Freitag, 15. Mai 2026

7 Interviews zum Thema „Soldat und Politiker“

Immer wieder begegnen wir Politikern, die bei Apellen in Uniform auftauchen oder bei passender Gelegenheit von ihrer Bundeswehrvergangenheit berichten. Dem wollten wir nachgehen und haben sieben Politiker befragt, wie die Wechselwirkung militärischer Erfahrung mit der Arbeit in der Politik harmoniert.


Um ein ausgewogenes Verhältnis der Parteienlandschaft darzustellen, kommen vier Politiker der Regierungsparteien und drei der Opposition zu Wort. Die Linke war zwar auch eingeladen, hat aber abgesagt. Die Interviewpartner in alphabetischer Reihenfolge sind:

Stefan Bley, CDU, Oberstleutnant der Reserve, Bezirksstadtrat

Hannes Gnauck, AfD, Oberfeldwebel außer Dienst, Mitglied des Bundestages

Dr. Timur Husein, CDU, Obergefreiter der Reserve, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses

Lucas Koppehl, SPD, Kapitänleutnant d. R., Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold

Dr. Tobias Lindner, Grüne, Oberleutnant d. R. InfoDVag, Staatsminister a.D. im Auswärtigen Amt

Rüdiger Lucassen, AfD, Oberst i.G. außer Dienst, Mitglied des Bundestages

Alexander Slotty, SPD, Oberleutnant der Reserve, Staatssekretär und Amtschef


Und das sind die Fragen an alle Gesprächspartner:

Was war Ihre Motivation, nach dem aktiven Dienst in die Politik zu gehen?

Was ist Ihre Motivation, weiter in der Reserve zu dienen?

Wie verbinden Sie Politik und Bundeswehr?

Wie nützlich ist Ihre Bundeswehrerfahrung im politischen Tagesgeschäft?

Wie stehen Sie zum Nationalen Sicherheitsrat?

Was halten Sie von Katastrophenschutz und Amtshilfe?

Was halten Sie von Gesamtverteidigung? Was könnte noch getan werden?


Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 13. Mai 2026

Feierliches Gelöbnis beim Kommando ZMZ in Nienburg

Heute Nachmittag fand im Stadion von Nienburg/Weser ein Feierliches Gelöbnis von Rekruten des Kommandos Zivil-Militärische Zusammenarbeit (KdoZMZBw), des Bataillons Elektronische Kampfführung 912 und des Jägerbataillons 91 statt.


Die zivil-militärische Zusammenarbeit ist in Deutschland ein leidiges Thema. Ursprünglich war das Bundeskanzleramt dafür zuständig. In der Ära Merkel wurde dem aber kaum Bedeutung beigemessen, obwohl das BMVg schon 2016 vor einer hybriden Bedrohungslage sprach. Bei den Treffen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, kurz BOS oder Blaulichtorganisationen genannt, schichte das Kanzleramt irgendwelche Praktikanten und demonstrierte damit sein Desinteresse. Um der Lustlosigkeit zu begegnen, wurde die Zuständigkeit an das Bundesinnenministerium (BMI) übertragen, wo es seitdem etwas besser lief und zumindest die BOS unter einen Hut gebracht wurden.

Aber auch das BMI kommt nicht wirklich in die Puschen, so dass das BMVg und die Bundeswehr immer wieder als Treiber fungieren – auch wenn sie gar nicht zuständig sind. Der außenstehende Bürger verortet die Zuständigkeit schon bei der Bundeswehr. Ist diese doch seit Jahren als Retter in der Not aufgetreten und hatte im Rahmen der Amtshilfe im Ahrtal oder in der Pandemie geholfen.

Das heutige Kommando ZMZ wurde 2003 als CIMIC Bataillon 100 aufgestellt und über die Jahre mehrfach umstrukturiert. CIMIC ist die englische Version des ZMZ und ist inzwischen mit einem anderen Inhalt gefüllt. Während sich ZMZ mit innerdeutscher Zusammenarbeit beschäftigt, geht es bei CIMIC um internationale oder einsatzbezogene zivil-militärische Zusammenarbeit. Beim nach wie vor geheimen OPLAN Deutschland kommen ZMZ und CIMIC zum Einsatz, da sich nationale und internationale Zuständigkeiten überschneiden.

Dass zivil-militärische Zusammenarbeit innerhalb der BOS funktioniert, haben Bundeswehr und Blaulichtorganisationen bereits mehrfach unter beweis gestellt. Die entsprechenden Übungen werden mehr und intensiver. Eine erste Übung dieser Art hatten wir im Sommer 2023 in der Oberlausitz begleitet. Im Juni 2026 wird es die Übung „CIMIC Quadriga 2026“ geben, bei der der Suwalki-Gap, der geografische Flaschenhals zwischen Polen und Litauen, maßstabsgetreu in Deutschland nachgebaut und zivil-militärische beübt wird. An der Übung nehmen verschiedene NATO-Staaten teil, die sich mit echten zivilen Stellen über die Sprachbarrieren hinweg koordinieren müssen.

Apropos Gap (Lücke): Eine große Lücke gibt es noch zwischen den immer besser eingespielten BOS auf der einen Seite und der Zivilbevölkerung auf der anderen Seite. Diese Lücke wird so langsam geschlossen, aber eben sehr langsam. Das passiert durch die Sichtbarkeit der Bundeswehr im öffentlichen Raum wie zum Beispiel der Bahn oder die Auftritte des Verteidigungsministers oder Situationen wie der Stromausfall zum Jahreswechsel in Berlin. Dennoch ist hier viel zu tun. Auch die Presse wird nur halbherzig zur Berichterstattung über das Thema Gesamtverteidigung animiert. Das Kommando ZMZ bemüht sich hier um eine Verbesserung, stößt aber aufgrund seiner geografischen Lage und fehlender Netzwerke an seine Grenzen. Gesamtverteidigung geht uns alle an und das BMI müsste aufgrund seiner Zuständigkeit das Thema forcieren.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 8. Mai 2026

81 Jahre Kriegsende – Kranzniederlegungen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Auch an diesem 8. Mai wurde des Endes des Zweiten Weltkriegs gedacht. Der Landesverband Berlin des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. führte seine erste Gedenkstunde an diesem Tag zusammen mit dem Bezirk Spandau auf dem Friedhof In den Kisseln durch.


Nach drei Ansprachen, die durch Musikstücke des "Trio Marschwind" des Heeresmusikkorps Neubrandenburg untermalt worden waren, ging es zum großen Kreuz inmitten der Kriegsgräberfläche. Pfarrer Thorsten Daum und Superintendent Florian Kunz lasen einen Text aus der Bibel, beteten und sprachen den Segen. Anschließend gab es eine Gedenkminute, die zur Verlesung der auf diesem Friedhof beigesetzten Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung überleitete.

Um den 8. Mai 2026 herum führt der Landesverband des Volksbundes mindestens sechs Veranstaltungen durch. Die wenigen hauptamtlichen Mitarbeiter werden tatkräftig durch ehrenamtliche Mitglieder und Helfer unterstützt – darunter viele Jugendliche und Angehörige der Bundeswehr.

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 30. April 2026

Das Heer stellt seine zukünftige Kampfweise im Verbund von bewährten Waffen und Drohnen vor

Zurzeit stellt das Heer auf dem Truppenübungsplatz Munster seine zukünftige Kampfweise vor. Wer das Gefechtsschießen bei den ILÜs (Informationslehrübungen) im Gedächtnis hat, wird mit verschiedenen Neuerungen überrascht. Es sind nicht nur die neuen Module für den GTK Boxer, sondern auch Unmengen an Drohnen: Landdrohnen mit schweren Maschinengewehren, Landdrohnen mit Transportfunktion, Landdrohnen als Basis für Drohnenschwärme, große Aufklärungsdrohnen, kleine Aufklärungsdrohnen, Drohnen zum Minenlegen oder Drohnen als Loitering Munition (warten auf das Vorbeikommen eines Ziels).


All diese neuen Gerätschaften, aber auch altbewährte Systeme wie die Panzerhaubitze 2000, der Wiesel, der Leopard 2, der Puma, der Tiger und der Fuchs werden im zukünftigen Gefecht eingesetzt. Nur eben anders und gemäß der sich wandelnden Situation auf dem Gefechtsfeld. Es geht um billige Masse, um Abstand, um Präzision und um Geschwindigkeit. Dass einzelne Waffensystem, wie groß und laut es auch sein mag, geht im Verbund der Waffen auf. Man könnte es mit einem Orchester vergleichen, welches auch nur im Zusammenspiel einen guten Klang entfaltet und einzelne Instrumente nur punktuell aus der Teamarbeit hervortreten.

Da das Gefechtsfeld inzwischen sehr transparent geworden ist, müssen Schutzschirme aufgebaut werden, die die eigenen Kräfte in verschiedenen Dimensionen und Höhen absichern. Dabei ist der Gegner möglichst auf Abstand zu halten. Hier kommen Abstandswaffen wie die bewährte Panzerhaubitze 2000, der fernsteuerbare RCH155 (Artillerie auf GTK Boxer) oder der Raketenwerfer MARS II zum Einsatz. Letzterer hat eine Kampfentfernung von bis zu 84 Kilometern bei einer hohen Trefferwahrscheinlichkeit. Rückt der Feind näher, werden ihm zunächst unbemannte Systeme entgegengeschickt. Ist das Areal gesichert, folgen die bemannten Kräfte. Besonders kritisch und tödlich ist es, wenn sich der eigene Schutzschirm mit dem des Gegners überschneidet. Hier kommt es auf Geschwindigkeit bei Erfassung des Lagebildes, Entscheidung und schneller, präziser Wirkung auf die vulnerablen Punkte der Gegenseite an.

Das Heer hat sich sehr genau die Entwicklungen in der Ukraine angeschaut. Nachdem viele Ukrainer in Deutschland ausgebildet worden waren, greift die Bundeswehr inzwischen auf deren Fronterfahrung zurück und profitiert von deren Wissen. Auch die Rüstungsindustrie klinkt sich in die innovativen Entwicklungen der Ukrainer ein. So kehrt das jahrelange Investment nach Deutschland zurück.

Weitere Infos zum Campaign Plan Heer 2035+: https://www.btb-concept.de/bild/Heer_Plan_2025_20260424.pdf

Pressebegegnung mit Generalleutnant Dr. Freuding: https://youtu.be/i6hG9InofaI

Pressestatement von Bundeskanzler Friedrich Merz: https://youtu.be/h9c2IN4vyJ8

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 28. April 2026

Die Deutschen und die Atombombe

Der Titel „Die Deutschen und die Atombombe“ fasst das Buch sehr gut zusammen. Ob Sowjets, Amerikaner, Pakistan, Irak, Iran oder andere Staaten – Deutsche waren immer an deren Atomprogramm beteiligt. Zuerst waren es Wissenschaftler und Ingenieure, die Expertise geliefert hatten. Später waren es deutsche Firmen, die wichtige Teile liefern konnten. Die Ambitionen waren sehr unterschiedlich und gingen vom Forscherdrang über ideologische Triebkräfte bis hin zu wirtschaftlichen Interessen. Auch Spionage spielte eine große Rolle.



Der Autor beginnt in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und führt den Leser auf unterhaltsame, flüssig geschriebene Weise durch die Entwicklung der letzten 90 Jahre. Da er selbst an wichtigen Schnittstellen der Sicherheitspolitik eingesetzt war und über ein entsprechend breites Netzwerk verfügt, bewegen sich die Schilderungen nicht im Bereich der Mutmaßung, sondern haben Hand und Fuß, sind in sich schlüssig und bieten dem geneigten Leser ein erhebliches Maß an Erkenntnisgewinn. Auch der Laie weiß nach dem lesen, wie sich das mit der Urananreicherung verhält, welche Rolle Plutonium spielt und wie wichtig die „Moderation“ des Kernspaltungsprozesses ist. Das Buch ist bis zum Ende spannend, da es ungeschönt die letzten 20 Jahre Regierungspolitik und deren eklatante Fehleinschätzungen seziert.

Das Buch muss auch die Generalität der Bundeswehr beeindruckt haben. Immerhin war es bei einer Tagung der Clausewitz-Gesellschaft empfohlen worden.

Autor: Matthias Baumann