Am späten Nachmittag fand aus Anlass des 77. Jahrestages des Grundgesetzes ein Feierliches Gelöbnis des Wachbataillons vor dem Berliner Abgeordnetenhaus statt. Drei
Wochen zuvor war der kleine Platz vor dem Abgeordnetenhaus in
Margot-Friedländer-Platz umbenannt worden.
Die Rekruten gehörten zur 2.
Kompanie des Wachbataillons. Die 2. Kompanie ist eine der Heereskompanien. Die
Ehrenformation wurde von der 4. Kompanie gestellt. Diese ist zwar die
Marineinfanterie-Kompanie des Wachbataillons, musste aber dem Anlass
entsprechend ihre Heeresuniform anziehen. Neben einer umfangreichen
musikalischen Begleitung durch das Stabsmusikkorps unter Leitung von Oberstleutnant
Kiauka, gab es insgesamt vier Reden, von denen die humorvolle Ansprache einer Rekrutin
hervorzuheben ist:
Nach dem Gelöbnis waren Rekruten,
Angehörige und Gäste zu einem Empfang eingeladen, wo sich die Berliner Landespolitik,
das Landeskommando Berlin, das Wachbataillon und die Familienangehörigen der Rekruten
bei Currywurst und Häppchen vernetzen konnten.
Heute wurden zwei Botschafter bei
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue akkreditiert.
Die neue Botschafterin von
Neuseeland, Jane Charlotte Coombs, blickt auf eine längere diplomatische
Karriere zurück. Sie war Botschafterin in Südkorea, ständige Vertreterin bei
der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und
darüber hinaus in Frankreich, Monaco, Portugal und Senegal akkreditiert.
Neuseeland hat etwa fünf Millionen
Einwohner, ein Verteidigungsbudget von 3,25 Milliarden USD und 8.900 aktive
Militärangehörige. Neuseeland konzentriert sich angesichts der chinesischen
Expansionspolitik auf den Ausbau seiner maritimen Fähigkeiten. Unterstützt wird
der Inselstaat durch Australien und die USA.
Anschließend wurde der Botschafter
der Mongolei, Oyunbaatar Jagdag, akkreditiert. Er erschien in traditioneller
mongolischer Kleidung und wurde von Prof. Dr. Corff übersetzt. Da das Schloss Bellevue
demnächst renoviert werden soll und der Hauptteil und der Nordflügel bereits
gesperrt sind, könnte diese Akkreditierung der letzten offiziellen Anlässe dort
gewesen sein.
Die Mongolei liegt zwischen dem
asiatischen Teil Russlands im Norden und China im Süden. Wegen der kriegerischen
Geschichte der Mongolei hatten die Chinesen an ihrer Nordgrenze die berühmte
chinesische Mauer errichtet. Die Mongolei hat 3,5 Millionen Einwohner und 9.700
aktive Soldaten. Sie verfügt jedoch über 137.000 Reservisten. Das Land versucht
gute Beziehungen zu seinen Nachbarn zu erhalten und führt gemeinsame Übungen
mit Russland und China durch. Die Mongolei unterhält aber auch Kontakte zur
NATO – insbesondere zur Türkei, den USA, Deutschland und Tschechien. Zudem
beteiligt sich die Mongolei an verschiedenen UN-Einsätzen wie UNIFIL, UNMISS,
UNISFA, MINURSO, MONUSCO, MINUSCA und UNFICYP.
Im März 2026 wurde die neue Militärgeschichtliche Sammlung (MGS)
im Stabsgebäude des Wachbataillons in der Julius-Leber-Kaserne eröffnet. Diese
konzentriert sich auf zwei Räume, einen Flur und das Treppenhaus.
Sie ist in vier Kapitel eingeteilt, die sich mit allgemeinen Betrachtungen von
Garden, deren Besonderheiten wie das Gardemaß, mehr oder weniger tradierenden
Persönlichkeiten, Zeitachsen und der fast 70-jährigen Geschichte des heutigen
Wachbataillons beschäftigen. Bei einer Begehung der Ausstellung erklärt der
Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Maik Teichgräber, das
Traditionsverständnis seines Verbandes und die Identität stiftende Neubelebung
des Schlachtrufs „Semper talis!“:
Bis vor zehn Jahren stand beim Wachbataillon noch die
Traditionslinie zum Ersten Garderegiment zu Fuß (EGRzF) im Raum. Dieses
Regiment war 1806 nach der Niederlage gegen Napoleon aufgestellt worden. Die
Kaserne des EGRzF lag gegenüber der Garnisonkirche in Potsdam. 1819 wurde das
Infanterie-Lehrbataillon gegründet und dem Ersten Garderegiment zu Fuß
unterstellt. Dieses Elitebataillon hatte nicht nur Schutz- und
Repräsentationsaufgaben, sondern durfte auch sämtliche neuen Waffen und
Taktiken erproben. 1820 führte König Friedrich Wilhelm III. das Schrippenfest
ein. Das Schrippenfest diente der Gemeinschaftsförderung zwischen den Familien
der Soldaten. Hier konnten sich die Angehörigen mal so richtig sattessen.
In Bonn hatte das Wachbataillon ein jährliches Bataillonsfest gefeiert, das im kleinen Rahmen nach Innen wirken und dem Zusammenhalt des Verbandes inklusive dessen Familienangehöriger dienen sollte. Mit dem Umzug nach Berlin war das uralte Schrippenfest wieder aufgegriffen worden. Dieses wurde dann bis 2019 mit viel Aufwand
durch das Wachbataillon gestaltet.
2018 wurde der neue Traditionserlass der Bundeswehr herausgegeben. Eine angespannte Personalsituation, das Tagesgeschäft, drei Ministerwechsel und COVID ließen das Thema Tradition in den Hintergrund treten. Mit einer Entspannung der Lage wurde dann ab 2023 überlegt, wie man Identität stiftend und zeitgemäß mit
den preußischen Exponaten von Möllendorff-Degen über alte Gemälde, Pickelhauben
und Grenadiersmützen bis hin zu kunstvoll gestalteten Truppenfahnen umgehen solle. Auch wurde über den Schlachtruf „Semper talis!“ (immer gleich)
diskutiert. Das Ergebnis wird nun einerseits in der Ausstellung präsentiert und
andererseits in die politische Bildung des Verbandes integriert. Die Buchstaben von "Semper talis!" wurden mit Identität stiftenden Begriffen untermauert.
Heute wurde der Ministerpräsident
der Tschechischen Republik, Andrej Babiš, bei Bundeskanzler Friedrich Merz im
Bundeskanzleramt mit militärischen Ehren empfangen.
Andrej Babiš absolvierte damit seinen zweiten Antrittsbesuch
in Berlin. Im Dezember 2025 hatte er das Amt übernommen, war aber von 2017 bis
2021 schon einmal Ministerpräsident der Tschechischen Republik. 2023 trat er
als Präsidentschaftskandidat an, konnte sich aber nicht gegen den ehemaligen
General Petr Pavel durchsetzen. Andrej Babiš hat slowakische Wurzeln. Als
Gründer und Eigentümer der Agrofert Holdinggesellschaft wird ihm ein
Milliardenvermögen nachgesagt.
Tschechien hat knapp elf Millionen Einwohner und 30.350
aktive Soldaten. Der Verteidigungshaushalt ist in den letzten Jahren stark
angestiegen, erreicht aber immer noch nicht die geforderten zwei Prozent. Zu den Prioritäten der militärischen Modernisierung gehören
Kampfpanzer, gepanzerte Kampffahrzeuge, Artillerie, Hubschrauber und
Transportflugzeuge, Kurzstrecken-Flugabwehrsysteme und unbemannte Luftfahrzeuge
(UAVs).Prag
kündigte 2023 an, F-35A-Kampfjets zu beschaffen, um seine geleaste
Gripen-Flotte zu ersetzen.Die
Tschechische Republik unterzeichnete eine Absichtserklärung mit Deutschland zur
Angliederung der 4. Tschechischen Schnellen Eingreiftruppe an die 10. Deutsche
Panzerdivision im Rahmen des NATO-Rahmennationenkonzepts.Es
besteht Personalmangel in spezialisierten Bereichen wie Ingenieurwesen und
Piloten, obwohl sich die Rekrutierung Berichten zufolge verbessert hat.Die
Streitkräfte können für internationale Krisenmanagementeinsätze eingesetzt werden.Die
Tschechische Republik plant die Modernisierung ihrer militärischen Ausbildungs-
und Simulationseinrichtungen.Die
tschechische Rüstungsindustrie beschäftigt sich insbesondere mit Kleinwaffen,
Fahrzeugen sowie mit Trainings- und leichten Kampfflugzeugen.
Bei winterlichen
Temperaturen fand heute in der Julius-Leber-Kaserne ein Feierliches Gelöbnis von
Rekruten des Wachbataillons statt. Gleichzeitig schworen frisch gewonnene
Soldaten auf Zeit (SaZ), das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer
zu verteidigen. So wahr ihnen Gott helfe.
Noch vor wenigen
Jahren hatte das Wachbataillon um seinen Fortbestand gebangt, da die Stellen
nicht mehr besetzt werden konnten. Während COVID konnten die aufgelockerten
Formationen mit Abstandsregeln begründet werden. Danach wurde der
Personalmangel durch regelmäßige Beobachtern von Staatsbesuchen diskutiert. Seit
zwei Jahren zeichnet sich eine personelle Trendwende ab. Wer die Leistungen
nicht bringt, muss nicht mehr zwingend im Personalbestand gehalten werden.
Viele Neuzugänge haben sich über Beiträge in den Sozialen Medien begeistern
lassen. Bestandspersonal konnte gehalten werden, indem die Bartregeln gelockert
wurden. Zudem ist es gelungen, altgediente Gefreite als Feldwebel zu gewinnen. Oberstabsgefreite
scheuen diesen Schritt, weil Feldwebel bei unwesentlich mehr Geld eine deutlich
höhere Verantwortung tragen.