Mit einer großen Delegation und
eigenem Maybach war der Präsident der Republik Aserbaidschan, Ilham Alijew,
angereist. Am Vormittag wurde er von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in
der Villa Borsig empfangen.
Die militärischen Ehren zum Antrittsbesuch bekam er bei
Friedrich Merz im Bundeskanzleramt.
Ilham Alijew ist 64 Jahre alt und seit 2003 im Amt. Er hatte
damals seinen Vater Heydar Alijew abgelöst, der von 1969 bis 1982 Staats- und
Parteichef der Aserbaidschanischen Sowjetrepublik war und von 1993 bis zu
seinem Tod im Jahr 2003 als Präsident der Republik Aserbaidschan fungierte.
Aserbaidschan hat 10,7 Millionen Einwohner und ein
Bruttoinlandsprodukt von 80 Milliarden USD. Wegen der Konflikte in der Region
unterhält das Land 68.200 aktive Soldaten und 300.000 Reservisten. Die Anzahl
der Kampfpanzer (547) und Artillerie (1.345) ist bemerkenswert. Das Material
ist jedoch veraltet und stammt weitestgehend aus sowjetischer Produktion. Da
Russland wegen seines Ukraine-Abenteuers nicht mehr liefern kann, kauft
Aserbaidschan inzwischen in Israel, der Türkei, Usbekistan und Kasachstan. Gemeinsame
Trainings werden mit Georgien, der
Türkei, Pakistan und dem Iran durchgeführt.
Am 20. Juli 1944 war eines von
vielen Attentaten auf Hitler gescheitert. Daraufhin waren fünf hochrangige
Offiziere, die an der „Operation Walküre“ beteiligt waren, im Bendlerblock
hingerichtet worden. Den Auftakt zum 82. Jahrestag dieses Geschehens bildete
eine Gedenkstunde mit Kranzniederlegung im Ehrenhof des Bendlerblocks an der Gedenkstätte
Deutscher Widerstand.
Neben Bildungsministerin Karin Prien, die von ihrer
jüdischen Familie berichtete, hielt auch Stefan Evers ein Grußwort. Stefan
Evers ist Finanzsenator von Berlin und soll den Regierenden Bürgermeister Kai
Wegner ablösen, falls die Berliner CDU noch einmal das Wählervotum für sich
entscheiden kann.
Am Nachmittag fand bei moderaten Temperaturen und ohne Regen
das Feierliche Gelöbnis auf dem Paradeplatz des Bendlerblocks statt.
Die Reden hielten Verteidigungsminister Boris Pistorius und
der Schriftsteller Dr. Navid Kermani.
Angetreten waren Rekruten aus folgenden Einheiten: 10. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 26 aus Merzig 8. Kompanie des Luftwaffenausbildungsbataillons aus Roth 5. Kompanie des Wachbataillons aus Berlin Ausbildungs-/Schutzkompanie Wilhelmshaven I des
Marinestützpunktkommandos Wilhelmshaven 1. Kompanie des Logistikbataillons 171 aus Burg 3. Kompanie des IT-Bataillons 383 aus Erfurt 4. Inspektion der Schule für Feldjäger und Stabsdienst aus
Hannover
Heute wurde der Präsident der Demokratischen Volksrepublik
Algerien, Abdelmadjid Tebboune, mit militärischen Ehren bei Bundespräsident
Frank-Walter Steinmeier in der Villa Borsig, dem Gästehaus des Auswärtigen
Amtes, in Berlin-Tegel empfangen.
Das waren die ersten militärischen Ehren mit einem
Ehrenbataillon an der Villa Borsig. Ein Ehrenbataillon repräsentiert die drei Teilstreitkräfte
Heer, Marine und Luftwaffe. Die tatsächliche Personalstärke ist dabei
zweitrangig. Wegen der Urlaubszeit waren das Luftwaffenmusikkorps Münster und
der Spielmannszug aus Siegburg angereist. Die Billa Borsig am Tegeler See wird für
diese Anlässe genutzt, weil das Schloss Bellevue in den nächsten Jahren saniert
wird.
Algerien hat knapp 48 Millionen Einwohner und ein
Bruttoinlandsprodukt von 285 Milliarden Euro. Das Verteidigungsbudget liegt bei
etwa einem Prozent. Dennoch gelten die Streitkräfte Algeriens als die am besten
trainierten und am besten ausgestatteten in Nordafrika. Algerien hat reichlich
Konflikte mit Mali und Marokko. Zu Tunesien unterhält es gute Beziehungen. Militärische
Unterstützung bekommt es ansonsten von China und den USA. Algerien hat sechs
U-Boote, fünf Fregatten und eine 7.000 Soldaten zählende Marineinfanterie.
Präsident Abdelmadjid Tebboune ist 80 Jahre alt und seit
Dezember 2019 im Amt. Nach seinem Studium trat er sofort in den Staatsdienst
ein und übernahm seit 1975 verschiedene Posten als Generalsekretär algerischer
Provinzen. Im Mai 2017 wurde er Premierminister. Beim heutigen Besuch wird es
wohl vorrangig um Gaslieferungen aus Algerien gehen und um den Schutz der EU-Außengrenzen.
Algerien ist Transitland für Auswanderungswillige, die aus Zentralafrika und der
Sahelzone kommen.
Auf seiner Sommerreise besucht Verteidigungsminister Boris
Pistorius in der Regel mehrere Standorte an einem Tag. Heute schaute er sich
den Stab der Heimatschutzdivision am ehemaligen Regierungsterminal des
Flughafens Tegel (TXL) an und übergab anschließend in der benachbarten
Julius-Leber-Kaserne ein Fahnenband an das Wachbataillon.
Der Heimatschutz hatte trotz seiner Wichtigkeit für die
Landesverteidigung zunächst den Ruf, mit überaltertem Gerät wie dem MG3
ausgestattet zu sein. Das hat sich inzwischen geändert, so dass der
Heimatschutz inzwischen die höchste Pro-Kopf-Abdeckung an Drohnen hat. Hier
zeigte sich der Kommandeur der Heimatschutzdivision, Generalmajor Andreas
Henne, sehr dankbar gegenüber dem Heer, dem der Heimatschutz unterstellt ist.
Boris Pistorius und das Wachbataillon begegnen sich ständig,
allerdings nur auf dem Paradeplatz des Bendlerblocks. Heute besuchte er das
Wachbataillon in der Julius-Leber-Kaserne. Bei einem kleinen Appell übergab er
das erste Fahnenband eines deutschen Verteidigungsministers an den Verband. Dem
Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Maik Teichgräber, ist es seit
Beginn seiner Verwendung in der Julius-Leber-Kaserne wichtig, den Doppelauftrag
herauszustellen: Protokoll und Infanterie.
Vom 9. Bis 12. Juli 2026 fand auf
dem zukünftigen Defense Tech Areal Marienpark im Südwesten Berlins der 20.
Hackathon des European Defense Tech Hub (EDTH) statt.
Zum Hackathon waren 28 Teams angetreten. Die Teams hatten
sich fast alle erst vor Ort kennengelernt und für eine Zusammenarbeit zur
Lösung sehr spezieller Probleme entschieden. Die Herausforderungen waren so
unterschiedlich, dass die Teams gar nicht gegeneinander angetreten konnten. Es
gab auch keine Siegerehrung, sondern Pitches, in denen die Teams ihre Ergebnisse
präsentieren sollten.
Zwanzig Teams stellten sich der kritischen Begutachtung der Jury
und des Publikums. Dabei wurde sehr schnell deutlich, wer aus der technischen
und wer aus der Marketingschiene kam. Die Techniker waren oft so tief in ihrer
Materie, dass die Zuhörer nur Bahnhof verstanden und auch den Zweck der Lösung
kaum erfassen konnten. Nach drei Minuten wurde jeder Pitch abgebrochen und der
Moderator fragte das Publikum, wer Problem und Lösung verstanden habe. Die Jury
durfte Fragen stellen. Die Teams hatten sich unter anderem mit folgenden
Herausforderungen beschäftigt:
Wie schaffen wir es in einem multinationalen Katastrophenfall,
möglichst ohne Internetverbindung mit Verletzten und mit Rettungspersonal über
die Sprachbarrieren hinweg zu kommunizieren? Wie können wir Verletzten auf dem Gefechtsfeld
per KI-Diagnose und Handlungsempfehlungen helfen, solange kein Arzt in der Nähe
ist? Wie kann ich sehen, dass meine Angehörigen an ihrem Ort sicher sind, wenn
beispielsweise Terroristen schießwütig durch die Stadt laufen? Wie stelle ich
sicher, dass die angefragte KI keine falschen Fakten an mich weitergibt? Wie
führe ich heterogene Datenquellen möglichst schnell in ein Lagebild zusammen?
Wie optimiere ich die Wege in einem Feldkrankenhaus? Wie erkenne und zerstöre
ich Landminen mittels eines Roboters? Wie finde ich meine wirkungslos
gebliebenen Drohnen im Gelände und reaktiviere sie?
Die Lösungen waren ein Mix aus Hardware und Software. Wobei
erstaunlich viel Wert darauf gelegt wurde, unabhängig vom Internet zu sein. Zum
Bau neuer Hardware standen mehrere 3D-Drucker bereit. Einige Teilnehmer hatten
ganze Kisten mit Drohnen, Kabeln, Lötkolben, Leiterplatten und Schraubendrehern
mitgebracht. Überall sah man Laptops und eifrig tippende Hacker. Hacker sind
übrigens die Guten – im Gegensatz zu Crackern, die bewusst Schaden anrichten
oder sich über ihre Aktionen bereichern möchten.
Bei reichlich Kaffee, Gebäck, Pommes und Burgern konnten die
Hacker aus Europa und der ganzen Welt ins Gespräch kommen. In der Regel hatten
sie Flug und Unterkunft selbst finanziert und folgten der Motivation, der
Ukraine helfen zu wollen, ihre Gesellschaften krisenfester zu machen, sich mit
Gleichgesinnten oder Fachkollegen zu vernetzen, voneinander zu lernen und an
den gestellten Herausforderungen fachlich zu wachsen.
Das Arbeitstempo gaben die Teilnehmer sich selbst vor. Manch
einer war schon gegen acht Uhr vor Ort. Andere trafen erst gegen elf Uhr ein
und konnten dann bis Mitternacht arbeiten. Zwischendurch konnten sie
Tischtennis spielen, anderen über die Schulter schauen oder sich im
weitläufigen Marienpark die Beine vertreten.
Neben der Befriedigung, mit dem eigenen Können, nützliche Lösungen
geschaffen zu haben, steht auch die Perspektive im Raum, das öfter und in einem
größeren Maßstab verwirklichen zu können: mit einer eigenen Firma oder als
Mitarbeiter in einem Rüstungsunternehmen. So sind deshalb auch ab und zu
Vertreter der Branche vor Ort und schauen sich die Lösungen und Kompetenzen an.
Generell ist es jedoch schwierig, einen Fuß in diesen kleinen, bereits
aufgeteilten Markt zu bekommen. Auch fehlt oft noch die Brücke zu beauftragenden
Behörden. Die Hürden beginnen schon bei der besonderen Sprache und der Kenntnis
der Zuständigkeiten. Hier hilft der EDTH. Der EDTH ist auch mit der Ukraine
sehr gut vernetzt, so dass akute Problemstellungen an den EDTH herangetragen
werden und Lösungen sofort in der Praxis getestet werden. Ziel ist es dabei,
funktionierende Prototypen schnell in die Serienproduktion zu überführen.
Darauf arbeiten auch die Teilnehmer der EDTH-Hackathons hin.