Heute Mittag wurde der neue tschechische
Verteidigungsminister, Jaromír Zůna, mit militärischen Ehren zu seinem
Antrittsbesuch im Bendlerblock empfangen.
Jaromír Zůna ist seit
Dezember 2025 stellvertretender Ministerpräsident und Verteidigungsminister.
Diese Kombination der Ämter ist in verschiedenen Ländern so üblich – auch in
Polen. Er stammt aus einer Offiziersfamilie und ging bereits mit 16 Jahren auf
ein Militärgymnasium. Den Abschluss auf der Militärakademie Vyškov
machte er mit 24 Jahren. Er diente dann in verschiedenen Verwendungen des
tschechischen Heeres und wollte immer ins Militärische Nachrichtenwesen
einsteigen. Trotz mehrerer Anläufe klappte es aus verschiedenen Gründen nicht. Die
Karriere lief dennoch weiter, so dass er im Mai 2019 zum Generalleutnant
befördert wurde. Von 2023 bis 2024 war er als Militärattaché an der
tschechischen Botschaft in Peking eingesetzt.
Entgegen seiner Parteilinie setzt sich Jaromír
Zůna für eine Unterstützung der Ukraine ein und macht sich insbesondere für das
Hochfahren der Munitionsbestände stark. Tschechien hat auch den Zuschlag für
die neue Dienstpistole der Bundeswehr bekommen: die P13 – auch bekannt als CZP-10 C OR.
Die in Deutschland akkreditierten Militärattachés werden
durch das Referat Streitkräfte IV 4 (SK IV 4) des BMVg, ehemals MEO I 4 und SE
I 4, bestens betreut. Neben Empfängen, Konferenzen und sportlichen Veranstaltungen
mit Feldanzug im Grünen organisiert das Referat mehrtägige Reisen zu den
Teilstreitkräften der Bundeswehr. So gab es auch in diesem Jahr Reisen zum
Heer, zum Unterstützungskommando, zur Luftwaffe, zum Cyber-Informationsraum und
abschließend auch zur Marine.
Die Reise zur Marine war besonders gut besucht, weil das
Programm einige spannende Punkte enthielt. Beginnen sollte es beim
Seebataillon, einer schlagkräftigen Marineinfanterie-Einheit. Danach stand ein
Tagesausflug auf dem Tender „Werra“ mit verschiedenen Fähigkeitsdarstellungen auf
dem Programm und am letzten Tag sollte
es zum 1. U-Bootgeschwader in Eckernförde gehen. Einige Attachés hatten ihre
Ehepartner dabei. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Netzwerkbildung.
Beim Seebataillon gab es den üblichen Theorieteil und ein
Essen in der Truppenküche. Danach ging es in die Ausstellung des Bataillons, wo
sämtliche Exponate angefasst und ausprobiert werden konnten. Es wurde
gefachsimpelt und bei manch einem Oberst erwachte das Kind im Manne. Am Abend
ging es zur inhaltlichen Abwechslung in den schleswig-holsteinischen Landtag.
Die Attachés konnten dort mit Landtagsabgeordneten verschiedener Parteien
diskutieren und üben, wie Flensburger Pils mit einem hörbaren „Plopp“ geöffnet
wird.
Der zweite Tag war für einen Ausflug mit dem Tender „Werra“
reserviert. Ein Tender fasst bis zu 125 Personen und 25 Container. Er kann bis
zu 150 Tonnen Munition transportieren und schützt sich mit mehreren Bordkanonen
und Maschinengewehren. Der Tender ist ein Boot und kein Schiff. Der Unterschied
zwischen Boot und Schiff liegt in der Kommandostruktur. Das Schiff hat neben
dem Kapitän noch einen Ersten Offizier. Das Boot hat diesen nicht. Deshalb ist
die „Gorch Fock“ ein Schiff und der Tender „Werra“ ein Boot.
Während des langen
Ausfluges in die Kieler Bucht gab es Vorführungen, die einige Heeres- und
Luftwaffenattachés so noch nie gesehen hatten: Der Austausch von Post zwischen
zwei Schiffen – ähm Booten, das Boarding vom Hubschrauber aus, die Rettung
eines über Bord gegangenen Kameraden, die Brandbekämpfung, den Gruß nach Laboe
oder das Show of Force (Machtdemonstration) durch den tiefen Überflug zweier
Eurofighter.
Den letzten Tag
verbrachten die Reisenden beim 1. U-Bootgeschwader in Eckernförde. Besonderes
Highlight war das Ausbildungszentrum mit vielen Exponaten aus dem U-Bootalltag
und modernen Simulatoren zur Ausbildung der Besatzungen.
Auch im nächsten Jahr
wird es wohl wieder Reisen zu den Teilstreitkräften geben – zu anderen
Standorten und mit anderen Teilnehmern, aber sicher auch so interessant.
Zwei Wochen vor dem 1. Advent findet der Volkstrauertag
statt. Diesmal fiel er auf Sonntag, den 16. November 2025. Schon am Samstag hat
der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. alle Hände voll zu tun. Er gestaltet
oder begleitet am Wochenende des Volkstrauertages so viele Veranstaltungen,
dass sich die Verantwortlichen aufteilen müssen und für Außenstehende kaum ein
Überblick zu behalten ist. Wir haben an den zwei Tagen sechs Veranstaltungen
begleitet.
Es begann am Samstag um 12 Uhr mit der Gedenkfeier des
Jugendarbeitskreises des Landesverbandes des Volksbundes. Diese findet
traditionell in Plötzensee statt. Jugendliche stellen die Ergebnisse von
Geschichtsprojekten vor und lesen das Totengedenken. Sie sind voll bei der
Sache und engagieren sich auch übers Jahr bei der Pflege von Grabstätten, bei
Vorträgen oder Einsätzen im Ausland. Es besteht reger Kontakt zu Jugendlichen ausländischer
Kriegsgräber-Organisationen.
Am späten Nachmittag fanden sich die in Deutschland
akkreditierten Militärattachés zur Gedenkstunde auf dem Standortfriedhof
Lilienthalstraße in Neukölln ein. Die hereinbrechende Dunkelheit wird dort
traditionell von Fackelträgern des Wachbataillons erhellt. Die Gedenkrede hielt
diesmal der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär beim BMVg, Dr. Peter
Tauber.
Am Sonntag im Morgengrauen trafen sich das Landeskommando
Berlin, der Generalinspekteur, die Landespolizei, die Landespolitik und der israelische
Verteidigungsattaché, um auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee Kränze
niederzulegen. Die Gedenkrede hielt die Präsidentin des Berliner
Abgeordnetenhauses, Cornelia Seibeld. Auch der Militrärbundesrabbiner Szolt
Balla und die ehemalige Wehrbeauftragte, Dr. Eva Högl, waren zugegen. Der
aktuelle Wehrbeauftragte, Henning Otte, hatte sich bei allen
Kranzniederlegungen vertreten lassen.
Die nächste Gedenkstunde fand um 10.30 Uhr im Bendlerblock
statt. Hier waren die Angehörigen der im letzten Jahr verstorbenen
Bundeswehrsoldaten eingeladen. Auch Militärattachés und hochrangige Generale
und Admirale nahmen an der Veranstaltung teil. Die Gedenkrede hielt der
Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer. Der Kranz des
Wehrbeauftragten war kurzerhand weggelassen worden, weil weder er noch ein
Vertreter erschienen waren.
Gegen 12.30 Uhr legten die Verfassungsorgane – also Bundespräsident,
Bundeskanzler, Bundestagspräsidentin und Präsident des Bundesverfassungsgerichtes
– ihre Kränze an der Neuen Wache nieder. Der Präsident des Bundesrates, Andreas
Bovenschulte, war nicht erschienen. In der zweiten Reihe legten der Regierende
Bürgermeister von Berlin, die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, der
Generalinspekteur und der Präsident des Volksbundes, General a.D. Wolfgang
Schneiderhan ihre Kränze nieder. Als Staatsgast war diesmal der italienische Präsident,
Sergio Mattarella, erschienen.
Nach dieser Kranzniederlegung ging es in den Deutschen
Bundestag zur zentralen Gedenkfeier mit Rede des italienischen Präsidenten. Für
den Abend hatte der Volksbund zum Abschluss des Gedenkwochenendes zu einen
Konzert mit dem Stabsmusikkorps im Berliner Dom eingeladen. Oberstleutnant
Kiauka und Frau Hauptmann Holzschuh zeigten hier die Fähigkeiten dieses einzigartigen
Klangkörpers. Sie überraschten die Zuhörer wieder mit völlig neuen Stücken.
Heute fand auf dem
Truppenübungsplatz Lehnin südlich von Berlin das jährliche MilAtt-Schießen
statt. MilAtt ist die Abkürzung für Militärattaché. Das Wachbataillon ist vom
Ministerium beauftragt, einmal im Jahr diesen Schießwettkampf durchzuführen.
20 Verteidigungsattachés waren der
Einladung des Referats MEO I 4 gefolgt. Ein Tag in der Natur, ein Tag fernab
des Schreibtischs, ein Tag ohne das Schreiben von Berichten. Wobei, einen Bericht
wird wohl jeder im Anschluss geschrieben haben: Einen Bericht über das
Sturmgewehr G95 (HK416 von Heckler & Koch).
Das G95 gibt es schon länger bei
der Bundeswehr. Es war allerdings den Spezialkräften wie dem KSK vorbehalten.
Demnächst soll es flächendeckend in der Truppe das G36 ersetzen. Das G95 ist einige Gramm schwerer als das G36, hat aber einen weiter nach hinten verlagerten Schwerpunkt, der die Ermüdung im Anschlag reduziert. Es wirkt kompakter und ist griffiger als das G36. Die Lackierung ist grünbraun (RAL 8000). Der Laie
würde von „sandfarben“ sprechen. Auch wenn man es ihm nicht ansieht: Das G95 ist schmaler als das G36. Weil auch die Magazine schmaler sind, lassen sich diese besser aus der Tasche ziehen oder wegstecken. Das kann im Kampf wertvolle Zeit sparen.
Das Magazin fasst 30 Patronen (5,56
x 45mm) und wird senkrecht in die Waffe eingeführt, obwohl es den Eindruck
vermittelt, man müsse es leicht angewinkelt von vorne aus einsetzen. Der Hebel zum Spannen der Waffe befindet sich hinten und nicht an der Seite wie beim G36. Das wird wohl der wesentliche Gewöhnungsbedarf bei der Umstellung auf das G95 sein. Nach Entsicherung ist die Waffe „Klar zum
Gefecht“. Spezialkräfte zielen durch eine Optik von EOTech, die den bekannten roten
Punkt sowie einen Kreis darum abbildet. Für weitere Entfernungen lässt sich
eine Vergrößerungsoptik davor klappen. Fällt die Optik aus, können die rechts im
45-Grad-Winkel angebrachten Kimme und Korn genutzt werden. Das G95 wird dann
auch in diesem Winkel geschossen. Das Standard-G95 wird zunächst mit einer Optik ausgeliefert, bei der der rote Punkt (ohne roten Kreis) oben und die 4x30er Fadenkreuz-Optik darunter angebracht sind.
Den Militärattachés standen 20
Patronen zur Verfügung. Damit sollten sie Ziele in unterschiedlicher Entfernung
bekämpfen und dabei auch die verschiedenen Zielvorrichtungen kennenlernen. Parallel
wurde die Granatpistole 40mm – angebracht an einem G36 – absolviert. Da das
Zielen damit nicht so einfach ist, gab es für jeden Treffer satte vier Punkte.
Viele Punkte gab es auch beim Schießen mit dem Scharfschützengewehr G82 (12,7mm)
und den Pistolen P1 und P8. Während die P8 die Standardpistole des
Wachbataillons ist, wird die P1 nur noch zu Protokolleinsätzen mitgeführt.
Besonderen Spaß hatten die Attachés mit dem schweren Maschinengewehr (12,7mm).
Viele hatten eine Waffe dieser Art noch nie geschossen. Jedem standen 150
Patronen zur Verfügung. Sieger des Wettbewerbs wurde der Verteidigungsattachéaus Slowenien.
Kürzlich nahm eine größere Gruppe
von in Deutschland akkreditierten Verteidigungsattachés an einer
Informationsreise zur Luftwaffe in Jagel teil.
Jagel liegt wenige Kilometer
südlich von Flensburg. Dort ist das Taktische Luftwaffengeschwader 51
"Immelmann" (TaktLwG 51) stationiert. Dieses bündelt verschiedene
Fähigkeiten wie die luftgestützte Aufklärung, die Niederhaltung gegnerischer
Luftverteidigung,die Seekriegführung aus
der Luft und die verlegefähige Auswertung. Besonders bekannt ist das Taktische
Luftwaffengeschwader 51 für seine allwetter-flugfähigen Tornados und die
jährliche Teilnahmen oder Ausgestaltung der "Tiger Meets".
Aus Termingründen hatten wir nur
den ersten Tag dieser Reise mit der Kamera begleitet. Dieser Tag enthielt aber
schon alles, was bei einer zünftigen Informationsreise dazugehört. Der Tag
begann mit einem stilechten A400M-Flug und der Ankunft der Militärattachés und
ihrer Partnerinnen auf dem Flugplatz Jagel bei Schleswig. Direkt danach ging es
zum Vortrag über das Taktische Luftwaffengeschwader und die Luftwaffe. Ein
vorgeschalteter Theorieteil ist üblich, um spätere Exponate und Erfahrungen
besser einordnen zu können.
Nach Gruppenfoto, Mittagessen und viel
Zeit zum Networking ging es endlich zum echten Tornado. Mehr als die Hälfte der
Militärattachés verstehen Deutsch. Deshalb wurden zwei Gruppen gebildet und die
umfangreichen Erklärungen zum Tornado in Englisch und in Deutsch geliefert. Es
reisen auch immer zwei Dolmetscherinnen aus dem BMVg mit. Während der
Programmpausen sind sie mit der Vorbereitung auf den spezifischen Fachjargon
beschäftigt. Präzision ist hier gefragt, da die Militärattachés ausführliche
Berichte über die Reise an ihre Ministerien senden müssen und dann möglichst
keine Missverständnisse in der Wortwahl aufgetreten sein sollten.
Besonders begeistert waren die
Attachés und ihre Partnerinnen vom Probesitzen im Cockpit. Auch alle Tasten durften
ausprobiert werden. Verteidigungsattachés mit Luftwaffenerfahrung waren schnell
untereinander in Fachgespräche vertieft. Der spanische Verteidigungsattaché durfte
selbst einmal für 3 Jahre in Deutschland Tornado fliegen.
Jede
Pause oder Fahrt zum nächsten Programmpunkt wird zum Austausch zwischen den
Attachés genutzt. Es könnte fast mit einer Klassenfahrt verglichen werden. Am
Abend steht normalerweise ein regional typisches Essen in einem regional
typischen Ambiente auf der Agenda. In diesem Fall hatte sich ein Restaurant unterhalb
der Eisenbahnbrücke von Rensburg angeboten. An den folgenden beiden Tagen
konnten sich die Militärattachés die Drohnen der Bundeswehr anschauen und
trafen sich mit Vertretern der schleswig-holsteinischen Wirtschaft und Politik.
Ausführliche Infos zu Aufgaben,
Alltag und Familienleben eines Militärattachés finden Sie in dieser Doku. Sie
wird inzwischen auch international zur Schulung von Militärattachés genutzt: https://youtu.be/18n1ZImeBA0