Freitag, 4. September 2026

Die lange Militärgeschichte im Nordwesten Berlins

Gestern Abend wurde in der Humboldt-Bibliothek in Tegel ein Buch vorgestellt, das für viele Nordberliner interessant sein dürfte.

Die Autoren, Hauptmann a.D. Ernst Schüßling und Oberst a.D. Andreas von Studnitz, waren viele Jahre in der Julius-Leber-Kaserne tätig und hatten Zugang zu hochwertigem geschichtlichen Material sowie zu Zeitzeugen, die mit Begeisterung weitere Informationen, Fotos und historische Gegenstände zur verfügung stellten. Einige davon sind in der Militärhistorischen Sammlung beim Landeskommando Berlin zu bestaunen.

Auf über 100 Seiten kann nun auch der geneigte Leser an diesem Wissen teilhaben und erfährt, „Wie das Militär den Norden Berlins für sich entdeckte“.

Es beginnt bei den leicht bewaldeten Rehbergen, die um 1826 als natürlicher Schießstand für Handwaffen genutzt wurden. Bei der Suche nach Übungsplätzen für weitreichende Systeme wie Artillerie fiel der Blick ebenfalls auf die Rehberge und man baute das Gelände weiter aus. Der besondere Charme lag darin, dass sich weit und breit keine Ortschaften befanden und Reinickendorf tatsächlich noch ein kleines Dorf war.

Mit der aufkommenden Fliegerei wurde das Gelände einer Doppelnutzung zugeführt, so dass sich Luftschifffahrt und Artillerie abwechseln mussten. Teilweise wurde sogar aus der Luft beobachtet, wie die Artillerie in verschiedenen taktischen Szenarien wirkt. Sehr spannend sind die Schilderungen zu ersten Selbstversuchen von Wissenschaftlern, die die Wirkung der Bedingungen in 10.000 Metern auf den menschlichen Organismus testeten. Nach dem ersten Weltkrieg mussten die Aktivitäten wegen des Versailler Vertrages eingestellt werden. Allerdings stand in dem Vertrag nichts von "Raketentechnik", so dass sich der Erfindergeist in Reinickendorf mit dieser neuen Technologie ausprobieren konnte. Auch namhafte Raketentechniker wie Wernher von Braun machten hier erste Experimente.

Mit Ausweitung des Stadtgebietes nach Nordosten begannen die Konflikte mit den Bürgern. Da ging es um Lärmbelästigung und die versehentlichen Einschläge von Granaten oder Versuchsraketen in Gebäude oder den Tegeler See.

In Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs ließ Hermann Göring auf dem Gelände der heutigen Julius-Leber-Kaserne eine Waldstadt errichten. Diese wirkte von oben wie ein ganz normaler ziviler Ortskern, war aber in der Bausubstanz bereits auf Luftangriffe vorbereitet: Die Dächer waren mit Beton verstärkt. Lagerhallen waren in Wirklichkeit riesige Garagenkomplexe. Es gab eine Kirchen-Attrappe und echte Sportkomplexe. Durch diese architektonische Verschleierung wurde die Kaserne im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert und die dortigen Zerstörungen lediglich durch Artillerie verursacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen die Franzosen in den Norden Berlins ein und entdeckten das Areal für sich. Sie bauten den Kasernenkomplex möglichst originalgetreu wieder auf und nannten ihn Quartier Napoleon. Die Kaserne wurde zum Zentrum des französischen Lebens in der nordöstlichen Besatzungszone. Um das Gelände wurden Einkaufszentren, Kinos, Kulturhäuser und sehr viele Wohnungen gebaut. Während der Berliner Luftbrücke wuchsen Westberliner und Besatzer so eng zusammen, dass die Besatzer zu Beschützern wurden.

Mit der deutschen Wiedervereinigung ging auch die Zeit der französischen Präsenz zu Ende. 1994 verließen die alliierten Truppen nach einem Appell und einem Großen Zapfenstreich die Stadt. Kurz darauf zog die Bundeswehr ins Quartier Napoleon ein und benannte die Liegenschaft bereits 1995 in Julius-Leber-Kaserne um.

Die Bezirksbürgermeisterin von Reinickendorf, Frau Emine Demirbüken-Wegner, fühlt sich sehr mit der Bundeswehr, dem Landeskommando Berlin, dem Wachbataillon und der Julius-Leber-Kaserne verbunden. Bis heute will sie nicht akzeptieren, dass die Julius-Leber-Kaserne geografisch dem Bezirk Mitte zugeordnet ist. Weil der Wedding mental so eng mit Reinickendorf verbandelt ist, fühlt sich die Zugehörigkeit des Wedding zu Mitte einfach nur falsch an. Aber auch diese Bezirksaufteilung ist Ergebnis der Wiedervereinigung. Frau Demirbüken-Wegner hat auch eines der Vorworte zu diesem Buch verfasst.

Über den Buchhandel oder Amazon ist das Buch nicht erhältlich. Wer es kostenfrei bestellen möchte, kann sich an die Pressestelle des Landeskommandos Berlin unter LKdoBEPresse@bundeswehr.org wenden.

Zu einigen Aspekten dieses Buches haben wir mit Oberst a.D. von Studnitz folgende Filme gedreht:

Geschichte der Julius-Leber-Kaserne
Zeitzeugen führen durch den französischen Sektor
49 Jahre französische Armee in West-Berlin

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 27. August 2026

Nettozahler kritisieren den EU-Haushalt

Heute hatte Bundeskanzler Friedrich Merz die Regierungschefs von „likeminded“ (gleichgesinnten) europäischen Staaten eingeladen, um über den neuen EU-Haushalt zu reden.


Die Presse empfand die Einladung als „nebulös“, da von „likeminded“ gesprochen und Staaten wie Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen aufgezählt worden waren. Sollte es um die Bedrohungslage an der NATO-Ostflanke gehen oder um Migration?

Die anschließende Pressebegegnung gab Aufschluss: Es ging in der Hauptsache um den nimmersatten EU-Haushalt. Er ist wohl diesmal so maßlos angelegt, dass sich Widerstand seitens der Nettozahler regt. Dänemark, Finnland, Österreich, die Niederlande, Schweden und Deutschland decken 40 Prozent des EU-Haushaltes und 70 Prozent der Ukrainehilfe der EU ab. Die weiteren Nettozahler – Frankreich, Italien und Irland – hatten nicht an dem Treffen teilgenommen.


Nach einer zweistündigen Gesprächsrunde, an der Schweden und die Niederlande online zugeschaltet waren, traten die vier physisch anwesenden Regierungschefs ans Mikrophon und kritisierten die EU-Kommission scharf. Alle riefen zur Mäßigung einer soliden Haushaltspolitik und der Stärkung der Wirtschaftskraft auf. Letztere sei Voraussetzung, um Haushaltssteigerungen realisieren zu können. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen brachte prioritär die Behandlung der illegalen Migration und die Grenzsicherung ein und kam erst danach auf den EU-Haushalt zu sprechen. Anhand der Gesichtsausdrücke war festzustellen, dass sich die Regierungschefs sehr einig waren.

Dass sich Friedrich Merz im Interesse des deutschen Steuerzahlers mit gleichgesinnten Regierungschefs zusammentut und die nimmersatte EU-Kommission in die Schranken verweist, kann schon als Führungsfähigkeit bezeichnet werden. Bleibt abzuwarten, wie sein Vizekanzler und Finanzminister damit umgeht. Lars Klingbeil ist nicht gerade als Kostenoptimierer bekannt und reagiere zudem „sensibel“, wenn er kritisiert werde oder etwas seinen Vorstellungen zuwider läuft.

Autor: Matthias Baumann

Sonntag, 23. August 2026

Drohnen über Neuhardenberg: 4 Tage European Defense Tech Festival

Vom 20. bis 23. August 2026 fand auf dem Flugplatz Neuhardenberg 50 km östlich von Berlin das European Defense Tech Festival statt.


Organisiert wurde das Festival durch den European Defense Tech Hub (EDTH). Über 1.000 Teilnehmer hatten sich angemeldet, von denen etwa 300 einen Job in der Defense-Tech-Branche suchen. Viele neue Firmen entstehen und suchen Talente und Fachleute in Sachen Embedded Programming und Elektronik für die Hardware. Der EDTH vernetzt hier aber nicht nur die eigentlichen Defense-Tech-Unternehmen und Talente untereinander, sondern auch wichtige Akteure der Nebenschauplätze - wie zum Beispiel Rechtsanwälte.

Bis die Aktivitäten des EDTH bei der klassischen, deutschen Rüstungsindustrie fruchten, arbeitet er bereits international - von Europa über die Ukraine bis Nordamerika und Australien. Die Kontakte zur Bundeswehr und den BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) sind noch ausbaufähig. Jahrelange Versäumnisse bei der zivil-militärischen Zusammenarbeit lassen sich nicht von heute auf morgen ausgleichen, so dass die Defense-Tech-Branche schon mal alleine beginnt.

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 20. August 2026

Großer Zapfenstreich für USAREUR General Donahue

Am späten Abend des 20. August 2026 wurde US-General Christopher Todd Donahue in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet.


General Donahue war seit Dezember 2024 Commander United States Army Europe an Africa (USAREUR-AF). Das Hauptquartier des USAREUR-AF befindet sich in Wiesbaden. Am 30. Juni 2026 hatte er noch in Funktion des Kommandeurs NATO Allied Land Command (LANDCOM) die Verantwortung für Teile der NATO-Verteidigung an der Ostflanke vom Multinationalen Korps Nordost (MNC NE) an das 1. Deutsch-Niederländische Korps (1GNC) übergeben. Noch in derselben Woche wurde er vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Das Dienstende sei direkt durch den amerikanischen Verteidigungsminister Pete Hegseth veranlasst worden. Bei Truppe und Generalität war General Donahue hoch angesehen und hatte 2021 als letzter US-Soldat Afghanistan verlassen.

Mit auf dem Podest stand die stellvertretende Generalinspekteurin, Frau Generaloberstabsarzt (GOSA) Dr. Nicole Schilling. General Donahue hatte sich folgende Stücke für die Serenade gewünscht:

Heading South - Zach Bryan
The Army Goes Rolling Along - Edmund L. Gruber und William Bryden
Boogie Woogie Bugle Boy - Don Raye und Hughie Prince

Weitere Infos:
Übergabeappell in Valga/Valka (Estland/Lettland): https://youtu.be/Hc3cbqY_gBo
Rede beim Übergabeappell in Valga/Valka: https://youtu.be/OSQGarNfsCw

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 13. August 2026

Internationales Jugendcamp 2026 des Volksbundes in Berlin

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. veranstaltet regelmäßig internationale Jugendcamps, bei denen Jugendliche und junge Erwachsene Kriegsgräber reinigen, sich mit den Biografien der Toten beschäftigen und Gedenkstätten in der jeweiligen Region anschauen.


Im August 2026 waren 25 junge Menschen aus zehn Ländern nach Berlin gekommen und haben Kriegsgräber auf dem Friedhof In den Kisseln in Berlin-Spandau gepflegt. Heute fand die abschließende Gedenkstunde mit Totengedenken, Schweigeminute und dem Niederlegen weißer Rosen statt. Wegen der internationalen Zusammensetzung der Teilnehmer wurde die Veranstaltung auf Deutsch und Englisch abgehalten. Neben Bezirkspolitikern verschiedener Parteien waren auch Offiziere der Bundeswehr und Vertreter der ausländischen Militärattachéstäbe anwesend.

Autor: Matthias Baumann