Es wird öfter gefragt, was das Wachbataillon und das
eingesetzte Musikkorps bei Starkregen, Schneefall oder Gewitter machen. Die Antwort:
Sie bleiben stehen und warten auf das nächste Kommando.
Jüngstes Beispiel ist die Akkreditierung des Botschaftersder Republik Madagaskar, Alain Manajary Razafimbelo, in der Villa Borsig am
Tegeler See: Es war die letzte Akkreditierung dieses Tages. Die vorausgegangenen
sechs Botschafter-Akkreditierungen hatten bei bestem Wetter stattgefunden. Als
der neue Botschafter gerade im Gespräch mit dem Bundespräsidenten war, brachen plötzlich
Starkregen und Gewitter über das Gelände herein.
Eine vergleichbare Situation gab es beim GroßenZapfenstreich für Admiral Rühle am 25. September 2024. Das war der bisher erste
und einzige von uns begleitete Große Zapfenstreich, der mittendrin abgebrochen
wurde, weil der Starkregen sämtliche Fackeln zum Erlöschen gebracht hatte und
die Holzinstrumente aufzuquellen begannen. Zudem bestand die Gefahr des
Blitzeinschlags.
Lange Standzeiten sind auch bei Hitze üblich. Das
Wachbataillon wird auf solche Szenarien trainiert. Das beginnt mit
Wassertrinken und endet mit speziellen Muskelübungen, die der Außenstehende kaum
wahrnimmt. Wenn abzusehen ist, wie sich das Wetter entwickelt, wird das bei der
Kleidung berücksichtigt. Wenn es unklar ist, lässt sich die Ehrenformation vom
Wetter nicht beirren und zieht das Programm nach Plan durch. Wenn dann noch die
diensthabenden Protokolloffiziere und –Feldwebel auf dem Platz stehen bleiben,
ist das gelebtes „Führen von vorn“ und Ausdruck von Kameradschaft gegenüber den
Protokollsoldaten.
Am 23. Juli 2026 wurden sieben
Botschafter akkreditiert. Die Akkreditierungen fanden im Gästehaus des
Auswärtigen Amtes, der Villa Borsig, am Tegeler See statt. Das Schloss Bellevue
wird in den nächsten Jahren saniert und der Interimsbau des Präsidialamtes ist
zu klein und wenig repräsentativ. Deshalb finden protokollarische Anlässe
dieser Art unter anderem in der Villa Borsig statt. Auch für das Wachbataillon
war das der erste Einsatz bei einer Botschafter-Akkreditierung vor der Villa
Borsig. Botschafter-Akkreditierungen stellen eines der komplexesten
protokollarischen Anlässe dar, weil Ehrenposten, Ehrenzug, Spielmannszug und
Flaggenkommando punktgenau interagieren müssen.
In folgender Reihenfolge wurden die
Botschafter heute akkreditiert:
Botschafter von Georgien, Aleksandre Kartozia Botschafter der Republik Chile, Jorge Eduardo Sandrock
Carrasco Botschafterin der Republik Honduras, Sandra Yamileth Ponce
Aguilera Botschafter der Bundesrepublik Nigeria, Ita Solomon James
Enang Botschafter der Islamischen Republik Mauretanien, Sidi Aly
Sidi Aly Apostolischer Nuntius, Erzbischof Hubertus Matheus Maria Van
Megen Botschafter der Republik Madagaskar, Alain Manajary
Razafimbelo
Es begann um 10.30 Uhr mit Aleksandre Kartozia aus Georgien.
Aleksandre Kartozia ist 67 Jahre alt und hat langjährige Beziehungen zu
Deutschland. Von 1977 bis 1979 hatte er an der Humboldt-Universität studiert,
später eine deutsche Schule in Tblissi geleitet und an der Viadrina in
Frankfurt/Oder gearbeitet. Er ist Sprachwissenschaftler mit Schwerpunkt
Deutsch. Georgien hat knapp fünf Millionen Einwohner und ein
Bruttoinlandsprodukt von 40 Milliarden USD. Nach dem russischen Überfall und
der Abspaltung von Abchasien und Südossetien im Sommer 2008 wendet sich
Georgien der NATO zu. Die instabile innenpolitische Situation erfreut sich im
Westen allerdings einer gewissen Skepsis, so dass Georgien immer noch
bündnislos in der Region umherwabert. Flankiert wird diese Skepsis durch mehr
als 12.000 straffällige Georgier, die 2025 allein in Deutschland auffällig
geworden sind.
Es folgte der Botschafter der Republik Chile, Jorge Eduardo
Sandrock Carrasco. Chile hat 19 Millionen Einwohner und ein
Bruttoinlandsprodukt von 363 Milliarden USD. Sicherheitspolitisch ist es eher
ruhig in Chile. Man konzentriert sich auf Katastropheneinsätze und die
Modernisierung des Materials wie zum Beispiel der Fregatten oder die
Anschaffung eines Eisbrechers für Antarktis-Missionen. Chile unterhält gute
Beziehungen zu den USA, aber auch zu Brasilien und Kolumbien. Das chilenische
Militär war ab 1886 maßgeblich durch den preußischen Hauptmann Emil Körner
geprägt worden: Generalstab, Wehrpflicht, Uniformen, Musik und Militärdoktrin.
Körner konnte sich auf diese Weise innerhalb weniger Jahre zum Oberbefehlshaber
der chilenischen Streitkräfte hocharbeiten.
Die einzige Frau im heutigen Akkreditierungsmarathon war
Sandra Yamileth Ponce Aguilera aus der Republik Honduras. Honduras hat knapp
zehn Millionen Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von etwa 41 Milliarden
USD. Honduras hat – ähnlich Costa Rica – den Atlantik (Karibik) im Norden und
den Pazifik im Süden. Wobei die Pazifikküste als eine Bucht zwischen El
Salvador und Nicaragua bezeichnet werden könnte. Organisierte Kriminalität und
Drogenschmuggel sind die wichtigsten sicherheitspolitischen Herausforderungen
des Landes. Bei deren Behandlung wird Honduras maßgeblich von den USA
unterstützt.
Anschließend erschien Ita Solomon James Enang aus der
Bundesrepublik Nigeria. Ita Solomon James Enang ist 63 Jahre alt und blickt auf
eine langjährige politische Karriere zurück. Bereits 1987 wurde er als
politischer Berater engagiert, brachte seine Region wirtschaftlich voran und
kandidierte für den Senat der Nordost-Region seines Landes. Nigeria hat über
240 Millionen Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von 334 Milliarden USD.
Sicherheitspolitisch hat Nigeria mit inländischen und internationalen
Terrorgruppen umzugehen und nimmt dafür gerne die Hilfe von Deutschland,
Großbritannien und den USA in Anspruch. 80 britische Soldaten sind in Nigeria
stationiert. Nigeria beteiligt sich an verschiedenen Auslandseinsätzen der UNO.
Ansonsten unterhält das Land gute Beziehungen zu Pakistan.
Sidi Aly Sidi Aly wird zukünftig die Islamische Republik
Mauretanien vertreten. Mauretanien ist das riesige Land, das Mali im Westen vom
Atlantik trennt. Mauretanien hat fünf Millionen Einwohner, ein
Bruttoinlandsprodukt von knapp 13 Milliarden USD und eine beeindruckende
Wüstenlandschaft, zu der auch die berühmte Richat Structure gehört. Aufgrund
der Lage hat das Land erhebliche Herausforderungen bezüglich des
grenzüberschreitenden Terrorismus und der zentralafrikanischen Migrationsrouten
zu meistern. Kein Wunder also, dass die EU und die USA das Land unterstützen.
Ansonsten ist man in Mauretanien eher auf China ausgerichtet.
Der Apostolische Nuntius des Heiligen Stuhls, Erzbischof
Hubertus Matheus Maria Van Megen, ist der neue Botschafter des Vatikans und löst
Erzbischof Nicola Eterovic ab. Dieser hatte den Vatikan von 2013 bis 2026
vertreten und als Doyen (Leiter) des Diplomatischen Korps in Deutschland
fungiert. Mit 75 Jahren hat er nun seine Karriere beendet. Normalerweise
richtet sich die Rangfolge beim Diplomatischen Korps nach dem Zeitpunkt der
Akkreditierung im Gastland. Es ist also auch wichtig, wer heute in welcher
Reihenfolge akkreditiert wurde. In Ländern, in denen der Vatikan eine Botschaft
unterhält, ist es jedoch üblich, deren Apostolischen Nuntius automatisch als
Doyen des Diplomatischen Korps einzusetzen – so auch in Deutschland. Er wird
die offiziellen Reden bei diplomatischen Empfängen halten und bei Defilees als
Erster den Gastgeber begrüßen. Bei Defilees folgen dann die weiteren Botschafter
in der Reihenfolge ihres Akkreditierungszeitpunktes. Erzbischof Hubertus
Matheus Maria Van Megen ist 64 Jahre alt und stammt aus Limburg in den
Niederlanden. 1987 wurde er zum Priester geweiht, hat langjährige diplomatische
Erfahrungen in Afrika, bei der UNO und in Genf. Er spricht fließend Deutsch.
Zum Abschluss der heutigen Akkreditierungen erschien der
Botschafter der Republik Madagaskar, Alain Manajary Razafimbelo. Madagaskar ist
eine riesige Insel östlich von Tansania, Mosambik und Südafrika. Madagaskar hat
30 Millionen Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von 21 Milliarden USD.
Historisch betrachtet haben die Franzosen ihren Fußabdruck in Madagaskar
hinterlassen. Französisch wird dort neben Malagasy als weitere Amtssprache
geführt. Worte und Namen in Malagasy sind extrem lang, aber durch den Wechsel
von Konsonanten und Vokalen gut aussprechbar. Madagaskar fühlt sich seit seiner
Unabhängigkeit von Frankreich mit Russland und China verbunden. Madagaskar hat
einige Einzigartigkeiten zu bieten. Dazu gehören die Lemuren, riesige
Affenbrotbäume und die Tsingy-Landschaft im mittleren Westen der Insel.
Mit einer großen Delegation und
eigenem Maybach war der Präsident der Republik Aserbaidschan, Ilham Alijew,
angereist. Am Vormittag wurde er von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in
der Villa Borsig empfangen.
Die militärischen Ehren zum Antrittsbesuch bekam er bei
Friedrich Merz im Bundeskanzleramt.
Ilham Alijew ist 64 Jahre alt und seit 2003 im Amt. Er hatte
damals seinen Vater Heydar Alijew abgelöst, der von 1969 bis 1982 Staats- und
Parteichef der Aserbaidschanischen Sowjetrepublik war und von 1993 bis zu
seinem Tod im Jahr 2003 als Präsident der Republik Aserbaidschan fungierte.
Aserbaidschan hat 10,7 Millionen Einwohner und ein
Bruttoinlandsprodukt von 80 Milliarden USD. Wegen der Konflikte in der Region
unterhält das Land 68.200 aktive Soldaten und 300.000 Reservisten. Die Anzahl
der Kampfpanzer (547) und Artillerie (1.345) ist bemerkenswert. Das Material
ist jedoch veraltet und stammt weitestgehend aus sowjetischer Produktion. Da
Russland wegen seines Ukraine-Abenteuers nicht mehr liefern kann, kauft
Aserbaidschan inzwischen in Israel, der Türkei, Usbekistan und Kasachstan. Gemeinsame
Trainings werden mit Georgien, der
Türkei, Pakistan und dem Iran durchgeführt.
Am 20. Juli 1944 war eines von
vielen Attentaten auf Hitler gescheitert. Daraufhin waren fünf hochrangige
Offiziere, die an der „Operation Walküre“ beteiligt waren, im Bendlerblock
hingerichtet worden. Den Auftakt zum 82. Jahrestag dieses Geschehens bildete
eine Gedenkstunde mit Kranzniederlegung im Ehrenhof des Bendlerblocks an der Gedenkstätte
Deutscher Widerstand.
Neben Bildungsministerin Karin Prien, die von ihrer
jüdischen Familie berichtete, hielt auch Stefan Evers ein Grußwort. Stefan
Evers ist Finanzsenator von Berlin und soll den Regierenden Bürgermeister Kai
Wegner ablösen, falls die Berliner CDU noch einmal das Wählervotum für sich
entscheiden kann.
Am Nachmittag fand bei moderaten Temperaturen und ohne Regen
das Feierliche Gelöbnis auf dem Paradeplatz des Bendlerblocks statt.
Die Reden hielten Verteidigungsminister Boris Pistorius und
der Schriftsteller Dr. Navid Kermani.
Angetreten waren Rekruten aus folgenden Einheiten: 10. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 26 aus Merzig 8. Kompanie des Luftwaffenausbildungsbataillons aus Roth 5. Kompanie des Wachbataillons aus Berlin Ausbildungs-/Schutzkompanie Wilhelmshaven I des
Marinestützpunktkommandos Wilhelmshaven 1. Kompanie des Logistikbataillons 171 aus Burg 3. Kompanie des IT-Bataillons 383 aus Erfurt 4. Inspektion der Schule für Feldjäger und Stabsdienst aus
Hannover
Heute wurde der Präsident der Demokratischen Volksrepublik
Algerien, Abdelmadjid Tebboune, mit militärischen Ehren bei Bundespräsident
Frank-Walter Steinmeier in der Villa Borsig, dem Gästehaus des Auswärtigen
Amtes, in Berlin-Tegel empfangen.
Das waren die ersten militärischen Ehren mit einem
Ehrenbataillon an der Villa Borsig. Ein Ehrenbataillon repräsentiert die drei Teilstreitkräfte
Heer, Marine und Luftwaffe. Die tatsächliche Personalstärke ist dabei
zweitrangig. Wegen der Urlaubszeit waren das Luftwaffenmusikkorps Münster und
der Spielmannszug aus Siegburg angereist. Die Billa Borsig am Tegeler See wird für
diese Anlässe genutzt, weil das Schloss Bellevue in den nächsten Jahren saniert
wird.
Algerien hat knapp 48 Millionen Einwohner und ein
Bruttoinlandsprodukt von 285 Milliarden Euro. Das Verteidigungsbudget liegt bei
etwa einem Prozent. Dennoch gelten die Streitkräfte Algeriens als die am besten
trainierten und am besten ausgestatteten in Nordafrika. Algerien hat reichlich
Konflikte mit Mali und Marokko. Zu Tunesien unterhält es gute Beziehungen. Militärische
Unterstützung bekommt es ansonsten von China und den USA. Algerien hat sechs
U-Boote, fünf Fregatten und eine 7.000 Soldaten zählende Marineinfanterie.
Präsident Abdelmadjid Tebboune ist 80 Jahre alt und seit
Dezember 2019 im Amt. Nach seinem Studium trat er sofort in den Staatsdienst
ein und übernahm seit 1975 verschiedene Posten als Generalsekretär algerischer
Provinzen. Im Mai 2017 wurde er Premierminister. Beim heutigen Besuch wird es
wohl vorrangig um Gaslieferungen aus Algerien gehen und um den Schutz der EU-Außengrenzen.
Algerien ist Transitland für Auswanderungswillige, die aus Zentralafrika und der
Sahelzone kommen.