Donnerstag, 16. April 2026

Irlands Taoiseach Micheál Martin zum Antrittsbesuch in Berlin

Heute wurde der Taoiseach der Republik Irland, Micheál Martin, mit militärischen Ehren zu seinem Antrittsbesuch im Bundeskanzleramt begrüßt. Seit einigen jahren ist die Eigenart zu beobachten, dass Fremdwörter statt der übersetzten Bezeichnungen verwendet werden. Taoiseach wird in etwa „Tie-Schach“ ausgesprochen mit Regierungschef oder Premierminister übersetzt.


Micheál Martin ist 65 Jahre alt und seit 1985 in der Politik tätig. Er ist liberal-konservativ und hat sich über die Jahre durch die politischen Instanzen hochgearbeitet. Er war Gesundheitsminister und leitete das Außenministerium. Von 2020 bis 2022 war er bereits Premierminister und wurde 2025 erneut in dieses Amt berufen. Privat hatte er einige Herausforderungen zu meistern: zwei seiner fünf Kinder waren 2000 und 2010 und aus gesundheitlichen Gründen verstorben.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 15. April 2026

53. Treffen der Ukraine Defense Contact Group UDCG in Berlin

Heute fand im Bendlerblock das 53. Ministertreffen der Ukraine Defense Contact Group (UDCG) statt. Daran nahmen Verteidigungsminister Boris Pistorius, NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der britische Verteidigungsminister John Healey und der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Federov teil.


Bei diesen Treffen ist es üblich, dass sich die anwesenden Minister in verschiedenen Kombinationen austauschen: bilateral, trilateral oder multilateral und dann die Ergebnisse des jeweiligen Treffens zusammenfassen.

Das erste Treffen dieses Koordinierungsgremiums für die materielle Unterstützung der Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen Russland fand am 26. April 2022 in Ramstein statt. Es war von den USA initiiert worden und hieß zunächst Ramstein-Format. Im Laufe der Zeit wurde es in Ukraine Defense Contact Group (UDCG) umbenannt und seit April 2025 unter deutsch-britischem Vorsitz durchgeführt. Normalerweise tagt die UDCG im NATO-Hauptquartier in Brüssel. Es wird jedoch ausdrücklich betont, dass die UDCG kein NATO-Gremium ist. Inzwischen gehören 50 westliche Nationen zum Unterstützerkreis der UDCG.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 13. April 2026

Tradition und Brauchtum des Wachbataillons

Im März 2026 wurde die neue Militärgeschichtliche Sammlung (MGS) im Stabsgebäude des Wachbataillons in der Julius-Leber-Kaserne eröffnet. Diese konzentriert sich auf zwei Räume, einen Flur und das Treppenhaus. Sie ist in vier Kapitel eingeteilt, die sich mit allgemeinen Betrachtungen von Garden, deren Besonderheiten wie das Gardemaß, mehr oder weniger tradierenden Persönlichkeiten, Zeitachsen und der fast 70-jährigen Geschichte des heutigen Wachbataillons beschäftigen. Bei einer Begehung der Ausstellung erklärt der Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Maik Teichgräber, das Traditionsverständnis seines Verbandes und die Identität stiftende Neubelebung des Schlachtrufs „Semper talis!“:


Bis vor zehn Jahren stand beim Wachbataillon noch die Traditionslinie zum Ersten Garderegiment zu Fuß (EGRzF) im Raum. Dieses Regiment war 1806 nach der Niederlage gegen Napoleon aufgestellt worden. Die Kaserne des EGRzF lag gegenüber der Garnisonkirche in Potsdam. 1819 wurde das Infanterie-Lehrbataillon gegründet und dem Ersten Garderegiment zu Fuß unterstellt. Dieses Elitebataillon hatte nicht nur Schutz- und Repräsentationsaufgaben, sondern durfte auch sämtliche neuen Waffen und Taktiken erproben. 1820 führte König Friedrich Wilhelm III. das Schrippenfest ein. Das Schrippenfest diente der Gemeinschaftsförderung zwischen den Familien der Soldaten. Hier konnten sich die Angehörigen mal so richtig sattessen.

Bis 2019 wurde das Schrippenfest auch noch mit viel Aufwand durch das Wachbataillon gestaltet. Zunehmender Personalmangel, reger Personalwechsel und letztlich auch die mehrjährigen Einschränkungen durch COVID führten zu Zäsuren bei der Pflege von Tradition und Brauchtum. Deshalb wurde ab 2023 überlegt, wie man Identität stiftend und zeitgemäß unter Einbeziehung des Traditionserlasses von 2018 mit den preußischen Exponaten von Möllendorff-Degen über alte Gemälde, Pickelhauben und Grenadiersmützen bis hin zu kunstvoll gestalteten Truppenfahnen umgehen könne. Auch wurde über den Schlachtruf „Semper talis!“ (immer gleich) diskutiert. Das Ergebnis wird nun einerseits in der Ausstellung präsentiert und andererseits in die politische Bildung des Verbandes integriert. Die Buchstaben von "Semper talis!" wurden mit Identität stiftenden Begriffen untermauert und statt des Schrippenfestes gibt es seit einigen Jahren das wesentlich kleiner gestaltete Bataillonsfest, das nach Innen wirkt und dem Zusammenhalt des Verbandes inklusive dessen Familienangehöriger dient.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 6. April 2026

16K3-Märsche erinnern an das Karfreitagsgefecht von 2010

Am Osterwochenende fanden bundesweit Märsche zum Gedenken an das Karfreitagsgefecht von 2010 statt. Das war vor 16 Jahren. Auf diese 16 Jahre bezieht sich die „16“ in „16K3“. Man war bestrebt, eine Marschstrecke von 16 Kilometern Länge mit 16 Kilogramm Gepäck zu absolvieren. Das „K“ in „16K3“ steht für Karfreitag und die „3“ für die drei gefallenen Bundeswehrsoldaten.


Am 2. April 2010 – es war Karfreitag – wurden 34 Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 373 aus Seedorf beauftragt, Sprengfallen aufzuklären und diese zu beseitigen. Bei Isa Khel, südwestlich von Kunduz, gerieten sie in einen komplexen Hinterhalt der Taliban. Das Gefecht dauerte acht Stunden. Dabei gab allein die Bundeswehr 25.000 Schuss ab. Am Ende gab es viele Schwerverletzte und Tote – darunter auch die drei Bundeswehrsoldaten Hauptfeldwebel Nils Bruns, Stabsgefreiter Robert Hartert und Hauptgefreiter Martin Augustyniak.

Weitere Infos:
https://zms.bundeswehr.de/de/mediathek/afghanistan-dossier-karfreitagsgefecht-5746712

Das Karfreitagsgefecht war ein Einschnitt in der Wahrnehmung der Auslandseinsätze, die in Deutschland bislang eher als humanitäre Aktionen mit Brückenbau und Brunnenbohrung verkauft wurden. In der Folge wurden Ehrenhaine errichtet und Druck bezüglich der stark vernachlässigten Veteranen- und Gedenkkultur aufgebaut. 2025 fand dann sogar der erste Nationale Veteranentag statt.

Seit 2020 gibt es die Märsche zum Gedenken an das Karfreitagsgefecht: 10K3, 11K3, 12K3 bis 16K3 in 2026. Wer schon mehrfach teilgenommen hatte, trägt stolz den Patch der Vorjahre an der Kleidung oder dem Rucksack. Die Märsche sind so unterschiedlich wie die Schwerpunkte der Veteranenvereinigungen. So kann es Märsche mit Motorrad, zu Fuß oder per Fahrrad geben. Die Teilnehmer sind Veteranen, aktive Soldaten, Reservisten, Familienangehörige, ausländische Kameraden und am Thema interessierte Bürger. Letzteren gilt besonderes Augenmerk, da Gesamtverteidigung nur dann funktioniert, wenn auch die zivile Seite der Bevölkerung, die keinen Bezug zu Blaulichtorganisationen oder der Bundeswehr hat, eingebunden wird.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 30. März 2026

Syrischer Übergangspräsident Ahmed al Sharaa zu Gesprächen in Berlin empfangen

Pünktlich zum Neun-Uhr-Glockenschlag für der syrische Übergangspräsident Ahmed al Sharaa am Schloss Bellevue vor. Die Begrüßung war nur mäßig herzlich und man sah dem Bundespräsidenten die Anspannung an. Es gab auch keinen Handschlag für die Fotografen auf dem roten Teppich am Schlossportal.


Etwas gelockerter ging es ab 12.30 Uhr im Bundeskanzleramt zu. Friedrich Merz hatte sich auf seinen Gast eingestellt und ihn nach der Begrüßung am Eingang erst einmal die gute Aussicht auf das östliche Berlin von seiner Terrasse aus gezeigt. Anschließend gab es ein gemeinsames Mittagessen und Gespräche. Parallel wurden Wirtschaftsvereinbarungen mit Siemens und dem Baustoffkonzern Knauf unterzeichnet.


Wegen der vielen bilateralen Themen begann die Pressekonferenz deutlich später als geplant. Hauptthema der Eingangserklärungen war „Rückkehr“ der syrischen Flüchtlinge in ihre Heimat. Auch der syrische Übergangspräsident wünscht sich die Rückkehr, da ihm knapp eine Million Einwohner und entsprechende Arbeitskräfte für den Wiederaufbau seines Landes fehlen. Er bedankte sich bei Deutschland für die Gastfreundschaft und einigte sich laut Aussage des Kanzlers über eine Rückführung von 80 Prozent der Syrer innerhalb von drei Jahren. Begonnen werde solle jedoch mit seinen mehr als 114.000 straffällig gewordenen Landsleuten.

Menschenrechtsorganisationen wie „PEL-Civil Waves“ und „Adopt a Revolution“ sehen diese schnelle Rückkehr kritisch, da Syrien derzeit wie Deutschland 1945 aussehe und die politische Situation zunehmend in eine totalitäre Richtung abgleite. Beide Organisationen fordern politische Teilhabe der Gesamtgesellschaft und freie Wahlen. Die Bereitschaft zum Wiederaufbau sei groß und der Vernetzungsgrad innerhalb der Gesellschaft sei ein tragfähiges Fundament für die demokratische Entwicklung. Das Ausland müsse das jedoch durch finanzielle und praktische Hilfen sowie politischen Druck flankieren.

Autor: Matthias Baumann