Posts mit dem Label BMVg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label BMVg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 20. Mai 2026

Automitive-Industrie sucht Anschluss bei der Rüstungsproduktion

Gestern fand im Marienpark Berlin-Tempelhof ein Netzwerktreffen der Automotive-Industrie und Partnern aus der Ukraine statt. Das Thema war "From Prototype to Arsenal, Applying Automotive Principles to Scale Europe's Drone Production" (Vom Prototyp zum Arsenal: Anwendung von Prinzipien aus der Automobilindustrie zur Skalierung der europäischen Drohnenproduktion).


Es ist ein ermutigendes Zeichen im Sinne der Gesamtverteidigung, dass sich allerorts auch zivile Akteure Gedanken um ihren Beitrag machen. Für die Koordinierung dieser Initiativen wäre das Innenministerium zuständig, hat sich aber durch sein zu langes Zögern selbst von der Entwicklung abgehängt. Die Bundeswehr und das BMVg, die dafür nur marginal zuständig zeichnen, sind eine treibende Kraft, die Fähigkeiten zu bündeln, können und wollen das aber nicht vollumfänglich leisten.

So entwickeln sich Insellösungen parallel und bilden ab und zu Schnittstellen. Die IHK Berlin unter Manja Schreiner hatte am 27. April 2026 den „TechHUB SVI Ost“ vorgestellt, an dem der Regierende Bürgermeister, die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Berlin Partner, die Unternehmensverbände (UVB) Berlin-Brandenburg und die Privatwirtschaft beteiligt sind. Bei diesem ganztägigen Anlass kamen auch die Entwickler des Marienparks in Berlin-Tempelhof zu Wort. Der Marienpark solle über die nächsten Jahre zu einem Zentrum der DefTech (Verteidigungstechnologie) mit öffentlichen und gesicherten Bereichen werden.

Interessant also, dass sich die Automotiv-Industrie gerade dort traf. Interessant aber auch, dass es offensichtlich keine Verbindungen zu anderen Akteuren wie dem „TechHUB SVI Ost“ gab. Auch kannte kaum jemand von den Teilnehmern den Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V., welcher sich als Übersetzer im Dialog zwischen Rüstungsindustrie und Behörden versteht. Die Firmen der Automotiv-Industrie erleben derzeit eine mehr oder weniger große Flaute, die sie mit Rüstungsprodukten oder Einzelkomponenten aufzufangen suchen. Sie haben sich ihren eigenen Weg zur Umsetzung gesucht und Kontakt zu ukrainischen Herstellern und Endabnehmern aufgenommen. Der Vernetzungsgrad ist sehr hoch und es werden auch schon Geschäfte gemacht.

Besonders interessant waren die Vorträge der ukrainischen Gäste, da sie den direkten und täglichen Bezug zu den Produkten haben. Die Ukrainer freuen sich, wenn sie deutsche Produkte im Realszenario testen können und bieten diese Tests proaktiv an. Der Flaschenhals sei nicht die eigentliche Herstellung, sondern der Test im realen Szenario. Besteht ein Produkt den Test und liefert entsprechende Ergebnisse, wird das Produkt sehr schnell vom ukrainischen Verteidigungsministerium zertifiziert und in die Truppe integriert. Gleichzeitig beginnt das Training der Soldaten am Produkt und die Serienproduktion kann beginnen. Oftmals zieht das sogar eine globale Nachfrage nach sich, wodurch die Umsätze erheblich gesteigert werden können. Den Zuhörern wurden einige dieser Erfolgsgeschichten vorgestellt.

Aber Achtung! Die Ukrainer geben bei aller Begeisterung über insbesondere deutsche Rüstungsgüter zu bedenken, dass diese sehr gut, aber nur bis 2022 nützlich sind. Hier müsse ein Umdenkungsprozess stattfinden: Zeitgemäße Rüstungsprodukte müssten demnach günstig in der Anschaffung, reichlich verfügbar und modular aufgebaut sein. Zudem sollten Firmen immer auch eine Zerstörung ihrer Produktionsstätte einkalkulieren und Maßnahmen zur lückenlosen Weiterproduktion ergreifen. Auch sei es wichtig, mögliche Gegenprodukte mitzudenken, um schnell auf die Einführung dieser Gegenmaßnahmen reagieren zu können. Die Zeitzyklen der Entwicklung werden immer kürzer. Ging man 2022 von Mitteln aus, die ein Ziel bekämpfen und manuell gesteuert werden, sind es aktuell ferngesteuerte Systeme, die 50 Ziele bekämpfen können. Bis 2029 wird erwartet, dass autonome Systeme bis zu 500 Ziele bekämpfen können. 2029 ist in drei Jahren und entspricht dem Jahr, in dem die Bundeswehr einen russischen Angriff auf die NATO für möglich hält.

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 3. März 2026

Wehrbeauftragter und sicherheitspolitischer Impulsgeber

Heute wurde der Bericht 2025 des Wehrbeauftragten des Bundestages, Henning Otte (CDU), in der Bundespressekonferenz (BPK) in Berlin vorgestellt.


Henning Otte hatte im Juni 2025 seine Vorgängerin Dr. EvaHögl (SPD) abgelöst. Sie hatte damit ihre reguläre, fünfjährige Amtszeit beendet. Der Wehrbeauftragte wird für fünf Jahre berufen und überspannt mit dieser Amtszeit bewusst die Legislaturperiode. Damit haben der Wehrbeauftragte und die Soldaten mehr Planungssicherheit. Wehrbeauftragte sind als "Anwalt der Soldaten" zu verstehen und bauen idealerweise einen guten und intensiven Draht zur Truppe auf. Henning Otte saß viele Jahre im Verteidigungsausschuss des Bundestages und versteht sich nach wie vor als "sicherheitspolitischer Impulsgeber". Zurzeit der Merkel-Regierung (bis 2021) war es sein Wunsch, Parlamentarischer Staatssekretär im BMVg zu werden. Das wusste Angela Merkel bis zum Schluss zu verhindern, selbst als die Stelle durch das Ausscheiden von Dr. Peter Tauber vorzeitig frei wurde.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 26. Januar 2026

Antrittsbesuch des litauischen Verteidigungsministers Robertas Kaunas

Wer in den letzten vier Jahren wiederholt Litauen besucht hat, wird die enorme Geschwindigkeit von Bauvorhaben und infrastrukturellem Aufwuchs bestätigen können. Diesem Tempo schließt sich auch der Wechsel der Verteidigungsminister Litauens an.

Verteidigungsminister Arvydas Anušauskas hatte es von Dezember 2020 bis März 2024 durchgehalten und reichte dann überraschend seinen Rücktritt ein. Sein Nachfolger war Laurynas Kasčiūnas. Der konservative Kasčiūnas  wurde von der litauischen Presse bezüglich der Kosten im Zusammenhang mit der deutschen Brigade Litauen unter Druck gesetzt. So gab er bereits im Dezember 2024 sein Amt wieder ab. Es folgte die Kriminalpsychologin Dovilė Šakalienė. Sie gehört der Bauernpartei Litauens an. Dovilė Šakalienė konnte sich keine zwölf Monate im Amt halten.

Der aktuelle Verteidigungsminister Robertas Kaunas ist Sozialdemokrat und seit November 2025 im Amt. Heute absolvierte er seinen Antrittsbesuch bei Boris Pistorius im Bendlerblock.

 

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 13. Januar 2026

Kaja Kallas zum Antrittsbesuch bei Boris Pistorius

Heute wurde die Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, mit militärischen Ehren im Bendlerblock empfangen. In den anschließenden Gesprächen ging es um die Stärkung der europäischen Verteidigungsbereitschaft und die Unterstützung der Ukraine.


Kaja Kallas war von 2021 bis 2024 Premierministerin Estlands und gehört dort zur Reformpartei, die in etwa mit unserer FDP zu vergleichen wäre. In Estland ist sie jedoch stärkste politische Kraft. Kaja Kallas hatte sich innerhalb der EU und der NATO besonders stark für die Unterstützung der Ukraine eingesetzt, da sich Estland als direkter Nachbar Russlands einer konkreten Bedrohungslage gegenüber sieht. Auch das IISS hatte 2021 noch vermutet, dass Russland das Baltikum statt der Ukraine angreifen werde, um Handlungsfähigkeit und Handlungswillen der NATO auszutesten.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 19. Dezember 2025

Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WDModG) tritt zum 1. Januar 2026 in Kraft

Nachfolgend zitieren wir die Pressemitteilung 42/2025 des BMVg vom 19.12.2025, 18:07 Uhr:

Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes - Nach Abschluss des parlamentarischen Verfahrens fällt der Startschuss zum 1. Januar

Am 19. Dezember hat der Bundesrat über das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WDModG) beraten. Mit der Zustimmung ist ein weiterer Meilenstein im parlamentarischen Verfahren erfolgt. Es steht nun zum Jahreswechsel noch die Unterschrift des Bundespräsidenten an, bevor das Gesetz zum 1. Januar 2026 in Kraft tritt.

Der Startschuss für den NWD ist nicht nur für die Bundeswehr als Großorganisation ein hervorgehobenes Datum, sondern auch in erster Linie für die jungen Menschen in unserem Land. Unsere Planungen sehen vor, dass Mitte Januar alle deutschen Bürgerinnen und Bürger des Jahrgangs 2008, die dann bereits die Volljährigkeit erreicht haben, Post von der Bundeswehr erhalten. Das Anschreiben erhält einen QR-Code, der über einen online-Link zum Fragebogen führt. Dieser fragt die generelle Bereitschaft zum NWD ab. Den Fragebogen erhalten deutsche Personen mit Wohnsitz in Deutschland. Männer müssen den Fragebogen ausfüllen. Frauen sind dazu eingeladen. Der Fragebogen ist online auszufüllen und umfasst zwölf Fragen.  Diese beinhalten Fragen zu persönlichen Daten und Bildungsabschlüssen sowie zur Motivation, Eignung und körperlicher Fitness. Der Fragebogen kann selbstverständlich auf dem Handy, auf dem Tablet oder dem PC bearbeitet werden. Der zeitliche Aufwand zum Ausfüllen sollte nicht länger als 15 Minuten dauern. Bei der Abgabe der persönlichen Daten sind weder die Mailadresse noch die Telefonnummer zu hinterlegen. Nur wenn Interesse am Dienst besteht und der Ausfüllende dies selbst einträgt, ist eine der Möglichkeiten zu wählen, um die Kontaktherstellung zu ermöglichen. Nach Beantwortung aller Fragen gelangen die Bearbeitenden auf eine „Landing Page“. Dieser kommt eine wichtige Funktion zu, denn zum einen enthält sie die Bestätigung, dass der Fragebogen ausgefüllt wurde, zum anderen liefert sie weitere Informationen u.a. zu Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr (www.bundeswehrkarriere.de) aber auch zu den Freiwilligen Diensten (www.freiwillig-ja.de).

Diejenigen, die beim Fragebogen freiwillig ihre Bereitschaft für eine Wehrdienstleistung angeben, werden nach und nach auf ihre Eignung geprüft – also auch ärztlich untersucht. Das nicht-Ausfüllen des Fragebogens stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann zu einer Geldbuße führen. Ziel ist es, ein umfassendes Lage- und Datenbild über die Bereitschaft der jungen Generation zu erhalten und die Wehrerfassung und -überwachung wieder aufzubauen. Für die Musterung werden perspektivisch 24 Musterungszentren und acht große Karrierecenter mit Assessment zur Verfügung stehen.

Der Versand der Fragebögen startet Mitte Januar. Konkret heißt das, alle jungen Menschen des Jahrgangs 2008, die in den ersten Januartagen volljährig werden, erhalten in etwa Mitte/ Ende Januar per Post ein Anschreiben von der Bundeswehr. Die zeitlichen Abläufe begründen sich darin, dass die Bundeswehr erst mit In Krafttreten des Gesetzes zum 1. Januar die Daten von den Meldebehörden abrufen darf. Es ist geplant, die Schreiben künftig in regelmäßigen Abständen zu verschicken; vvs. im wöchentlichen Rhythmus.
Unsere Planungen sehen vor, dass wir rund 650.000 Personen eines Jahrgangs anschreiben. Pro Monat wären das ca. 54.000 Personen.

Uns ist bewusst, dass es ein hohes Informationsinteresse zum NWD gibt. Auf unseren Seiten sind vielen Daten & Fakten, aber auch praktische Tipps zu finden. Wir planen die jungen Leute mitzunehmen, u.a. mit Erklärvideos zum Ausfüllen des Fragenbogens auf TikTok. Eine junge Bundeswehrangehörige erklärt ihren Altersgenossen die ersten Schritte und „nimmt“ diese quasi virtuell an die Hand. Mit dieser Hilfestellung wollen wir die Zielgruppe abholen und passgenau mitnehmen. Unser Ziel ist es, die jungen Menschen dort zu informieren, wo sie sich altersbedingt typischerweise „tummeln“ – deshalb sind wir auch auf Twitch und TikTok aktiv.

Wichtig ist: Der NWD beruht auf Freiwilligkeit! Der Freiwillige Dienst in den Streitkräften steht gleichberechtigt neben den zivilen Diensten beispielsweise dem Bundesfreiwilligendienst oder dem freiwilligen sozialen Jahr. Klar ist aber auch, der NWD stärkt die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr sowie den Aufwuchs der Reserve, denn unsere Sicherheit wird durch eine gut aufgestellte Bundeswehr gewährleistet.

Dienstag, 16. Dezember 2025

Neuer Bordhubschrauber Sea Tiger übergeben

Am 16. Dezember 2025 wurde im Bendlerblock der erste neue Bordhubschrauber Sea Tiger übergeben. Der Sea Tiger basiert auf dem NH90 und soll in den nächsten Jahren den Mk88A Sea Lynx ablösen. Die Besatzung und der Kommandeur der Marineflieger, Kapitän zur See Broder Nielsen, zeigten sich zufrieden mit den Fähigkeiten des Sea Tigers. Der Hubschrauber wird auf den Fregatten mitfahren und beispielsweise zur Erkennung von U-Booten und der Erstellung von Lagebildern eingesetzt.


Autor: Matthias Baumann