Posts mit dem Label NATO werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label NATO werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 16. Mai 2026

Mit Kernwaffen und Feuerkraft mal schnell Westeuropa überrennen

In "Kriegsschauplatz Deutschland: Erfahrungen und Erkenntnisse eines NVA-Offiziers" erklärt ein ehemaliger Oberst der NVA die Strategien des Warschauer Vertrages bis Ende der 1980er Jahre. Der Autor, Siegfried Lautsch, wurde später in die Bundeswehr übernommen. Bis 1985 hatte der Warschauer Vertrag unter strikter Führung sowjetischer Befehlshaber eine äußerst aggressive Vorstellung von der Übernahme Westeuropas. Ein tatsächlicher oder vermuteter Angriff der NATO diente wohl eher als Feigenblatt zur Durchführung der eigenen Übernahmegelüste.

Detailreich geht das Buch auf Stoßrichtungen, geografische Besonderheiten, Planungen, Hindernisse und Kräfteverhältnisse ein. Interessant ist, dass Nuklearsprengköpfe neben Artillerie und Kampfhubschraubern fester Bestandteil der Kampfhandlungen sein sollten. Überhaupt verfolgte man das Ziel, einen schnellen und brachialen Sieg zu erringen, bei dem die Verwüstungen in Westeuropa keine Rolle zu spielen schienen. Das änderte sich erst 1985, als der Warschauer Vertrag feststellen musste, dass sich das Kräfteverhältnis so entwickelt hatte, dass ein Sieg durch Angriff unwahrscheinlich geworden war. Von da an stellte man sich auf Verteidigung ein. Für ehemalige DDR-Bürger und Norddeutsche dürfte der zweite Teil des Buches besonders interessant sein, weil dort konkrete Orts- und Geländeangaben zu den Stoßrichtungen und Verteidigungslinien der 5. Armee der NVA gemacht werden. Auch auf der A24, der nördlichen A7 oder der A2 kann man nach Lesen des Buches kaum noch unterwegs sein, ohne an diesen vorgeplanten Konflikt zu denken: Wittenberge, Lauenburg, Nienburg, Magdeburg, Lüneburg – all diese Orte waren in den Plan eingebunden.

Zur Auflockerung wird in der Mitte ein Kapitel über die Stasi-Erfahrungen mit Telefonwanzen, Bespitzelung durch Nachbarn und finaler Versetzungsintrige eingeschoben. Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass Siegried Lautsch ein militärischer Handwerker war, der politische Dinge eher als lästiges Beiwerk ansah.

Das Buch wurde 2013 durch das ZMSBw (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften) herausgegeben 

Autor: Matthias Baumann 

Mittwoch, 13. Mai 2026

Feierliches Gelöbnis beim Kommando ZMZ in Nienburg

Heute Nachmittag fand im Stadion von Nienburg/Weser ein Feierliches Gelöbnis von Rekruten des Kommandos Zivil-Militärische Zusammenarbeit (KdoZMZBw), des Bataillons Elektronische Kampfführung 912 und des Jägerbataillons 91 statt.


Die zivil-militärische Zusammenarbeit ist in Deutschland ein leidiges Thema. Ursprünglich war das Bundeskanzleramt dafür zuständig. In der Ära Merkel wurde dem aber kaum Bedeutung beigemessen, obwohl das BMVg schon 2016 vor einer hybriden Bedrohungslage sprach. Bei den Treffen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, kurz BOS oder Blaulichtorganisationen genannt, schichte das Kanzleramt irgendwelche Praktikanten und demonstrierte damit sein Desinteresse. Um der Lustlosigkeit zu begegnen, wurde die Zuständigkeit an das Bundesinnenministerium (BMI) übertragen, wo es seitdem etwas besser lief und zumindest die BOS unter einen Hut gebracht wurden.

Aber auch das BMI kommt nicht wirklich in die Puschen, so dass das BMVg und die Bundeswehr immer wieder als Treiber fungieren – auch wenn sie gar nicht zuständig sind. Der außenstehende Bürger verortet die Zuständigkeit schon bei der Bundeswehr. Ist diese doch seit Jahren als Retter in der Not aufgetreten und hatte im Rahmen der Amtshilfe im Ahrtal oder in der Pandemie geholfen.

Das heutige Kommando ZMZ wurde 2003 als CIMIC Bataillon 100 aufgestellt und über die Jahre mehrfach umstrukturiert. CIMIC ist die englische Version des ZMZ und ist inzwischen mit einem anderen Inhalt gefüllt. Während sich ZMZ mit innerdeutscher Zusammenarbeit beschäftigt, geht es bei CIMIC um internationale oder einsatzbezogene zivil-militärische Zusammenarbeit. Beim nach wie vor geheimen OPLAN Deutschland kommen ZMZ und CIMIC zum Einsatz, da sich nationale und internationale Zuständigkeiten überschneiden.

Dass zivil-militärische Zusammenarbeit innerhalb der BOS funktioniert, haben Bundeswehr und Blaulichtorganisationen bereits mehrfach unter beweis gestellt. Die entsprechenden Übungen werden mehr und intensiver. Eine erste Übung dieser Art hatten wir im Sommer 2023 in der Oberlausitz begleitet. Im Juni 2026 wird es die Übung „CIMIC Quadriga 2026“ geben, bei der der Suwalki-Gap, der geografische Flaschenhals zwischen Polen und Litauen, maßstabsgetreu in Deutschland nachgebaut und zivil-militärische beübt wird. An der Übung nehmen verschiedene NATO-Staaten teil, die sich mit echten zivilen Stellen über die Sprachbarrieren hinweg koordinieren müssen.

Apropos Gap (Lücke): Eine große Lücke gibt es noch zwischen den immer besser eingespielten BOS auf der einen Seite und der Zivilbevölkerung auf der anderen Seite. Diese Lücke wird so langsam geschlossen, aber eben sehr langsam. Das passiert durch die Sichtbarkeit der Bundeswehr im öffentlichen Raum wie zum Beispiel der Bahn oder die Auftritte des Verteidigungsministers oder Situationen wie der Stromausfall zum Jahreswechsel in Berlin. Dennoch ist hier viel zu tun. Auch die Presse wird nur halbherzig zur Berichterstattung über das Thema Gesamtverteidigung animiert. Das Kommando ZMZ bemüht sich hier um eine Verbesserung, stößt aber aufgrund seiner geografischen Lage und fehlender Netzwerke an seine Grenzen. Gesamtverteidigung geht uns alle an und das BMI müsste aufgrund seiner Zuständigkeit das Thema forcieren.

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 30. April 2026

Das Heer stellt seine zukünftige Kampfweise im Verbund von bewährten Waffen und Drohnen vor

Zurzeit stellt das Heer auf dem Truppenübungsplatz Munster seine zukünftige Kampfweise vor. Wer das Gefechtsschießen bei den ILÜs (Informationslehrübungen) im Gedächtnis hat, wird mit verschiedenen Neuerungen überrascht. Es sind nicht nur die neuen Module für den GTK Boxer, sondern auch Unmengen an Drohnen: Landdrohnen mit schweren Maschinengewehren, Landdrohnen mit Transportfunktion, Landdrohnen als Basis für Drohnenschwärme, große Aufklärungsdrohnen, kleine Aufklärungsdrohnen, Drohnen zum Minenlegen oder Drohnen als Loitering Munition (warten auf das Vorbeikommen eines Ziels).


All diese neuen Gerätschaften, aber auch altbewährte Systeme wie die Panzerhaubitze 2000, der Wiesel, der Leopard 2, der Puma, der Tiger und der Fuchs werden im zukünftigen Gefecht eingesetzt. Nur eben anders und gemäß der sich wandelnden Situation auf dem Gefechtsfeld. Es geht um billige Masse, um Abstand, um Präzision und um Geschwindigkeit. Dass einzelne Waffensystem, wie groß und laut es auch sein mag, geht im Verbund der Waffen auf. Man könnte es mit einem Orchester vergleichen, welches auch nur im Zusammenspiel einen guten Klang entfaltet und einzelne Instrumente nur punktuell aus der Teamarbeit hervortreten.

Da das Gefechtsfeld inzwischen sehr transparent geworden ist, müssen Schutzschirme aufgebaut werden, die die eigenen Kräfte in verschiedenen Dimensionen und Höhen absichern. Dabei ist der Gegner möglichst auf Abstand zu halten. Hier kommen Abstandswaffen wie die bewährte Panzerhaubitze 2000, der fernsteuerbare RCH155 (Artillerie auf GTK Boxer) oder der Raketenwerfer MARS II zum Einsatz. Letzterer hat eine Kampfentfernung von bis zu 84 Kilometern bei einer hohen Trefferwahrscheinlichkeit. Rückt der Feind näher, werden ihm zunächst unbemannte Systeme entgegengeschickt. Ist das Areal gesichert, folgen die bemannten Kräfte. Besonders kritisch und tödlich ist es, wenn sich der eigene Schutzschirm mit dem des Gegners überschneidet. Hier kommt es auf Geschwindigkeit bei Erfassung des Lagebildes, Entscheidung und schneller, präziser Wirkung auf die vulnerablen Punkte der Gegenseite an.

Das Heer hat sich sehr genau die Entwicklungen in der Ukraine angeschaut. Nachdem viele Ukrainer in Deutschland ausgebildet worden waren, greift die Bundeswehr inzwischen auf deren Fronterfahrung zurück und profitiert von deren Wissen. Auch die Rüstungsindustrie klinkt sich in die innovativen Entwicklungen der Ukrainer ein. So kehrt das jahrelange Investment nach Deutschland zurück.

Weitere Infos zum Campaign Plan Heer 2035+: https://www.btb-concept.de/bild/Heer_Plan_2025_20260424.pdf

Pressebegegnung mit Generalleutnant Dr. Freuding: https://youtu.be/i6hG9InofaI

Pressestatement von Bundeskanzler Friedrich Merz: https://youtu.be/h9c2IN4vyJ8

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 28. April 2026

Die Deutschen und die Atombombe

Der Titel „Die Deutschen und die Atombombe“ fasst das Buch sehr gut zusammen. Ob Sowjets, Amerikaner, Pakistan, Irak, Iran oder andere Staaten – Deutsche waren immer an deren Atomprogramm beteiligt. Zuerst waren es Wissenschaftler und Ingenieure, die Expertise geliefert hatten. Später waren es deutsche Firmen, die wichtige Teile liefern konnten. Die Ambitionen waren sehr unterschiedlich und gingen vom Forscherdrang über ideologische Triebkräfte bis hin zu wirtschaftlichen Interessen. Auch Spionage spielte eine große Rolle.

Der Autor beginnt in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und führt den Leser auf unterhaltsame, flüssig geschriebene Weise durch die Entwicklung der letzten 90 Jahre. Da er selbst an wichtigen Schnittstellen der Sicherheitspolitik eingesetzt war und über ein entsprechend breites Netzwerk verfügt, bewegen sich die Schilderungen nicht im Bereich der Mutmaßung, sondern haben Hand und Fuß, sind in sich schlüssig und bieten dem geneigten Leser ein erhebliches Maß an Erkenntnisgewinn. Auch der Laie weiß nach dem lesen, wie sich das mit der Urananreicherung verhält, welche Rolle Plutonium spielt und wie wichtig die „Moderation“ des Kernspaltungsprozesses ist. Das Buch ist bis zum Ende spannend, da es ungeschönt die letzten 20 Jahre Regierungspolitik und deren eklatante Fehleinschätzungen seziert.

Das Buch muss auch die Generalität der Bundeswehr beeindruckt haben. Immerhin war es bei einer Tagung der Clausewitz-Gesellschaft empfohlen worden.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 15. April 2026

53. Treffen der Ukraine Defense Contact Group UDCG in Berlin

Heute fand im Bendlerblock das 53. Ministertreffen der Ukraine Defense Contact Group (UDCG) statt. Daran nahmen Verteidigungsminister Boris Pistorius, NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der britische Verteidigungsminister John Healey und der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Federov teil.


Bei diesen Treffen ist es üblich, dass sich die anwesenden Minister in verschiedenen Kombinationen austauschen: bilateral, trilateral oder multilateral und dann die Ergebnisse des jeweiligen Treffens zusammenfassen.

Das erste Treffen dieses Koordinierungsgremiums für die materielle Unterstützung der Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen Russland fand am 26. April 2022 in Ramstein statt. Es war von den USA initiiert worden und hieß zunächst Ramstein-Format. Im Laufe der Zeit wurde es in Ukraine Defense Contact Group (UDCG) umbenannt und seit April 2025 unter deutsch-britischem Vorsitz durchgeführt. Normalerweise tagt die UDCG im NATO-Hauptquartier in Brüssel. Es wird jedoch ausdrücklich betont, dass die UDCG kein NATO-Gremium ist. Inzwischen gehören 50 westliche Nationen zum Unterstützerkreis der UDCG.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 6. April 2026

16K3-Märsche erinnern an das Karfreitagsgefecht von 2010

Am Osterwochenende fanden bundesweit Märsche zum Gedenken an das Karfreitagsgefecht von 2010 statt. Das war vor 16 Jahren. Auf diese 16 Jahre bezieht sich die „16“ in „16K3“. Man war bestrebt, eine Marschstrecke von 16 Kilometern Länge mit 16 Kilogramm Gepäck zu absolvieren. Das „K“ in „16K3“ steht für Karfreitag und die „3“ für die drei gefallenen Bundeswehrsoldaten.


Am 2. April 2010 – es war Karfreitag – wurden 34 Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 373 aus Seedorf beauftragt, Sprengfallen aufzuklären und diese zu beseitigen. Bei Isa Khel, südwestlich von Kunduz, gerieten sie in einen komplexen Hinterhalt der Taliban. Das Gefecht dauerte acht Stunden. Dabei gab allein die Bundeswehr 25.000 Schuss ab. Am Ende gab es viele Schwerverletzte und Tote – darunter auch die drei Bundeswehrsoldaten Hauptfeldwebel Nils Bruns, Stabsgefreiter Robert Hartert und Hauptgefreiter Martin Augustyniak.

Weitere Infos:
https://zms.bundeswehr.de/de/mediathek/afghanistan-dossier-karfreitagsgefecht-5746712

Das Karfreitagsgefecht war ein Einschnitt in der Wahrnehmung der Auslandseinsätze, die in Deutschland bislang eher als humanitäre Aktionen mit Brückenbau und Brunnenbohrung verkauft wurden. In der Folge wurden Ehrenhaine errichtet und Druck bezüglich der stark vernachlässigten Veteranen- und Gedenkkultur aufgebaut. 2025 fand dann sogar der erste Nationale Veteranentag statt.

Seit 2020 gibt es die Märsche zum Gedenken an das Karfreitagsgefecht: 10K3, 11K3, 12K3 bis 16K3 in 2026. Wer schon mehrfach teilgenommen hatte, trägt stolz den Patch der Vorjahre an der Kleidung oder dem Rucksack. Die Märsche sind so unterschiedlich wie die Schwerpunkte der Veteranenvereinigungen. So kann es Märsche mit Motorrad, zu Fuß oder per Fahrrad geben. Die Teilnehmer sind Veteranen, aktive Soldaten, Reservisten, Familienangehörige, ausländische Kameraden und am Thema interessierte Bürger. Letzteren gilt besonderes Augenmerk, da Gesamtverteidigung nur dann funktioniert, wenn auch die zivile Seite der Bevölkerung, die keinen Bezug zu Blaulichtorganisationen oder der Bundeswehr hat, eingebunden wird.

Autor: Matthias Baumann