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Dienstag, 14. Mai 2019

Norwegens Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen zum Antrittsbesuch im Bendlerblock empfangen

Vor mehr als fünf Jahren wurde Ine Marie Eriksen Søreide mit militärischen Ehren im Bendlerblock empfangen. Die Begrüßung der beiden Ministerinnen war überaus herzlich. Im Februar saß Frau Søreide auf der Bühne der Münchner Sicherheitskonferenz und diskutierte über die sicherheitspolitischen Folgen der Klimaerwärmung. Zu dem Zeitpunkt war sie bereits Außenministerin Norwegens. Der Wechsel hatte im Oktober 2017 stattgefunden. Ihr Nachfolger heißt Frank Bakke-Jensen.

Norwegen Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen Antrittsbesuch BMVg Bendlerblock
Norwegens Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen zum Antrittsbesuch im Bendlerblock empfangen - links im Bild die deutsche Delegation
Heute Nachmittag wurde Frank Bakke-Jensen endlich mit militärischen Ehren im BMVg empfangen. Dabei haben Deutschland und Norwegen ein überaus gutes Verhältnis zueinander. Das zeigte auch die NATO-Übung Trident Juncture 2018. Die norwegische Bevölkerung war der Übung und den Beteiligten gegenüber sehr aufgeschlossen und unterstützte das Manöver, wo es nur ging. Aber auch Deutsche haben eine starke Affinität für Norwegen. So läuft auf winterlichen deutschen Straßen gefühlt jeder Dritte mit einer Jacke herum, auf die die norwegische Flagge aufgenäht ist.

Mit dem Zweiten Weltkrieg hatte sich das Verhältnis der Norweger zu Deutschland stark abgekühlt und bis Ende der 1980er Jahre herrschte Misstrauen in die deutsche Nachkriegsentwicklung. Der Durchbruch bei den Beziehungen zu Norwegen gelang mit der Wiedervereinigung Deutschlands. Norwegen sah die demokratische Entwicklung und entschied sich zur bewussten "Pflege" einer neuen Freundschaft. So ist Deutschland inzwischen der zweitwichtigste Handelspartner Norwegens - nach Großbritannien. Der Brexit könnte hier noch für eine Verschiebung sorgen.

Norwegen hat 5,3 Millionen Einwohner, 23.250 aktive Militärangehörige und 40.000 Reservisten. Die Reservisten nennen sich Home Guard und können je nach Ausbildung und Zweck innerhalb weniger Stunden aktiviert werden. Die norwegischen Soldaten gelten als gut ausgestattet und trainiert. Sie sind auf Operationen in kleinen Trupps spezialisiert. Norwegen baut zurzeit seine Luftwaffe und die U-Bootflotte aus. Das Land setzt auf amerikanische F35 und wird entsprechend stark im Bereich der Luftwaffe von den USA unterstützt. Das U-Bootprogramm ist Teil einer strategischen Partnerschaft mit Deutschland. Beide Länder planen die Anschaffung mehrerer U-Boote vom Typ U212.

Norwegen Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen Antrittsbesuch BMVg Bendlerblock
Norwegens Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen zum Antrittsbesuch im Bendlerblock empfangen
Im Bereich CIR (Cyber-Informationsraum) ist Norwegen schon sehr weit. Bereits 2012 wurden Richtlinien zum Umgang mit Cyber-Attacken aufgestellt und konsequent in die Praxis umgesetzt. Dazu gehören die Früherkennung möglicher Angriffsszenarien und der Schutz sämtlicher Infrastrukturen vom Servernetzwerk, über militärische Netze, bis zur Mobilfunkkommunikation. Das Mobilfunknetz ist deutlich besser ausgebaut als in Deutschland. Selbst von der entlegensten norwegischen Waldlichtung aus können Fotos per WhatsApp an die Freunde in Deutschland gesendet werden.

Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen ist 54 Jahre alt und wurde im hohen Norden Norwegens geboren. Der gelernte Schiffselektriker absolvierte mit 25 Jahren seinen Wehrdienst und kam dadurch auch in den Libanon. Danach studierte er Theologie, sattelte danach in die Tourismusbranche um und übernahm sogar ein Reisebüro. Seine politische Karriere begann 1999 in der Gemeindevertretung seines Geburtsortes. Schon zehn Jahre später fungierte er als stellvertretender Vorsitzender seiner konservativen Partei Høyre. 2009 wurde er erstmalig in das norwegische Parlament gewählt. 2016 wurde er dort als Minister für die EU-Zusammenarbeit eingesetzt und 2017 zum Verteidigungsminister berufen.

Video:
Militärische Ehren für Norwegens Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen

Autor: Matthias Baumann

Sonntag, 12. Mai 2019

70 Jahre Luftbrücke Berlin - Empfang und Serenade im Alliierten Museum in der Clayallee

Hätten die westlichen Alliierten nicht darauf bestanden, einen Teil von Berlin zu verwalten, hätte es keine Blockade von West-Berlin gegeben. Hätte es keine Blockade von West-Berlin gegeben, hätte auch die Luftbrücke nicht etabliert werden müssen. Hätte es keine Luftbrücke gegeben, wäre West-Berlin mit seinen 2 Millionen Einwohnern ausgehungert und in die russische Besatzungszone eingemeindet worden. Wäre das passiert, wäre keine Mauer um West-Berlin errichtet worden.

70 Jahre Luftbrücke Berlin Empfang Serenade Alliierten Museum Clayallee
70 Jahre Luftbrücke Berlin - Empfang und Serenade im Alliierten Museum in der Clayallee: (v.l.n.r.) General John William Nicholson Jr., Oberst Gail Halvorsen, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen
Wäre, hätte, könnte: West-Berlin war ein Stachel im Fleisch des Ostblocks. West-Berlin war das Zünglein an der Waage des Kalten Krieges. Ein cleverer Schachzug der westlichen Alliierten. West-Berlin musste unter allen Umständen gehalten werden. So war der humanitäre Akt der Luftbrücke wohl in erster Linie ein politisch motivierter Akt des Kräftemessens zwischen Sozialismus und Kapitalismus, zwischen Ost und West. Eine Umsetzung des alten Prinzips: Sieg ohne Kampf. Ein Sieg, der durch Beharrlichkeit, logistische Exzellenz und hohe Motivation erzielt werden konnte.

Die bei der Luftbrücke eingesetzten Rosinenbomber wären als normale Bomber gar nicht geeignet gewesen. Es waren Transportflugzeuge des Typs Douglas C-54 Skymaster, die für Langstreckenflüge mit knapp 50 Passagieren konzipiert waren. Die Rosinenbomber transportierten hauptsächlich Lebensmittel und Brennmaterial für den frostigen Winter 1948/1949 nach Berlin.

Gerne werden US-Amerikaner, Briten und Franzosen als Helden der Luftbrücke gefeiert. Dabei waren die Franzosen kaum daran beteiligt, da sie sich im Indochinakrieg die Zähne an Vietnam ausbeißen wollten. So wurde die französische Abwesenheit durch Piloten aus Australien, Neuseeland, Kanada und Südafrika kompensiert. Auch diese flogen überladen und hatten entsprechende Verluste zu beklagen.

70 Jahre Luftbrücke Berlin Empfang Serenade Alliierten Museum Clayallee
70 Jahre Luftbrücke Berlin - Empfang und Serenade im Alliierten Museum in der Clayallee: US-Botschafter Richard Grenell und Oberst Gail Halvorsen (rechts)
Einer der Piloten hatte die Idee, den winkenden Kindern am Boden schon vor der Landung ein paar Süßigkeiten zukommen zu lassen. Dazu befestigte er Schokolade an Taschentüchern und warf diese wie Fallschirme aus dem Flugzeug ab. Das sprach sich schnell herum und wurde bald von vielen der Piloten praktiziert. Die Aktion bekam sogar einen Namen: Operation Little Vittles.

Der Initiator dieser Operation war Gail Halvorsen. Gail Halvorsen ist 98 Jahre alt. Als er gestern mit seinem Rollator das Festzelt am Alliierten Museum betrat, gab es stürmischen Applaus. Sofort war er von älteren Damen, Offizieren und Botschaftern umringt. Unentwegt wurde seine Hand geschüttelt und Selfies mit dem prominenten Ami aufgenommen.

70 Jahre Luftbrücke Berlin Empfang Serenade Alliierten Museum Clayallee
70 Jahre Luftbrücke Berlin - Empfang und Serenade im Alliierten Museum in der Clayallee: Britischer Botschafter Sebastian Wood (links), US-Botschafter Richard Grenell (Hintergrund Mitte), britischer Luftwaffen-Attaché Oberst Mark Heffron (rechts)
Einen bemerkenswert stürmischen Applaus gab es auch beim Erscheinen der Ministerin. Sie hielt eine leidenschaftliche Rede zur gelungenen Überwindung des Kommunismus, zur Demokratie in Europa und zum transatlantischen Bündnis. Dann schaltete sie auf Englisch um und stellte den amerikanischen 4-Sterne General John William Nicholson Jr. vor. General Nicholson befindet sich zwar schon im Ruhestand, hatte aber gestern noch einmal seine Uniform angezogen. Ursula von der Leyen beendete ihre Rede mit der "Aushändigung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" an John William Nicholson Jr.

John William Nicholson Jr. war acht Jahre nach Ende der Blockade Berlins im schönen Baltimore, Maryland, geboren worden. Im Gegensatz zu deutschen Generalen mit ihren weit über 40 Dienstjahren, könnte sich John W. Nicholson innerhalb von 36 Jahren auf die 4-Sterne-Position vorarbeiten und dann in den Ruhestand gehen. Die letzten zwei Dienstjahre war er Befehlshaber der Mission Resolute Support in Afghanistan.

70 Jahre Luftbrücke Berlin Empfang Serenade Alliierten Museum Clayallee
70 Jahre Luftbrücke Berlin - Empfang und Serenade im Alliierten Museum in der Clayallee: Perlenkette zwischen Empfangszelt und Tribüne
Nachdem der Stern des Verdienstordens angesteckt war, gab es einen Empfang. Dieser konnte auch zur Besichtigung des Alliierten Museums genutzt werden. Etwa eine Stunde später signalisierte die Aufstellung der Perlenkette den Beginn der Serenade. Die Perlenkette hat in diesem Falle nichts mit dem Schmuck der anwesenden Damen zu tun, sondern ist die Bezeichnung für Fackelträger des Wachbataillons, die den Weg vom Empfang zur Tribüne markieren. Das rote Podest für die Prominenz war diesmal sehr breit. Immerhin musste es Platz für Ursula von der Leyen, Vizeadmiral Rühle, den Regierenden Bürgermeister und die Botschafter der USA, Großbritanniens und Frankreichs bieten. Es wurden folgende Musikstücke gespielt:

Le Caid - Eduard Michel
Colonel Bogy March - Kenneth J. Alford
Chattanooga Choo-Choo - Arrangement Glenn Miller
Berliner Luft - Paul Lincke
Nationalhymne - Joseph Haydn

Danach war der gesellige Abend zu Ende. Heute um elf war das Wachbataillon schon wieder im Einsatz. Diesmal am Flughafen Tempelhof. Bereits am Dienstag hatten Prinz Charles und Camilla Parker Bowles mehrere Stationen in Berlin absolviert. Darunter auch den Platz der Luftbrücke.

Heute vor 70 Jahren war die Blockade West-Berlins beendet worden. Die Luftbrücke wurde jedoch noch bis zum 30. September 1949 fortgesetzt.

Videos:
Serenade und Empfang zum 70. Jahrestag der Luftbrücke im Alliierten Museum
Prinz Charles am 07.05.2019 beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 17. April 2019

SACEUR General Curtis M. Scaparrotti mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet

Es taucht regelmäßig die Frage auf, wer in Deutschland einen Großen Zapfenstreich bekommt. Ein Großer Zapfenstreich dauert etwa 45 Minuten, beginnt in der Dämmerung und wird vorrangig durch Fackeln illuminiert. Der Große Zapfenstreich steht den Bundespräsidenten, den Bundeskanzlern, den Verteidigungsministern und Generalen ab drei Sternen zu - entsprechend auch Admiralen ab Vizeadmiral. Sattelt ein Generalleutnant (3 Sterne) vorzeitig auf Staatssekretär um, bekommt er zwar im Monat noch mehr Geld, muss dann aber auf seinen Großen Zapfenstreich verzichten. Bleibt er im Verteidigungsministerium, bekommt er am Ende aber wenigstens eine Serenade.

Gestern Abend wurde General Curtis M. Scaparrotti mit einem Großen Zapfenstreich im Bendlerblock geehrt. Das "M." steht für Michael. Gute Bekannte dürfen ihn auch Mike nennen. Im März war Mike Scaparrotti 62 Jahre alt geworden. Er ist Amerikaner und hatte 2013 seinen vierten Stern erhalten. Im Mai 2016 übernahm er das Kommando des USEUCOM und wurde SACEUR. Dieses Europa-Kommando der US-Streitkräfte hat seinen Sitz in Stuttgart. Das begründet die Ehrung mit einem Großen Zapfenstreich in Deutschland.

SACEUR General Curtis M. Scaparrotti mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet
SACEUR General Curtis M. Scaparrotti mit einem Großen Zapfenstreich im Bendlerblock verabschiedet
General Scaparrotti schaut auf 41 Dienstjahre zurück. Zunächst war er in einer Fallschirmjäger-Division tätig und danach in einer Gebirgsjäger-Division. Zwischendurch schloss er mehrere Studiengänge und Ausbildungen ab und wurde 2003 zum Brigadegeneral ernannt. Kaum hatte er diesen Dienstrang, wurde er an prominenter Stelle im Irakkrieg eingesetzt. Nach einem Jahr wechselte er an die United States Military Academy in West Point.

2006 bekam Curtis M. Scaparrotti seinen zweiten Stern und wurde Director of Operations am USCENTCOM. Das USCENTCOM ist vergleichbar mit unserem Einsatzführungskommando. Allerdings ist es nur eines von mehreren solcher Kommandos und agiert hauptsächlich im Nahen und Mittleren Osten. Je höher der Dienstrang, umso schneller der ständige Wechsel: 2008 wurde er Chef seiner früheren Fallschirmjäger-Division.

2010 wurde Mike Scaparrotti Generalleutnant, bekam also seinen dritten Stern. 2011 wurde er Befehlshaber der ISAF in Afghanistan und stellvertretender Kommandeur der US-Streitkräfte in Afghanistan (USFOR-A). Darüber hinaus kommandierte er Operationen in Zaire, Ruanda, Liberia und Bosnien-Herzegowina. 2012 landete er auf dem Posten des Direktors des Generalstabs in Washington, D.C., einer geeigneten Absprungstelle für den vierten Stern. 2013 bekam er den vierten Stern und machte einen Exkurs zu den US-Streitkräften in Korea.

2016 wurde er zum SACEUR ernannt. SACEUR ist die Abkürzung für Supreme Allied Commander Europe. Praktisch heißt das, dass der SACEUR der Befehlshaber der NATO-Truppen in Europa ist. Es gilt die Regel, dass der SACEUR immer identisch mit dem USEUCOM ist. Das heißt, der SACEUR ist immer ein amerikanischer General oder Admiral. Forciert Donald Trump den Ausstieg der USA aus der NATO, müsste diese Regel nachjustiert werden. Momentan wird aber niemand Anspruch auf diesen Posten erheben, da die USA doppelt so viel Geld in ihren Militärhaushalt pumpen wie alle anderen NATO-Staaten zusammen.

Der SACEUR hat natürlich auch ein Privatleben. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Wunschstücke der Serenade drücken ebenfalls viel über das aus, was die geehrte Person innerlich bewegt. General Curtis M. Scaparrotti hatte sich folgendes gewünscht:

The American Soldier - Charles Koff / Tom Jones
Hands across the Sea - John Philip Sousa
The Official West Point March - Philip Egner

Für die musikalische Begleitung des Großen Zapfenstreiches war diesmal das Musikkorps der Bundeswehr zuständig, da das Stabsmusikkorps bereits im Osterurlaub weilte.

Video:
Großer Zapfenstreich für den SACEUR General Curtis M. Scaparrotti

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 16. April 2019

Tschechiens Verteidigungsminister Lubomír Metnar besucht seine Amtskollegin in Berlin

Das Wachbataillon ist heute im Dauereinsatz: Halb zwölf militärische Ehren für den Präsidenten von Kirgisistan im Schloss Bellevue, gleichzeitig militärische Ehren für Lettlands Verteidigungsminister Artis Pabriks im Bendlerblock und abends ein Großer Zapfenstreich für den SACEUR General Scaparrotti. Wegen Curtis M. Scaparrotti war auch der Verteidigungsminister Tschechiens, Lubomír Metnar, angereist. Zusammen mit Artis Pabriks will er am Abend an der Verabschiedung des NATO-Generals teilnehmen.

Tschechiens Verteidigungsminister Lubomír Metnar Antrittsbesuch Berlin
Tschechiens Verteidigungsminister Lubomír Metnar zum Antrittsbesuch in Berlin - Im Hintergrund sind bereits die Tribünen für die Gäste des heutigen Großen Zapfenstreichs aufgebaut.
Lubomír Metnar ist seit Juni 2018 Verteidigungsminister innerhalb der Regierung des umstrittenen Andrej Babiš. Als Parteiloser unterstützt Lubomír Metnar die Partei ANO, der auch Babiš angehört. Er absolvierte heute seinen Antrittsbesuch in Berlin und bekam dem Anlass entsprechend ebenfalls militärische Ehren. Mit Ursula von der Leyen wird er sicher auch über die notwendige Modernisierung bei den Streitkräften seines Landes geredet haben.

Tschechien hat etwa 10 Millionen Einwohner und 23.200 aktive Soldaten. Das Land sieht sich insbesondere durch russische Cyber-Attacken herausgefordert. Zudem wächst die Angst vor konventionellen Bedrohungen an der Ostflanke der NATO. Im Februar 2017 hat Tschechien eine Absichtserklärung mit Deutschland unterzeichnet, um die Zusammenarbeit der tschechischen 4. Schnellen Eingreifbrigade mit der deutschen 10. Panzerdivision zu intensivieren. Im selben Jahr wurde mit der Slowakei ein Abkommen zur Sicherung des Luftraumes abgeschlossen. Sicherheitspolitisch scheint Europa endlich zusammenzurücken.

Lubomír Metnar ist 51 Jahre alt und bringt Fachkompetenz mit. Er wurde an einer Polizeischule ausgebildet und war dann viele Jahre als Kriminalist tätig. 2013 fungierte er für kurze Zeit als stellvertretender Innenminister. Ende 2017 wurde er als Innenminister vereidigt und Mitte 2018 als Verteidigungsminister.

Video:
Militärische Ehren für den Verteidigungsminister Tschechiens, Lubomír Metnar

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 20. Februar 2019

Georgiens Präsidentin Salome Zourabichwili besucht Berlin und bekommt militärische Ehren im Schloss Bellevue

Georgisch ist eine eigenwillige Sprache. Sie enthält vom Klang her keine Elemente, die sich für uns durch Brücken aus Latein oder Russisch erschließen könnten. Ebenso eigenwillig ist die Schrift. Sie sieht schon fast indisch aus. So haben auch georgische Namen ein besonderes Merkmal: Sie enden fast alle auf "wili". Am heutigen Vormittag besuchte die georgische Präsidentin Salome Zourabichwili den Bundespräsidenten und wird zum Kaffee bei der Kanzlerin erwartet.

Diese Reihenfolge ist protokollarisch korrekt, da Erste im Staate im Schloss Bellevue mit militärischen Ehren empfangen werden können. Es kann schon als Privileg gewertet werden, dass Frau Zourabichwili nur drei Monate nach Amtsbeginn zum Antrittsbesuch in Berlin empfangen wird.

Georgiens Präsidentin Salome Zourabichwili Berlin Frank-Walter Steinmeier
Georgiens Präsidentin Salome Zourabichwili zum Antrittsbesuch in Berlin bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Das stolze Alter von 67 sieht man der in Paris geborenen Politikerin gar nicht an. Sie ist parteilos und wurde von der Regierungspartei "Georgischer Traum" bei der Kandidatur unterstützt. Der Name der Partei könnte fast als Bezeichnung für einen Eisbecher durchgehen und reiht sich damit in die Namensfindung italienischer Parteien ein.

"Georgischer Traum" ist keine klassische Partei, sondern ein Bündnis aus kleineren Parteien und Bürgerbewegungen, das 2012 die alte Regierung unter Michail Saakaschwili ablösen wollte. Der "Georgische Traum" wurde tatsächlich Realität und ist demokratisch sowie prowestlich eingestellt.

Umso bitterer muss es für Georgien sein, dass sich die NATO bezüglich des Landes so zurückhaltend verhält. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurde das einmal mehr deutlich, obwohl die Reichweite der auf der Krim stationierten Raketen insbesondere für Georgien bedrohlich ist. Es gibt jedoch auf westlicher Seite Zweifel an der nachhaltig demokratischen Entwicklung des Landes. In diesem Zusammenhang kann der Besuch der Präsidentin für Vertrauen sorgen.

Video:
Militärische Ehren für Georgiens Präsidentin Salome Zourabichwili

Autor: Matthias Baumann

Sonntag, 17. Februar 2019

#MSC2019 Zorn und Brauß und Bundeswehr in der Karmeliterkirche

Als ich meinem Gastgeber erzählte, dass ich heute um zehn in der Karmeliterkirche sein muss, meinte er: "Ach, Gottesdienst". Das konnte ich nicht bestätigen. In der Karmeliterkirche sollte eine Diskussion zum Thema "Bedingt einsatzbereit? Die Bundeswehr zwischen Anforderung und Überforderung" stattfinden. Schon der Titel war gemein und tendenziös - ausgedacht von der Universität der Bundeswehr in München.

Während gegenüber im Bayerischen Hof der iranische Außenminister gegen die USA wetterte und die Europäer auf seine Seite zu ziehen versuchte, betrat ich die Karmeliterkirche. Ein heller und schlichter Sakralbau. Links hing ein Kreuz und neben den Säulen standen Tische mit belegten Brötchen und Getränken. Ich setzte mich in die zweite Reihe.

#MSC2019 Karmeliterkirche Universität der Bundeswehr München
#MSC2019 in der Karmeliterkirche - Universität der Bundeswehr München zur Einsatzbereitschaft der Bundeswehr
Unsere Generale und Admirale machen kein Geheimnis aus ihrem christlichen Glauben. So hatte sich Generalleutnant Heinrich Brauß bei seinem Großen Zapfenstreich das Musikstück "Nun danket alle Gott" gewünscht. Der General a.D. war heute als einer der Diskutanten vorgesehen. Neben ihm saßen noch Dr. Claudia Major - Nachname statt Dienstgrad - und MdB Henning Otte von der CDU.

Moderiert wurde von Prof. Dr. Carlos Masala. Letzterer fungierte gleichzeitig als Vertreter der einladenden Uni. Die Universität der Bundeswehr legt den akademischen Grundstein für Offiziere und Zivilisten. Wer dann militärisch weiterkommen möchte, besucht anschließend beispielsweise noch die Führungsakademie in Hamburg oder die Offiziersschule des Heeres in Dresden.

Auch der Generalinspekteur Eberhard Zorn hatte einen Besuch in der Kirche vorgezogen. So saß er neben anderen goldenen Sternen in der ersten Reihe und lauschte dem Geschehen auf der Bühne - pardon: dem Altarbereich. Es wurde sehr schnell klar, dass es hier nicht um die übliche Leier mit nichtfliegenden Hubschraubern, nichtfahrenden Panzern und den heißgeschossenen G36 ging, sondern um die Wahrnehmung der Bundeswehr und die Handhabung des Themas Verteidigung.

General a.D. Brauß war seinerzeit in der NATO für die Abschreckung von Gegnern wie Russland zuständig. Die Aktivitäten Russlands in der Ukraine hatten 2014 einen Umbau der NATO angestoßen. Der konventionelle Aspekt konnte mit der Installation einer Battlegroup in Litauen gut abgefangen werden, da ein möglicher Angriff die Soldaten diverser Nationen betreffen und Russland in eine politische Isolation führen würde. Allerdings sei Russland sehr stark im Bereich CIR Cyber-Informationsraum. Es beeinflusse Wahlen, Meinungen und Stimmungen in anderen Staaten.

Die Bundeswehr habe noch einige Hausaufgaben zu erledigen. Das beginne bei CIR und ende bei der Fähigkeit, operative Großverbände zu stellen und schnell zu verlegen. 2% des Bruttoinlandsproduktes reichen dafür bei weitem nicht aus. Es müssten eher 3% oder 4% bereitgestellt werden. Die Generale und Admirale in der ersten Reihe nickten zustimmend. Heinrich Brauß machte auch klar, dass die 2% keine Trump-Angelegenheit seien, sondern eine unterzeichnete NATO-Richtlinie. Russland sei schließlich nicht die einzige Bedrohung. Auch China rüstet auf und übt schon mal im Südchinesischen Meer.

#MSC2019 Karmeliterkirche Universität der Bundeswehr München General Heinrich Brauß
#MSC2019 in der Karmeliterkirche - Universität der Bundeswehr München mit Generalleutnant a.D. Heinrich Brauß über der Schulter des Generalinspekteurs Eberhard Zorn
Da der eingeladene Oppositionspolitiker nicht erschienen war, war man sich auf dem Podium einig, dass die maßgeblichen Verhinderer im Bundestag und bestimmten Ministerien sitzen. Die Verhinderung gehe so weit, dass Deutschland schon Pläne ohne Zahlen bei der NATO einreichen musste und sich dort absolut lächerlich gemacht hatte. Die europäischen Partner schauen auf uns und erwarten ein verantwortungsvolles Umgehen mit der Landes- und Bündnisverteidigung. Wie peinlich sind dann solche Blüten deutscher 68er-Politik. Das Wohlergehen der Bundeswehr und deren Haushalt haben Symbolwirkung für unsere Nachbarn, aber auch für ganz Europa und die NATO.

Klar, dass Donald Trump ungehalten reagiert. In diesem Punkt hat er sogar Recht. Als Unternehmer mag er kein Wischiwaschi, sondern Entscheidungsfreudigkeit und greifbare Fakten. Dazu gehören auch die 2% für den Verteidigungshaushalt. Als 2016 mit viel Enthusiasmus das Weißbuch zur Sicherheitspolitik herausgebracht wurde, waren die NATO-Partner und die europäischen Nachbarn begeistert. Als die Ministerin dann motiviert in den Bundestag zurückkam, erlebte sie das Gegenteil: Interesse gleich Null. Wobei das nur bedingt stimmt: Im Wahlkampf ist Verteidigungspolitik ein beliebtes Thema für Schlammschlachten. In Portugal gibt es die eiserne Regel, dass Landesverteidigung ein hohes Gut ist, das im Wahlkampf nicht instrumentalisiert werden darf. Verteidigung als Chefsache.

Die Briten witzeln wohl schon über den "cinetic gap" der Bundeswehr. Die wollen oder können, aber dürfen nicht. Das Bild vom "Helfer in Uniform" hat zu einer ungünstigen Verschiebung in der Wahrnehmung geführt, zeigt aber, wie sensibel das Thema in der Öffentlichkeit angegangen wird. Dabei gilt die Bundeswehr, wann immer sie in Krisenregionen gerufen wird, als absolut zuverlässig, pünktlich und einsatzfähig.

Was also tun mit der öffentlichen Wahrnehmung? Der Fisch stinkt vom Kopf. Deshalb beginnt es bei der Politik, die sicherheitspolitischen Herausforderungen zu erkennen und ein Bewusstsein für Verteidigung zu entwickeln. Dieses Bewusstsein wäre dann an die Bevölkerung zu transportieren. Ob so viel Zeit noch bleibt? In Finnland hat sich eine breite Resilienz gegen die Angriffe Russlands aus der 5. Dimension (Cyber-Informationsraum) entwickelt. Dort zieht die gesamte Bevölkerung mit und ist erfolgreich dabei. Davon könnten wir in Deutschland etwas lernen.

Das Problem kennt auch Generalinspekteur Eberhard Zorn. In seiner Wortmeldung sprach er von "a hole of population approach" - einer Lücke bei der Annäherung an die Bevölkerung. Das Nahebringen des Themas wird aus meiner Erfahrung durch zwei Aspekte behindert: Einerseits interessiert sich die Presse in Deutschland gar nicht für die Bundeswehr. Es sei denn, es gab eine medienwirksame Panne. Bedingt dadurch sind wohl einige Pressestäbe mehr auf Verhinderung und Firewall eingenordet, als auf Public Relations. Es gibt aber in den eigenen Reihen auch positive Tendenzen: PIZ Heer und PIZ Luftwaffe beispielsweise setzen schon heute das um, was sich der Generalinspekteur für die nahe Zukunft wünscht.

Autor: Matthias Baumann

Samstag, 16. Februar 2019

#MSC2019 Serbien und Kosovo reden miteinander

Man brachte uns zum Königssaal. Dicht gedrängt standen Diplomaten, Bundespolitiker, Offiziere und Experten auf dem dicken Teppich des Vorraums. In einem Nebengelass wurde eine Tafel eingedeckt. Eine afrikanische Delegation zwängte sich durch die Wartenden hindurch und verschwand in diesem Raum. Was wird dort wohl verhandelt?

Im Königssaal wurde die Zeit überzogen. Um 16 Uhr sollte es laut Plan mit dem Thema "Security in South East Europe: Two Steps Forward, One Step Back?" weitergehen. Dazu wurden die Kontrahenten Aleksandar Vučić und Hashim Thaçi erwartet.

#MSC2019 Serbien und Kosovo reden miteinander
#MSC2019 Serbien und Kosovo reden miteinander im Königssaal des Bayerischen Hofs - v.l.n.r.: Aleksandar Vučić (Präsident von Serbien), Johannes Hahn (EU-Kommissar für Nachbarschaft und Erweiterungsverhandlungen),
Hashim Thaçi (Präsident von Kosovo)
Aleksandar Vučić ist seit April 2017 Präsident von Serbien. Vorher war er drei Jahre Lang Ministerpräsident von Serbien. Von 1993 bis 2008 gehörte er der Serbischen Radikalen Partei an, die wohl mit unserer NPD vergleichbar ist. Er wechselte dann in die Serbische Fortschrittspartei, die ideologisch irgendwo zwischen AfD und CDU liegt und die Nähe zur EU sucht. Der 49-jährige Serbe wirkte etwas unbeholfen und ungelenk. Fast so, als wolle er mit seinem politischen Engagement andere Defizite kompensieren.

Etwas taffer wirkte Hashim Thaçi. Dieser ist seit April 2016 Präsident des Kosovo. Er gehört der Demokratischen Partei Kosovos an. Von 2008 bis 2014 war er Ministerpräsident seines Landes. 1994 hatte er an der Gründung der paramilitärischen Organisation UÇK mitgewirkt. Eine Organisation, die bei der Erhitzung der Situation auf dem Balkan eine wichtige Rolle spielen sollte.

Bei Serbien und dem Kosovo treffen nicht nur Ethnien aufeinander, sondern auch Religionen. Die orthodoxen Serben sehen sich den muslimischen Albanern gegenüber. In Jugoslawien war noch alles gut: Kosovo war ein administrativer Teil des Bundeslandes Serbien. Mit dem Zerfall Jugoslawiens fühlten sich die Kosovaren wieder als Albaner und wollten natürlich nichts mehr mit den Serben zu tun haben. Mit der UÇK wurden dann kleine, aber wirkungsvolle Nadelstiche gegen serbische Staatsorgane - vorrangig Polizisten - gesetzt. Serbien mit dem befreundeten Russland im Rücken reagierte darauf äußerst robust und so gar nicht verhältnismäßig. Für einen serbischen Polizisten starben dann mal eben 20 Dorfbewohner im Kosovo.

Damit Russland den Kuchen des zersplitterten Jugoslawiens nicht alleine aufisst, unterstützte die NATO den so unverhältnismäßig behandelten kleinen Kosovo. Dabei ließ sich die NATO durch eigene Hybris und eine massive Unterschätzung des Gegners blenden. Serbien hatte nämlich noch die alte Partisanentaktik drauf und konnte trotz hilflos veralteter Militärtechnik einen wirkungsvollen Gegendruck aufbauen. So kam es auf allen Seiten zu vielen Verlusten und tiefen - auch mentalen - Verletzungen. Letzterer wurden wir heute Zeuge.

Wolfgang Ischinger höchst persönlich moderierte die Diskussion. Offensichtlich waren Verlauf und Ausgang zu unkalkulierbar. Aleksandar Vučić hing in seinem Stuhl und durfte sich als Erster etwas warmreden. Er sprach Englisch. Danach kam Hashim Thaçi zu Wort. Er sprach wohl Albanisch. Das löste eine gewisse Unruhe im Saal aus, weil sich die Gäste erst einmal Kopfhörer für die Simultanübersetzung besorgen mussten. Er sprach ebenfalls sehr ruhig, saß dabei aber aufrecht und blickte ins Publikum. Direkt vor mir saßen der aktuelle und der ehemalige Botschafter des Kosovo. Wäre ihr Präsident hier nicht aufgetreten, hätten sie gar nicht an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnehmen dürfen.


#MSC2019 Serbien und Kosovo reden miteinander
#MSC2019 Der Verhandlungstisch in einem Salon des Bayerischen Hofs steht für Kontrahenten aus Afrika bereit.
Im weiteren Verlauf erfuhren wir, dass Serbien die Hand ausgestreckt habe und zu Gesprächen bereit sei. Kosovo wolle aber nicht. Kosovo hingegen erwartet eine Ahndung oder wenigstens eine Entschuldigung für die unverhältnismäßigen Tötungen von Personen mit albanischen Wurzeln. Der serbische Präsident meinte darauf, dass sich die Kosovaren nicht permanent selbst zum Opfer stilisieren sollten. "Selfvictimizing" nannte er das. Während Aleksandar Vučić immer mehr in Fahrt kam, blieb Hashim Thaçi ruhig und entspannt. Was er wirklich dachte, war nicht zu erkennen.

Bald war die eine Stunde um und es kam zum Fazit: So bestehe seitens europäischer Diplomaten das Vertrauen, dass es für jedes Problem eine Lösung gebe. Zudem gehe es auch nicht um eine Befriedigung irgendwelcher EU-Politiker, sondern um die eigene Bevölkerung in Serbien und im Kosovo. Das unterstrich auch Johannes Hahn von der EU in Brüssel. Dieser hatte sich in der Diskussion weitestgehend zurückgehalten und als physische Grenze zwischen den beiden Präsidenten gedient. Die Geschichte könne nicht rückgängig gemacht werden, aber ein Agreement, ein Entgegenkommen, werden von Russland, den USA und der EU begrüßt.

"Was können wir für euch tun? Was wünscht ihr euch von uns?", waren die abschließenden Fragen Wolfgang Ischingers bezüglich dieser immer noch sehr verfahrenen, verletzten Situation. Alle waren sich daraufhin einig, dass das miteinander Reden ein guter Weg zur Lösung ist. Ein Privileg, diesen Moment miterlebt zu haben.

Video:
Offizielles Video der MSC zum Tag 2 der Konferent (Teil II)

Autor: Matthias Baumann

#MSC2019 55. Münchner Sicherheitskonferenz - Wer sammelt die Teile auf?

Die 55. Münchner Sicherheitskonferenz - kurz MSC für Munich Security Conference - stand unter dem Motto "The Great Puzzle: Who will Pick Up the Pieces?", also "Die große Frage: Wer sammelt die Teile auf?". Passend dazu wurden Puzzle-Spiele mit 55 Teilen ausgegeben, die einige Teilnehmer eifrig zusammensetzten. Zusammensetzen ist immer eine gute Idee, wenn es um die Lösung von Problemen geht. Momentan ist die globale Sicherheitslage recht angespannt. Drei große Player drängen auf die Bühne: Russland, China und die USA.

#MSC2019 55. Münchner Sicherheitskonferenz Michael Pence
#MSC2019 55. Münchner Sicherheitskonferenz - Michael Pence bei seiner Rede im Konferenzsaal des Bayerischen Hofs
Dieser Dreiklang wurde auch heute aufgenommen. Ab 11:30 Uhr gaben sich Vertreter der genannten Staaten die Klinke in die Hand. Zuerst trat Michael Richard Pence ans Pult. Er fungiert als Stellvertreter von Donald Trump. Zur Unterstützung hatte er die Tochter des Präsidenten, Ivanka, dabei. Sie saß neben Ursula von der Leyen im Publikum. Als Michael Pence fertig war, leerte sich der Saal und der Chinese Yang Jiechi trat auf. Er ist Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei und Chef der Zentralen Kommission für Auswärtige Angelegenheiten Chinas. Sergey Lavrov, der russische Außenminister, wurde etwas herzlicher empfangen, sogar von Frau Eriksen Søreide, seiner norwegischen Amtskollegin. Da der Bayerische Rundfunk exklusive Bildrechte beanspruchte, musste die sonstige Presse nach fünf Minuten den Saal verlassen. Die Inhalte der Reden sind deshalb anderen Quellen zu entnehmen.

#MSC2019 55. Münchner Sicherheitskonferenz Michael Pence
#MSC2019 55. Münchner Sicherheitskonferenz - Michael Pence verlässt nach einem Gespräch mit Angela Merkel den Bayerischen Hof. Michael Pence war so schnell, dass nur die Sicherheitskräfte, Fotografen und Teilnehmer im Bild sind.
Während der Chinese und Sergey Lavrov redeten, hatte Angela Merkel die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Michael Pence genutzt. Dieser rauschte gerade an uns vorbei, als wir zur Pooling Area unterwegs waren.

Die Begrüßungsrede unserer Verteidigungsministerin hatte ich am Freitag vom Pressezentrum verfolgt. Sie wurde dort ins Englische übersetzt, so dass jeder thematisch folgen konnte. Ursula von der Leyen sprach sich für Demokratie und Fairness aus. Man müsse miteinander reden. Als aktuelles Beispiel gelten dabei die Verhandlungen mit den Taliban in Afghanistan. Die Taliban werden oft als wahllos agierende Terroristen klassifiziert. Das entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Die Taliban sind eine gezielt agierende Kraft, die politische Ziele anstrebt. Wenn also mal wieder Massen an Zivilisten getötet wurden, ist zuerst der IS zur Stelle und reklamiert die Tat für sich. Taliban gehen gezielt gegen militärische Ziele oder die Polizei vor und bekennen sich dann dazu. Deshalb sind sie jetzt eingeladen, an den Verhandlungstisch zu kommen und an einem Konsens für die politische Entwicklung des Landes mitzuwirken.


#MSC2019 55. Münchner Sicherheitskonferenz Pressecenter Wittelsbacherplatz
#MSC2019 55. Münchner Sicherheitskonferenz - Pressecenter am Wittelsbacherplatz
Ursula von der Leyen ging aber auch auf die 2% ein. Nominell komme bei Deutschland eine ganz andere Summe zustande als bei anderen EU-Staaten. Von daher sei entscheidend, was von den 2% gekauft werden könne und wie das Budget im jeweiligen Land verwendet werde. Was ist letztendlich "the outcome" für die NATO? Es war wohl nicht ganz von ungefähr, dass sich der moderierende Gastgeber Wolfgang Ischinger die ganze Zeit in einem blauen EU-Hoodie auf der Bühne präsentierte. Als Diplomat und Freund von Versöhnungsszenarien hatte er gleich nach der Ministerin den britischen Verteidigungsminister, Gavin Williamson, eingetaktet. Der Mann hat ein zartes Alter von 42 und bekleidet seit 2017 das Amt. In wenigen Tagen muss er sich mit dem harten Brexit auseinandersetzen und weise Entscheidungen treffen.

Da es zurzeit in einigen Bereichen an Weisheit und gutem Rat mangelt, hatte Wolfgang Ischinger generell für einen guten Mix an Kompetenzen und Nationalitäten gesorgt. So bemerkte er, dass alle Personen im Saal als Kompetenzträger eingeladen worden seien. Sie sollten aktiv mitdiskutieren. Es gehe hier nicht um eine Frage-Antwort-Runde zwischen Podium und Publikum, sondern um einen Diskurs. Die Liste der Präsidenten, Außenminister, Verteidigungsminister, Botschafter, Generale und Admirale würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

#MSC2019 55. Münchner Sicherheitskonferenz Teilnehmer
#MSC2019 55. Münchner Sicherheitskonferenz - Präsidenten, Minister, Experten, Botschafter, Generale und Admirale im Konferenzsaal des Bayerischen Hofs
Die Münchner Sicherheitskonferenz war aber schon so hochkarätig besucht, dass die polizeilichen Maßnahmen im Außenbereich mehr als angemessen waren. Der zusätzliche Einsatz von Hubschraubern signalisierte die Wichtigkeit der gerade redenden Person. Ganz abgesehen von den mitgebrachten Sicherheitskräften und der mitreisenden Presse.

Wer wird nun also die Teile aufsammeln? Die Europäer? Die Afrikaner? Die Inder? Die Indonesier? Werden Russland, China und die USA beim Aufsammeln helfen? Oder werden sie nur zerstreuen? Die weitere Entwicklung wird zeigen, ob der große Diskurs und die vielen Gespräche in den Salons des Hotels Früchte einer friedlichen Entwicklung bringen.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 15. Februar 2019

#MSC2019 IISS International Institute for Strategic Studies legt The Military Balance 2019 vor

Schon wegen der Pressebegegnung mit dem IISS (gesprochen Dabbel-Ei Dabbel-Ess) hatte sich die Anreise nach München gelohnt. In geringen Stückzahlen wurde das extrem teure Jahrbuch "The Military Balance 2019" ausgegeben. Die anwesenden VIPs hatten das Buch vermutlich schon wegen ihrer Mitgliedschaft beim International Institute for Strategic Studies. Alle anderen kannten wohl den finanziellen und inhaltlichen Wert nicht. Im Dunstkreis eines Militärattaché-Stabes hatte ich im letzten Jahr erfahren, dass das Buch zur Bewertung der Stärke von Gegnern genutzt werde. Man frage dann nur noch einmal kurz beim Nachrichtendienst nach. Dieser bestätigt dann in der Regel die Zahlen der Military Balance.

Vom IISS waren einige Experten zur Münchner Sicherheitskonferenz angereist. Sechs Personen tummelten sich auf der Bühne und beantworteten Fragen zu den neuesten Zahlen. Der Raum war voll. Wohl dem, der sich frühzeitig zu diesem Pressebriefing angemeldet hatte. Die Damen und Herren des IISS begegneten uns im Verlauf der Konferenz mehrfach: im Gewühl des Bayerischen Hofs oder bei Podiumsdiskussionen als Teilnehmer und Moderatoren.

#MSC2019 IISS International Institute for Strategic Studies The Military Balance 2019
#MSC2019 IISS International Institute for Strategic Studies legt The Military Balance 2019 vor - v.l.n.r.: John Chipman (Director-General and CEO), Dr. Kori Schake (Deputy Director-General), Dr. François Heisbourg (Senior Advisor)
Mit wenigen Charts konnte die Entwicklung der globalen Sicherheitsstrukturen zusammengefasst werden. Die USA sind nach wie vor die Spitzenreiter bei Militärausgaben und Ausstattung. Allerdings zieht China nach und baut insbesondere seine maritimen Fähigkeiten aus. Stichwort Südchinesisches Meer. Das Verteidigungsbudget der USA liegt bei 643 Milliarden USD. Dann kommt erst einmal gar nichts. Schon fast bescheiden sehen die Chinesen mit ihren 168 Milliarden USD aus, gefolgt von Saudi Arabien mit 83 Milliarden und Russland mit 63 Milliarden.

Nominell liegt Deutschland mit seinen 45,7 Milliarden Euro bei etwa 72% der russischen Verteidigungsausgaben. Rechnet man die europäischen Partner zusammen, kommt man auf eine stolze Summe von 180 Milliarden USD, was nahezu das Dreifache des russischen Budgets ausmacht und das Budget Chinas übersteigt. Es sei in diesem Zusammenhang noch erwähnt, dass die aktuelle Steigerung im amerikanischen Militärhaushalt mit 44,5 Milliarden USD fast so hoch war, wie die Gesamtausgaben in Deutschland.

Was die leidige 2%-Diskussion betrifft, gab es schon immer eine Deckungslücke. 2014 war diese am größten. Die Experten stellten fest, dass es mit den nominellen Werten nicht getan sei. Es komme auch auf die zweckvolle Verwendung des Geldes an. So gebe es keine Regeln für die Aufteilung des Budgets, so dass die NATO-Mitglieder nach Gutdünken mit den 2% wirtschaften könnten.

China und Russland stellen nach Ansicht des IISS die größten Bedrohungen dar. Russland habe sich seit 2014 zu einem ernst zu nehmenden Player entwickelt, der seine militärischen Fähigkeiten in Syrien hinreichend zur Schau gestellt habe. Die annektierte Krim eignet sich geostrategisch hervorragend als Abschussort für Raketen. Relativ unbemerkt in der Debatte um den INF-Vertrag verletzt auch China diesen seit vielen Jahren. Da sich die Trägersysteme für konventionelle und atomare Sprengsätze überschneiden, sei es jedoch schwer einzuschätzen, ob ein Angriff tatsächlich mit nuklearen Waffen erfolge.

Autor: Matthias Baumann

#MSC2019 NATO mit Siebzig

Wäre die NATO eine Frau, würde man wohl von einer älteren Dame sprechen. Menschen mit 70 könnten aber auch in einem reifen Alter sein. Bei einem Gegenstand würde man eher davon reden, dass er in die Jahre gekommen ist. Ist die NATO mit ihren 70 Jahren nun reif oder in die Jahre gekommen? Dieser Frage widmeten sich heute zwei US-Diplomaten von der Harvard Kennedy School, dem Belfer Center for Science and International Affairs.

Douglas Lute und Nicholas Burns saßen vor einem gut durchmischten Publikum aus westlichen, östlichen und arabischen Journalisten und stellten ihren Report mit dem Titel "NATO at Seventy - An Alliance in Crisis" vor. Mit einer verblüffenden Ehrlichkeit wurden die inneren, die äußeren und die zukünftigen Herausforderungen seziert.

#MSC2019 NATO at Seventy Belfer Center Doublas Lute Nicholas Burns
#MSC2019 NATO at Seventy - An Alliance in Crisis - Report des Belfer Center for Sience and International Affairs der Harvard Kennedy School erstellt und präsentiert durch die US-Botschafter Douglas Lute und Nicholas Burns
Die NATO befindet sich zurzeit tatsächlich in einer sehr kritischen Umbruchphase. Das größte innere Problem stelle der amerikanische Präsident dar. Mit seiner Abspaltungspolitik zerrütte er die Allianz und schüre Unsicherheit, wie sie Russland mit seinen Angriffen aus der 5. Dimension, dem Cyber-Informationsraum, nicht effektiver gestalten könnte. "Trump is a problem for the alliance", war nur eine der deutlichen Ansagen der US-Botschafter. Das zementierten sie dann noch mit der Aussage, dass Trump der schwächte Leiter - weakest leader - seit dem Zweiten Weltkrieg sei. Ja, Trump sei die momentane Haupt-Schwachstelle der NATO.

Während der ehemalige Generalinspekteur im Sommer 2017 klar formuliert hatte, dass die NATO keine Wertegemeinschaft, sondern eine Vertragsgemeinschaft sei, wurde im heutigen Pressebriefing und auch in den folgenden Veranstaltungen der Münchner Sicherheitskonferenz auf die gemeinsamen Werte verwiesen. Diese gemeinsamen Werte kämen jedoch durch weitere interne Probleme ins Wanken. Ungarn, Polen und die Türkei wurden in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Einen Kontrast dazu bilde Angela Merkel, die weltweit als Fels der Demokratie wahrgenommen werde. Im Gegensatz zu Donald Trump repräsentiere sie die Werte des Westens. Die große Hoffnung liegt nun beim amerikanischen Kongress, der die NATO gegen Donald Trump verteidigen soll.

Besorgnis erregend sei zudem die innereuropäische Zerrüttung. Trump will raus, die EU ist sich nicht einig und Länder wie Ungarn, Polen und die Türkei lösen sich von der Demokratie ab. Polen und Ungarn werden zunehmend zu Türen für Russlands Manipulationen europäischer Gesellschaften über die Falschinformationsschiene. Europa müsse eine eigene Verteidigungsidentität aufbauen, die dann selbstbewusst in die NATO eingebracht werde. Deshalb unterstützt die NATO auch das Projekt PESCO - Permanent Structured Cooperation. PESCO ist ein europäisches Projekt, das etwas älter als ein Jahr ist und schon diverse gemeinsame Projekte auf den Weg gebracht hat.

Wie die Charts der anschließenden Pressebegegnung mit dem IISS zeigen, haben die Europäer durchaus finanzielle und technische Schlagkraft gegenüber Russland und China. Das müsste nur eben besser gebündelt werden. Brexit und Trump sind zudem mentale Faktoren, die einer Demoralisierung der europäischen Bevölkerung in die Hände spielen.

Als äußere Bedrohungen für die NATO wurden vorrangig Russland und China ausgemacht. China sei nicht nur wegen der Aktivitäten im Südchinesischen Meer zu beobachten, sondern auch wegen dessen Fortschritten auf dem Technologiesektor. Mal ganz abgesehen von den atomaren Fähigkeiten, die China schon seit vielen Jahren am INF-Vertrag vorbei entwickelt. In diesem Zusammenhang gaben die beiden Diplomaten Donald Trump einen weiteren Seitenhieb: Der INF-Ausstieg sei ein Fehler gewesen.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Deutsche und Polen treffen sich zum Feiern und Schießen in Torgelow

Das gemeinsame Gefechtsschießen in Jägerbrück bei Torgelow hat Tradition. Schon zum vierten Mal treffen sich Panzerbrigaden um die Weihnachtszeit und üben den scharfen Schuss. Platz dafür gibt es auf dem Übungsplatz nahe der Oder genug. Das Gelände mit seinen 10.000 Hektar ist so groß, dass selbst die lauten Geschosse des Leopard 2 draußen kaum gehört werden.

Deutsch-Polnisches Gefechtsschießen Torgelow
Gefechtsschießen in Torgelow und deutsch-polnische Heereskooperation "Cross Attachment - Griffin Sword"
Die Panzergrenadierbrigade 41 "Vorpommern" unterhält seit 2016 eine Patenschaft nach Polen. Heute stand die Übergabe der Patenschaft von der 34. an die 10. Panzerkavalleriebrigade auf dem Plan. So wurden zunächst unzählige Gegenstände und Urkunden ausgetauscht, Schultern geklopft oder Fäuste freundschaftlich aneinander geschlagen. Am Besten wirkte allerdings die Geste von Generalleutnant Johann Langenegger, dem stellvertretenden Inspekteur des Heeres. Er nahm das Klettsymbol des neuen "Griffin Sword 2018" (Greif Schwert) und pappte dieses mit einer kräftigen Armbewegung auf die Schulter seines polnischen Gegenübers.

Deutsch-Polnisches Gefechtsschießen Torgelow
Gefechtsschießen in Torgelow und deutsch-polnische Heereskooperation "Cross Attachment - Griffin Sword" - Oberst Andreas Durst (links) übernimmt das Brigadewappen von Oberst Artur Pikon (rechts).
Die Reden waren recht kurz, da sich die Anwesenden hauptsächlich wegen des Gefechtsschießens in den tiefen Schlamm Vorpommerns begeben hatten. Auch die Limousinen der Generalität mussten anschließend die nächste Waschanlage ansteuern. Es stand zwar diesmal nichts von wetterfester Kleidung im Presseprogramm, aber das versteht sich bei solchen Terminen von selbst.

Deutsch-Polnisches Gefechtsschießen Torgelow
Gefechtsschießen in Torgelow und deutsch-polnische Heereskooperation "Cross Attachment - Griffin Sword" - Wiesel
Dann wurden die beiden Nationalhymnen gespielt und die drei weihnachtlich dekorierten Panzer hinter dem Rednerpult fuhren davon. Wir sollten die Ohrstöpsel einsetzen. Kaum hatten wir das erledigt, kamen GTK Boxer angerollt und schossen unvermittelt los. So schnell konnten die Kameras gar nicht positioniert werden. Deutsche und polnische Bildreporter standen in einer Linie und verfolgten das Geschehen. Der Boxer wird vorrangig im Sanitätsdienst und zum Transport von Personen genutzt. Kämpfen soll er eigentlich nicht. Die Waffe ist für die Selbstverteidigung vorgesehen.

Deutsch-Polnisches Gefechtsschießen Torgelow
Gefechtsschießen in Torgelow und deutsch-polnische Heereskooperation "Cross Attachment - Griffin Sword" - polnische Leopard 2
Nach den Boxern wurden Marder, Wiesel und Dachs vorgestellt. Die so possierlich klingenden Tierchen hatten sich zwar optisch der Umgebung angepasst, waren aber im Inneren aus Stahl. Der kleine Wiesel wird auch als Waffenträger bezeichnet. Er ist kleiner als ein Mittelklassewagen, hat aber eine enorme Feuerkraft und ist sehr wendig. Er kann auch zur Unterstützung von Fallschirmjägern aus der Luft abgeworfen werden. Den Wiesel gibt es mit zwei unterschiedlichen Aufbauten: Der 1 MK hat eine 20mm-Maschinenkanone und der 1 TOW verfügt über ein Lenkflugkörpersystem sowie ein MG3.

Der Bergepanzer Büffel ähnelt dem Pionierpanzer Dachs, hat aber keinen Baggeraufsatz. Der Büffel wird zu Bergungsaufgaben inklusive Abschleppen eingesetzt.

Deutsch-Polnisches Gefechtsschießen Torgelow
Gefechtsschießen in Torgelow und deutsch-polnische Heereskooperation "Cross Attachment - Griffin Sword" - scharfer Schuss und Nebelgranaten - im Vordergrund ein Marder
Bei Marder und Leopard wurde es laut. Direkt vor uns feuerte der Schützenpanzer Marder, warf an der Seite unzählige leere Hülsen aus und verschwand in seinem eigenen Qualm. Optisch beeindruckend war der Schuss des Leoparden: Feuer, Qualm, Nichts ... Bumm. Der erste Bumm war so unerwartet und gewaltig, dass so manch eine Kamera verrissen wurde. Das war aber nur die Demonstration der Technik. Das eigentliche Gefecht folgte.

Deutsch-Polnisches Gefechtsschießen Torgelow
Gefechtsschießen in Torgelow und deutsch-polnische Heereskooperation "Cross Attachment - Griffin Sword" - Leopard tarnt seine Rückzugsroute mit Nebel
Es wurde die übliche Geländekarte gezeigt, die Lage geschildert und das eigene Vorgehen erklärt. Danach wurden die Geländekarten auf den Boden gelegt und mit Tarnnetzen abgedeckt. Im Hintergrund brummten bereits Marder über den Acker. Soldaten sprangen heraus und das Gefecht nahm seinen Lauf. Für den Betrachter war das teilweise sehr unübersichtlich. Es wurde scharf geschossen in Richtung der Freifläche. Sobald sich Leoparden oder andere Panzer unter dem Schutz der Nebelgranaten zurückzogen vermischte sich das Geräusch der Schüsse mit den Serienfotos der Kameras.

Deutsch-Polnisches Gefechtsschießen Torgelow
Gefechtsschießen in Torgelow und deutsch-polnische Heereskooperation "Cross Attachment - Griffin Sword" - Wiesel 1 TOW mit Lenkflugkörpersystem TOW nimmt eine Weihnachtskugel ins Visier.
Auch das polnische Musikkorps war im Dauereinsatz. Nach dem Gefechtsschießen ging es auf einen anderen schlammigen Platz. Dort war ein Art Weihnachtsmarkt mit Zelten und Infoständen aufgebaut. Es gab auch einen Weihnachtsbaum mit bunten Kugeln. Geschützt wurde dieser durch Wiesel, Boxer und anderes Getier. Im benachbarten Zelt konnten die Handfeuerwaffen der Bundeswehr und der polnischen Streitkräfte angeschaut werden. Dazu spielte das Musikkorps Weihnachtslieder.

Deutsch-Polnisches Gefechtsschießen Torgelow
Gefechtsschießen in Torgelow und deutsch-polnische Heereskooperation "Cross Attachment - Griffin Sword" - Marder beim Gruppenfoto im "Static Display".
Jingle Bells und das Dröhnen der eintreffenden Panzer vermischten sich. Diese parkten gegenüber in einer geordneten Formation ein: "Static Display" im Fachdeutsch. Bei so viel Action hatte kaum jemand an die Statements gedacht. Die beiden Generäle standen also fast alleine vor den Panzern und lobten die gute Zusammenarbeit, während der Rest der Presse das Lagerfeuer oder die Einpark-Szene filmte. Besonders romantisch waren die brennenden Baumstämme am Wegesrand zum Weihnachtsmarkt.

Deutsch-Polnisches Gefechtsschießen Torgelow
Gefechtsschießen in Torgelow und deutsch-polnische Heereskooperation "Cross Attachment - Griffin Sword" - Idyllisch illuminierter Weg zum Weihnachtsmarkt
Der Vollständigkeit halber muss noch erwähnt werden, dass eine Kooperation keine Integration ist. Die gegenseitige Unterstellung von Truppen wie mit den Niederländern ist eine Integration. Mit den Polen ist man noch nicht soweit. Deshalb erst einmal nur eine Kooperation. Das heißt, dass jeder noch eigenständig agieren kann, aber eine enge Zusammenarbeit gelebt wird.

2014 wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet. Diese gab den Anstoß für eine Koordination der Zusammenarbeit. Der Zeitrahmen nennt sich Initialisierungsphase. Die Initialisierung wurde Mitte 2016 erfolgreich beendet. Dann startete die Übungs- und Ausbildungsphase mit einer konkreten Kooperation. Diese Phase soll Ende 2020 abgeschlossen sein. Idealerweise entwickelt sich daraus eine Integrationsphase und eine tatsächliche Integration. Anschließend kommt die Einsatzphase. Abhängig von den politischen Rahmenbedingungen könnte nach 2020 eine ähnliche Befehlsstruktur wie bei der Integration der Niederländer möglich werden.

Video:
Deutsch-Polnisches Gefechtsschießen in Torgelow

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 29. November 2018

#BSC18 - Berlin Security Conference und die Herausforderungen der fünften Dimension - Cyber-Sicherheit rechtlich und technisch

Wenn mich Irina schon im Betreff des Mails für die Performance im Bett lobt oder Dr. Schlumumba meine Kontonummer erfragt, um schnell die zwei Millionen überweisen zu können, wandert das Mail in den Papierkorb. Wenn es nicht ohnehin schon vom Spamfilter aussortiert wurde. DISCARD ist meine Lieblingsfunktion bei der Konfiguration von Mailservern: lautloses Löschen von Spam.

Cyber-Sicherheit hat auch etwas mit dem Menschen vor der Tastatur zu tun. Als ich ein geeignetes Antivirenprogramm suchte, wurde unter anderem Kaspersky angeboten. Das Bauchgefühl hielt mich davon ab, eine sicherheitsrelevante Software mit einem offensichtlich russischen Namen zu kaufen. Vorurteile und Rasterfahndung werden ja in Kreisen politischer Korrektheit nicht gerne gesehen. Vorschussvertrauen ohne Störgefühle war mir aber wichtiger und führte zum Kauf eines anderen Produktes.

Da Sicherheit und Politik nicht immer harmonieren, wurde in der Ukraine und diversen westlichen Ländern eine exzessive Installation der Kaspersky-Software durchgeführt. Irgendwann stellte der israelische Geheimdienst fest, dass Kaspersky zur Spionage genutzt wird. Panik machte sich breit in den Behörden der USA und letztlich auch der Niederlande. Das Gefühl im Bauch wurde - wie schon oft - durch die Realität bestätigt.

#BSC18 Berlin Security Conference CIR Cyber Leinhos
#BSC18 Berlin Security Conference - Paneldiskussion mit (v.l.n.r.) Generalleutnant Ludwig Leinhos (CIR), Marcel Taubert (secunet Security Networks AG), Prof. Robin Geiss (School of Law - University of Glasgow) und weiteren Experten.
Bei der BSC Berlin Security Conference saß ich im gut besuchten Raum Opal. Direkt vor mir Generalleutnant Ludwig Leinhos, zwei Professoren mit den Schwerpunkten Recht und Cyber, drei Männer aus der Industrie, ein Vertreter der Cyber-Abwehr der US-Streitkräfte und ein Mann vom BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik). Es war also ein High-Level-Panel mit dem Titel "Cyber Operations - a legal and technological challenge", was übersetzt so viel heißt wie "Operationen im virtuellen Raum - eine rechtliche und technologische Herausforderung". Einige der Panel-Teilnehmer waren zunächst durch die Leitsprache Englisch herausgefordert, bekamen das aber gut in den Griff.

Professor Ducheine aus den Niederlanden sprach dann auch über die vier Schienen der Cyber-Sicherheit: Das erste sei die oben erwähnte Aufmerksamkeit des Nutzers, dann folgen die technischen Grundlagen, als drittes die rechtliche Dimension und zu guter Letzt die politischen Rahmenbedingungen. Also Mensch, Technik, Recht, Politik.

Die Politik wurde nur am Rande gestreift. Sie müsse auf Cyber-Verstöße gegen geltendes Recht reagieren. Im schlimmsten Falle mit offener militärischer Gewalt. Dazu sind aber erst einmal verschiedene Stufen des diplomatischen Geschicks zu durchlaufen. Die Einstiegsvariante ist die Ausweisung des Botschafters. Danach folgen wirtschaftliche Sanktionen. All das ist darauf angelegt, den Gegner an den Verhandlungstisch zu bekommen. Wenn das nicht fruchtet, muss geschaut werden, welchen tatsächlichen Schaden der Cyber-Angriff erzeugt hat.

Cyber-Angriffe sind in der Regel auf eine virale Verbreitung ausgelegt, so dass bei deren Initiierung noch gar nicht abgeschätzt werden kann, welcher Kollateralschaden entstehen wird. Der Kollateralschaden kann bei der globalen Vernetzung durchaus wieder beim Initiator ankommen, als Bumerang sozusagen. Bisher gab es weltweit noch keine offene militärische Antwort auf Cyber-Angriffe. Artikel 5 (Bündnisfall) der NATO würde eine militärische Reaktion auf Cyber-Angriffe gestatten.

Die Schwachstellen Mensch und Technik waren in dieser Runde unstrittig und wurden nur kurz behandelt. Es wurde lediglich noch einmal dafür geworben, Verschlüsselungen - Neudeutsch: Crypto - einzusetzen.

So konzentrierte sich der Hauptteil auf das Thema Recht. Das Recht hängt zwischen Täter und Politik. Die Politik hat bisher nur rudimentäre Grundlagen für die Ahndung von Cyber-Kriminalität geschaffen. Dennoch lässt sich mit dieser Basis arbeiten. Hinter der Verbreitung von Fake News oder Schadsoftware stecken immer Menschen mit analysierbaren Denkmustern und kalkulierbaren Handlungsweisen. Sie disruptieren, manipulieren, sabotieren und spionieren. Sie sind jedoch als echte Personen außerhalb ihres virtuellen Schutzraumes greifbar. Im Internet hinterlässt jeder seine Spuren. Diese sind mal schneller und mal erst nach vier Jahren bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen.

Bisher gab es wohl noch keine aktiven Eingriffe in Kampfhandlungen. Bei zunehmender Internationalisierung der Streitkräfte werden auch die Sicherheitslücken größer. Bei der Vorstellung des Leopard 2 A6M für den multinationalen Einsatz mit deutschen und niederländischen Truppen wurde die Smartphone-Affinität der Niederländer herausgestellt. Die Waffentechnik wurde deshalb auf die innovativen Nachbarn erweitert. Immer mehr strategische Produkte enthalten Material und Technologien von Google-Maps. Wenn Google will, kann es wohl demnächst die globalen Konflikte vom Rechenzentrum aus steuern.

Es ist viel im Fluss und der Experten sind wenige. Gegner haben nicht nur durch Kaspersky bewiesen, dass sie in der fünften Dimension Cyber etwas bewegen können. Hält die NATO dort mit?

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 28. November 2018

#BSC18 Berlin Security Conference: Europäische Emanzipazion unter Beibehaltung der guten transatlantischen Beziehungen

Auf der diesjährigen 17. BSC Berlin Security Conference durfte Ursula von der Leyen die Begrüßungsrede halten. Das Medieninteresse war symptomatisch. Kaum war die Ministerin weg, verschwanden auch die Kameras. Bis zur Mittagspause hatten auch die standhaftesten Bildreporter das Feld geräumt. Nur die Bundeswehrredaktion und einige Fachjournalisten waren geblieben.

Dabei hatte die offizielle Begrüßung der hochkarätigen Gäste einige Zeit in Anspruch genommen. Der stellvertretende russische Außenminister, der georgische Verteidigungsminister, der niederländische Außenminister, Europaminister, Militärattachés, Generäle und Admiräle, Jörg Vollmer, General Laubenthal, General Leinhos, General Schelleis, Vizeadmiral Krause und Brigadegeneral Rob Rider waren vor Ort. Man könnte jetzt noch mit Staatsminister Niels Ammon und Staatssekretär Peter Tauber fortsetzen, aber das würde den Rahmen sprengen.

#BCS18 Berlin Security Conference
#BCS18 Berlin Security Conference - Europa mit der NATO - Europa emanzipiert sich und bekennt sich zur NATO
"Transatlantisch bleiben, europäischer werden", war der rote Faden in der Rede der Ministerin. Transatlantisch bezog sie auffällig oft auf Kanada. Kanadische Truppen hatten beim NATO-Manöver Trident Juncture eng mit unseren Gebirgsjägern zusammengearbeitet. Der uralte Spruch "Kann'a hier nicht, kann'a da" hatte im Gefechtsstand für gute Stimmung gesorgt. Aber auch US-Streitkräfte hatten an unserer Seite gekämpft. Sollte die Nennung von Kanada ein Seitenhieb gegen Donald Trump sein? Bei einem Panel war auch von amerikanischer Seite zu erfahren, dass die militärische Basis verlässliche Kontinuität "trotz der aktuellen politischen Führung" lebe.

Frau von der Leyen lobte die vielen europäischen Projekte der einjährigen PESCO (Permanent Structured Cooperation). Europa müsse auch unabhängig von der NATO handlungsfähig werden. Bisher macht in Europa jeder das Seine. Es gibt nur wenige Initiativen wie die gegenseitige Unterstellung deutscher und niederländischer Truppen. Die Waffensysteme in Europa sind stark fragmentiert und müssen in den nächsten Jahren gestrafft werden. Die Ministerin forderte kürzere und schnellere Entscheidungswege. Europa müsse wollen und handeln. Hier sei der Output das Maß der Dinge.

Immer wieder kam sie auf "transatlantisch bleiben, europäischer werden" zurück. Die europäische Verteidigungsmaschine solle autark agieren können, aber keine Duplizierungen zur NATO bieten. Das klang nach einem herben Widerspruch. Dieser wurde am zweiten Konferenztag durch Generalinspekteur Eberhard Zorn aufgelöst. Während es aktuell mehrere Hauptquartiere in Europa gebe, sollte das in Zukunft harmonisiert werden. Wenn Vorhandenes entsprechend gebündelt werde, könne Europa auch neben der NATO entsprechende Einsätze durchführen. "Praktische Dinge statt Papiere" forderte Eberhard Zorn. Es entstand der Eindruck, dass PESCO eine ganz neue Dynamik in die eingeschlafene europäische Verteidigungspolitik gebracht hat. Vielleicht ist das Verhältnis Europa - USA - NATO auch mit einem Jugendlichen zu vergleichen, der das Elternhaus verlässt, aber dennoch familiär verbunden bleibt.

Admiral Rob Bauer, Verteidigungschef der Niederlande, freute sich sehr über die gute Zusammenarbeit mit Deutschland. Er hob die kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede hervor und bestätigte noch einmal die Erkenntnisse des Ministertreffens von Lohheide im Mai. Die Deutschen seien demnach klar und strukturiert, während die Niederländer erst einmal diskutieren und sich irgendwann in Bewegung setzen. Von niederländischer Seite kam auch der Hinweis, dass sich die Konflikte und Waffen deutlich gewandelt haben. Heute habe man mit Cyber-Angriffen und Drohnen zu tun. Stef Blok, der niederländische Außenminister, bezeichnete es als Fehler, sich auch nur gedanklich von den USA zu trennen. Transatlantisch bleiben!

#BCS18 Berlin Security Conference
#BCS18 Berlin Security Conference - Aussteller am Rande der Konferenz
Österreich hatte seine Europaministerin Dr. Karin Kneissl nach Berlin geschickt. Sie stellte die Frage, wo beginnt Europa und wo endet es? Die Grenzen verschieben sich und Europa sei neben der Geografie auch als Wertegemeinschaft zu definieren. Sie postulierte, dass Europa Sicherheit exportieren müsse. Die Alternative sei der Import von Unsicherheit.

Von einem anderen Europapolitiker war zu erfahren, dass Brüssel nicht zufrieden damit sei, dass Deutschland bis 2024 nur 1,5% für den Verteidigungshaushalt bereitstelle. Das junge Projekt PESCO habe den europäischen Haushalt für die Verteidigung aufgemacht. Das müsse genutzt werden. Europa benötigt ein gemeinsames Narrativ. "Europäische Verteidigungsunion" könnte ein Leitwort dabei sein. Immer wieder das Bekenntnis zur NATO. Dennoch müsse Europa eigene Fähigkeiten entwickeln. Das hänge nicht nur mit der Unberechenbarkeit von Donald Trump zusammen, sondern auch mit der Änderung des amerikanischen Fokus hin zu Asien. Während die USA 1,4 Millionen Soldaten unter Waffen hat, gibt es in Europa sogar 1,8 Millionen Soldaten, selbst wenn die Militärausgaben hier viel niedriger sind. Auch angesichts der demografischen Entwicklung müsse "klüger vernetzt gehandelt" werden und fehlende personelle Ressourcen durch Technik ersetzt werden.

Neben den Vorträgen gab es auch kompetent besetzte Diskussionsrunden auf dem Podium und die Panels in den verschiedenen Räumen des Tagungszentrums. In den Gängen hatten Organisationen und Firmen ihre Stände aufgebaut. Von Sanitätsdienst bis Airbus präsentierte sich eine bunte Palette von Anbietern, die entsprechend bunte Kugelschreiber, Tassen, Beutel, Traubenzucker und Flyer an den geneigten Besucher übergaben. Wegen der vielen prominenten Gäste waren auch erhebliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Dennoch funktionierte der Zugang schnell und reibungslos. Die Orga hatte militärische Professionalität und satt wurde auch jeder. "Ohne Verpflegung keine Bewegung", hört man bei solchen Anlässen oft aus dem Munde erfahrener Offiziere.

Ja, Erfahrungen und Kompetenzen waren hier auf engstem Raum versammelt. So konnte ich sämtliche Fragen zum Protokoll, zu Uniformen und anderen Themen stellen und Antworten aus erster Hand einsammeln. Gewürzt mit Anekdoten aus dem militärischen Alltag.

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 6. November 2018

Trident Juncture 2018: Schiedsrichter, Richtminen und die Verzögerung des Gefechtes

Vom 28. Oktober bis zum 2. November gab es diverse Presse-Vorführungen beim NATO-Manöver Trident Juncture in Norwegen. Das Manöver-Gebiet lag zwischen Trondheim und Oslo. Beide Städte sind etwa 500 Kilometer voneinander entfernt. Journalisten konnten von Tribünen aus die Schaugefechte verfolgen und anschließend mit unbeschmutztem Anzug in die heimischen Redaktionen fliegen. Das Ende des Manövers ist für den 7. November 2018 vorgesehen.

Als Kontrastprogramm zur sonstigen Berichterstattung über protokollarische Anlässe wurde mir eine Begleitung des Gebirgsjägerbataillons 232 bei der eigentlichen Übung ab 3. November angeboten. Gebirgsjäger sind als eine der härtesten und sportlichsten Einheiten der Bundeswehr bekannt und reichen damit Fallschirmjägern und KSK das Wasser.

Das GebJgBtl232 - wie es liebevoll abgekürzt wird - ist in Bischofswiesen stationiert. Bischofswiesen liegt im äußersten Süd-Ost-Zipfel Bayerns. Das Bataillon besteht aus sieben Kompanien: Die erste ist für Versorgung und Technik zuständig und die zweite bis fünfte für den Kampf. Die fünfte Kompanie verfügt über schweres Gerät wie Mörser und den kleinen Wiesel - einen Panzer mit diversen Schussvorrichtungen. Die sechste Kompanie besteht aus Reservisten und die siebte dient zur Ausbildung.

Trident Juncture 2018 #TRJE2018 Gebirgsjägerbataillon 232 Schiedsrichter Norwegen
Trident Juncture 2018 - Gebirgsjägerbataillon 232 - Hägglund mit Wintertarnung
Bei den Mannschaften gibt es keinerlei Sorgen um den Nachwuchs. Es finden sich immer wieder begeisterte Bergsteiger mit T1-Musterung - also kerngesund ohne Brille und Plattfüße. Bei den Feldwebeln sieht es nicht ganz so gut aus, da für diese Dienstgrade gewisse Qualifikationen notwendig sind. Es müssen fachliche Kompetenzen und die so genannten Soft Skills passen.

Vorsichtshalber fragte ich an, mit welcher Ausrüstung ich nach Norwegen fliegen solle. Ja, die Truppe erlebe gerade arktische Temperaturen im Bereich von -20°C und ich solle wasserabweisende Kleidung, dicke Schuhe, Isomatte und einen warmen Schlafsack mitbringen. Wie gut, wenn es einen Army-Shop mit entsprechenden Artikeln in der Nähe gibt. Schlafsack, Isomatte, lange Unterhosen, Wechselpullover, zweiter Schal und wasserdichte Hose wurden in einen Rucksack gepackt und los ging es.

Die eigentlichen Gefechte sollten auf einer Nord-Süd-Achse von 250 Kilometern zwischen Haltdalen und Rena stattfinden. Haltdalen liegt etwa 100 Kilometer südlich von Trondheim und ist unter Beachtung der norwegischen Verkehrsregeln innerhalb von zwei Stunden zu erreichen.

Das Gebirgsjägerbataillon 232 führte zunächst den Angriff von Haltdalen aus. Es gehörte zur Gruppe Rot und war innerhalb weniger Tage gut zwei Autostunden nach Süden vorgedrungen. Das entsprach 2/3 der Distanz. Vom südlichen Rena aus bewegte sich unter anderem die Panzerlehrbrigade 9 - auch gerne als L9 bezeichnet - Richtung Norden. Für die Gruppe Blau aus dem Süden war also zunächst Verzögerung und Halten angesagt. L9 aus Munster (ohne Umlaut) ist die VJTF 2019. Alle anderen deutschen Soldaten sind froh, dass sie nicht zur VJTF gehören.

Jedes Manöver hat ein Drehbuch, das die Teilziele mehr oder weniger starr festlegt. Es gibt Schiedsrichter, geheimes Leitungswissen, neutrale Versorger und die mit Rot oder Blau gekennzeichneten Kämpfer. Schiedsrichter trugen bei Trident Juncture orange Warnwesten. Ich trug einen knallroten Hoodie und Jeans. Darüber eine schwarze sehr warme Mil-Tec-Jacke.

Trident Juncture 2018 #TRJE2018 Gebirgsjägerbataillon 232 Schiedsrichter Norwegen
Trident Juncture 2018 - Gebirgsjägerbataillon 232 und Manöver-Schiedsrichter - Unterwegs zur Frontlinie
Das war nämlich so: Bei der Zwischenlandung in Oslo war mein Rucksack mit den arktischen Kleidungsstücken und Schlaf-Utensilien verschwunden. Der Klassiker bei solch einer Reise. Durch die Reklamation verpasste ich dann noch den letzten Zug nach Haltdalen. So musste ich einen Leihwagen nehmen. Kurz nach vier war es in Norwegen schon stockfinster. Die Scheibenwischer meines Skoda Fabia schabten den Regen von der Frontscheibe. Vereinzelte Lichter seitlich über mir versprachen eine traumhafte Landschaft - zumindest bei Tageslicht. Ansonsten war es so dunkel, dass ich mich über die Reflexion der Stangen am Rand freute, die die Schneetiefe messbar machen sollten. Nach zwei Stunden hatte ich Haltdalen erreicht und suchte dort das Lager der Gebirgsjäger. Die Ausdehnung von Haltdalen hatte ich unterschätzt.

Schon vom Flughafen aus hatte ich mitgeteilt, dass mein Gepäck nicht mitgekommen war. Schnell und flexibel wurde umdisponiert und ein Zimmer im befestigten Haus zur Verfügung gestellt. Solange das Gepäck verschollen sei, solle ich Tagesausflüge machen. Zahnpasta, Zahnbürste und Duschbad gab es im Shop der Staging Area. Dazu leckeres Frühstück und Abendessen aus der Truppenküche. Der Kommandeur dieses Gefechtsstandes Rück war Oberstleutnant Schneider-Ludorff, der bereits mediale Berühmtheit bei Trident Juncture erlangt hatte. Er zeigte mir das Zeltlager mit Duschen, WCs und vielen Schlafräumen. Er selbst schlief auch bei der Truppe und ließ mich kurz in sein 12-Mann-Abteil schauen.

Es gab zwei Gefechtsstände: Der Hauptgefechtsstand war nahe der Frontline aufgebaut. Von hier aus operierte der Kommandeur der kämpfenden Einheiten - Oberstleutnant Sonnenberger. Der Hauptgefechtsstand war aber so gut versteckt, dass er sich nur bei groben taktischen Fehlern hätte selbst verteidigen müssen. Ergänzend dazu gab es den erwähnten Gefechtsstand Rück. Hier agierte der zweite Kommandeur und kümmerte sich um alle Aufgaben außerhalb der Kampfhandlungen inklusive Nachschubsicherung.

Am ersten vollen Tag konnte ich die Aufklärer und die Pioniere begleiten. Am zweiten Tag stand eine Mitfahrt bei den Schiedsrichtern auf dem Programm. Die Aufgabe der Manöver-Schiedsrichter kann relativ simpel zusammengefasst werden:

Schiedsrichter ersetzen den scharfen Schuss.

Wo immer anhand des Leitungswissens ein Gefecht stattfinden soll, sind die Schiedsrichter zugegen. Eine orange Warnweste am Wegesrand zeigt dem Journalisten: Hier gibt es gleich die begehrten Fotos. Schiedsrichter sind in der Regel Personen ab dem Dienstrang Leutnant, also mindestens ein Stern auf der Schulter. Wobei die Sterne bei der Manöveruniform auch gerne mal an der Knopfleiste, der Brust oder am Arm kleben. Mit Klettband natürlich. Einige Offiziere hatten daneben noch den großen runden Trident-Juncture-Button angebracht. Dieser Button war so begehrt, dass er zentral nachbestellt werden musste.

Trident Juncture 2018 #TRJE2018 Gebirgsjägerbataillon 232 Schiedsrichter Norwegen
Trident Juncture 2018 - Gebirgsjägerbataillon 232 und Manöver-Schiedsrichter - TRJE-Button mit Kletthalterung
Schiedsrichter wissen in etwa, was beim Einsatz welcher Waffen gegen welches Ziel passiert. Deshalb können Panzer und Soldaten mit Übungsmunition schießen. Die leeren Hülsen fliegen seitlich aus der Waffe und vorne kommt außer heißer Luft nichts raus. Die Luft kann aber solch eine Hitze entwickeln, dass sie von entsprechenden Aufsätzen kompensiert werden muss. Auch ein Knalltrauma ist nicht auszuschließen, wenn jemand zu nah am Rohr steht. Besonders wichtig war noch die fachgerechte Entsorgung von leeren Hülsen und anderem Müll. Dazu gab es ein umfangreiches Schriftstück.

Ohne Schiedsrichter ist ein Manövergefecht sinnlos. Die Schiedsrichter zählen die Toten und markieren ausgefallene Fahrzeuge mit Farbgranaten. Je nach vorheriger Abstimmung müssen getroffene Fahrzeuge die Warnblinkanlage einschalten. Fährt also der erste Panzer über eine Brücke, die mit Sprengladungen präpariert wurde, geht der Schiedsrichter von einer Sprengung der Brücke samt Fahrzeug aus. Er wirft dann seine bunte Rauchbombe und der tote Fahrer macht die Warnblinkanlage an. Anschließend müssen die Pioniere einen Behelfsübergang bauen und die Truppenbewegung kann weitergehen.

Trident Juncture 2018 #TRJE2018 Gebirgsjägerbataillon 232 Schiedsrichter Norwegen
Trident Juncture 2018 - Gebirgsjägerbataillon 232 und Manöver-Schiedsrichter - Erkennen Sie den Hauptgefechtsstand?
Leitungswissen heißt, dass nur die Leitung und wenige informierte Personen bestimmte Pläne kennen. Aus Leitungswissen war zu erfahren, dass von Samstag auf Sonntag die Richtungen wechseln. Ab Sonntag durfte also Gruppe Blau mit L9 aus dem Süden endlich mal angreifen und die Gruppe Rot zu Verzögern und Halten zwingen.

Diese Umstellung verzögerte sich. "So, jetzt fahren wir erstmal zum Gottesdienst und ab zwölf hauen wir uns die Köpfe ein", kommentierte das einer der Offiziere. Mit zwölf war natürlich die Zulu-Zeit gemeint. Bei einem Manöver verständigt man sich zuvor auf eine gemeinsame Uhrzeit und plant dann alles mit dieser. Zwölf Uhr Zulu entsprach unserer Zeit minus einer Stunde und damit der Greenwich Mean Time (GMT). 12:00 Zulu bedeutete 13:00 Uhr Alpha-Zeit. Klingt komplizierter als es ist.

Zwei Schiedsrichter nahmen mich in ihrem gemieteten Audi mit. Es ging in Richtung Frontlinie. Über matschige Wege gelangten wir zum Hauptgefechtsstand. Dort durfte ich nur belanglose Dinge oder am besten gar nichts fotografieren. So filmte ich nur eine der dreckigen Audi-Alufelgen, das schlammige Audi-Heck, ein G36 auf Hägglund (kleiner Gebirgspanzer) und die Lage-Erklärung des Leiters der Schiedsrichter. Natürlich nur mit Fokus auf die Landkarte.

Trident Juncture 2018 #TRJE2018 Gebirgsjägerbataillon 232 Schiedsrichter Norwegen
Trident Juncture 2018 - Gebirgsjägerbataillon 232 und Manöver-Schiedsrichter - Kartenmaterial der Schiedsrichter
12 Zulu war inzwischen auf 16 Zulu korrigiert worden. Scheinbar wollten sich die Feindkräfte noch über die gelungene Predigt beim Gottesdienst austauschen und waren deshalb noch nicht zum Angriff bereit. Auch wenn die Panzerlehrbrigade aus Munster in der Gruppe Blau spielte, war dafür gesorgt, dass sich möglichst keine gleichen Nationen gegenüberstanden. Es gab in Nord-Südrichtung insgesamt vier parallele Handlungsstränge auf der Fläche zwischen Schweden und der Nordsee. Wir befanden uns im Oststrang an der Grenze zu Schweden.

Die Schiedsrichter nahmen mich zu mehreren möglichen Gefechtsschwerpunkten mit. Trotz Leitungswissen und Drehbuch war auch ihnen nicht erschöpfend bekannt, zu welchen Aktionen sich die Kommandeure der Gegner letztlich entscheiden würden. Leitungswissen und Drehbuch konnten also nur als grobes Korsett des Manövers betrachtet werden, das situativ nachjustiert werden musste.

Trident Juncture hatte das Hauptziel, die schnelle Verlegung großer Truppen inklusive Gerät zu demonstrieren. Dieses Ziel war bereits in den ersten Tagen erreicht worden. Salopp ausgedrückt nutzen die ohnehin anwesenden Truppen gleich die Gelegenheit für ein anschließendes Geländespiel auf 250 Kilometern norwegischer Berglandschaft.

Trident Juncture 2018 #TRJE2018 Gebirgsjägerbataillon 232 Schiedsrichter Norwegen
Trident Juncture 2018 - Gebirgsjägerbataillon 232 und Manöver-Schiedsrichter - Sperrung einer Kreuzung mit Gabionen (links) und Resten des jüngsten Gefechtes an diesem Ort
An den unterschiedlichen Stationen sahen wir Metallgitter mit simulierter Steinfüllung - im Garten-Landschaftsbau als Gabionen bekannt. Ich fotografierte durch Stacheldraht, der bei Berührung mit Panzerketten oder anderen beweglichen Dingen zu einer erheblichen Verzögerung des Verkehrsteilnehmers führt. Spanische Reiter standen am Wegesrand. Das waren keine NATO-Partner, sondern kreuzweise zusammengebaute Metallgestelle zur Abwehr sämtlicher Fahrzeuge.

Irgendwann stieg ich auf einen Widder um. Der Widder ist ein militärisch umgebauter VW-Bus. Hinten ein massives Metallgitter und ein großes Ersatzrad. In der Mitte ein grob zusammengeschweißter Ständer von Heckler & Koch zur Aufnahme von vier Sturmgewehren. Ein Soldat spannte dort seine Wasserflasche ein. Zum Halten meiner Kamera passte die Vorrichtung nicht. Die mitreisenden Soldaten brachen eine Lanze für das G36, das von der Presse so gerne als Beispiel schwacher Ausrüstung zelebriert wird.

Es dämmerte bereits, als wir den ersten Hinterhalt nahe der Frontlinie erreichten. Am Kopf einer Böschung über der Straße hatte ein Zug der Gebirgsjäger Stellung bezogen. Mit Ästen und Laub hatten Sie ein Versteck für ihr Maschinengewehr gebaut. Von hier aus hatten sie einen guten Überblick über die Straße und das hinter ihnen liegende Feld. Es gab auch die kleinen Hägglunds und unterschiedliche Schusswaffen.

Trident Juncture 2018 #TRJE2018 Gebirgsjägerbataillon 232 Schiedsrichter Norwegen
Trident Juncture 2018 - Gebirgsjägerbataillon 232 und Manöver-Schiedsrichter - Hinterhalt auf der Böschung
An der Böschung wurde eine Richtmine installiert. Die Richtmine sieht aus wie eine Panzerfaust und hat eine ähnliche Wirkung, nur dass sie durch den Panzer selbst ausgelöst wird. Die Richtmine kann per Schaltuhr auf ein scharfes Zeitfenster gestellt werden. An der Mine ist ein Lichtwellenleiter befestigt, der ohne Verzögerung auslöst, sobald mindestens 80 kg auf den Lichtdraht wirken. Das ist relativ wenig, wenn man bedenkt, dass ein Infanterist mit Gepäck schnell mal 120 kg wiegt. Allerdings schreitet dieser wahrscheinlich über den Draht hinweg und trifft diesen gar nicht. Anders sieht es bei Fahrzeugen mit einer permanenten Bodenhaftung aus.

Der Hinterhalt bestand aus mehreren Abteilungen, die im umliegenden Wald verteilt waren. Wir fuhren diese mit dem geländegängigen Widder ab und unterhielten uns mit den verantwortlichen Kommandeuren. Gruppe Rot war auf den Angriff von Gruppe Blau vorbereitet.

Es war dunkel geworden. Zulu wurde auf 18, auf 21 und auf 23 korrigiert. Keine Feindbewegung, nur das Geräusch von Hubschraubern. Aufklärer? Durch das Funkgerät knarzte die Info, dass drei feindliche Hubschrauber hinter uns gelandet seien und bewaffnete Kämpfer abgesetzt hätten. Zwei der Hubschrauber konnten neutralisiert werden und von einem war die Mannschaft in unbekannte Richtung entkommen.

Wir warteten und warteten und warteten und warteten. Die Kunst der Geduld besteht ja darin, sich in der Zwischenzeit mit etwas anderem zu beschäftigen. Der Wasserkocher wurde angeworfen und erst einmal Vollwert-Tütensuppe aufgegossen. Mineralwasser wurde getrunken, Schokolade gegessen und immer wieder auf die Infos aus dem Funkgerät gelauscht: Keine Feindbewegung.

Dann endlich Action: Die Blauen hatten einen Brückenkopf ganz in der Nähe angegriffen, erobert und gesichert. Super, dann werden sie ja bald in unsere Minenfalle fahren. Warten, warten, warten. Die rote Stirnlampe des Schiedsrichters leuchtete über die Karte: "Die brauchen mindestens noch eine Stunde."

Trident Juncture 2018 #TRJE2018 Gebirgsjägerbataillon 232 Schiedsrichter Norwegen
Trident Juncture 2018 - Gebirgsjägerbataillon 232 und Manöver-Schiedsrichter - Rotlicht für die Nacht oder Rembrandts "Mann mit dem Flecktarn"
Da wir einen Angriff von zwei Seiten erwarteten, begaben wir uns nach oben zu den Gebirgsjägern. Ich stellte mich neben das Maschinengewehr. Der Plan war, dass unmittelbar nach Auslösung der Richtmine aus sämtlichen Rohren auf die verschiedenen Teilnehmer des Konvois geschossen wird. Auch eine Granatpistole war dabei. Diese solle sich für Nachtaufnahmen besonders gut eignen.

Die Nachtsichtgeräte ließen aus der Nähe kleine blaue Ringe um die Augen der Soldaten erkennen. Am Ende des Feldes schlug ein Hund an. War der Gegner an uns vorbeigeschlüpft? Immer tiefer bohrten sich meine Schuhe in der Schlamm. Ich zog die Handschuhe an. 23 Zulu war vorbei und immer noch kein Gegner in Sicht. Der Schiedsrichter verließ die Deckung und stellte sich auf den Weg am Feldrand. Über uns leuchtete der Große Wagen.

Dann plötzlich Schüsse - nicht sehr laut: Klack, Klack, Klack. Ein gegnerischer Soldat hatte die Richtmine ausgelöst. Als Toter musste er sich an den Rand setzen und war für eine Stunde aus dem Spiel raus.

Inzwischen war es ein Uhr nach Alpha-Zeit. Der Leiter der Schiedsrichter - ein Hauptmann - wollte zurück in den Hauptgefechtsstand. Auf dem Weg durch die Nacht erklärte er mir weitere Details zur inhaltlichen Organisation und den Ergebnissen eines Manövers. So hat ein Manöver folgende drei Zielsetzungen:

  1. Übung der Interaktion zwischen unterschiedlichen Partner-Teams
  2. Übung des Gefechtes im Kontakt mit dem Gegner
  3. Übung von taktischen Aufgaben ohne direkten Feindkontakt

Letzteres hatten die angreifenden Briten am Brückenkopf absolviert. Die Lehrstunde lief wohl nicht so schnell wie geplant ab. Deshalb beschlossen die Angreifer eine Pause bis 800 Zulu. Um diese Zeit wollte ich in Haltdalen frühstücken und dann zum Rückflug nach Trondheim aufbrechen. Schade, keine Bilder vom Gefecht.

Trident Juncture 2018 #TRJE2018 Gebirgsjägerbataillon 232 Schiedsrichter Norwegen
Trident Juncture 2018 - Gebirgsjägerbataillon 232 - Der Wagen des Kommandeurs von Haltdalen
Die unterschiedlichen Wünsche der Partnerstreitkräfte stellen eine regelmäßige Herausforderung an das Drehbuch des Manövers dar. Der Leitungsstab muss zusehen, dass möglichst alle diese Lernziele erreicht werden. Dabei sind die durch die Gefechte entstandenen Lagebilder zu berücksichtigen und die gute Stimmung der Soldaten durch Wettbewerbserfolge zu erhalten.

Es war gut, dass bei Trident Juncture auch die Interaktion der NATO-Streitkräfte unter Einsatz fremder Gerätschaften geprobt wurde. So hatte es bei den offiziellen Presse-Vorführungen einige Verzögerungen gegeben, als deutsche Fahrzeuge in amerikanischen Hubschraubern transportiert werden sollten. Die Besatzungen hatten sich erst einmal auf die unbekannten Teile einstellen müssen.

Im Hauptgefechtsstand wurde ich von Oberstleutnant Schneider-Ludorff in Empfang genommen. Sein Fahrer heizte mit dem Toyota durch die Nacht. Das gefiel mir gut, auch wenn ich mich kaum noch wach halten konnte. Auf diesem Wege bekam ich doch noch zwei Stunden Schlaf im Gefechtsstand Rück. OK, Jammern auf hohem Niveau. Die Soldaten an der Frontlinie wurden während Trident Juncture durch Gefechte oder nächtliche Verlegungen aus dem Schlaf gerissen. Ganz abgesehen davon, dass sie bei Wind und Wetter unter Planen schliefen.

Apropos Wind und Wetter: Den Rucksack mit Isomatte und Wintersachen konnte ich am Flughafen in Trondheim abholen und gleich für die Rückreise einchecken. Diesmal flog das Gepäck bis Berlin mit.

Video:
Begleitung der Manöver-Schiedsrichter bei Trident Juncture 2018

Autor: Matthias Baumann