Vor 20 Jahren
starb Johannes Rau. Er war von 1999 bis 2004 Bundespräsident. Wegen seines
klaren Bekenntnisses zum Christentum wurde er zuweilen auch als „Bruder
Johannes“ bezeichnet. Während die CDU eine starke Fraktion von Katholiken
beheimatet, finden sich in der SPD die Protestanten. So ist es kaum
verwunderlich, dass an der heutigen Kranzniederlegung auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte neben dem amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (SPD) weitere SPD-Politiker teilgenommen
haben.
Die
Kranzniederlegung war ein guter Anlass, noch einmal das Wirken von Johannes Rau
ins Gedächtnis zu rufen. Er war als Politiker der alten Schule im Gedächtnis
geblieben und Bürger, die ihn noch bewusst erlebt hatten waren erschrocken,
dass er nun schon 20 Jahre tot ist. Statt einer Grabrede las die Witwe des
Präsidenten a.D. die Tagesverse aus der Herrnhuter Losung vor. Auf seinem
Grabstein ist der provokante Vers zu lesen: „Dieser war auch mit dem Jesus von
Nazareth.“ Im Kontext geht es um Petrus, der sich aus der Ferne die
Verurteilung von Jesus anschaut und plötzlich als dessen Anhänger erkannt wird.
Kurz darauf hat Petrus so getan, als kenne er Jesus nicht.
Zwei Wochen vor dem 1. Advent findet der Volkstrauertag
statt. Diesmal fiel er auf Sonntag, den 16. November 2025. Schon am Samstag hat
der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. alle Hände voll zu tun. Er gestaltet
oder begleitet am Wochenende des Volkstrauertages so viele Veranstaltungen,
dass sich die Verantwortlichen aufteilen müssen und für Außenstehende kaum ein
Überblick zu behalten ist. Wir haben an den zwei Tagen sechs Veranstaltungen
begleitet.
Es begann am Samstag um 12 Uhr mit der Gedenkfeier des
Jugendarbeitskreises des Landesverbandes des Volksbundes. Diese findet
traditionell in Plötzensee statt. Jugendliche stellen die Ergebnisse von
Geschichtsprojekten vor und lesen das Totengedenken. Sie sind voll bei der
Sache und engagieren sich auch übers Jahr bei der Pflege von Grabstätten, bei
Vorträgen oder Einsätzen im Ausland. Es besteht reger Kontakt zu Jugendlichen ausländischer
Kriegsgräber-Organisationen.
Am späten Nachmittag fanden sich die in Deutschland
akkreditierten Militärattachés zur Gedenkstunde auf dem Standortfriedhof
Lilienthalstraße in Neukölln ein. Die hereinbrechende Dunkelheit wird dort
traditionell von Fackelträgern des Wachbataillons erhellt. Die Gedenkrede hielt
diesmal der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär beim BMVg, Dr. Peter
Tauber.
Am Sonntag im Morgengrauen trafen sich das Landeskommando
Berlin, der Generalinspekteur, die Landespolizei, die Landespolitik und der israelische
Verteidigungsattaché, um auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee Kränze
niederzulegen. Die Gedenkrede hielt die Präsidentin des Berliner
Abgeordnetenhauses, Cornelia Seibeld. Auch der Militrärbundesrabbiner Szolt
Balla und die ehemalige Wehrbeauftragte, Dr. Eva Högl, waren zugegen. Der
aktuelle Wehrbeauftragte, Henning Otte, hatte sich bei allen
Kranzniederlegungen vertreten lassen.
Die nächste Gedenkstunde fand um 10.30 Uhr im Bendlerblock
statt. Hier waren die Angehörigen der im letzten Jahr verstorbenen
Bundeswehrsoldaten eingeladen. Auch Militärattachés und hochrangige Generale
und Admirale nahmen an der Veranstaltung teil. Die Gedenkrede hielt der
Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer. Der Kranz des
Wehrbeauftragten war kurzerhand weggelassen worden, weil weder er noch ein
Vertreter erschienen waren.
Gegen 12.30 Uhr legten die Verfassungsorgane – also Bundespräsident,
Bundeskanzler, Bundestagspräsidentin und Präsident des Bundesverfassungsgerichtes
– ihre Kränze an der Neuen Wache nieder. Der Präsident des Bundesrates, Andreas
Bovenschulte, war nicht erschienen. In der zweiten Reihe legten der Regierende
Bürgermeister von Berlin, die Präsidentin des Abgeordnetenhauses, der
Generalinspekteur und der Präsident des Volksbundes, General a.D. Wolfgang
Schneiderhan ihre Kränze nieder. Als Staatsgast war diesmal der italienische Präsident,
Sergio Mattarella, erschienen.
Nach dieser Kranzniederlegung ging es in den Deutschen
Bundestag zur zentralen Gedenkfeier mit Rede des italienischen Präsidenten. Für
den Abend hatte der Volksbund zum Abschluss des Gedenkwochenendes zu einen
Konzert mit dem Stabsmusikkorps im Berliner Dom eingeladen. Oberstleutnant
Kiauka und Frau Hauptmann Holzschuh zeigten hier die Fähigkeiten dieses einzigartigen
Klangkörpers. Sie überraschten die Zuhörer wieder mit völlig neuen Stücken.
Fünf amerikanische Veteranen des Zweiten Weltkriegs waren als
Teil des Battlefield Return Programs zum NFL-Spiel im Olympiastadion angereist.
Die fast 100-Jährigen kombinierten damit den Kampf auf dem Spielfeld und den
Kampf, den sie einst um Deutschland gekämpft hatten. Heute legten sie Kränze am
Ehrenmal der Bundeswehr und an der Gedenkstätte des 20. Juli 1944 im Bendlerblock
nieder. Diese Geste der Versöhnung wurde von einigen in Deutschland
akkreditierten Verteidigungsattachés begleitet. Gastgeberin im BMVg war die
Stellvertretende Generalinspekteurin, Frau Generaloberstabsarzt Dr. Nicole
Schilling.
Nach der Kranzniederlegung sprach Frau Dr. Schilling mit den
Veteranen und übergab jedem von ihnen einen Coin. Coins sind schwere Münzen mit
individueller Prägung, deren Übergabe für Soldaten einen hohen ideellen Wert
darstellen. Anschließend fuhren sie zum Schloss Bellevue und wurden dort vom
Bundespräsidenten empfangen.
Zwei Tage nach Vereidigung der
neuen Bundesregierung wurde mit einer Kranzniederlegung an der Neuen Wache dem
80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges gedacht.
Dazu waren die fünf
Verfassungsorgane erschienen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier,
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundesratspräsidentin
Anke Rehlinger und der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Prof. Dr. Stephan
Harbarth. Das Protokoll und das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
hatten sich etwas ganz besonderes überlegt: Zur Nationalhymne wurden die fünf Verfassungsorgane
vor der Neuen Wache aufgereiht. Hier unser Videobericht:
Nach der Kranzniederlegung ging es
wie üblich zu einer Gedenkstunde in den Bundestag.
Am 30. April wurden während einer Gedenkstunde
auf dem Waldfriedhof zu Halbe 107 Kriegstote eingebettet. Es waren auch der
Ministerpräsident von Brandenburg und hochrangige Offiziere der Bundeswehr
zugegen.
Ende April 1945 hatte General
Busse die Reste der 9. Armee im Kessel von Halbe in den Tod geführt. Der Befehl
war, bis zuletzt zu kämpfen. Mehr als 100.000 Flüchtlinge und Zivilisten
befanden sich im Kampfgebiet. Hier starben in wenigen Tagen etwa 60.000
Menschen - darunter deutsche Soldaten, sowjetische Soldaten und Zivilisten. Bis
heute werden in der Region sterbliche Überreste von Kriegstoten gefundfen.
Diese werden nach Möglichkeit identifiziert und anschließend in einer
Kriegsgräberstätte eingebettet. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge engagiert sich vollumfänglich in diesem Bereich: von der Bergung, über die
Umbettung bis zur Benachrichtigung der noch lebenden Angehörigen.
Nach dem deutschen Kriegsgräbergesetz steht Kriegstoten eine Beisetzung an Orten zu, die nicht nach 10 oder 20 Jahren für andere Zwecke oder weitere Beerdigungen genutzt werden dürfen. Ihnen steht eine dauerhafte Totenruhe an der Kriegsgräberstätte zu.