
Heute besuchten 20 Sternsinger aus der Pfarrei St. Ewaldi in
Dortmund-Aplerbeck den Bundespräsidenten und seine Gattin im Schloss Bellevue.
Die Pfarrei gehört zum Erzbistum Paderborn. Die Kinder sammeln in diesem Jahr für
Kinder in Bangladesch. Auch der Bundespräsident übergab eine Spende.
Der 6. Januar wird von der katholischen Kirche als
Dreikönigstag gefeiert. Mit den drei Königen sind die "Weisen aus dem
Morgenland" oder richtiger übersetzt "Magier aus dem Osten"
gemeint, deren Besuch beim neugeborenen Jesus in Matthäus 2 beschrieben wird.
Später wurden daraus die drei Könige Kaspar (Anklang an das hebräische Wort für
Gold/Geld), Melchior (Anklang an das hebräische Wort für König) und Balthasar
(vom babylonischen Wort Schutz). Seit 68 Jahren gibt es das Sternsingen, bei
dem Kinder als Könige verkleidet durch die Straßen ziehen und Spenden für
Projekte und Hilfswerke sammeln. Dabei gehört es zur Tradition, auch das
Bundeskanzleramt und den Bundespräsidenten zu besuchen und dabei den Segen an
die Tür zu schreiben: 20*C+M+B+26. Die Auflösung dieser Seegensformel ist
folgende: 20...26 bedeutet das neue Jahr. CMB ist die Abkürzung für den
lateinischen Spruch "Christus mansionem benedicat!" (Christus segne
diese Wohnung). Wichtig ist auch die Anordnung der Zeichen zwischen den Zahlen
und Buchstaben: Zuerst wird ein Stern gesetzt, der die Geburt von Jesus
Christus symbolisiert und danach werden 3 Kreuze gesetzt, die sich auf seine Kreuzigung
beziehen.
Das Jahresende und der Neujahrsempfang des Diplomatischen
Korps nahen. So wurden heute noch drei neue Botschafter im Schloss Bellevue
akkreditiert. Diese bilden dann gemäß ihres Akkreditierungszeitpunktes den
Abschluss des Defilees. Bei etwa 130 diplomatischen Vertretungen in Deutschland
dauert das Händeschütteln zum Neujahrsempfang gerne mal eine Dreiviertelstunde.
Botschafter-Akkreditierungen stellen auch einen der komplexesten
protokollarischen Abläufe für das Wachbataillon dar. Ehrenzug, Ehrenposten und
Flaggenkommando müssen exakt aufeinander abgestimmt sein und zum richtigen
Zeitpunkt aufeinander reagieren. Heute war die 7. Kompanie, eine
Heereskompanie, eingesetzt. Das Zeremoniell je Botschafter dauert eine halbe
Stunde. Dass vier bis sechs Botschafter an einem Tag akkreditiert werden, ist
durchaus normal. Botschafter wechseln nach etwa drei Jahren – außer der
Apostolische Nuntius, der schon seit vielen Jahren den Vatikan vertritt und als
Doyen des Diplomatischen Korps fungiert.
Die Frauenquote lag heute bei null. Dafür kamen alle drei
Botschafter aus Regionen im Äquatorbereich: Indonesien, Komoren und São Tomé
und Príncipe. Botschafter Abdul Kadir Jailani aus der Republik Indonesien
eröffnete die Akkreditierungsserie. Indonesier sind besonders hartnäckig in der
Forderung, endlich einmal ihre Hymne vom Stabsmusikkorps gespielt zu hören.
Leider wurde der passende Staatsbesuch im November 2025 abgesagt.
Indonesien hat über 280 Millionen Einwohner. Es liegt
zwischen Thailand und Australien. Die Flagge Indonesiens könnte mit der Flagge
Polens verwechselt werden. Die Farben sind allerdings vertauscht: Rot oben und
Weiß unten. Indonesien verfügt mit seinen 400.500 aktiven Soldaten über die
größte Streitmacht in Südostasien. Sie sind für die Innere Sicherheit und den
Kampf gegen den Terrorismus zuständig. Beim Kampf gegen den IS gab es eine enge
Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten. Auch das Engagement Chinas im Südchinesischen
Meer haben dazu geführt, dass die Staaten der Region erhöhte Präsenz zeigen und
miteinander kooperieren – auch über religiöse Befindlichkeiten hinweg.
Mit dem nächsten Botschafter, Mohamed Chatur Badaoui von der
Union der Komoren, gehen wir westwärts auf dem Globus. Die Inselgruppe der
Union der Komoren liegt zwischen der Nordspitze Madagaskars und dem nördlichen
Mosambik. Bis 1975 war es eine französische Kolonie und wurde dann von
islamischen Kräften übernommen. Seitdem gibt es dort immer wieder bewaffnete Putsche,
die aber lediglich das Personal an der Regierungsspitze verschieben. Die
Komoren zählen weniger als eine Million Einwohner. Von daher ist es
verständlich, dass sie keine eigene Botschaft in Deutschland unterhalten,
sondern die europäischen Beziehungen von Frankreich aus bearbeitet werden. Für
komorische Botschaftsangehörige gibt es also auch kein deutsches
Diplomatenkennzeichen.
Mit José Cardoso dos Ramos Cassandra aus der Demokratischen
Republik São Tomé und Príncipe überspringen wir den afrikanischen Kontinent
westwärts und landen auf einer Inselgruppe vor Gabun und Äquatorialguinea. Die
Inselgruppe stand von 1471 bis 1975 unter portugiesischer Herrschaft.
Portugiesisch ist auch heute noch die Amtssprache. Die Bevölkerung ist ethnisch
stark durchmischt und weist ein erhebliches Wachstum auf. Waren es vor 75
Jahren nur etwa 60.000 Einwohner, so ist deren Zahl inzwischen auf 200.000
angestiegen.
Auch José Cardoso dos Ramos Cassandra vertritt sein Land in
mehreren Staaten Europas. Deshalb gibt es auch für Botschaftsfahrzeuge aus São
Tomé und Príncipe kein deutsches Diplomatenkennzeichen.