Heute wurde in London die neue Military Balance des Internationalen Instituts für strategischeStudien (IISS) vorgestellt.
Die Military Balance dient seit vielen Jahren als wichtiges Arbeitsmittel für Sicherheitsbehörden. Deshalb wurde sie bis vor drei Jahren noch direkt auf der Münchner Sicherheitskonferenz vorgestellt. Die Military Balance vereint öffentlich ermittelbare (Open Source) Zahlen mit strategischen Analysen. Diese sind politisch neutral gehalten und zeigen ein realistisches Lagebild.
Die wichtigsten Erkenntnisse der Military Balance 2026 sind:
Die USA konzentrieren sich auf Landesverteidigung und Lastenverlagerung innerhalb der NATO.
Die globalen Verteidigungsausgaben erreichten 2,63 Billionen USD, was einem Anstieg von 2,5 % entspricht. Deutschland hat mit seinem Verteidigungshaushalt von 107,3 Milliarden USD inzwischen Platz 4 hinter Russland (186,2 Mrd. USD), China (251,3 Mrd. USD) und den USA (921 Mrd. USD) erklommen. Es folgen Großbritannien (94,3 Mrd. USD) und Indien (78,3 Mrd. USD). Das IISS betont allerdings, dass den Geldbeträgen entsprechende Fähigkeiten gegenüber gestellt werden müssen. So ist der Gegenwert der chinesischen und russischen Ausgaben etwa mit 2,5 zu multiplizieren, was eine Performance von über 500 Milliarden USD ergibt. Die Ursache liegt daran, dass China und Russland weniger Kosten – insbesondere beim Personal – haben.
Der Anteil Europas an den gesamten globalen Ausgaben liegt nun bei 21 %, wobei das Wachstum Deutschlands seit 2024 ein Viertel des gesamten europäischen Wachstums ausmacht.
Vier Jahre nach dem Einmarsch in die Ukraine 2022 sind Russlands geringe Gebietsgewinne weiterhin mit hohen Kosten verbunden. Russland konnte sich jedoch anpassen, seine Fähigkeiten regenerieren und aufrechterhalten. Das Wachstum der nachvollziehbaren russischen Militärausgaben hat sich im Vergleich zu den Vorjahren verlangsamt und erreicht 2025 real nur noch 3 %. Dennoch machen die Militärausgaben weiterhin 7,3 % des BIP aus. Dem Kreml ist bewusst, dass der Krieg in der Ukraine nur bedingte Zustimmung in der eigenen Bevölkerung findet. Deshalb wird eine breite Mobilisierung von Russen vermieden und vielfach auf ausländische Kämpfer zurückgegriffen (Migranten, Nordkoreaner, Kubaner, Afrikaner).
Das Wachstum der chinesischen Militärausgaben übertrifft weiterhin das des restlichen Asiens. Infolgedessen stieg Pekings Anteil am regionalen Gesamtvolumen bis 2025 auf fast 44 %, gegenüber einem Durchschnitt von 37 % zwischen 2010 und 2020. Die jüngsten „Säuberungen“ innerhalb der Kommandostruktur der Volksbefreiungsarmee (VBA) scheinen die chinesischen Fähigkeiten kaum zu tangieren.
Autor: Matthias Baumann