Donnerstag, 19. Februar 2026

Gelöbnis beim Wachbataillon

Bei winterlichen Temperaturen fand heute in der Julius-Leber-Kaserne ein Feierliches Gelöbnis von Rekruten des Wachbataillons statt. Gleichzeitig schworen frisch gewonnene Soldaten auf Zeit (SaZ), das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. So wahr ihnen Gott helfe.


Noch vor wenigen Jahren hatte das Wachbataillon um seinen Fortbestand gebangt, da die Stellen nicht mehr besetzt werden konnten. Während COVID konnten die aufgelockerten Formationen mit Abstandsregeln begründet werden. Danach wurde der Personalmangel durch regelmäßige Beobachtern von Staatsbesuchen diskutiert. Seit zwei Jahren zeichnet sich eine personelle Trendwende ab. Wer die Leistungen nicht bringt, muss nicht mehr zwingend im Personalbestand gehalten werden. Viele Neuzugänge haben sich über Beiträge in den Sozialen Medien begeistern lassen. Bestandspersonal konnte gehalten werden, indem die Bartregeln gelockert wurden. Zudem ist es gelungen, altgediente Gefreite als Feldwebel zu gewinnen. Oberstabsgefreite scheuen diesen Schritt, weil Feldwebel bei unwesentlich mehr Geld eine deutlich höhere Verantwortung tragen.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 18. Februar 2026

Steadfast Dart 2026 und die amphibische Landung am Ostseestrand von Putlos

Heute fand am verschneiten Ostseestrand von Putlos in Schleswig-Holstein eine amphibische Landung statt. Diese war eingebettet in die NATO-Großübung „Steadfast Dart 2026“, die von Februar bis März 2026 in und um Europa durchgeführt wird.


Die amphibischen Fähigkeiten wurden von den türkischen und spanischen Seestreitkräften eingebracht. Beide Länder verfügen über Landungsschiffe, darin eingebettete Landungsboote und amphibische Panzerfahrzeuge. Bei der Landung in Putlos wurden FNSSMAV Marine Assault Vehicles eingesetzt. Die Bundeswehr hat zwar den Transportpanzer Fuchs mit entsprechenden Schiffsschrauben. Allerdings sind nur noch wenige davon für den Einsatz im Wasser geeignet. Die Landungsschiffe bringen Mensch und Material auf verschiedenen Wegen ans Land: per Hubschrauber, per Schnellboot, per Landungsschiff oder mit amphibischen Panzerfahrzeugen. Die Schiffe verfügen auch über eine Startrampe für große Drohnen.

Da die Spanier andere sicherheitspolitische Prioritäten haben, nehmen sie es mit dem Aufwuchs des Verteidigungshaushaltes nicht so genau und lassen sich von den USA kaum unter Druck setzen. Innerhalb Spaniens werden auch Stimmen laut, die die NATO als lästiges Anhängsel sehen. Immerhin habe man ja selbst starke Streitkräfte. Dem widerspricht der spanische Luftwaffenattaché, der kürzlich in einem Interview verdeutlichte, dass Verteidigung heutzutage nur noch im internationalen Verbund funktioniere.

Der ehemalige Generalinspekteur Volker Wieker hatte schon vor neun Jahren in Sicht auf die Türkei gesagt, dass die NATO eher eine Vertrags- als eine Wertegeminschaft sei. Das bestätigen auch die zahlreichen türkischen Reaktionen auf die Übung. Die Türken sind überzeugt von der eigenen Kampfkraft und Erfahrung sowie von ihrer regionalen Rüstungsindustrie. Die „Löwen Allahs“ brauchten die NATO gar nicht. Stattdessen wolle die NATO lediglich die türkische Kraft und Jugend für ihre eigenen Zwecke missbrauchen. Man wolle auch nicht die guten Beziehungen zu Russland gefährden und schon gar nicht für westeuropäische Interessen sterben. Neben dem bekannten Kreuzberg-Jargon fließen Großmacht- und Übernahmephantasien, Wolfsgrüße, das Nachtragen von Situationen aus dem Ersten Weltkrieg und erhebliche Befindlichkeiten gegenüber der „heuchlerisch“ bis „rassistischen“ Behandlung durch Deutschland in den Diskurs ein. Selbst kameradschaftliche Grüße aus der Bundeswehr werden zuweilen mit übelsten Beschimpfungen quittiert.


Mangelnde Ehrerbietung sahen türkische Kommentatoren durch das Fehlen eines eigenen Mikrofons für ihren Marine-Kommandeur, Admiral Ercüment Tatlıoğlu, bestätigt. Bei der Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Boris Pistorius und dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, stand er neben dem Kommandeur des NATO Allied Joint Force Command Brunssum, General Ingo Gerhartz, und musste sich mit diesem ein Mikrofon teilen. Als Kommandeur einer Teilstreitkraft rangierte er in dieser Konstellation allerdings unterhalb der Ebene des Ministers und der beiden deutschen 4-Sterner. Im protokollarischen Umfeld spielen Rangfolgen eine große Rolle.

Autor: Matthias Baumann

Samstag, 14. Februar 2026

#MSC2026 Rubio, Syrien, Venezuela und Arktis

Der Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) begann mit einem deftigen bayerischen Frühstück: Weißwurst und Leberkäse. „Ist da Schwein drin?“, wollte ein Besucher des Restaurants wissen. Ja, denn eine Weißwurst besteht zwar zur Hälfte aus Kalbsfleisch, enthält aber auch Schweinerückenspeck und Schwarten. Egal, es war trotzdem lecker.

Den thematischen Auftakt bildete die Rede des amerikanischen Außenministers Marco Rubio. Unter dem Titel „The U.S. in the World“ (Die Rolle der USA in der Welt) legte er den Fokus auf Freundschaft, Allianz und Partnerschaft mit Europa. Europa sei Ursprung von Wissenschaft, Kultur, gemeinsamer Geschichte, Christentum, Zivilisation, Recht und Aufklärung. Darauf könne und solle man stolz sein. Es seien im Westen viele „einfältige“ (foolish) Entscheidungen getroffen worden, die die Wirtschaft zerstört und die Gesellschaften destabilisiert haben. Das solle sich jetzt ändern. Dazu übernehmen die USA jetzt wieder die Führungsrolle in enger Partnerschaft mit Europa. Donald Trump wolle das „jetzt“ (now) voranbringen – zusammen mit Europa. Dabei wolle die USA nicht die Probleme Westeuropas managen, sondern Rückbesinnung, Wiederaufbau und Gestaltung einer westlichen Zukunft. Am Ende der Rede bekannte er sich zur NATO, indem er sagte: „Wir haben gemeinsam geblutet und sind Seite an Seite auf den Schlachtfeldern gestorben.“ Nachdem er auch am Ende noch Freundschaft, Allianz und Partnerschaft betont hatte, gab es Standing Ovations im Saal.

Anschließend trat der chinesische Außenminister Wang Yi auf. China registriert die Verschiebung des außenpolitischen Klimas zu seinen Ungunsten. Deshalb betonte Wang Yi, dass China kein „systemischer Rivale“ sei. „Rivalität und Wettbewerb“ seien „toxisch“. Er wünschte sich deshalb einen „Umgang miteinander wie Gentleman“.


 

Wang Yi wurde auf der Bühne abgelöst durch Ursula von der Leyen und Keir Starmer. Von der Leyen sagte das, was sie schon vor sieben Jahren als Verteidigungsministerin gesagt hatte: Europa müsse unabhängiger werden bei Sicherheit, Wirtschaft und Rohstoffen. Sie lobte das Verhältnis zu Großbritannien, das sich seit dem BREXIT deutlich verbessert habe. Wobei der Wille zur Lastenteilung innerhalb der NATO auch durch den BREXIT nicht erschüttert werden konnte. Als „schlafenden Giganten“ bezeichnete Frau von der Leyen das geografische Europa. Am Aufwecken dieses „Giganten“ wird sich die Präsidentin der EU-Kommission messen lassen müssen. Zu Rubio gewandt sagte sie, man arbeite an einem starken unabhängigen Europa, dass aus dieser Position heraus als gute Alliierter fungieren werde. Der britische Premierminister, Keir Starmer, schon noch hinterher, dass Großbritannien seine Präsenz im Nordatlantik und der Arktis noch in 2026 deutlich verstärken werde.

Im Laufe des Tages fanden verschiedene Hintergrundgespräche mit hochrangigen Politikern und Generalen statt. Über diese wird hier nicht berichtet, weil sie „unter 3“ stattfanden. Das heißt, sie dienen lediglich der Informationsgewinnung der Teilnehmer, sind aber nicht zitierfähig.

Am Nachmittag wurde die venezuelische Oppositionspolitikerin Maria Corina Machado per Videoschalte nach München geholt. Sie lebt derzeit in den USA und hat konkrete Vorstellungen über die Transformation Venezuelas. Das sei ein langer Weg, da eine auf Kriminalität getrimmte Gesellschaft in einen blühenden „Wirtschafts-Hub“ umzubauen sei. Die USA spielen hier eine wichtige Rolle. Frau Machado beschrieb die USA als Partner und nicht als Tonangeber. Sie habe hochrangige Zugänge und stimme sich regelmäßig mit den Amerikanern ab. Dabei gehe es um viele Themen gleichzeitig wie Sicherheit, Wirtschaft und Soziales. Das Volk von Venezuela habe viel riskiert. Ohne Geld und Medien habe man Maduro gezeigt, dass er nur noch 15 Prozent Zustimmung habe und 85 Prozent gegen ihn seien. Sie lobte ausländische Medien, die Maduro als den darstellten, der er sei: einen Kriminellen. Europa und die internationale Gemeinschaft sollten jetzt die Finanzflüsse des Maduro-Regimes austrocknen. Am schwierigsten wird es wohl mit der Entwaffnung der gut ausgebildeten Milizen werden. Länder wie China betrachten die Entwicklung mit Argwohn. Das sei aber egal, da deren Engagement eher zweifelhafter Natur gewesen sei. Überhaupt sei ein Dominoeffekt zu verzeichnen, der Amerika vom Kommunismus befreie. Die Aussagen von Frau Machado bestätigen damit, was am Tag zuvor schon von argentinischer Seite geäußert wurde. Wer in der Diaspora lebe, solle nun zurückkehren und das Land aufbauen helfen. Abschließend wurde sie noch gefragt, ob sie es begrüßen würde, wenn Festnahmeaktionen analog Maduro auch in anderen Ländern stattfinden würden. Ja, das begrüßte sie: „Alle demokratischen Völker sollten Völker unterstützen, die sich eine demokratische Entwicklung wünschen.“

Danach gab es ein Panel mit dem Titel „Keeping it Together? Syria’s Post-Revolution Future“ (Wie können wir nach der Revolution in Syrien eine Zukunft aufbauen?). Hier diskutierten Teilnehmer unter anderem aus Syrien, den USA und Deutschland. Der syrische Außenminister, Asaad Hasan al-Shaibani, wusste zu berichten, wer Schuld an der aktuellen Situation sei: Großmächte und Israel. Dass die 1,5 Millionen Syrer in der Diaspora nicht in ihre zerstörte Heimat zurückkehren wollen, fand er verständlich, wolle aber niemanden daran hindern, zurückzukehren. Der USA sei es wichtig, dass dem Volk Gerechtigkeit wiederfahre. Das Geschehene müsse aufgearbeitet werden. Auf die Frage nach dem Umgang mit Minderheiten entgegnete el-Shaibani, dass die „syrische Identität“ übergeordnet sei. Die vielen Volksgruppen innerhalb Syriens vereine diese „syrische Identität“. Der deutsche Diplomat Niels Annen würdigte die enge Beziehung zu Syrien aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen. Deshalb fühle sich Deutschland auch für den Wiederaufbau verantwortlich. Auch er plädierte für Gerechtigkeit innerhalb Syriens und die Erfüllung deutscher Interessen. Die Definition dieser deutschen Interessen blieb er allerdings schuldig. Weil sich Deutschland schon so lange in Syrien engagiere, solle das auch so bleiben. Angesichts der über 114.000 Tatverdächtigen syrischer Herkunft aus der aktuellen Kriminalitätsstatistik schon er noch nach, dass Kriminelle wissen müssen, dass ihr Handeln Konsequenzen habe.

Am Abend fand noch ein Panel zum Thema „Arctic Security“ (Sicherheit in der Arktis) statt. Daran nahmen Verteidigungsminister Boris Pistorius, die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen, die kanadische Außenministerin Anita Anand und die republikanische Abgeordnete Lisa Murkowski (USA) teil. Wer nur die aufgeklappte Weltkarte aus dem Atlas vor Augen hat, kann sich kaum vorstellen, wie die geostrategischen Gegebenheiten in der Arktis aussehen. Es lohnt sich also, die Arktis in der Draufsicht vom Nordpol aus zu betrachten: Plötzlich sind sich Russland, USA, Kanada und Grönland ganz nah. Das Abschmelzen des Eises eröffnet ganz neue Bewegungsprofile. Die USA und Kanada beobachten die Entwicklung seit Jahren mit Sorge. Grönland ist erst durch die Begehrlichkeiten Trumps auf das Thema aufmerksam geworden. Hochrangige NATO-Offiziere reden von roten Linien, die die USA gesetzt haben. Werden diese roten Linien durch Abschmelzen des Eises oder das Vordringen russischer Uboote überschritten, sei konsequentes Handeln erforderlich. Boris Pistorius, der in den letzten zwei Jahren mehrfach über dieArktis geflogen war, versteht den Ernst der Lage und hat die Verlegung von Eurofightern nach Grönland veranlasst. Bei aller Aufregung bekommen die USA nun die gewünschten Signale aus Europa, sich aktiv an der Absicherung der Arktis zu beteiligen.

Anschließend fand noch die Verleihung des Ewald von Kleist Preises statt. Viele der Teilnehmer der MSC nutzen aber alternativ die Gelegenheit, sich bei Bier und Schweinebraten in den umliegenden bayerischen Restaurants ganz „unter 3“ auszutauschen.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 13. Februar 2026

#MSC2026 Themenvielfalt und Entscheidungsfreude

Auch langjährige Besucher der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) sind sich einig, dass die Themenvielfalt in diesem Jahr besonders hoch war. So mussten zuweilen Entscheidungen getroffen werden, welches der parallel laufenden Panels das Interessanteste vom Interessanten sei. Dabei werden die angekündigten Gesprächspartner und deren Bezug zum Thema mit dem eigenen Wunsch nach Erkenntnisgewinn abgewogen. Letztlich kann es passieren, dass man ein Gesprächsformat wie „Townhall“ (Rathaus) oder „Spotlight“ (Schlaglicht) über Stunden nicht verlässt, weil eine hochwertige Gesprächsrunde die nächste ablöst.

Am heutigen Freitag hatten wir uns für einen Mix aus Gaza, Sahel, Populismus und Iran entschieden – vier Stunden „Townhall“ also.

Das Panel mit dem Titel „Life Under Destruction: Building-Blocks for a New Gaza“ (Leben unter Zerstörung: Bausteine für ein neues Gaza) lief vorhersehbar und brachte damit kaum Erkenntnisgewinn: Europa fordert die Entwaffnung der Hamas, eine Zweistaatenlösung und die Kontrolle von Geldflüssen. Ein amerikanischer Demokrat wollte in dieser Runde Glauben machen, dass die Bevölkerung der USA kaum noch hinter der Unterstützung Israels stehe. Die palästinensische „Außenministerin“ Aghabekian Shaheen betonte, dass Gaza immer zusammen mit der Westbank zu betrachten sei und dass man kein „neues Gaza“ haben wolle. Überhaupt fand sie es ungerecht, dass sich ständig internationale Politiker treffen und über Gaza reden, statt die Akteure aus Gaza an den Tisch zu holen und mit ihnen zu reden. Aus dem Publikum kam die Frage, wie man sich denn eine Aufarbeitung des 7. Oktobers 2023 vorstelle. Die europäische Antwort war ausweichend und ging trotz Nachhakens nicht auf die Frage ein. Wie schon auf der MSC 2024 festzustellen war, existiert dieses Datum in pro-palästinensischen Denkstrukturen gar nicht.


 

Es folgte ein Panel mit dem Titel „Point of Return: Reengaging with the Sahel“ (Wendepunkt: Wiederbelebung der Beziehungen zur Sahel-Region). Die USA haben erkannt, dass die bisherige Strategie der Gießkannen-Hilfe gescheitert war und haben diese Hilfe eingestellt. Europa hatte Wert auf Ausbildung und Demokratieförderung gelegt und war damit auch gescheitert. Die Sahel-Region hat sich daher der alternativen Hilfe aus Russland und China zugewandt und ist nun ganz erstaunt, dass die Kosten gegenüber europäischer oder amerikanischer Hilfeleistung anders und deutlich höher sind. Mit ihren bemerkenswerten Vorkommen an Uran, Lithium und Gold könnten die Länder selbst sehr reich sein, schaffen es aber nicht, dieses Potenzial selbst umzusetzen.. Es stand die Frage im Raum, wie Europa neues Vertrauen gewinnen könne. Dazu kam die Antwort aus der Region, dass es formal zu schwer sei in Europa zu studieren. Deshalb sende man die Jugendlichen nach China und Russland. Außerdem wolle man nicht nur Ausbildung, sondern auch Waffen aus Europa. Der europäische Vorwurf, die Sahel-Staaten ließen zu viele Flüchtlinge in den Norden weiterziehen, wurde zurückgewiesen. Die Region könne nichts dafür, dass sie Transitregion sei.

Ein ganz anderes Thema behandelte das nächste Panel: „Vox Populi? Responding to the Rise of Popolism“ (Volkes Stimme? Auf zunehmenden Populismus antworten). In diesem Panel saßen EU, Argentinien, Tschechien und die USA zusammen. Manfred Weber von der EU zeigte sich bezüglich der letztjährigen Vance-Rede zwar politisch korrekt, kritisierte aber eine "linke Realitätsverweigerung". Die anderen Gesprächsteilnehmer wurden deutlicher. Demnach hätten die Führer der westlichen Demokratien schon länger nicht mehr geliefert, was zu einer allgemeinen Unzufriedenheit in den Bevölkerungen geführt habe. Das bestätigen auch die Umfrageergebnisse aus der MSC-Publikation „UnderDestruction“. Die Befragten trauen ihren Regierungen nicht mehr zu, lösungsrelevant zu agieren. Reformwille und Reformfähigkeit scheint es nicht zu geben. Deshalb werden Führungspersönlichkeiten attraktiv, die mit Bulldozer, Kettensäge oder Abrissbirne antreten. Apropos Kettensäge: Die argentinische Politikerin Daiana Fernández Molero zeigte sich begeistert über die Entwicklung in ihrem Land. Man betreibe „Kapitalismus mit Regeln“ und damit „Kapitalismus für das Volk“. Aus der Bevölkerung komme breite Zustimmung, weil man sehe, dass es funktioniert. Der ehemalige tschechische Präsident, Petr Pavel, merkte an, dass das Wort Populismus per se kein Problem darstelle. Dem Wortstamm nach gehe es um den Willen des Volkes (Populus). Politiker sollten die Stimme des Volkes hören und darauf eingehen. Besonders laute Parteien sollten auch einmal in Verantwortung genommen werden, damit das Volk deren tatsächliche Leistungsfähigkeit beurteilen könne. Abschließend wurde Frau Fernández Molero noch nach Venezuela befragt. Für Argentinien sei das eine „hervorragende Nachricht“ (great news) gewesen, die „Hoffnung“ (hope) für gute Beziehungen auf dem sudamerikanischen Kontinent gebe. Endlich sei ein Dominoeffekt eingetreten, den Kommunismus aus Amerika zu vertreiben. Den Europäern gab sie auch noch etwas mit: Ihr wollt immer nur regulieren, regulieren, regulieren. Lasst doch einfach mal das übertriebene Regulieren sein und überlegt, wo Regulierung wirklich sinnvoll ist.


Nach diesem Panel wurden die Schilder im Raum mit einem neuen Thema überklebt: „Iran’s Next Chapter“ (Irans nächstes Kapitel). Vor der eigentlichen Diskussionsrunde wurde der älteste Sohn des 1979 gestürzten Shahs von Persien, Reza Pahlavi, interviewt. Die iranische Führung war kurzfristig von der MSC ausgeladen worden. Reza Pahlavi, dessen Name bei den aktuellen Protesten im Iran ständig gerufen wurde, ist wohl der bedeutendste Oppositionspolitiker. Im Interview wurde deutlich, dass er sich als Führungspersönlichkeit für den Übergangsprozess zur Verfügung stelle. Am Ende des Übergangsprozesses solle ein demokratisches System stehen, in dem Staat und Religion strikt getrennt seien. Mit Israel wolle er partnerschaftliche Beziehungen aufbauen. Nach dem Interview setzte er sich ins Publikum und hörte der nun folgenden Diskussionsrunde zu. Die EU bemerkte zwar, dass das Mullah-Regime enden müsse, hatte aber keinen Plan, wie das geschehen solle. Die USA mahnte an, dass man den Moment des Umbruchs nicht schon wieder verstreichen lassen solle, zeigte sich aber auch zögerlich bezüglich eines zu harten Eingreifens. Demnach müsse der Umschwung maßgeblich von Innen kommen und könne lediglich durch die USA flankiert werden. All das entspricht dem, was Gene Sharp in „From Dictatorship to Democracy“ beschreibt. Die Runde war sich weitestgehend einig, dass sich dieses „Zomby-Regime“ selbst zerstört und ein ähnliches Ende findet wie die Sowjetunion 1990. Das Regime habe nur noch 15 Prozent Zustimmung und werde in absehbarer Zeit zusammenbrechen.

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 10. Februar 2026

Präsident der Republik Malediven, Mohamed Muizzu, zu Gast in Berlin

Heute Nachmittag wurde der Präsident der Republik Malediven, Mohamed Muizzu, durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit militärischen Ehren am Schloss Bellevue empfangen.


Es ist keine Seltenheit, dass Staatsgäste aus Ländern in der Nähe des Äquators bei winterlichen Temperaturen in Berlin empfangen werden. Die Malediven liegen südwestlich von Indien im Indischen Ozean. Die Flugzeit bis Berlin beträgt mehr als zehn Stunden. Die Malediven haben nur etwa 400.000 Einwohner, die weitestgehend muslimisch geprägt sind. Das Bruttoinlandsprodukt beläuft sich auf 7,64 Milliarden USD von denen 110 Millionen USD zur Verteidigung abgezweigt werden. Die 4.000 aktiven Militärangehörigen sich hauptsächlich auf die Marine und den Küstenschutz verteilt. Die kleine maledivische Luftwaffe hat keine Flugzeuge, sondern arbeitet mit türkischen Drohnen. Die Malediven unterhalten gute Beziehungen zu China, aber auch zum US-Militär.

Seit vielen Jahren engagieren sich die Malediven im Umweltschutz, weil deren Inselgruppe maßgeblich von Klimawandel und Anstieg des Meeresspiegels betroffen sein wird. Es ist anzunehmen, dass auch dieses Thema neben dem Tourismus aus Deutschland Gegenstand der Gespräche zwischen Mohamed Muizzu und Frank-Walter Steinmeier sein wird.

Autor: Matthias Baumann