Das Taktische Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann"
(TaktLwG 51 "I") aus Jagel führt in dieser Woche eine gemeinsame
Übung mit dem Flughafen Hamburg (HAM) durch.
Dabei wird das zivil-militärische Zusammenspiel
von Luftwaffe und Flughafenpersonal trainiert. Es geht um Start, Landung,
Zeitkoordination, Wetterinformationen, Betankung, Verpflegung und weitere
Dinge, über die sich der Urlaubsreisende keine Gedanken macht, die aber
funktionieren müssen. Die sechs Tornados werden in den normalen zivilen Flugverkehr integriert und erscheinen sogar auf der Tafel mit den Abfluginformationen. Nach Aussage des Kommodore, Oberst Jens Schumacher, hat
das Zusammenwirken mit dem Flughafen HAM bei früheren Trainings hervorragend
funktioniert. Deshalb zeigte er sich zuversichtlich, dass die Aktion auch
diesmal ein voller Erfolg wird.
Der Flughafen Hamburg ist nur 120
Kilometer vom Heimatflugplatz des TaktLwG 51 "I" entfernt. Der
Start lohnt sich dennoch, weil die Tornados
unterwegs weitere Trainings absolvieren. Geflogen wird in diesem Fall ohne
Bewaffnung.
Starts und Landungen auf Autobahnen,
wie sie während des Kalten Krieges in Deutschland geübt wurden, stehen derzeit
nicht auf dem Programm. Schweden und Finnland üben das jedoch wieder, um nach
der möglichen Zerstörung von Flughäfen immer noch Fähig zum Luftkampf zu sein.
Nach der Annexion
der Krim durch Russland wurde das Enhanced Air Policing der NATO eingerichtet.
Auch deutsche Eurofighter übernehmen regelmäßig die Sicherungsaufgaben bei AirPolicing North oder South an der rumänischen Schwarzmeerküste oder im Nordosten
Polens.
Sobald Drohnen,
Luftfahrzeuge ohne Transpondersignal oder Nicht-NATO-Militärflugzeuge in den
Luftraum eindringen, wird die Alarmrotte - Neudeutsch Quick Reaction Alert
(QRA) – aktiviert. Die Alarmrotte hat eine Reaktionszeit von 15 Minuten: Auslösung
des Alarms, Ausrüstung anlegen, zum Flugzeug rennen, Triebwerke und Bordsysteme
hochfahren, die Munition entsichern, zur Startbahn rollen, starten und auf mindestens
5.000 Meter Höhe aufsteigen. Ein Flug von Constanta in Rumänien bis zur
Ukrainischen Grenze dauert beispielsweise maximal 5 Minuten. Am längsten dauert
das Hochfahren der Triebwerke und Bordsysteme. Wenn sich ein Einsatz anbahnt,
kann der Alarm so früh ausgelöst werden, dass schon alles hochgefahren ist,
wenn der finale Befehl zum Start erfolgt. Bei wichtigen Ereignissen mit hohem
Schutzbedürfnis kommt es auch vor, dass die Alarmrotte aufsteigt und sich auf
Bereitschaft im Luftraum aufhält. Da die Eurofighter zweimal 1.000 Liter
Kraftstoff zusätzlich mitführen, haben sie eine entsprechende Durchhaltezeit.
Die kürzeste Flugdauer bei ständiger Nutzung des Nachbrenners liegt bei einer
halben Stunde. Zur Not gibt es auch noch die Option der Luftbetankung.
Die für den Einsatz
relevante Munition ist bereits montiert und muss lediglich mechanisch
entsichert werden. Das passiert vor einem eigens dafür aufgeschütteten
Sandwall. Der Sandwall dient als eine Art Kugelfang, wie man ihn von der Jagd
oder vom Truppenübungsplatz kennt. Die Eurofighter der Luftwaffe nehmen IRIS-T AIM-2000
sowie METEOR und AIM 120-B AMRAAM mit auf den Flug. Während IRIS-T seine Ziele
optisch erfasst, verfolgen METEOR und AMRAAM ihre Ziele per Radar. Mit diesen
Raketen können die Eurofighter einen Gegner auf Abstand halten und auf weite
Entfernung bekämpfen. Für einen Kampf im
Nahbereich steht dem Eurofighter noch eine Bordkanone Mauser BK-27 mit 140
Schuss 27mm zur Verfügung.
Die Alarmrotte besteht immer aus mindestens zwei
Kampfflugzeugen. In der Luft verschafft sich der Rottenführer zuerst ein Bild
der tatsächlichen Lage und stimmt sich mit dem Personal am Boden über das
weitere Vorgehen ab. Zivile Luftfahrzeuge können in der Regel mit Zeichen
umgelenkt werden. Ein Blick ins Cockpit dient der Erkennung, ob es sich um eine
Entführung handelt. Das System der Alarmrotten war wegen der
Flugzeugentführungen am 11. September 2001 ins Leben gerufen worden. An der
NATO-Ostflanke werden vermehrt Drohnen bekämpft und russische Militärflugzeuge
abgedrängt. Russland testet seit 2022 verstärkt die Reaktionszeiten der NATO.
Zum Schutz des deutschen Luftraumes gibt es auch Alarmrotten,
die 24/7 einsatzfähig sind. Diese sind in Neuburg an der Donau, in Wittmund und
in Laage stationiert, wobei die Kräfte aus Wittmund derzeit von Laage aus
agieren. Gesteuert werden die Alarmrotten von Uedem aus. Dort befindet sich das
Nationale Lage- und Führungszentrum Sicherheit im Luftraum (NFLZ SiLuRa).
Wie die Alarmrotten praktisch funktionieren und dass die
schnelle Reaktionszeit tatsächlich eingehalten wird, demonstrierte heute die
Luftwaffe in Laage. Punkt 13 Uhr gab es einen T-Scramble, auch Tango Scramble
oder Trainingsstart genannt. Diese Trainingsstarts werden mindestens einmal pro
Woche abgerufen. Priorität hat aber der A-Scramble, der Alpha Scramble oder
scharfer Einsatz. Dieser komme auch in Deutschland immer häufiger vor. Der
Einsatz wegen ziviler Maschinen sei zwar rückläufig – etwa alle zwei Tage –
dafür müsse aber vermehrt Präsenz gegenüber russischen Militärmaschinen gezeigt
werden. Derzeit halten sich diese noch an die Grenzen des deutschen Luftraums.
An diesem Wochenende trafen 300 türkische Soldaten auf dem
Fliegerhorst Wunstorf ein. Weitere Soldaten aus teilnehmenden Ländern des
NATO-Manövers „Steadfast Dart 2026“ wurden über den zivilen Flughafen Hannover
eingeflogen.
"Steadfast Dart 2026" ist eine Verlegeübung der
NATO Allied Reaction Force (ARF) mit etwa 7.300 Soldaten aus Deutschland,
Griechenland, Italien, Tschechien und der Türkei. Diese bringen sich mit
unterschiedlichen Komponenten zu Wasser, zu Land und zur Luft ein. Es geht
darum, Einsatzbereitschaft und Einheit zu demonstrieren und die schnelle
Verlegung von Personal und Material zu trainieren. "Steadfast Dart
2026" geht von Ende Januar bis März 2026 und bewegt sich zur See im
Atlantik, dem Mittelmeer, der Nordsee und der Ostsee. Auf dem Land- und Luftweg
erstreckt sich die Übung über Türkei, Griechenland, Italien bis nach
Deutschland. Deutschland gilt als Host Nation und trainiert seine Funktion als
logistische Drehscheibe.
Weitere Infos: https://jfcbs.nato.int/stdt26 und
https://www.bundeswehr.de/de/auftrag/uebungen/steadfast-dart-2026
Bei eisiger Kälte wurde heute das israelische Raketenabwehrsystem
Arrow 3 in Betrieb genommen.
Die offizielle Bezeichnung dieses Vorgangs lautete „Erklärung
der Anfangsbefähigung“. Das heißt: Ein Teil des deutschen Luftraumes wird nun
durch das System geschützt. Der Ausbau des Systems wird nun konsequent
fortgesetzt, so dass bald ganz Deutschland unter der bewährten Schutzglocke
liegen wird. Anhand der ersten Reaktionen auf diese Maßnahme ist davon
auszugehen, dass der potenzielle Angreifer nicht besonders froh darüber ist und
uns lieber schutzlos seinen Drohungen ausgeliefert sieht.
Der Vertrag wurde wenige Tage vor dem palästinensischen
Angriff auf das NOVA-Festival und die Kibbuzim an der Grenze zu Gaza
unterzeichnet. Damals ahnte noch niemand, war am 7. Oktober 2023 geschehen
werde. Die israelische Begleitpresse hatte damals nur Interesse an der umstrittenen
Justizreform, so dass Boris Pistorius am Ende der Pressekonferenz meinte, dass
er diesmal gar nichts zu tun gehabt hätte.
Nach dem 7. Oktober 2023 musste das System Arrow in Israel
zeigen, was es kann und überzeugte davon, dass die deutsche Kaufentscheidung
richtig war. Das System besteht auch verschiedenen Komponenten inklusive einem Radar,
welches unter einer Art riesigem Fußball versteckt ist. Neben den
Einzelkomponenten, ist wohl auch das Radar verlegbar.