Am 16. September 2026 fand auf dem Truppenübungsplatz das
jährliche Handwaffen-Schießen der in Deutschland akkreditierten Militärattachés
statt.
Während die Resonanz im vergangenen Jahr wegen verschiedener
Paralleltermine sehr verhalten war, platzte der Bus aus allen Nähten und etwa
40 Shades of Flecktarn traten in den Starkregen auf dem schlammigen
Übungsplatz. Der Regen ließ ab und zu mal nach und zur abschließenden
Siegerehrung kam sogar die Sonne hervor.
Die Militärattachés durften diesmal mit der Maschinenpistole
MP7, dem Maschinengewehr MG3 auf Lafette mit Winkelzielfernrohr (Periskop), dem
Maschinengewehr MG5 auf Drehlafette auf LKW, dem Sturmgewehr G95 in der
Spezialkräfteausführung und der Pistole P8 gegeneinander antreten. Natürlich nur,
was die Punkte auf den Zielscheiben betrifft. Darüber hinaus wurde mit einem
Lasergewehr auf Leuchtpunkte geschossen, mit Kampfäxten auf Ziele geworfen oder
mit blauen Übungshandgranaten auf eine LKW-Ladefläche. Die drei besten Schützen
durften am Ende noch jeweils einen Schuss mit der Salut-Haubitze Typ M101
Kaliber 105 mm abgeben.
Mit der Durchführung vor Ort war wieder die 1. Kompanie des
Wachbataillons beauftragt. Die 1. Kompanie ist für sämtliche Unterstützungsaufgaben
des Wachbataillons zuständig. Das geht von der Einlagerung der
Anti-Mücken-Sprays bis zum Transport von Munition und Gerät mit schweren LKWs.
Mehr dazu in unserer Kurzdoku: https://youtu.be/PF1Ftv9FNWk
Während die Militärattachés an der Cocktailfront glänzen,
bei Empfängen, Großen Zapfenstreichen, Kommandoübergaben dabei sind und über
das Jahr sämtliche Teilstreitkräfte besuchen, werkeln die Büroleiter oft
unbemerkt im Hintergrund.
Jeder noch so kleine Militärattaché-Stab hat seinen
Büroleiter. Unser Militärattaché-Stab in Lissabon beispielsweise besteht aus
einem Verteidigungsattaché im Dienstgrad Korvettenkapitän oder Oberstleutnant
und einem Büroleiter im Feldwebel-Dienstgrad. Die Tätigkeitsbereiche greifen dort
so perfekt ineinander, dass sich der Attaché komplett auf seine Report-Aufgaben,
die Kontaktpflege und das Repräsentieren der Bundeswehr konzentrieren kann.
Viele ausländische Militärattaché-Stäbe verzichten auf
militärische Büroleiter und stellen stattdessen deutsche Ortskräfte an. Diese
arbeiten teilweise Jahrzehnte in den Stäben und bieten den Botschaften einen
gewissen Heimvorteil beim Organisieren, Kommunizieren oder Verhandeln. Zudem
weisen sie eine größere Kontinuität auf als militärische Büroleiter. Militärische
Büroleiter wechseln oft nach vier bis fünf Jahren und müssen dann neben der
Sprachkompetenz auch die Netzwerke neu aufbauen.
Da die Arbeit der Büroleiter so gerne übersehen wird, wollten
sich BMVg und Marie einmal bei den Büroleitern bedanken und haben eine Reise
zur Marinetechnikschule in der Nähe von Stralsund eingeladen.
Dort konnten die Büroleiter endlich mal in einer echten
Kaserne wohnen und die echte Truppenküche ausprobieren. In diesen Genuss kommen
gerade zivile Büroleiter nur selten. An der Marinetechnikschule gab es Motoren,
Geschütze und weitere interessante Dinge zu bestaunen. Auch Sport und
Brandschutzsimulationen waren dabei. Am zweiten Tag ging es nach Rügen auf die Korvette
„Braunschweig“. Die Besatzung erklärte die vielen Bewaffnungen und deren Zweck.
Es gab die obligatorische Brandschutzübung und ein „Mann über Bord“. Highlight
waren dann die drei Schuss mit der 76-mm-Bordkanone. Die Reise bot einen
stetigen Wechsel zwischen militärischer Information, Vernetzung und Tourismus.
Letzterer wurde auf Rügen mit Prora, Binz und Putbus bedient.
Heute Mittag wurde der neue tschechische
Verteidigungsminister, Jaromír Zůna, mit militärischen Ehren zu seinem
Antrittsbesuch im Bendlerblock empfangen.
Jaromír Zůna ist seit
Dezember 2025 stellvertretender Ministerpräsident und Verteidigungsminister.
Diese Kombination der Ämter ist in verschiedenen Ländern so üblich – auch in
Polen. Er stammt aus einer Offiziersfamilie und ging bereits mit 16 Jahren auf
ein Militärgymnasium. Den Abschluss auf der Militärakademie Vyškov
machte er mit 24 Jahren. Er diente dann in verschiedenen Verwendungen des
tschechischen Heeres und wollte immer ins Militärische Nachrichtenwesen
einsteigen. Trotz mehrerer Anläufe klappte es aus verschiedenen Gründen nicht. Die
Karriere lief dennoch weiter, so dass er im Mai 2019 zum Generalleutnant
befördert wurde. Von 2023 bis 2024 war er als Militärattaché an der
tschechischen Botschaft in Peking eingesetzt.
Entgegen seiner Parteilinie setzt sich Jaromír
Zůna für eine Unterstützung der Ukraine ein und macht sich insbesondere für das
Hochfahren der Munitionsbestände stark. Tschechien hat auch den Zuschlag für
die neue Dienstpistole der Bundeswehr bekommen: die P13 – auch bekannt als CZP-10 C OR.
Die in Deutschland akkreditierten Militärattachés werden
durch das Referat Streitkräfte IV 4 (SK IV 4) des BMVg, ehemals MEO I 4 und SE
I 4, bestens betreut. Neben Empfängen, Konferenzen und sportlichen Veranstaltungen
mit Feldanzug im Grünen organisiert das Referat mehrtägige Reisen zu den
Teilstreitkräften der Bundeswehr. So gab es auch in diesem Jahr Reisen zum
Heer, zum Unterstützungskommando, zur Luftwaffe, zum Cyber-Informationsraum und
abschließend auch zur Marine.
Die Reise zur Marine war besonders gut besucht, weil das
Programm einige spannende Punkte enthielt. Beginnen sollte es beim
Seebataillon, einer schlagkräftigen Marineinfanterie-Einheit. Danach stand ein
Tagesausflug auf dem Tender „Werra“ mit verschiedenen Fähigkeitsdarstellungen auf
dem Programm und am letzten Tag sollte
es zum 1. U-Bootgeschwader in Eckernförde gehen. Einige Attachés hatten ihre
Ehepartner dabei. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Netzwerkbildung.
Beim Seebataillon gab es den üblichen Theorieteil und ein
Essen in der Truppenküche. Danach ging es in die Ausstellung des Bataillons, wo
sämtliche Exponate angefasst und ausprobiert werden konnten. Es wurde
gefachsimpelt und bei manch einem Oberst erwachte das Kind im Manne. Am Abend
ging es zur inhaltlichen Abwechslung in den schleswig-holsteinischen Landtag.
Die Attachés konnten dort mit Landtagsabgeordneten verschiedener Parteien
diskutieren und üben, wie Flensburger Pils mit einem hörbaren „Plopp“ geöffnet
wird.
Der zweite Tag war für einen Ausflug mit dem Tender „Werra“
reserviert. Ein Tender fasst bis zu 125 Personen und 25 Container. Er kann bis
zu 150 Tonnen Munition transportieren und schützt sich mit mehreren Bordkanonen
und Maschinengewehren. Der Tender ist ein Boot und kein Schiff. Der Unterschied
zwischen Boot und Schiff liegt in der Kommandostruktur. Das Schiff hat neben
dem Kapitän noch einen Ersten Offizier. Das Boot hat diesen nicht. Deshalb ist
die „Gorch Fock“ ein Schiff und der Tender „Werra“ ein Boot.
Während des langen
Ausfluges in die Kieler Bucht gab es Vorführungen, die einige Heeres- und
Luftwaffenattachés so noch nie gesehen hatten: Der Austausch von Post zwischen
zwei Schiffen – ähm Booten, das Boarding vom Hubschrauber aus, die Rettung
eines über Bord gegangenen Kameraden, die Brandbekämpfung, den Gruß nach Laboe
oder das Show of Force (Machtdemonstration) durch den tiefen Überflug zweier
Eurofighter.
Den letzten Tag
verbrachten die Reisenden beim 1. U-Bootgeschwader in Eckernförde. Besonderes
Highlight war das Ausbildungszentrum mit vielen Exponaten aus dem U-Bootalltag
und modernen Simulatoren zur Ausbildung der Besatzungen.
Auch im nächsten Jahr
wird es wohl wieder Reisen zu den Teilstreitkräften geben – zu anderen
Standorten und mit anderen Teilnehmern, aber sicher auch so interessant.
Zwei Wochen vor dem 1. Advent findet der Volkstrauertag
statt. Diesmal fiel er auf Sonntag, den 16. November 2025. Schon am Samstag hat
der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. alle Hände voll zu tun. Er gestaltet
oder begleitet am Wochenende des Volkstrauertages so viele Veranstaltungen,
dass sich die Verantwortlichen aufteilen müssen und für Außenstehende kaum ein
Überblick zu behalten ist. Wir haben an den zwei Tagen sechs Veranstaltungen
begleitet.
Es begann am Samstag um 12 Uhr mit der Gedenkfeier des
Jugendarbeitskreises des Landesverbandes des Volksbundes. Diese findet
traditionell in Plötzensee statt. Jugendliche stellen die Ergebnisse von
Geschichtsprojekten vor und lesen das Totengedenken. Sie sind voll bei der
Sache und engagieren sich auch übers Jahr bei der Pflege von Grabstätten, bei
Vorträgen oder Einsätzen im Ausland. Es besteht reger Kontakt zu Jugendlichen ausländischer
Kriegsgräber-Organisationen.
Am späten Nachmittag fanden sich die in Deutschland
akkreditierten Militärattachés zur Gedenkstunde auf dem Standortfriedhof
Lilienthalstraße in Neukölln ein. Die hereinbrechende Dunkelheit wird dort
traditionell von Fackelträgern des Wachbataillons erhellt. Die Gedenkrede hielt
diesmal der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär beim BMVg, Dr. Peter
Tauber.
Am Sonntag im Morgengrauen trafen sich das Landeskommando
Berlin, der Generalinspekteur, die Landespolizei, die Landespolitik und der israelische
Verteidigungsattaché, um auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee Kränze
niederzulegen. Die Gedenkrede hielt die Präsidentin des Berliner
Abgeordnetenhauses, Cornelia Seibeld. Auch der Militrärbundesrabbiner Szolt
Balla und die ehemalige Wehrbeauftragte, Dr. Eva Högl, waren zugegen. Der
aktuelle Wehrbeauftragte, Henning Otte, hatte sich bei allen
Kranzniederlegungen vertreten lassen.
Die nächste Gedenkstunde fand um 10.30 Uhr im Bendlerblock
statt. Hier waren die Angehörigen der im letzten Jahr verstorbenen
Bundeswehrsoldaten eingeladen. Auch Militärattachés und hochrangige Generale
und Admirale nahmen an der Veranstaltung teil. Die Gedenkrede hielt der
Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer. Der Kranz des
Wehrbeauftragten war kurzerhand weggelassen worden, weil weder er noch ein
Vertreter erschienen waren.
Gegen 12.30 Uhr legten die Verfassungsorgane – also Bundespräsident,
Bundeskanzler, Bundestagspräsidentin und Präsident des Bundesverfassungsgerichtes
– ihre Kränze an der Neuen Wache nieder. Der Präsident des Bundesrates, Andreas
Bovenschulte, war nicht erschienen. In der zweiten Reihe legten der Regierende
Bürgermeister von Berlin, die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, der
Generalinspekteur und der Präsident des Volksbundes, General a.D. Wolfgang
Schneiderhan ihre Kränze nieder. Als Staatsgast war diesmal der italienische Präsident,
Sergio Mattarella, erschienen.
Nach dieser Kranzniederlegung ging es in den Deutschen
Bundestag zur zentralen Gedenkfeier mit Rede des italienischen Präsidenten. Für
den Abend hatte der Volksbund zum Abschluss des Gedenkwochenendes zu einen
Konzert mit dem Stabsmusikkorps im Berliner Dom eingeladen. Oberstleutnant
Kiauka und Frau Hauptmann Holzschuh zeigten hier die Fähigkeiten dieses einzigartigen
Klangkörpers. Sie überraschten die Zuhörer wieder mit völlig neuen Stücken.