Heute wurde der Taoiseach der Republik Irland, Micheál
Martin, mit militärischen Ehren zu seinem Antrittsbesuch im Bundeskanzleramt
begrüßt. Seit einigen jahren ist die Eigenart zu beobachten, dass Fremdwörter
statt der übersetzten Bezeichnungen verwendet werden. Taoiseach wird in etwa „Tie-Schach“
ausgesprochen mit Regierungschef oder Premierminister übersetzt.
Micheál Martin ist 65 Jahre alt und seit 1985 in der Politik
tätig. Er ist liberal-konservativ und hat sich über die Jahre durch die politischen
Instanzen hochgearbeitet. Er war Gesundheitsminister und leitete das Außenministerium.
Von 2020 bis 2022 war er bereits Premierminister und wurde 2025 erneut in dieses
Amt berufen. Privat hatte er einige Herausforderungen zu meistern: zwei seiner fünf
Kinder waren 2000 und 2010 und aus gesundheitlichen Gründen verstorben.
Heute fand im Bendlerblock das 53. Ministertreffen der Ukraine
Defense Contact Group (UDCG) statt. Daran nahmen Verteidigungsminister Boris
Pistorius, NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der britische Verteidigungsminister
John Healey und der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Federov teil.
Bei diesen Treffen ist es üblich, dass sich die anwesenden
Minister in verschiedenen Kombinationen austauschen: bilateral, trilateral oder
multilateral und dann die Ergebnisse des jeweiligen Treffens zusammenfassen.
Das erste Treffen dieses Koordinierungsgremiums für die
materielle Unterstützung der Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen Russland fand
am 26. April 2022 in Ramstein statt. Es war von den USA initiiert worden und
hieß zunächst Ramstein-Format. Im Laufe der Zeit wurde es in Ukraine Defense
Contact Group (UDCG) umbenannt und seit April 2025 unter deutsch-britischem
Vorsitz durchgeführt. Normalerweise tagt die UDCG im NATO-Hauptquartier in
Brüssel. Es wird jedoch ausdrücklich betont, dass die UDCG kein NATO-Gremium
ist. Inzwischen gehören 50 westliche Nationen zum Unterstützerkreis der UDCG.
Im März 2026 wurde die neue Militärgeschichtliche Sammlung (MGS)
im Stabsgebäude des Wachbataillons in der Julius-Leber-Kaserne eröffnet. Diese
konzentriert sich auf zwei Räume, einen Flur und das Treppenhaus.
Sie ist in vier Kapitel eingeteilt, die sich mit allgemeinen Betrachtungen von
Garden, deren Besonderheiten wie das Gardemaß, mehr oder weniger tradierenden
Persönlichkeiten, Zeitachsen und der fast 70-jährigen Geschichte des heutigen
Wachbataillons beschäftigen. Bei einer Begehung der Ausstellung erklärt der
Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Maik Teichgräber, das
Traditionsverständnis seines Verbandes und die Identität stiftende Neubelebung
des Schlachtrufs „Semper talis!“:
Bis vor zehn Jahren stand beim Wachbataillon noch die
Traditionslinie zum Ersten Garderegiment zu Fuß (EGRzF) im Raum. Dieses
Regiment war 1806 nach der Niederlage gegen Napoleon aufgestellt worden. Die
Kaserne des EGRzF lag gegenüber der Garnisonkirche in Potsdam. 1819 wurde das
Infanterie-Lehrbataillon gegründet und dem Ersten Garderegiment zu Fuß
unterstellt. Dieses Elitebataillon hatte nicht nur Schutz- und
Repräsentationsaufgaben, sondern durfte auch sämtliche neuen Waffen und
Taktiken erproben. 1820 führte König Friedrich Wilhelm III. das Schrippenfest
ein. Das Schrippenfest diente der Gemeinschaftsförderung zwischen den Familien
der Soldaten. Hier konnten sich die Angehörigen mal so richtig sattessen.
Bis 2019 wurde das Schrippenfest auch noch mit viel Aufwand
durch das Wachbataillon gestaltet. Zunehmender Personalmangel, reger Personalwechsel
und letztlich auch die mehrjährigen Einschränkungen durch COVID führten zu
Zäsuren bei der Pflege von Tradition und Brauchtum. Deshalb wurde ab 2023
überlegt, wie man Identität stiftend und zeitgemäß unter Einbeziehung des Traditionserlasses von 2018 mit
den preußischen Exponaten von Möllendorff-Degen über alte Gemälde, Pickelhauben
und Grenadiersmützen bis hin zu kunstvoll gestalteten Truppenfahnen umgehen könne. Auch wurde über den Schlachtruf „Semper talis!“ (immer gleich)
diskutiert. Das Ergebnis wird nun einerseits in der Ausstellung präsentiert und
andererseits in die politische Bildung des Verbandes integriert. Die Buchstaben von "Semper talis!" wurden mit Identität stiftenden Begriffen untermauert und statt des Schrippenfestes gibt es seit einigen Jahren das wesentlich kleiner gestaltete Bataillonsfest, das nach Innen wirkt und dem Zusammenhalt des Verbandes inklusive dessen Familienangehöriger dient.
Am Osterwochenende fanden bundesweit Märsche zum Gedenken an
das Karfreitagsgefecht von 2010 statt. Das war vor 16 Jahren. Auf diese 16 Jahre
bezieht sich die „16“ in „16K3“. Man war bestrebt, eine Marschstrecke von 16
Kilometern Länge mit 16 Kilogramm Gepäck zu absolvieren. Das „K“ in „16K3“
steht für Karfreitag und die „3“ für die drei gefallenen Bundeswehrsoldaten.
Am 2. April 2010 – es war Karfreitag – wurden 34 Soldaten
des Fallschirmjägerbataillons 373 aus Seedorf beauftragt, Sprengfallen aufzuklären
und diese zu beseitigen. Bei Isa Khel, südwestlich von Kunduz, gerieten sie in
einen komplexen Hinterhalt der Taliban. Das Gefecht dauerte acht Stunden. Dabei
gab allein die Bundeswehr 25.000 Schuss ab. Am Ende gab es viele
Schwerverletzte und Tote – darunter auch die drei Bundeswehrsoldaten Hauptfeldwebel
Nils Bruns, Stabsgefreiter Robert Hartert und Hauptgefreiter Martin Augustyniak.
Das Karfreitagsgefecht war ein Einschnitt in der Wahrnehmung
der Auslandseinsätze, die in Deutschland bislang eher als humanitäre Aktionen mit
Brückenbau und Brunnenbohrung verkauft wurden. In der Folge wurden Ehrenhaine
errichtet und Druck bezüglich der stark vernachlässigten Veteranen- und
Gedenkkultur aufgebaut. 2025 fand dann sogar der erste Nationale Veteranentag
statt.
Seit 2020 gibt es die Märsche zum Gedenken an das
Karfreitagsgefecht: 10K3, 11K3, 12K3 bis 16K3 in 2026. Wer schon mehrfach
teilgenommen hatte, trägt stolz den Patch der Vorjahre an der Kleidung oder dem
Rucksack. Die Märsche sind so unterschiedlich wie die Schwerpunkte der
Veteranenvereinigungen. So kann es Märsche mit Motorrad, zu Fuß oder per
Fahrrad geben. Die Teilnehmer sind Veteranen, aktive Soldaten, Reservisten,
Familienangehörige, ausländische Kameraden und am Thema interessierte Bürger.
Letzteren gilt besonderes Augenmerk, da Gesamtverteidigung nur dann
funktioniert, wenn auch die zivile Seite der Bevölkerung, die keinen Bezug zu
Blaulichtorganisationen oder der Bundeswehr hat, eingebunden wird.
Pünktlich zum Neun-Uhr-Glockenschlag für der syrische
Übergangspräsident Ahmed al Sharaa am Schloss Bellevue vor. Die Begrüßung war
nur mäßig herzlich und man sah dem Bundespräsidenten die Anspannung an. Es gab
auch keinen Handschlag für die Fotografen auf dem roten Teppich am
Schlossportal.
Etwas gelockerter ging es ab 12.30 Uhr im Bundeskanzleramt
zu. Friedrich Merz hatte sich auf seinen Gast eingestellt und ihn nach der Begrüßung
am Eingang erst einmal die gute Aussicht auf das östliche Berlin von seiner Terrasse
aus gezeigt. Anschließend gab es ein gemeinsames Mittagessen und Gespräche.
Parallel wurden Wirtschaftsvereinbarungen mit Siemens und dem Baustoffkonzern
Knauf unterzeichnet.
Wegen der vielen bilateralen Themen begann die
Pressekonferenz deutlich später als geplant. Hauptthema der Eingangserklärungen
war „Rückkehr“ der syrischen Flüchtlinge in ihre Heimat. Auch der syrische
Übergangspräsident wünscht sich die Rückkehr, da ihm knapp eine Million
Einwohner und entsprechende Arbeitskräfte für den Wiederaufbau seines Landes
fehlen. Er bedankte sich bei Deutschland für die Gastfreundschaft und einigte
sich laut Aussage des Kanzlers über eine Rückführung von 80 Prozent der Syrer
innerhalb von drei Jahren. Begonnen werde solle jedoch mit seinen mehr als 114.000
straffällig gewordenen Landsleuten.
Menschenrechtsorganisationen wie „PEL-Civil Waves“ und „Adopt
a Revolution“ sehen diese schnelle Rückkehr kritisch, da Syrien derzeit wie
Deutschland 1945 aussehe und die politische Situation zunehmend in eine
totalitäre Richtung abgleite. Beide Organisationen fordern politische Teilhabe
der Gesamtgesellschaft und freie Wahlen. Die Bereitschaft zum Wiederaufbau sei
groß und der Vernetzungsgrad innerhalb der Gesellschaft sei ein tragfähiges
Fundament für die demokratische Entwicklung. Das Ausland müsse das jedoch durch
finanzielle und praktische Hilfen sowie politischen Druck flankieren.