Dienstag, 15. September 2026

Botschafter von Zypern, Südkorea und Lettland akkreditiert

Heute fand die erste Botschafter-Akkreditierung mit militärischem Zeremoniell am neuen Amtssitz des Bundespräsidenten am Spreebogen statt.

Den Auftakt machte um 9 Uhr die neue Botschafterin der Republik Zypern, Charis Christodoulidou. Vor 30 Jahren hatte sie ihre diplomatische Laufbahn als Attaché im Außenministerium Zyperns begonnen. Danach war sie in verschiedenen Abteilungen ihres Ministeriums und ein Jahr als Attaché in Finnland tätig. Von 2018 bis 2023 leitete sie als Botschafterin die Vertretung in Irland. Charis Christodoulidou spricht Griechisch, Englisch und ein wenig Deutsch. Der durch sie repräsentierte Südteil von Zypern hat 1,3 Millionen Einwohner und dient als wichtiger Stützpunkt für internationales Engagement im Mittelmeerraum und im Nahen Osten.


Der Botschafter der Republik Korea, Koh Kyungsok, erschien im traditionellen koreanischen Gewand. Die Republik Korea ist der südliche Teil der koreanischen Halbinsel. Der im Einparteiensystem geführte Nordteil nennt sich Demokratische Volksrepublik Korea. Je mehr „Demokratie“ und „Volk“ im Namen eines Staates stehen, umso diktatorischer wird das Land geführt. Südkorea hat 51 Millionen Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von 1,94 Billiarden USD. Nordkorea hat nur 26 Millionen Einwohnen, von denen aber 1,28 Millionen unter Waffen stehen. Südkorea unterhält aktive Streitkräfte in der Stärke von 450.000 Soldaten. Diese gelten aber als die am besten ausgestatteten in der Region. Nordkorea spielt regelmäßig mit seinen nuklearen Möglichkeiten, was Südkorea dauerhaft in Alarmbereitschaft hält. Auch die Grenze zwischen den beiden Staaten ist so mit Waffentechnik ausgestattet, dass ein Angriff in einer Katastrophe ungeahnten Ausmaßes enden würde.

Koh Kyungsok ist 58 Jahre alt und blickt auf eine 31-jährige diplomatische Karriere zurück. Seine bisherigen Auslandsverwendungen reichen von Frankreich über Katar bis Italien und Deutschland. Er spricht Koreanisch, Englisch und Deutsch.


Anschließend traf die Botschafterin der Republik Lettland, Ilze Rūse, ein. Auch Ilze Rūse begann ihre diplomatische Karriere vor 30 Jahren. Sie war zunächst als Attaché an der lettischen Botschaft in Schweden tätig. Dann ging sie für einige Jahre an ihr Außenministerium, um ab 2006 wieder international unterwegs zu sein: Österreich, Estland, Belgien, Luxemburg, Schweden und nun auch Deutschland. Ilze Rūse spricht Englisch, Schwedisch, Russisch und Deutsch.

Lettland hat knapp zwei Millionen Einwohner und liegt wie ein Sandwich zwischen Estland und Litauen. Wie alle baltischen Staaten ist auch Lettland sehr beunruhigt über die russischen Expansionspläne. Derzeit erden Estland und Lettland durch das 1. Deutsch-Niederländische Korps (1GNC) geschützt.


Der Platz am Interimsbau des Bundespräsidenten war eng bemessen und die Flaggen beim Hissen nur von außen gut zu sehen. Das Wachbataillon arrangierte sich in der gewohnt professionellen Art mit der räumlichen Situation. Ansonsten wirkten Vorfahrt und Abfahrt der Botschafter wenig repräsentativ. Ungewöhnlich war zudem die Nutzung des Fahrstuhls, um dem Bundespräsidenten in der 6. Etage das Beglaubigungsschreiben übergeben zu können. Hier wird seitens des Protokolls und des Bundespräsidialamtes noch nachjustiert.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 14. September 2026

Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 in Wolgast

Heute fand in der Peene-Werft in Wolgast im Beisein von Verteidigungsminister Boris Pistorius die Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 statt.


Ein Flottendienstboot dient der Flotte zu Aufklärungszwecken und elektronischer Kampfführung. Deshalb wird es gemeinsam von Marine und dem Kommando CIR (Cyber-Informationsraum) betrieben.

Die Zeremonie zur Kiellegung sieht vor, Münzen auf einem Brett einzubringen und Nägel in das Brett einzuschlagen. Anschließend wird das Brett mit schweren Hämmern unter dem ersten Abschnitt des Kiels eingeschlagen. Begleitet wird das vom Wunsch der Festredner, dass das Boot immer „genug Wasser unter dem Kiel“ habe.

Neben dem Geschäftsführer der Peene-Werft, Harald Jaekel, und dem Vorstandsvorsitzenden der Rheinmetall AG, Armin Papperger, waren auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, und Staatsminister Philipp Amthor zugegen. Schwesig und Amthor nutzten den Termin zu Wahlkampfzwecken und stellten sich ausführlich als Kümmerer in der Region dar. Besonders oft wurde der Betriebsrat angesprochen und das eigene Engagement für die Peene-Werft hervorgehoben.

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 10. September 2026

Mehrtägiger Besuch des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen begann gestern Abend der mehrtägige Staatsbesuch des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, in Deutschland. Im deutschen Luftraum wurde er durch zwei Eurofighter empfangen und am Regierungsterminal des BER mit 21 Salutschüssen begrüßt. Heute Vormittag gab es die obligatorischen militärischen Ehren im wildromantischen Garten der Villa Borsig.

Das Protokoll sieht bei Staatsbesuchen dieser Art weitere Programmpunkte vor: Treffen mit der Präsidentin des Bundestages, Begegnung mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin am Brandenburger Tor, das Staatsbankett am Sitz des Bundespräsidenten und die Kranzniederlegung an der Neuen Wache.

Am folgenden Tag reisen Bundespräsident und Gast gemeinsam in ein anderes Bundesland. Bei diesem Besuch geht es nach Bayern. Dort werden im Schwerpunkt wirtschaftliche Themen diskutiert. Immerhin arbeiten etwa 2.000 deutsche Firmen in den VAE und unterstützen auch beim Aufbau von Windkraftanlagen. Während die VAE vorrangig Fahrzeuge, Maschinen und logistische Produkte in Deutschland einkauft, liefern sie Gold, Nichteisenmetalle, Rohöl und Gold. Die VAE fungiert zudem als Netzwerkpartner zur Erschließung weiterer Märkte auf der arabischen Halbinsel.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 9. September 2026

Büroleiter – die wichtigen Leute hinter den Militärattachés

Während die Militärattachés an der Cocktailfront glänzen, bei Empfängen, Großen Zapfenstreichen, Kommandoübergaben dabei sind und über das Jahr sämtliche Teilstreitkräfte besuchen, werkeln die Büroleiter oft unbemerkt im Hintergrund.

Jeder noch so kleine Militärattaché-Stab hat seinen Büroleiter. Unser Militärattaché-Stab in Lissabon beispielsweise besteht aus einem Verteidigungsattaché im Dienstgrad Korvettenkapitän oder Oberstleutnant und einem Büroleiter im Feldwebel-Dienstgrad. Die Tätigkeitsbereiche greifen dort so perfekt ineinander, dass sich der Attaché komplett auf seine Report-Aufgaben, die Kontaktpflege und das Repräsentieren der Bundeswehr konzentrieren kann.

Viele ausländische Militärattaché-Stäbe verzichten auf militärische Büroleiter und stellen stattdessen deutsche Ortskräfte an. Diese arbeiten teilweise Jahrzehnte in den Stäben und bieten den Botschaften einen gewissen Heimvorteil beim Organisieren, Kommunizieren oder Verhandeln. Zudem weisen sie eine größere Kontinuität auf als militärische Büroleiter. Militärische Büroleiter wechseln oft nach vier bis fünf Jahren und müssen dann neben der Sprachkompetenz auch die Netzwerke neu aufbauen.

Da die Arbeit der Büroleiter so gerne übersehen wird, wollten sich BMVg und Marie einmal bei den Büroleitern bedanken und haben eine Reise zur Marinetechnikschule in der Nähe von Stralsund eingeladen.


Dort konnten die Büroleiter endlich mal in einer echten Kaserne wohnen und die echte Truppenküche ausprobieren. In diesen Genuss kommen gerade zivile Büroleiter nur selten. An der Marinetechnikschule gab es Motoren, Geschütze und weitere interessante Dinge zu bestaunen. Auch Sport und Brandschutzsimulationen waren dabei. Am zweiten Tag ging es nach Rügen auf die Korvette „Braunschweig“. Die Besatzung erklärte die vielen Bewaffnungen und deren Zweck. Es gab die obligatorische Brandschutzübung und ein „Mann über Bord“. Highlight waren dann die drei Schuss mit der 76-mm-Bordkanone. Die Reise bot einen stetigen Wechsel zwischen militärischer Information, Vernetzung und Tourismus. Letzterer wurde auf Rügen mit Prora, Binz und Putbus bedient.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 4. September 2026

Die lange Militärgeschichte im Nordwesten Berlins

Gestern Abend wurde in der Humboldt-Bibliothek in Tegel ein Buch vorgestellt, das für viele Nordberliner interessant sein dürfte.

Die Autoren, Hauptmann a.D. Ernst Schüßling und Oberst a.D. Andreas von Studnitz, waren viele Jahre in der Julius-Leber-Kaserne tätig und hatten Zugang zu hochwertigem geschichtlichen Material sowie zu Zeitzeugen, die mit Begeisterung weitere Informationen, Fotos und historische Gegenstände zur verfügung stellten. Einige davon sind in der Militärhistorischen Sammlung beim Landeskommando Berlin zu bestaunen.

Auf über 100 Seiten kann nun auch der geneigte Leser an diesem Wissen teilhaben und erfährt, „Wie das Militär den Norden Berlins für sich entdeckte“.

Es beginnt bei den leicht bewaldeten Rehbergen, die um 1826 als natürlicher Schießstand für Handwaffen genutzt wurden. Bei der Suche nach Übungsplätzen für weitreichende Systeme wie Artillerie fiel der Blick ebenfalls auf die Rehberge und man baute das Gelände weiter aus. Der besondere Charme lag darin, dass sich weit und breit keine Ortschaften befanden und Reinickendorf tatsächlich noch ein kleines Dorf war.

Mit der aufkommenden Fliegerei wurde das Gelände einer Doppelnutzung zugeführt, so dass sich Luftschifffahrt und Artillerie abwechseln mussten. Teilweise wurde sogar aus der Luft beobachtet, wie die Artillerie in verschiedenen taktischen Szenarien wirkt. Sehr spannend sind die Schilderungen zu ersten Selbstversuchen von Wissenschaftlern, die die Wirkung der Bedingungen in 10.000 Metern auf den menschlichen Organismus testeten. Nach dem ersten Weltkrieg mussten die Aktivitäten wegen des Versailler Vertrages eingestellt werden. Allerdings stand in dem Vertrag nichts von "Raketentechnik", so dass sich der Erfindergeist in Reinickendorf mit dieser neuen Technologie ausprobieren konnte. Auch namhafte Raketentechniker wie Wernher von Braun machten hier erste Experimente.

Mit Ausweitung des Stadtgebietes nach Nordosten begannen die Konflikte mit den Bürgern. Da ging es um Lärmbelästigung und die versehentlichen Einschläge von Granaten oder Versuchsraketen in Gebäude oder den Tegeler See.

In Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs ließ Hermann Göring auf dem Gelände der heutigen Julius-Leber-Kaserne eine Waldstadt errichten. Diese wirkte von oben wie ein ganz normaler ziviler Ort, war aber in der Bausubstanz bereits auf Luftangriffe vorbereitet: Die Dächer waren mit Stahlbeton verstärkt. Lagerhallen waren in Wirklichkeit riesige Garagenkomplexe. Es gab eine Kirchen-Attrappe und echte Sportkomplexe. Durch diese architektonische Verschleierung wurde die Kaserne im Zweiten Weltkrieg kaum bombardiert und die finalen Zerstörungen hauptsächlich durch Artillerie der Roten Armee verursacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen die Franzosen in den Norden Berlins ein und entdeckten das Areal für sich. Sie bauten den Kasernenkomplex möglichst originalgetreu wieder auf und nannten ihn Quartier Napoleon. Die Kaserne wurde zum Zentrum des französischen Lebens in der nordöstlichen Besatzungszone. Um das Gelände wurden Einkaufszentren, Kinos, Kulturhäuser und sehr viele Wohnungen gebaut. Während der Berliner Luftbrücke wuchsen Westberliner und Besatzer so eng zusammen, dass die Besatzer zu Beschützern wurden.

Mit der deutschen Wiedervereinigung ging auch die Zeit der französischen Präsenz zu Ende. 1994 verließen die alliierten Truppen nach einem Appell und einem Großen Zapfenstreich die Stadt. Kurz darauf zog die Bundeswehr ins Quartier Napoleon ein und benannte die Liegenschaft bereits 1995 in Julius-Leber-Kaserne um.

Die Bezirksbürgermeisterin von Reinickendorf, Frau Emine Demirbüken-Wegner, fühlt sich sehr mit der Bundeswehr, dem Landeskommando Berlin, dem Wachbataillon und der Julius-Leber-Kaserne verbunden. Bis heute will sie nicht akzeptieren, dass die Julius-Leber-Kaserne geografisch dem Bezirk Mitte zugeordnet ist. Weil der Wedding mental so eng mit Reinickendorf verbandelt ist, fühlt sich die Zugehörigkeit des Wedding zu Mitte einfach nur falsch an. Aber auch diese Bezirksaufteilung ist Ergebnis der Wiedervereinigung. Frau Demirbüken-Wegner hat auch eines der Vorworte zu diesem Buch verfasst.

Über den Buchhandel oder Amazon ist das Buch nicht erhältlich. Wer es kostenfrei bestellen möchte, kann sich an die Pressestelle des Landeskommandos Berlin unter LKdoBEPresse@bundeswehr.org wenden.

Zu einigen Aspekten dieses Buches haben wir mit Oberst a.D. von Studnitz folgende Filme gedreht:

Geschichte der Julius-Leber-Kaserne
Zeitzeugen führen durch den französischen Sektor
49 Jahre französische Armee in West-Berlin

Autor: Matthias Baumann