Heute fand der traditionelle Neujahrsempfang des
Diplomatischen Korps bei Bundespräsident Steinmeier statt.
Bei weit über 100 diplomatischen Vertretungen und
internationalen Organisationen kann allein schon das Defilee mehr als eine Stunde dauern. Normalerweise wird die Begrüßungszeremonie durch den Doyen des
Diplomatischen Korps angeführt und erfolgt dann in der Reihenfolge ihrer
Akkreditierung. Bei der Akkreditierung kommt es neben dem Datum auch auf die
Uhrzeit an. Mitte Dezember 2025 waren noch die drei Botschafter aus Indonesien,
der Komoren und von São Tomé und Príncipe in ebendieser Reihenfolge akkreditiert
worden.
Dem Defilee schließen sich die Reden des Bundespräsidenten
und des Doyen an und gehen dann in ein kurzes Stehbankett über. Letzteres ist
im diplomatischen Dienst besonders wichtig, weil dort auf kurzem Wege so manch
eine wichtige Verabredung getroffen werden kann. Wenn ein Land diplomatische
Beziehungen zum Vatikan unterhält, wird der Doyen in der Regel durch den
„Apostolischen Nuntius des Heiligen Stuhls“ gestellt. Seit 2013 fungiert der
aus Kroatien stammende Erzbischof Nikola Eterovic als Doyen für das
Diplomatische Korps in Deutschland.
Heute besuchten 20 Sternsinger aus der Pfarrei St. Ewaldi in
Dortmund-Aplerbeck den Bundespräsidenten und seine Gattin im Schloss Bellevue.
Die Pfarrei gehört zum Erzbistum Paderborn. Die Kinder sammeln in diesem Jahr für
Kinder in Bangladesch. Auch der Bundespräsident übergab eine Spende.
Der 6. Januar wird von der katholischen Kirche als
Dreikönigstag gefeiert. Mit den drei Königen sind die "Weisen aus dem
Morgenland" oder richtiger übersetzt "Magier aus dem Osten"
gemeint, deren Besuch beim neugeborenen Jesus in Matthäus 2 beschrieben wird.
Später wurden daraus die drei Könige Kaspar (Anklang an das hebräische Wort für
Gold/Geld), Melchior (Anklang an das hebräische Wort für König) und Balthasar
(vom babylonischen Wort Schutz). Seit 68 Jahren gibt es das Sternsingen, bei
dem Kinder als Könige verkleidet durch die Straßen ziehen und Spenden für
Projekte und Hilfswerke sammeln. Dabei gehört es zur Tradition, auch das
Bundeskanzleramt und den Bundespräsidenten zu besuchen und dabei den Segen an
die Tür zu schreiben: 20*C+M+B+26. Die Auflösung dieser Seegensformel ist
folgende: 20...26 bedeutet das neue Jahr. CMB ist die Abkürzung für den
lateinischen Spruch "Christus mansionem benedicat!" (Christus segne
diese Wohnung). Wichtig ist auch die Anordnung der Zeichen zwischen den Zahlen
und Buchstaben: Zuerst wird ein Stern gesetzt, der die Geburt von Jesus
Christus symbolisiert und danach werden 3 Kreuze gesetzt, die sich auf seine Kreuzigung
beziehen.
Das Jahresende und der Neujahrsempfang des Diplomatischen
Korps nahen. So wurden heute noch drei neue Botschafter im Schloss Bellevue
akkreditiert. Diese bilden dann gemäß ihres Akkreditierungszeitpunktes den
Abschluss des Defilees. Bei etwa 130 diplomatischen Vertretungen in Deutschland
dauert das Händeschütteln zum Neujahrsempfang gerne mal eine Dreiviertelstunde.
Botschafter-Akkreditierungen stellen auch einen der komplexesten
protokollarischen Abläufe für das Wachbataillon dar. Ehrenzug, Ehrenposten und
Flaggenkommando müssen exakt aufeinander abgestimmt sein und zum richtigen
Zeitpunkt aufeinander reagieren. Heute war die 7. Kompanie, eine
Heereskompanie, eingesetzt. Das Zeremoniell je Botschafter dauert eine halbe
Stunde. Dass vier bis sechs Botschafter an einem Tag akkreditiert werden, ist
durchaus normal. Botschafter wechseln nach etwa drei Jahren – außer der
Apostolische Nuntius, der schon seit vielen Jahren den Vatikan vertritt und als
Doyen des Diplomatischen Korps fungiert.
Die Frauenquote lag heute bei null. Dafür kamen alle drei
Botschafter aus Regionen im Äquatorbereich: Indonesien, Komoren und São Tomé
und Príncipe. Botschafter Abdul Kadir Jailani aus der Republik Indonesien
eröffnete die Akkreditierungsserie. Indonesier sind besonders hartnäckig in der
Forderung, endlich einmal ihre Hymne vom Stabsmusikkorps gespielt zu hören.
Leider wurde der passende Staatsbesuch im November 2025 abgesagt.
Indonesien hat über 280 Millionen Einwohner. Es liegt
zwischen Thailand und Australien. Die Flagge Indonesiens könnte mit der Flagge
Polens verwechselt werden. Die Farben sind allerdings vertauscht: Rot oben und
Weiß unten. Indonesien verfügt mit seinen 400.500 aktiven Soldaten über die
größte Streitmacht in Südostasien. Sie sind für die Innere Sicherheit und den
Kampf gegen den Terrorismus zuständig. Beim Kampf gegen den IS gab es eine enge
Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten. Auch das Engagement Chinas im Südchinesischen
Meer haben dazu geführt, dass die Staaten der Region erhöhte Präsenz zeigen und
miteinander kooperieren – auch über religiöse Befindlichkeiten hinweg.
Mit dem nächsten Botschafter, Mohamed Chatur Badaoui von der
Union der Komoren, gehen wir westwärts auf dem Globus. Die Inselgruppe der
Union der Komoren liegt zwischen der Nordspitze Madagaskars und dem nördlichen
Mosambik. Bis 1975 war es eine französische Kolonie und wurde dann von
islamischen Kräften übernommen. Seitdem gibt es dort immer wieder bewaffnete Putsche,
die aber lediglich das Personal an der Regierungsspitze verschieben. Die
Komoren zählen weniger als eine Million Einwohner. Von daher ist es
verständlich, dass sie keine eigene Botschaft in Deutschland unterhalten,
sondern die europäischen Beziehungen von Frankreich aus bearbeitet werden. Für
komorische Botschaftsangehörige gibt es also auch kein deutsches
Diplomatenkennzeichen.
Mit José Cardoso dos Ramos Cassandra aus der Demokratischen
Republik São Tomé und Príncipe überspringen wir den afrikanischen Kontinent
westwärts und landen auf einer Inselgruppe vor Gabun und Äquatorialguinea. Die
Inselgruppe stand von 1471 bis 1975 unter portugiesischer Herrschaft.
Portugiesisch ist auch heute noch die Amtssprache. Die Bevölkerung ist ethnisch
stark durchmischt und weist ein erhebliches Wachstum auf. Waren es vor 75
Jahren nur etwa 60.000 Einwohner, so ist deren Zahl inzwischen auf 200.000
angestiegen.
Auch José Cardoso dos Ramos Cassandra vertritt sein Land in
mehreren Staaten Europas. Deshalb gibt es auch für Botschaftsfahrzeuge aus São
Tomé und Príncipe kein deutsches Diplomatenkennzeichen.
Heute fanden im Schloss Bellevue wieder vier
Botschafter-Akkreditierungen statt: Zwei Länder Afrikas, ein Land Asiens und
ein Land des amerikanischen Kontinents: Niger, Namibia, Malaysia und Kanada.
Die neuen Botschafter erscheinen ab 10 Uhr beim Bundespräsidenten und blieben
die übliche halbe Stunde. In dieser Zeit erleben sie ein militärisches
Zeremoniell inklusive Hissen ihrer Flagge, den Gästebuch Eintrag und ein kurzes
Gespräch mit dem Bundespräsidenten und den regional zuständigen Mitarbeitern.
Zuerst traf der Botschafter der Republik
Niger, Abdoulaye Badie, ein. Er und seine Delegation trugen traditionelle
Gewänder der Region. Abdoulaye Badie ist 62 Jahre alt und hat die Militärakademie
in Montpellier in Frankreich absolviert. Im Dienstgrad Oberst gehörte er zu den
einflussreichen militärischen Kräften des Niger, fiel aber um das Jahr 2010 in
Ungnade. 2011 ging er als Militärattaché nach Washington D.C. und ist nun
Botschafter der Republik Niger in Deutschland.
Niger liegt in der Sahelregion zwischen Mali und Tschad. Das
Land hat 26 Millionen Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von 21,9
Milliarden USD. Die Bundeswehr hat im Sommer 2024 das Engagement in Niger vollständig
eingestellt, weil westliche Streitkräfte dort nicht mehr erwünscht waren.
Anschließend wurde der Botschafter von Malaysia, Mohamad
Razdan Bin Jamil, akkreditiert. Malaysia liegt südlich von Thailand und hat
34,5 Millionen Einwohner. Sein Bruttoinlandsprodukt beträgt 488 USD. Besonders
gute Beziehungen bestehen zu Indonesien und den Philippinen, aber auch zu Australien.
Gegen 11 Uhr erschien der Botschafter der Republik Namibia,
Jerobeam Shaanika. Namibia ist 13 Flugstunden von Deutschland entfernt und grenzt
an den Nordwesten von Südafrika. Von 1884 bis zum Ersten Weltkrieg war Namibia
die Kolonie Deutsch-Westafrika. Anschließend wurde es von britischen Truppen
eingenommen und ging 1920 als Mandatsgebiet in die Südafrikanische Union ein.
Namibia hat trotz seiner großen Fläche nur 2,8 Millionen Einwohner. Das
entspricht in etwa der Einwohnerzahl von Litauen. Das Bruttoinlandsprodukt
liegt bei etwas über 14 Milliarden USD.
Zum Abschluss der heutigen Akkreditierungsfolge erschien die
Botschafterin von Kanada, Vera Alexander. Vera Alexander verfügt über 30 Jahre
diplomatischer Erfahrung. Sie war bereits in London, Washington D.C., Moskau, Afghanistan und bei der NATO eingesetzt.
Kanada hat knapp 39 Millionen Einwohner. Das Land hat ein
Bruttoinlandsprodukt von 2,33 Billionen USD und damit etwas mehr als Russland mit
seinen 140 Millionen Einwohnern, die nur 2,2 Billionen USD erwirtschaften.
Heute absolvierte Großherzog
Guillaume von Luxemburg seinen Antrittsbesuch in Deutschland und wurde von
Bundespräsident Steinmeier mit militärischen Ehren am Schloss Bellevue
empfangen.
Luxemburg hat
etwas 670.000 Einwohner und 900 aktive Soldaten. Für 2025 wird ein Bruttoinlandsprodukt
von 97 Milliarden USD erwartet. Das Verteidigungsbudget liegt unter einem
Prozent. Dennoch leistet Luxemburg wichtige Beiträge für die NATO: Es stellt
seinen A400M für gemeinsame Missionen zur Verfügung, Fördert die Innovationen
bei Drohnen und betreibt einen eigenen Satelliten. Bezüglich der Fähigkeiten im
Weltraum besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Bundeswehr.
In diesem
Zusammenhang sei erwähnt, dass ein Herzog – wie der Begriff vermuten lässt –
ein Heerführer ist. Herzoge sind dem König direkt untergeordnet und stehen
höher als Grafen. Ein Herzogtum kann aus mehreren Grafschaften bestehen.
Luxemburg wurde 1354 durch Karl IV. zum Herzogtum erklärt. Heute hat Luxemburg keine
Grafschaften mehr, sondern ist in 12 Kantone und 100 Gemeinden unterteilt.