Dienstag, 3. November 2026

Berlin Security Conference 2026 mit Schwerpunkt Litauen

Heute und morgen findet die Berlin Security Conference (BSC) statt. Es ist gute Tradition, dass die BCS den Fokus auf einen Staat setzt, der gleichzeitig aktiv an der Gestaltung der Konferenz mitwirkt. Im letzten Jahr war es Schweden unter Beteiligung hochrangiger Gäste wie der Kronprinzessin. In diesem Jahr ist es Litauen, deren Präsident eigens dafür angereist. Vorab war er noch mit militärischen Ehren im Bundeskanzleramt begrüßt worden.


Wegen des Russland-Problems war Schweden der NATO beigetreten und Litauen baut seit Jahren aktiv seine Verteidigungsstrukturen aus. Deutschland leistet hier einen wichtigen Beitrag. In einigen Bereichen wie dem Konzept der Gesamtverteidigung sind Länder wie Schweden und Litauen deutlich weiter als Deutschland. Hier können wir noch viel lernen. Deutschland hole laut eines PwC-Analysten schnell auf, aber es gehe immer noch zu langsam. So wisse der Bürger in Deutschland bisher nicht, was seine Rolle im Falle eines Krieges oder einer größeren Krise sei. Taiwan beispielsweise bereitet seine Bevölkerung auf einen Angriff durch China vor und bedient sich dazu ähnlicher Mittel wie Schweden. Fei Fan Lin, der stellvertretende Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates Taiwans, zeigte dazu heute stolz das kleine Heft „In Case of Crisis“. Abschreckung sei nur dann glaubhaft, wenn der Gegner den Eindruck habe, dass die gesamte Gesellschaft wehrhaft reagiere.

Die BSC war noch nie so gut besucht wie heute. Da für den Nachmittag auch der ukrainische Präsident Selenskyj erwartet wurde, waren die Sicherheitsvorkehrungen auf die höchste Stufe gefahren worden. Wer einen Laptop oder eine Tasche dabeihatte, musste mit Wartezeiten bis zu 90 Minuten rechnen. Auch bei S-Bahn, U-Bahn, Tram und Autoverkehr gab es erhebliche Einschränkungen. Viele Berliner waren darauf nicht vorbereitet.

Als Selenskyj mit einiger Verspätung eintraf wurde er mit Standing Ovations und zahllose Handyaufnahmen empfangen. Der Saal war bis zum letzten Stehplatz gefüllt. Selenskyj zeigte sich sehr dankbar gegenüber den Unterstützern der Ukraine. Deutschland sei ein Garant für Freiheit und Stabilität in Europa. Allerdings erkenne er auch, dass die Bevölkerung in Deutschland nicht bereit sei für die aktuelle Phase des Krieges gegen den Westen. Man müsse mit Russland die gleiche Sprache sprechen, die es selbst anwende, weil es die Sprache der Diplomatie weder verstehe noch spreche.

Der Umgang mit Russland zog sich durch sämtliche Podiumsdiskussionen und Nebenveranstaltungen. Russland müsse auf hybride Maßnahmen ausweichen, da es die NATO auf konventionellem Wege nicht schlagen könne. Ein regelmäßig getesteter Punkt ist die Einheit innerhalb der NATO. Generalleutnant a.D. Ben Hodges plädierte dafür, das Problem endlich beim Namen zu nennen und nicht immer nur von „Grauzonen“ oder „hybridem Krieg“ zu reden: „Russland ist im Krieg mit dem Westen.“ NATO-General Ingo Gerhartz ging darauf ein, dass Europa immer unterstellt werde, es tue zu wenig. Das sei nicht richtig. Man führe Manöver an der Ostflanke durch und zeige Russland, dass man entschlossen und fähig sei, Kaliningrad einzunehmen, wenn es denn sein muss. Die Kosten für Russland müssen so in die Höhe getrieben werden, dass ein Angriff unattraktiv erscheint.

Das Programm der BSC ist umfangreich: Auf der Hauptbühne gibt es Diskussionsrunden zu Wachsamkeit, glaubhafter Abschreckung, Gesamtverteidigung unter Einbeziehung der gesamten Gesellschaft, Engagement an Nebenschauplätzen, Zusammenhalt in der NATO, hybride Sicherheitsszenarien und sich wandelnde gegnerische Akteure, militärische Fähigkeiten und Drohnen. Regional wird auf das Baltikum, das Mittelmehr und den Indo-Pazifik geschaut. Jede Teilstreitkraft der Bundeswehr hat hochkarätig besetzte Workshops. Und in den Pausen gibt es viel Gelegenheit zur Vernetzung. Militärattachés, die Rüstungsindustrie, Generale, Minister und Verteidigungsexperten sind hier auf engstem Raum zusammen und können sich gar nicht übersehen.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 2. November 2026

Britischer Verteidigungsminister Wes Streeting zum Antrittsbesuch empfangen

Am Nachmittag wurde der neue britische Verteidigungsminister, Wesley Paul William Streeting - kurz Wes Streeting – durch Boris Pistorius mit militärischen Ehren zu seinem Antrittsbesuch empfangen. Anschließend gab es Gespräche und eine Pressekonferenz.


Wes Streeting ist 43 Jahre alt, hat in Cambridge Geschichte studiert und ist seit 2015 Abgeordneter des britischen Unterhauses. Von 2024 bis 2026 war er Gesundheitsminister und seit Juli 2026 fungiert er als Verteidigungsminister. Entsprechend groß ist die Skepsis gegenüber seiner militärischen Kompetenz.

Dieses Defizit gleicht er damit aus, dass er eine klare Linie in der Verteidigungspolitik fährt und sich mit fachkundigem Personal umgibt. Schon Clausewitz plädierte vor mehr als 200 Jahren dafür, dass der Verteidigungsminister von einem Zivilisten geführt werde. Gleiches wurde noch einmal von den Gründungsvätern der Bundeswehr bekräftigt. Ein Verteidigungsminister muss in zwei Richtungen arbeiten: Erstens muss er die Truppe verstehen und einen guten Draht zu ihr aufbauen. Und zweitens muss er in der Politik gut vernetzt sein, um die Bedürfnisse der Truppe im Parlament durchzubekommen. Wes Streeting wird Durchsetzungsstärke nachgesagt, so dass er in diesem Amt durchaus brillieren könnte. Quellen aus dem militärisch-diplomatischen Umfeld bestätigen, dass er im britischen Verteidigungsministerium gut ankomme.

Mit Boris Pistorius hat er sich bereits in anderen Formaten getroffen und nun endlich den offiziellen Antrittsbesuch nachgeholt. Neben der Ukraine ging es bei dem Treffen um konkrete, gemeinsame Rüstungsprojekte.

Pressebegegnung mit Boris Pistorius und Wes Streeting im Originalton: https://youtu.be/Ejg0DnixO-Y

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Großer Zapfenstreich für Generalleutnant Kohlhaus und Generalleutnant Poschwatta

Unter Ausschluss von Presse und Öffentlichkeit wurden heute Abend Generalleutnant Lutz Kohlhaus und Generalleutnant Thorsten Poschwatta mit einem Großen Zapfenstreich in den Ruhestand versetzt.

Generalleutnant Kohlhaus war zuletzt als stellvertretender Inspekteur der Luftwaffe eingesetzt. Er blickt auf 46 Dienstjahre bei der Bundeswehr zurück. Sein Schwerpunkt war die Raketenflugabwehr. Neben dem deutschen Generalstabslehrgang absolvierte er auch den französischen. Französisch stellt in der Bundeswehr eine Mangelressource dar.

Generalleutnant Poschwatta blickt auf 45 Dienstjahre bei der Bundeswehr zurück. Seit 2021 war er in verschiedenen Verwendungen beim Joint Air Power Competence Centre (JAPCC) in Kalkar eingesetzt – seit 2025 als Kommandeur Air Component Command und als NATO-Commander des Combined Air Operations Centre (CAOC) in Uedem. Seine ersten Dienstjahre verbrachte er beim Jagdbombergeschwader 31 „Boelcke“. Im weiteren Verlauf war er oft im Ausland tätig und kehrte bis ins Jahr 2000 in verschiedenen Funktionen mehrfach zu seiner Stammeinheit „Boelcke“ zurück. Von 2004 bis 2007 war er Kommodore des Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“ in Jagel. Von 2014 bis 2020 war Thorsten Poschwatta stellvertretender Befehlshaber des Einsatzführungskommandos in Schwielowsee bei Potsdam.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 23. Oktober 2026

Pakistanischer Präsident zum Antrittsbesuch in Berlin empfangen

Am Vormittag wurde der Präsident der Islamischen Republik Pakistan, Asif Ali Zardari, durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit militärischen Ehren im Bendlerblock empfangen.


Asif Ali Zardari ist 71 Jahre alt und seit März 2024 Präsident seines Landes. Er war mit der ehemaligen pakistanischen Premierministerin Benazir Bhutto verheiratet und hat mit ihr drei Kinder. Benazir Bhutto war bei einem Attentat ums Leben gekommen. Zardari stammt aus einer wohlhabenden nordindischen Familie, die sich im Bausektor engagiert. Pakistan und Indien waren 1947 per Strich auf der Landkarte geteilt worden, so dass es im Norden der beiden Staaten ethnische Überschneidungen gibt, die regelmäßig zu Konflikten führen.

Pakistan hat 257 Millionen Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von 459 Milliarden USD. Das Land unterhält Streitkräfte mit 660.000 aktiven Soldaten, die durch 291.000 paramilitärische Kräfte ergänzt werden. Pakistan bemüht sich seit vielen Jahren – auch über die Vernetzung im Commonwealth – die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen nach Europa auszubauen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Auslandsvertretungen, die entsprechende Werbeveranstaltungen und Empfänge durchführen. Erst am Montag war ein neuer pakistanischer Botschafter akkreditiert worden.

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 20. Oktober 2026

Präsident der Mongolei zum mehrtägigen Staatsbesuch in Deutschland empfangen

Am Vormittag wurde der Staatspräsident der Mogolei, Ukhnaa Khurelsukh, durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit militärischen Ehren in der Villa Borsig empfangen.


Ukhnaa Khurelsukh absolviert einen mehrtägigen Staatsbesuch in Deutschland, so dass das obligatorische Staatsbankett, eine Kranzniederlegung an der Neuen Wache, ein Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz und eine Begegnung mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin auf dem Programm stehen. Ferner werden bilaterale Verträge unterzeichnet, eine Dschingis-Khan-Ausstellung sowie ein Gala-Konzert des mongolischen Nationalorchesters besucht. Am Donnerstag wird Ukhnaa Khurelsukh nach Leipzig und Dresden reisen.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 19. Oktober 2026

Botschafter von Mauritius, Pakistan und Tonga akkreditiert

Bei der heutigen Botschafter-Akkreditierung im neuen Amtssitz des Bundespräsidenten am Spreebogen ging es einmal weit um den Globus – mit dem Botschafter aus Mauritius, dem Botschafter aus Pakistan und der Botschafterin des Königreichs Tonga.


Um 12.30 Uhr erschien der Botschafter der Republik Mauritius, Joseph Lucien Finette. Mauritius liegt auf der Südhalbkugel östlich von Madagaskar im Indischen Ozean. Die Inselgruppe hat 1,3 Millionen Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von knapp 17 Milliarden USD. Bis 1968 war Mauritius unter britischer Herrschaft. Die Briten hatten 1810 die Franzosen als Kolonialmacht vertrieben. Zu der Zeit hatte Napoleon in Europa viele Niederlagen einzustecken. Vor den Franzosen waren die Niederländer (1598 bis 1710) auf Mauritius. Erschlossen wurde das Gebiet jedoch 1505 durch die Portugiesen, die dort einen Marinestützpunkt errichteten. Für Seemächte ist es strategisch wichtig, auf den Wegen in ferne Regionen freundliche Häfen zu haben, wo beispielsweise Verbrauchsmittel zuladen können, Mannschaften überwintern oder Reparaturarbeiten möglich sind. Mauritius hat keine offiziell Amtssprache. Faktisch wird aber Englisch und Französisch gesprochen. Mauritius unterhält weiterhin gute Beziehungen zu Großbritannien, aber auch zu Indien, das bis 1947 eine britische Kolonie war.


Geht man auf der Weltkarte nach Norden, landet man in Pakistan. Pakistan stand bis 1947 unter britischer Kolonialherrschaft und wurde damals mit einem Strich auf der Landkarte von Indien abgeteilt. Dadurch gibt es bis heute Spannungen, weil der Strich auf der Karte die Ausbreitung ethnisch-religiöser Gruppen zu wenig berücksichtigt hatte. Pakistan hat 257 Millionen Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von 459 Milliarden USD. Das Land unterhält Streitkräfte mit 660.000 aktiven Soldaten, die durch 291.000 paramilitärische Kräfte ergänzt werden. Beim Verteidigungsbudget kommt die Pakistan mit knapp 12 Milliarden USD aus.

Der Botschafter der Islamischen Republik Pakistan, Salman Sharif, traf gegen 13 Uhr am Bundespräsidialamt ein. Er trägt den gleichen Nachnamen wie sein Premierminister Shehbaz Sharif, ist mit diesem wohl aber nicht verwandt. Salman Sharif war bereits als stellvertretender Missionsleiter in Indien tätig und hatte als Ministerialdirigent im Büro seines Premierministers gearbeitet.


Die neue Botschafterin des Königreichs Tonga, Titilupe Fanetupouvava'u Tu'ivakano, ist 48 Jahre alt und als Botschafterin auch für Großbritannien, die Niederlande und Luxemburg zuständig. Studiert hat sie in Oxford und wurde 2018 durch Königin Elizabeth II zur Hochkommissarin von Tonga berufen.

Tonga liegt im Südpazifik östlich von Australien und nördlich von Neuseeland. Die Inselgruppe hat etwas mehr als 100.000 Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von 616 Millionen USD. Mit ihren 600 aktiven Soldaten bekämpft das Land hauptsächlich den internationalen Drogenhandel, beteiligt sich aber auch an internationalen Missionen.

Autor: Matthias Baumann