Heute Nachmittag wurde der Premierminister der Republik Litauen, Mindaugas Sinkevičius, durch Bundeskanzler Friedrich Merz mit militärischen Ehren empfangen
Mindaugas Sinkevičius ist 42 Jahre alt und seit Juli 2026 Premierminister von Litauen. Von 2016 bis 1017 war er Wirtschaftsminister. Seit 2025 ist er Vorsitzender der Partei LSDP, die ein Zusammenschluss aus dem litauischen Zweig der KPdSU, den litauischen Sozialdemokraten und der Demokratischen Arbeiterpartei ist. Litauische Premierminister rangieren ähnlich ihrer französischen Amtskollegen eher in der zweiten Reihe, so dass es im Ausland kaum jemand bemerkt, wenn sie nach ein bis vier Jahren ersetzt werden. Auch an Minister braucht man sich nicht lange gewöhnen. Seit 2020 gibt es in Litauen beispielsweise schon den vierten Verteidigungsminister. Im Außenministerium ist die Kontinuität etwas höher. Aus diesem Grunde wäre es wohl sinnvoller gewesen, Friedrich Merz hätte sich mit Präsident Gitanas Nauseda getroffen.
Litauen hat 2,8 Millionen Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von knapp 90 Milliarden Euro. Schon 2021 hatte man beim IISS (International Institute for Strategic Studies) spekuliert, ob Russland die NATO im Baltikum austesten werde. Als strategisch clever könnte dann schon fast bezeichnet werden, dass Russland 2022 erst einmal das Nicht-NATO-Mitglied Ukraine angegriffen hat. Russland hatte allerdings verkalkuliert, da es auf fremdem Gebiet kämpfen musste und den Willen der Ukrainer unterschätzt hat. Die Bindung Russlands in der Ukraine hat dem Baltikum und der NATO wertvolle Zeit erkauft, die durchaus genutzt wurde: neue Mitglieder, neue Fähigkeiten, Modernisierung der Streitkräfte, das Air Policing und Vorwärtskräfte wie das 1. Deutsch-Niederländische Korps (1GNC) im Baltikum. Kein Wunder also, dass der Kanzler in der letzten Woche das Hauptquartier des 1GNC in Münster und am Sonntag die Ukraine besucht hat. Für Donnerstag ist eine Begegnung mit seinem britischen Amtskollegen geplant.
Autor: Matthias Baumann