Die
Landesvertretung Sachsen hatte heute zu einer Diskussion über das Thema
„Zeitenwende der europäischen Sicherheit – multinationale und regionale
Perspektiven im Umgang mit hybriden Bedrohungen“ eingeladen. Das Panel war
unter anderem mit dem sächsischen Innenminister, Armin Schuster (CDU), Oberst
Armin Schaus vom Operativen Führungskommando und Experten aus Polen und
Schweden besetzt.
Armin Schuster
wird gerne mit einer Wort-Tat-Schere und einer schwachen Performance als Leiter
des BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe) von 2020 bis
2022 in Verbindung gebracht. Allerdings zeigt das Beispiel Armin Schuster, wie
wichtig es ist, in der Lage zu sein, breite Kräfte zu mobilisieren. Als er damals
den Bevölkerungsschutz neu ausrichten wollte, wurde er belächelt, ignoriert
oder als „Prepper“ (von prepare = vorbereiten) beschimpft. Die Einzigen, die in
dieser Zeit ein offenes Ohr für ihn hatten, waren die Grünen. Inzwischen habe
sich das geändert: Innenminister Dobrindt arbeite auf Hochdruck an einer Konzeption
der Zuständigkeiten. Zuständigkeiten die es teilweise bislang noch gar nicht
gab.
Oberst Schaus
konnte davon berichten, dass er inzwischen ein gefragter Mann bei Firmenevents sei.
In den Chefetagen entwickle sich so langsam das Gespür für Gesamtverteidigung (Total
Defense) und die Führungsebene wolle nun wissen, was ihre Firma dazu beitragen
könne. Ohne eine breite Unterstützung der Bevölkerung könne Landesverteidigung
nicht gelingen. Das beginne schon bei der überschaubaren medialen Reichweite
der Bundeswehr-Kanäle.
Von schwedischer
Seite waren auch selbstkritische Töne zu hören: Man sei sich zwar innerhalb der
Behörden und Ministerien über die Strategie der Total Defense einig, falle aber
dennoch immer wieder auf gezielte hybride Angriffe Russlands rein. Russland
passe seine Maßnahmen permanent und zielgerecht an, so dass die grundlegend
vorhandene Resilienz ständig nachjustiert werden müsse. Schweden sei sehr froh
über seine NATO-Mitgliedschaft, dass Russland kleine, nicht-organisierte
Staaten als legitimen Spielplatz für Großmächte ansehe. Russland gestalte immer
noch das Gefechtsfeld (shaping the battle field). Deshalb müsse man sich in die
russischen Denkstrukturen hineinversetzen – so wie Sun Tsu schon vor 2.500
Jahren sagte: kenne dich selbst und kennen deinen Gegner. Dann wirst du zu 100
Prozent siegreich sein.
Auch aus Polen
wurde das bestätigt. In Polen werden politische Kräfte gezielt gegeneinander
aufgehetzt und Ressentiments gezielt befeuert. Darauf war man nicht vorbereitet
und versucht nun die Resilienz nachzuschärfen. Russland nutze gnadenlos
sämtliche Schwachpunkte aus.
Aus der EU kam der
Hinweis, dass die hybride Bedrohung nur ein Teil der Herausforderungen seien.
Hinzu kommen noch die wirtschaftliche Flaute und soziale Themen.
Insgesamt zeigten
sich die Panel-Teilnehmer aber euphorisch über das große Interesse an diesem
Thema. Daran sei gelebte Zeitenwende zu erkennen.
Autor: Matthias Baumann