Mittwoch, 11. März 2026

Eurofighter-Alarmrotte sichert 24/7 den Luftraum über Deutschland

Nach der Annexion der Krim durch Russland wurde das Enhanced Air Policing der NATO eingerichtet. Auch deutsche Eurofighter übernehmen regelmäßig die Sicherungsaufgaben bei AirPolicing North oder South an der rumänischen Schwarzmeerküste oder im Nordosten Polens.

Sobald Drohnen, Luftfahrzeuge ohne Transpondersignal oder Nicht-NATO-Militärflugzeuge in den Luftraum eindringen, wird die Alarmrotte - Neudeutsch Quick Reaction Alert (QRA) – aktiviert. Die Alarmrotte hat eine Reaktionszeit von 15 Minuten: Auslösung des Alarms, Ausrüstung anlegen, zum Flugzeug rennen, Triebwerke und Bordsysteme hochfahren, die Munition entsichern, zur Startbahn rollen, starten und auf mindestens 5.000 Meter Höhe aufsteigen. Ein Flug von Constanta in Rumänien bis zur Ukrainischen Grenze dauert beispielsweise maximal 5 Minuten. Am längsten dauert das Hochfahren der Treibwerke und Bordsysteme. Wenn sich ein Einsatz anbahnt, kann der Alarm so früh ausgelöst werden, dass schon alles hochgefahren ist, wenn der finale Befehl zum Start erfolgt. Bei wichtigen Ereignissen mit hohem Schutzbedürfnis kommt es auch vor, dass die Alarmrotte aufsteigt und sich auf Bereitschaft im Luftraum aufhält. Da die Eurofighter zweimal 1.000 Liter Kraftstoff zusätzlich mitführen, haben sie eine entsprechende Durchhaltezeit. Die kürzeste Flugdauer bei ständiger Nutzung des Nachbrenners liegt bei einer halben Stunde. Zur Not gibt es auch noch die Option der Luftbetankung.


Die für den Einsatz relevante Munition ist bereits montiert und muss lediglich mechanisch entsichert werden. Das passiert vor einem eigens dafür aufgeschütteten Sandwall. Der Sandwall dient als eine Art Kugelfang, wie man ihn von der Jagd oder vom Truppenübungsplatz kennt. Die Eurofighter der Luftwaffe nehmen IRIS-T AIM-2000 sowie METEOR und AIM 120-B AMRAAM mit auf den Flug. Während IRIS-T seine Ziele optisch erfasst, verfolgen METEOR und AMRAAM ihre Ziele per Radar. Mit diesen Raketen können die Eurofighter einen Gegner auf Abstand halten und auf weite Entfernung bekämpfen. Für einen Kampf  im Nahbereich steht dem Eurofighter noch eine Bordkanone Mauser BK-27 mit 140 Schuss 27mm zur Verfügung.

Die Alarmrotte besteht immer aus mindestens zwei Kampfflugzeugen. In der Luft verschafft sich der Rottenführer zuerst ein Bild der tatsächlichen Lage und stimmt sich mit dem Personal am Boden über das weitere Vorgehen ab. Zivile Luftfahrzeuge können in der Regel mit Zeichen umgelenkt werden. Ein Blick ins Cockpit dient der Erkennung, ob es sich um eine Entführung handelt. Das System der Alarmrotten war wegen der Flugzeugentführungen am 11. September 2001 ins Leben gerufen worden. An der NATO-Ostflanke werden vermehrt Drohnen bekämpft und russische Militärflugzeuge abgedrängt. Russland testet seit 2022 verstärkt die Reaktionszeiten der NATO.

Zum Schutz des deutschen Luftraumes gibt es auch Alarmrotten, die 24/7 einsatzfähig sind. Diese sind in Neuburg an der Donau, in Wittmund und in Laage stationiert, wobei die Kräfte aus Wittmund derzeit von Laage aus agieren. Gesteuert werden die Alarmrotten von Uedem aus. Dort befindet sich das Nationale Lage- und Führungszentrum Sicherheit im Luftraum (NFLZ SiLuRa).

Wie die Alarmrotten praktisch funktionieren und dass die schnelle Reaktionszeit tatsächlich eingehalten wird, demonstrierte heute die Luftwaffe in Laage. Punkt 13 Uhr gab es einen T-Scramble, auch Tango Scramble oder Trainingsstart genannt. Diese Trainingsstarts werden mindestens einmal pro Woche abgerufen. Priorität hat aber der A-Scramble, der Alpha Scramble oder scharfer Einsatz. Dieser komme auch in Deutschland immer häufiger vor. Der Einsatz wegen ziviler Maschinen sei zwar rückläufig – etwa alle zwei Tage – dafür müsse aber vermehrt Präsenz gegenüber russischen Militärmaschinen gezeigt werden. Derzeit halten sich diese noch an die Grenzen des deutschen Luftraums.

Autor: Matthias Baumann