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Montag, 18. März 2019

Montenegros Präsident Milo Đukanović im Schloss Bellevue empfangen

Man könnte hier schon fast eine Analogie zu "Täglich grüßt das Murmeltier" konstruieren, wenn man die Häufigkeit der Besuche aus diesem kleinen Land an der Adriaküste mit dem Empfang von Gästen aus anderen Staaten vergleicht. Ministerpräsident Duško Marković wurde im August letzten Jahres von Angela Merkel empfangen. Die Botschafterin Vera Kuliš wurde Anfang Februar im Schloss Bellevue akkreditiert und nun erscheint der Präsident Milo Đukanović zusammen mit seiner Gattin Lidija in Berlin.

Milo Đukanović ist 57 Jahre alt und seit Mai 2018 Präsident Montenegros. Er fungierte über mehrere Legislaturperioden als Premierminister und ist Vorsitzender der Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS). Seine nachhaltige Karriere auf Spitzenpositionen legt den Verdacht nahe, dass es mit der Rechtstaatlichkeit nicht weit her ist in Montenegro. Dieser Verdacht erhärtet sich durch eine sogenannte "Kleine Anfrage" der Grünen an den Bundestag.

Montenegro Präsident Milo Đukanović Berlin Schloss Bellevue
Montenegros Präsident Milo Đukanović mit Ehefrau Lidija (zweite von links) zu Besuch in Berlin - Empfang durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender (links) im Schloss Bellevue
Milo Đukanović machte sich stark für eine Abkoppelung von Serbien, die er auch mit einer knappen Mehrheit durchgesetzt bekam. Wichtig sind ihm eine Anbindung an die EU und die NATO. Die NATO-Mitgliedschaft konnte 2017 erreicht werden.

Über Montenegros Problem mit der organisierten Kriminalität inklusive Handel mit Drogen, Menschen, Waffen und Zigaretten wurde ja schon im Zusammenhang mit dem Besuch des Ministerpräsidenten berichtet. Das kam damals sogar in der Pressekonferenz mit Angela Merkel zur Sprache und ist der Haupt-Dämpfungsgrund für eine schnelle Aufnahme in die EU. Für deutsche Investoren ist eine Behebung dieser Schwachstellen ebenfalls entscheidend. Dass Milo Đukanović etwas an der Situation ändern wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Laut der oben zitierten "Kleinen Anfrage" gilt er als Profiteur dieser Zustände. Zudem werde der in Montenegro geltende Euro als willkommenes Werkzeug zur Geldwäsche genutzt. Die EU befindet sich also in einem Dilemma: Entweder holt es sich ein weiteres problematisches Mitglied ins Boot oder überlässt die Region dem ungebremsten Einfluss Russlands und Chinas.

Montenegro Präsident Milo Đukanović Berlin Schloss Bellevue
Montenegros Präsident Milo Đukanović zu Besuch in Berlin - 2025 wird als mögliches EU-Eintrittsjahr für Montenegro gehandelt.
Wenden wir uns deshalb einem schöneren Thema zu: dem Tourismus. 21% des Bruttoinlandsproduktes werden durch den Tourismus erwirtschaftet. Würden alle Touristen in Montenegro bleiben, könnte damit die Bevölkerung (etwa 614.000) verdreifacht werden. Einen Rückschlag hatte der Tourismus durch den Jugoslawienkrieg erlitten. Bis dahin tummelten sich vorrangig deutschsprachige Reisende in Montenegro. Das Reiseziel ist in Mitteleuropa noch nicht so recht wiederentdeckt worden. Deshalb werden die touristischen Umsätze nun mit Russen, Serben und Personen aus Bosnien-Herzegowina erwirtschaftet.

Montenegro ist gut für Aktivurlauber geeignet. In der nördlichen Bergregion lässt es sich gut wandern. Radfahren wird auch immer populärer. Das Landesinnere hat einige Sehenswürdigkeiten wie alte Klöster aufzuweisen. Besonders gut wird die südliche Strandregion bewertet und sogar von der New York Times als Geheimtipp gehandelt. Allein die Flugverbindungen sind wohl noch etwas ausbaufähig.

Video:
Militärische Ehren zur Begrüßung des Präsidenten von Montenegro Milo Đukanović

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 27. Februar 2019

Botschafter von Brasilien, Malediven und Bulgarien beim Bundespräsidenten akkreditiert

Die heutige Botschafter-Akkreditierung könnte schon fast als kompakt bezeichnet werden. Es standen nur drei Botschafter auf der Agenda, die im Halbstundentakt vor das Schloss Bellevue gefahren wurden. Das Wachbataillon kam deshalb mit nur einem Ehrenzug und zwei Ehrenposten aus. Letztere werden immer gewechselt, sobald der neue Ambassador to Germany die Treppe zum Bundespräsidenten erklommen hat. Auf der Treppe mit dem weichen blauen Teppich trägt der Botschafter sein Akkreditierungsschreiben in der Hand und wird vom Leiter des Protokolls des Auswärtigen Amtes begleitet. Dahinter laufen die Delegation und die Pressevertreter. Auf dem Weg zum Bundespräsidenten passieren alle das überdimensionale Reitergemälde mit Friedrich Wilhelm III. und die riesige goldene Vase, die mit einer Miniatur dieses Gemäldes versehen ist.

Heute wurden folgende Botschafter akkreditiert:
  • Föderative Republik Brasilien, Roberto Jaguaribe Gomes de Mattos
  • Republik Malediven, Ahmed Latheef
  • Republik Bulgarien, Elena Radkova Shekerletova

Botschafter akkreditiert Brasilien Roberto Jaguaribe Gomes de Mattos
Botschafter akkreditiert - Föderative Republik Brasilien - Roberto Jaguaribe Gomes de Mattos (rechts) (Foto: Malte Koch)
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz konnten wir lernen, dass Teile Brasiliens nicht mehr bewohnbar sein werden, wenn das komplette Eis der Polkappen abschmilzt und die avisierte Erderwärmung ihren Lauf nimmt. Brasilien hat auch ein großes Problem mit Zahlenkombinationen aus Eins und Sieben. Zu schwer wiegt die Begegnung bei der Fußballweltmeisterschaft 2014 mit Deutschland. Damals hatte Brasilien 1:7 gegen uns verloren. Zahlen wie 17 oder 71 oder 2017 waren wohl im üblichen Gespräch zwischen Frank-Walter Steinmeier und Roberto Jaguaribe Gomes de Mattos vermieden worden. Der Botschafter sah anschließend noch recht gut gelaunt aus.

Brasilien hat 208 Millionen Einwohner, die vorrangig in den Atlantikregionen wohnen. Im Landesinneren ist die Bevölkerungsdichte eher gering. Brasilianer setzen sich aus Portugiesen, sehr vielen Afrikanern, sonstigen Europäern und indianischen Ureinwohnern zusammen. Die Volksgruppen vermischen sich zudem sehr rege.

Botschafter akkreditiert Brasilien Roberto Jaguaribe Gomes de Mattos
Botschafter akkreditiert - Föderative Republik Brasilien - Roberto Jaguaribe Gomes de Mattos - Niederholen der Flagge Brasiliens (Foto: Malte Koch)
Der neue brasilianische Botschafter Roberto Jaguaribe Gomes de Mattos ist endlich mal jemand, über den es brauchbare Informationen im Internet zu finden gibt. Er hatte an der Päpstlichen Katholischen Universität in Rio de Janeiro studiert. 1979 hatte er seine Karriere als Berufsdiplomat begonnen und war zunächst bei der UNO in New York eingesetzt worden. Es folgten Stationen in Europa und in verschiedenen Abteilungen seines Außenministeriums. Von 2000 bis 2003 arbeitete er als stellvertretender Missionschef an der Botschaft in Washington, D.C., und ging von 2010 bis 2015 als Botschafter nach Großbritannien. Direkt danach wurde er als Botschafter in Peking ernannt. Nun ist er in Berlin. Die Botschaften in China, Großbritannien, den USA und Russland gelten als die Filetstücke der diplomatischen Laufbahn. In diese Botschaften werden normalerweise nur die Besten entsendet. Das betrifft auch die Auswahl der Militärattachés, die dann oft im Rang eines Generals sind.

Botschafter akkreditiert Malediven Ahmed Latheef
Botschafter akkreditiert - Republik Malediven - Ahmed Latheef trägt sich ins Gästebuch von Schloss Bellevue ein. (Foto: Malte Koch)
Der Internet-affine Botschafter der Malediven heißt Ahmed Latheef. Er ist bei Linkedin, Facebook und Twitter aktiv und hinterlässt reichlich Spuren im Netz. In den 1980er Jahren hatte er eine Diplomatenausbildung genossen und sich sogar in Berlin weitergebildet. Von 2004 bis 2007 vertrat er die Malediven in Indien und ging dann als Botschafter der Malediven nach China. Dort könnte er auch seinen brasilianischen Kollegen Roberto Jaguaribe Gomes de Mattos getroffen haben.

Die Malediven liegen südwestlich von Indien im - wie sollte es auch anders sein - Indischen Ozean. Die Malediven haben knapp 350.000 Einwohner. Eine Einbürgerung ist nur für Personen möglich, die sich zum Islam bekennen. Das Militär verfügt über zwei Hubschrauber, die von Indien gesponsert wurden. Ansonsten wird die Armee multifunktional auch für polizeiliche Dinge eingesetzt. Militärisch sind die Malediven so unbedeutend, dass sie nicht einmal in der Military Balance des IISS auftauchen.

Botschafter akkreditiert Malediven Ahmed Latheef
Botschafter akkreditiert - Republik Malediven - Ahmed Latheef - Niederholen der Flagge der Malediven (Foto: Malte Koch)
Im Gegensatz zum nur teilweise betroffenen Brasilien werden die Malediven im Ganzen vom Klimawandel bedroht. Beim Abschmelzen der Polkappen wird der Inselstaat komplett unter dem Meeresspiegel versinken und damit seine Existenz verlieren. Deshalb setzt sich die Regierung besonders aktiv für den Klimaschutz ein. Bei einem Vortrag auf der Münchner Sicherheitskonferenz ging es nicht nur um die Teile der erde, die unbewohnbar werden. Es ging auch um die sicherheitspolitischen Folgen der Fluchtwellen und die Differenzierung ethnischer Gruppen, die entweder überleben oder untergehen werden.

Botschafterin akkreditiert Bulgarien Elena Radkova Shekerletova
Botschafterin akkreditiert - Republik Bulgarien - Elena Radkova Shekerletova kurz nach der Übergabe des Beglaubigungsschreibens an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Foto: Malte Koch)
Bulgarien wird wohl nicht so stark vom Klimawandel betroffen sein. Bulgarien hat 7 Millionen Einwohner und begeht in wenigen Tagen seinen Nationalfeiertag. Am 3. März 1878 konnte sich das Land von den Osmanen befreien. Die Osmanen hatten etwa 500 Jahre über die Bulgaren geherrscht. Davor waren sie weitestgehend selbständig. Bekannte Urahnen der heutigen Bulgaren sind die Thraker.

Botschafterin akkreditiert Bulgarien Elena Radkova Shekerletova
Botschafterin akkreditiert - Republik Bulgarien - Elena Radkova Shekerletova - Niederholen der Flagge Bulgariens (Foto: Malte Koch)
Bulgarien ist seit 2004 Mitglied der NATO und unterstützt mehrere Auslandseinsätze. Bulgarien hat eine ungewöhnlich hohe Militärdichte. Auf 225 Bulgaren kommt ein Soldat. Seit 2007 ist Bulgarien Mitglied der EU. Statt des Euro bezahlt man in Bulgarien mit Lev (BGN). Bulgarien fällt regelmäßig durch Korruption auf. In den einschlägigen Listen von Transparency International rangiert das Land auf den gleichen Plätzen wie einige Staaten des Nahen Ostens. Dazu passt auch, dass die Pressefreiheit nicht so ganz den europäischen Wertevorstellungen entspricht.

Die neue bulgarische Botschafterin, Elena Radkova Shekerletova, war zuvor in Österreich eingesetzt und tat sich dort insbesondere auf dem Kunst- und Kultursektor hervor.

Video:
Akkreditierung der Botschafter von Brasilien, Malediven und Bulgarien im Schloss Bellevue

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 21. Februar 2019

Lettlands Präsident Raimonds Vējonis zum Staatsbesuch in Berlin empfangen

Staatsbesuche sind eine ganz besondere Hausnummer im protokollarischen Alltag. Echte Staatsbesuche dauern oft mehrere Tage, enthalten eine Kranzniederlegung und ein Staatsbankett sowie Inlandsreisen. Raimonds Vējonis und seine Gattin Iveta bleiben bis Sonntag in Deutschland. Es muss ein besonders herzliches Verhältnis zu den Steinmeiers bestehen, da der Bundespräsident gleich zwei Termine in Hamburg zusammen mit dem lettischen Präsidenten wahrnimmt: am Freitag das Matthiae-Mahl im Rathaus und am Sonntag ein gemeinsamer Konzertbesuch in der Elbphilharmonie.

Lettlands Präsident Raimonds Vējonis Staatsbesuch Berlin Deutschland
Lettlands Präsident Raimonds Vējonis und seine Gattin Iveta Vējone zum Staatsbesuch in Berlin empfangen - v.l.n.r.: Elke Büdenbender (Ehefrau des Bundespräsidenten), Iveta Vējone (Ehefrau des Präsidenten von Lettland), Raimonds Vējonis (Präsident von Lettland), Frank-Walter Steinmeier (Bundespräsident)
Raimonds Vējonis ist 52 Jahre alt und seit 2015 Präsident Lettlands. Von 2002 bis 2011 war er Umweltminister und die folgenden vier Jahre Verteidigungsminister. Er gehört der Grünen Partei an. Der Name der Partei passt auch zu deren Mitgliedern: Ökoaktivisten und Bauern. Gar nicht Grün ist hingegen die Flagge von Lettland. Sie hat eine entfernte Ähnlichkeit mit der Flagge von Österreich: Rot, Weiß, Rot. Wobei die roten Streifen jeweils doppelt so dick sind, wie der weiße Streifen in der Mitte. Das Rot ist eher ein Braunton, der sich Lettischrot nennt. Das Weiß symbolisiert dabei Reinheit und Gerechtigkeit und das Lettischrot steht für das Blut, das für die Unabhängigkeit vergossen wurde.

Wer ein eigenes Rot - Lettischrot - hat, hat natürlich auch eine eigene Sprache: Lettisch. Lettland hat knapp 2 Millionen Einwohner, also halb so viele wie Berlin. Lettland hat ein Problem, das Amerikaner als "Outpopulation" bezeichnen. Russland hatte seit 1940 bewusst eigene Leute in Lettland angesiedelt, so dass der Anteil der Russen zeitweilig bei 1/3 lag. So lässt sich eine Gesellschaft natürlich auch umgestalten, ohne dass auch nur ein Schuss fällt. Über 700 Jahre hatte eine deutsche Oberschicht im kleinen Lettland das Sagen. 1202 war nämlich ein Ritterorden eingefallen und hatte die Letten unter seine Kontrolle gebracht. In dieser Zeit wurde auch schon die Flagge im Zusammenhang mit Blut für Unabhängigkeit erwähnt. Zur Zeit Luthers kam dann sogar die Reformation nach Lettland.

Lettland ist seit 2004 Mitglied der NATO, hat eine Berufsarmee und gibt mit 576 Millionen Euro inzwischen 2% des BIP für den Verteidigungshaushalt aus. Ebenfalls 2004 wurde Lettland Mitglied der Europäischen Union.

Video:
Militärische Ehren zum Staatsbesuch von Lettlands Präsidenten Raimonds Vējonis
Kranzniederlegung an der Neuen Wache
Staatsbankett im Schloss Bellevue mit Defilee

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 20. Februar 2019

Georgiens Präsidentin Salome Zourabichwili besucht Berlin und bekommt militärische Ehren im Schloss Bellevue

Georgisch ist eine eigenwillige Sprache. Sie enthält vom Klang her keine Elemente, die sich für uns durch Brücken aus Latein oder Russisch erschließen könnten. Ebenso eigenwillig ist die Schrift. Sie sieht schon fast indisch aus. So haben auch georgische Namen ein besonderes Merkmal: Sie enden fast alle auf "wili". Am heutigen Vormittag besuchte die georgische Präsidentin Salome Zourabichwili den Bundespräsidenten und wird zum Kaffee bei der Kanzlerin erwartet.

Diese Reihenfolge ist protokollarisch korrekt, da Erste im Staate im Schloss Bellevue mit militärischen Ehren empfangen werden können. Es kann schon als Privileg gewertet werden, dass Frau Zourabichwili nur drei Monate nach Amtsbeginn zum Antrittsbesuch in Berlin empfangen wird.

Georgiens Präsidentin Salome Zourabichwili Berlin Frank-Walter Steinmeier
Georgiens Präsidentin Salome Zourabichwili zum Antrittsbesuch in Berlin bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Das stolze Alter von 67 sieht man der in Paris geborenen Politikerin gar nicht an. Sie ist parteilos und wurde von der Regierungspartei "Georgischer Traum" bei der Kandidatur unterstützt. Der Name der Partei könnte fast als Bezeichnung für einen Eisbecher durchgehen und reiht sich damit in die Namensfindung italienischer Parteien ein.

"Georgischer Traum" ist keine klassische Partei, sondern ein Bündnis aus kleineren Parteien und Bürgerbewegungen, das 2012 die alte Regierung unter Michail Saakaschwili ablösen wollte. Der "Georgische Traum" wurde tatsächlich Realität und ist demokratisch sowie prowestlich eingestellt.

Umso bitterer muss es für Georgien sein, dass sich die NATO bezüglich des Landes so zurückhaltend verhält. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurde das einmal mehr deutlich, obwohl die Reichweite der auf der Krim stationierten Raketen insbesondere für Georgien bedrohlich ist. Es gibt jedoch auf westlicher Seite Zweifel an der nachhaltig demokratischen Entwicklung des Landes. In diesem Zusammenhang kann der Besuch der Präsidentin für Vertrauen sorgen.

Video:
Militärische Ehren für Georgiens Präsidentin Salome Zourabichwili

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 8. Februar 2019

BotschafterInnen von Montenegro, Botsuana, Vietnam und Gabun akkreditiert

Die Frauenquote der heutigen Botschafter-Akkreditierung lag bei sagenhaften 75%. Nur Vietnam hatte einen Mann nach Deutschland entsandt. Ausdruck einer überholten Gesellschaftsordnung in der Sozialistischen Republik? Dabei ist die Demografie in Vietnam gut ausgeglichen und Frauen werden mit über 80 Jahren rein statistisch zehn Jahre älter als vietnamesische Männer. Apropos 80: Weltweit einzigartig dürfte sein, dass sich über 80% der Bevölkerung Vietnams als Atheisten bezeichnen.

Botschafter akkreditiert - Sozialistische Republik Vietnam - Nguyen Minh Vu
Botschafter akkreditiert - Sozialistische Republik Vietnam - Nguyen Minh Vu (links)
Das eher als klein wahrgenommene Vietnam hat 95 Millionen Einwohner. Etwas mehr als in Deutschland. Gefühlt jeder zweite Vietnamese, ob als Blumenhändler in Berlin oder Premierminister oder Präsident oder Botschafter heißt Nguyen. Ein Mann namens Nguyen war vor vielen Jahren mit seiner Mercedes C-Klasse an einer roten Ampel ins Heck meines Autos gerammt. Nguyen muss in der Häufigkeit vergleichbar sein mit Müller, Meyer, Schulze.

In der Frühzeit gab es aus geografisch verständlichen Gründen immer wieder Stress mit den chinesischen Nachbarn und zeitweilige Eingemeindungen in China. Dennoch hatten sich die frühen Vietnamesen immer ihren Stolz bewahrt, brachten Innovationen im Bereich des Bauwesens und des Reisanbaus hervor und schüttelten regelmäßig ihre Bedränger ab. Mitte des 19. Jahrhunderts bemächtigte sich Frankreich einiger Gebiete des Landes und trieb dort sein koloniales Unwesen. Vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einiges Gerangel über die Vorherrschaft. Dieses wurde zwischen Briten, Japanern, Franzosen und Chinesen ausgetragen. Das Ergebnis war eine Nord-Süd-Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrades.

Botschafter akkreditiert - Sozialistische Republik Vietnam - Nguyen Minh Vu
Botschafter akkreditiert - Sozialistische Republik Vietnam - Nguyen Minh Vu - Flagge von Vietnam im Wind von Berlin
1964 startete der bekannte Vietnamkrieg. Dieser endete 1975 mit dem Sieg der kommunistischen Vietnamesen aus dem Norden. In diesem Zusammenhang sei noch einmal an die Akkreditierung des Botschafters von Laos erinnert. Das Nachbarland Laos hatte im Vietnamkrieg einen erheblichen Kollateralschaden erlitten.

Pardon, über die eingangs erwähnte Frauenquote sind wir nun ganz von der Reihenfolge der heutigen Akkreditierung abgewichen und haben sogar noch den einzigen männlichen Botschafter samt seinem Land in der Berichterstattung bevorzugt. Um das zu korrigieren, hier die Reihenfolge des Eintreffens der ExzellenzInnen:

Montenegro - Vera Kuliš
Republik Botsuana - Mmasekgo Masire-Mwamba
Sozialistische Republik Vietnam - Nguyen Minh Vu
Gabunische Republik - Marianne Odette Bibalou Bounda

Diese Reihenfolge wirkt sich wie üblich auf die Reihenfolge bei Defilees des Diplomatischen Korps aus. Aktuell betrifft das die Positionen 123 bis 126 auf der Defilee-Liste.

Botschafterin akkreditiert - Montenegro - Vera Kuliš
Botschafterin akkreditiert - Montenegro - Vera Kuliš
Zuerst rollte also Frau Vera Kuliš aus Montenegro vor das Schloss. Montenegro hat etwas weniger Einwohner als Vietnam: 614.249 wurden 2018 gezählt. Vor einem halben Jahr hatte der Ministerpräsident Montenegros die Kanzlerin besucht. Er heißt Duško Marković und bemüht sich um einen raschen EU-Beitritt. Allerdings hat Montenegro noch einige Hausaufgaben zu erledigen. Das betrifft insbesondere die Brut- und Heimstätte der organisierten Kriminalität.

Über die neue Botschafterin Vera Kuliš ist mehr bekannt, als über deren Präsidenten. Sie wurde 1972 in Deutschland (Annweiler) geboren, besuchte bis zur sechsten Klasse eine Schule in Landau und zog dann nach Montenegro um. Sie muss wohl direkt in den Jugoslawien-Konflikt geraten sein, der bis heute seinen Spuren in Montenegro hinterlassen hat.

Botschafterin akkreditiert - Montenegro - Vera Kuliš
Botschafterin akkreditiert - Montenegro - Vera Kuliš - Niederholen der Flagge von Montenegro
Vera Kuliš ist nicht nur von Amts wegen Botschafterin ihres kleinen Landes an der Adria. Seit geraumer Zeit organisiert sie Schüleraustausche, trägt sich in Goldene Bücher von Schulen und Städten ein und macht Werbung für Montenegro. Wir können gespannt sein, wie sie den Prozess der Aufnahme Montenegros in die EU weiter befördert.

Nach der schönen Adria ging es ins südliche Afrika. Botsuana stößt an die Nordgrenze von Südafrika und ist ansonsten als Ost-West-Sandwich in Namibia und Simbabwe eingebettet. Botsuana hat keinen Meerzugang. Umso erstaunlicher ist deshalb die Nationalflagge: oben Blau, unten Blau und in der Mitte ein schwarzer Strich, der mit zwei schmalen weißen Strichen vom oberen und unteren Blau getrennt ist. Was das wohl zu bedeuten hat? Das Blau soll Himmel, Wasser und Regen symbolisieren. Die Striche in Schwarz und Weiß stehen für die Zebras und das Miteinander der Ethnien. Für Verschwörungstheoretiker dürfte noch interessant sein, dass Botsuana keine Seeflaggen hat.

Botschafterin akkreditiert - Republik Botsuana - Mmasekgo Masire-Mwamba
Botschafterin akkreditiert - Republik Botsuana - Mmasekgo Masire-Mwamba (links neben dem Bundespräsidenten), ganz links der Gatte von Frau Mmasekgo Masire-Mwamba und rechts der Sohn
Botsuana gehört zum Commonwealth, dem vermeintlichen Hoffnungsträger Großbritanniens beim harten Brexit. Frau Mmasekgo Masire-Mwamba war von 2008 bis 2014 Generalsekretärin für Commonwealth-Angelegenheiten in Botsuana. Es könnte also zu vermehrten Begegnungen mit Sebastian Wood, dem britischen Botschafter kommen. Im September 1966 hatte Botsuana seine Unabhängigkeit von den Briten erlangt. Diese hatten das Land etwa 80 Jahre als ihr größtes Protektorat im südlichen Afrika unter Kontrolle.

Botschafterin akkreditiert - Republik Botsuana - Mmasekgo Masire-Mwamba
Botschafterin akkreditiert - Republik Botsuana - Mmasekgo Masire-Mwamba - Niederhilen der Flagge von Botsuana
Frau Mmasekgo Masire-Mwamba ist mit Bischof Trevor Mwamba verheiratet, der zurzeit in einer Kirche in London tätig ist. Nachdem die Flagge von Botswana niederholt war, erschien Nguyen Minh Vu aus Vietnam. Auf ihn waren wir aber oben schon eingegangen, so dass wir uns nun der dritten Frau im heutigen Akkreditierungsreigen widmen können.

Gegen halb zwölf wurde Frau Marianne Odette Bibalou Bounda mit der Limousine des Bundespräsidenten herbeigebracht. Sie kommt aus Gabun. Das heißt, sie kam heute direkt vom Hotel Adlon. Aber ursprünglich kommt sie aus Gabun und vertritt seit heute bei uns ihr Land. Gabun liegt ganz in der Nähe von Botsuana, nur etwas weiter nordwestlich. Gabun hat einen direkten Zugang zum Atlantik und ebenfalls einen blauen Streifen in der Flagge. In diesem Falle steht das Blau tatsächlich für das Meer. Die üblichen afrikanischen Farben Grün und Gelb sind auch dabei: Grün für die Wälder und Gelb für die Sonne.

Botschafterin akkreditiert - Gabunische Republik - Marianne Odette Bibalou Bounda
Botschafterin akkreditiert - Gabunische Republik - Marianne Odette Bibalou Bounda
Gabun lebte - wie Vietnam - unter französischer Kolonialherrschaft. Diese dauerte über 100 Jahre und endete 1960. Gabun hat nur knapp zwei Millionen Einwohner, obwohl es fast so groß ist wie Deutschland. 1968 wurde die Demokratische Partei Gabuns (PDG) gegründet und die Gesellschaft auf diese Einheitspartei gleichgeschaltet - ein weltweites und übliches Demokratie-Verständnis.

Botschafterin akkreditiert - Gabunische Republik - Marianne Odette Bibalou Bounda
Botschafterin akkreditiert - Gabunische Republik - Marianne Odette Bibalou Bounda - Niederholen der Flagge von Gabun
Frau Marianne Odette Bibalou Bounda blickt auf eine lange diplomatische Karriere zurück. So war sie bereits An den Botschaften in Ägypten und Spanien eingesetzt und hat ihr Land viele Jahre an verschiedenen Einrichtungen der Vereinten Nationen vertreten. Diplomatie hat sie in Madrid und Gabun studiert. Sie spricht französisch, englisch und spanisch. Vermutlich wird sie dann auch bald Deutsch können. Herzlich willkommen!

Video:
BotschafterInnen von Montenegro, Botsuana, Vietnam und Gabun akkreditiert

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 1. Februar 2019

Armeniens Ministerpräsident Nikol Pashinyan besucht Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier

Nikol Pashinyan ist noch keine 44 Jahre alt und hat schon viel erlebt. Er studierte Journalismus und gründete mit 23 Jahren einen Zeitungsverlag. Dieser wurde allerdings nach einem Jahr geschlossen, weil er sich mit dem Minister für Nationale Sicherheit angelegt hatte. Ein typisches Szenario in Diktaturen. Danach ging er für drei Jahre als Redakteur zur Armenian Times und unterstützte mit Wortgewalt die demokratischen Kräfte Armeniens.

Armeniens Ministerpräsident Nikol Pashinyan Angela Merkel
Armeniens Ministerpräsident Nikol Pashinyan zum Antrittsbesuch mit militärischen Ehren im Bundeskanzleramt empfangen (Foto: Malte Koch)
Letzteres brachte ihm einen zweijährigen Gefängnisaufenthalt ein, der 2011 durch eine Generalamnestie beendet wurde. Eigentlich war er zu sieben Jahre Haft verurteilt worden. Nikol Pashinyan hatte zuvor im Untergrund gelebt und währenddessen weiter seine kritischen Artikel geschrieben. Das veranlasste den Nationalen Sicherheitsdienst dazu, sogar in der amerikanischen Botschaft nach ihm zu suchen. Der clevere Journalist war jedoch in Jerewan bei Freunden untergetaucht. Sein anschließender Gefängnisaufenthalt erregte großes internationales Interesse. Journalisten in Haft sind kein gutes Aushängeschild für ein Land, das gute Beziehungen zur EU oder anderen westlichen Staaten unterhalten möchte. Totalitäre Regime scheuen die Öffentlichkeit.

Fernab der medialen Wahrnehmung fand im März 2018 eine Art Revolution in Armenien statt. Nikol Pashinyan hatte während der Parlamentswahlen zum zivilen Ungehorsam und anderen gewaltfreien Aktionen aufgerufen. Alles war noch sehr klein und erschien den damaligen Herrschern entsprechend unbedeutend. Sargsyan ließ sich mit üppigen 76% der Stimmen im Amt bestätigen und ging mit entsprechender Härte gegen die Opposition vor. Diese machte aber weiter und legte weite Teile des öffentlichen Lebens in Armenien lahm. So kam es zu einem Treffen zwischen Pashinyan und Sargsyan. Dieses wurde live übertragen und dauerte nur drei Minuten. Anschließend wurde Pashinyan von maskierten Sicherheitskräften gekidnappt. Das war wohl ein Fehler. Denn das heizte die friedlichen Proteste erst einmal so richtig an.

Armeniens Ministerpräsident Nikol Pashinyan Angela Merkel
Armeniens Ministerpräsident Nikol Pashinyan begrüßt Angela Merkel bei seiner Ankunft im Bundeskanzleramt (Foto: Malte Koch)
Ende vom Lied war, dass Nikol Pashinyan am 8. Mai 2018 zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Bereits am 14. Mai stand er bei Wladimir Putin auf der Matte. Am 3. Oktober entließ er sechs Kabinettmitglieder, die sich für eine Aufweichung der Befugnisse des Ministerpräsidenten eingesetzt hatten und damit Neuwahlen provozieren wollten. Am 14. Januar 2019 wurde das zweite Pashinyan-Parlament vereidigt.

Nach dieser langen Vorrede sei noch erwähnt, dass Nikol Pashinyan heute im Kanzleramt zu seinem Antrittsbesuch mit militärischen Ehren empfangen wurde. Nach einem Mittagessen mit Angela Merkel gab es ein Pressestatement. Dann fuhr er zum Bundespräsidenten weiter. Der Bundespräsident empfängt nur Erste im Staat mit militärischen Ehren - also Präsidenten, Monarchen und den Papst. Das hatte Frank-Walter Steinmeier im Falle von Armenien bereits Ende November 2018 getan.

Thema bei den Gesprächen war immer wieder der Konflikt um Bergkarabach. Bergkarabach liegt zwischen dem islamischen Aserbaidschan und dem christlichen Armenien. Die Region konnte sich lange Zeit gegen den vorrückenden Islam aus dem Süden und Osten zur Wehr setzen. Es musste jedoch Tribut an seine Nachbarn zahlen, unterstand den Persern, den Russen und letztlich auch der Sowjetunion, die das Gebiet mit einem gewissen Autonomiestatus der Aserbaidschanischen Sowjetrepublik angliederte. Armenien hegt wegen der Geschichte und der religiösen Verbundenheit immer noch einen gewissen Anspruch auf das Gebiet. Unter Nikol Pashinyan sind die Gespräche mit Aserbaidschan aktiv in Gang gekommen. Deutschland beobachtet und unterstützt die Bemühungen um eine friedliche Lösung. Wenn es nämlich in der Vergangenheit zu Konflikten dort kam, dann waren diese immer sehr blutig.

Video:
Militärische Ehren für Armeniens Ministerpräsident Nikol Pashinyan

Autor: Matthias Baumann

Montag, 21. Januar 2019

Präsident Shawkat Mirsijojew aus Usbekistan besucht Berlin

Wie das Grillfleisch in einem Burger liegt Usbekistan zwischen Kasachstan und Turkmenistan. Deshalb stellt wohl die Flagge eine Kombination aus der blauen und der grünen Flagge der beiden Nachbarstaaten und einem weißen Streifen in der Mitte dar. Ein Halbmond im oberen Teil verrät auch, dass der Islam die vorherrschende Religion in Usbekistan ist. 89% der etwa 31 Millionen Einwohner halten sich zu dessen sunnitischem Flügel. Es gibt allerdings auch eine offizielle Deutung der Flaggen-Farben: Blau für den Himmel, Weiß für Gerechtigkeit und Baumwolle, Grün für die Gastfreundschaft. Die zwei kleinen roten Trennlinien sollen die Stärke Usbekistans symbolisieren. Letztere fallen kaum auf - insbesondere auch heute bei frostiger Windstille im Schloss Bellevue.

Usbekistan Präsident Shawkat Wirsijojew Bundespräsident Steinmeier Schloss Bellevue
Usbekischer Präsident Shawkat Mirsijojew von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue empfangen
Usbekistan ist schon sehr alt. Funde belegen eine lange Ansiedlung auf diesem Gebiet. Erwähnt wurde es im Zusammenhang mit dem Perserkönig Darius (vor etwa 2.500 Jahren). Das Gebiet wurde dann von den Griechen übernommen. Zu erwähnen sei noch, dass die Seidenstraße durch Usbekistan verlief, so dass das Land auch eine geopolitische Größe darstellte.

Kurz nach der Verfassung des Korans kam im 8. Jahrhundert durch arabische Eroberungszüge der Islam nach Usbekistan. Im 13. und 14. Jahrhundert gab es immer wieder Angriffe seitens der Mongolen. Diese setzten für etwa 150 Jahre ihre eigenen Akzente. Nach deren Vertreibung setzte sich die Linie des Islam fort.

1868 konnte Russland die Region als Kolonie gewinnen und verhinderte somit ein nördliches Vordringen der kolonial interessierten Briten. Als die Bolschewiki in Russland die Macht übernahmen, wurde Usbekistan in eine Sowjetrepublik umfunktioniert. Das nennt man wohl Neokolonialismus. Ab 1991 ergab sich durch den Zerfall der Sowjetunion ein Machtvakuum, das wieder mit Islamismus gefüllt wurde. Eine kritische Situation an der Südflanke Russlands. Auch China konnte das nicht gefallen, da das die Handelswege in den Westen tangierte.

Usbekistan Präsident Shawkat Wirsijojew Bundespräsident Steinmeier Schloss Bellevue
Usbekischer Präsident Shawkat Mirsijojew von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen - Die Präsidenten schreiten bei -3°C im Garten von Schloss Bellevue die Ehrenformation ab.
Es gibt zwar unter dem heute erschienenen Präsidenten Shawkat Wirsijojew einige Lichtblicke bezüglich der Demokratie und Menschenrechte im Land, jedoch auf einem sehr niedrigen Niveau. Es ist noch nicht sicher, ob die leichte Liberalisierung ein taktischer Zug oder nachhaltig belastbar ist. Besonders niedrig ist das Vertrauen in die als korrupt geltende Polizei. Historisch gewachsene Strukturen, die sich nicht so schnell beseitigen lassen.

Usbekistan sucht nach wirtschaftlichen Verbündeten. China sollte wegen seines OBOR-Programms dafür in Frage kommen, aber auch Deutschland als starker Player der europäischen Wirtschaft. Deutschland bezieht Erdgas aus Usbekistan und Bundespräsident Steinmeier wird als Freund betrachtet, weil er sich wohl bei der Europäischen Union für dieses Land einsetzt. So kann von einer guten Atmosphäre bei den heutigen Gesprächen nach der Begrüßung mit militärischen Ehren ausgegangen werden. Apropos Militär: Usbekistan ist zwar kein NATO-Mitglied, gibt aber 2% seines Bruttoinlandsproduktes für den Verteidigungshaushalt aus.

Usbekistan Präsident Shawkat Wirsijojew Bundespräsident Steinmeier Schloss Bellevue
Usbekischer Präsident Shawkat Wirsijojew von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue empfangen - Das Stabsmusikkorps spielt bei -3°C die Nationalhymne Usbekistans.
Shawkat Wirsijojew ist 61 Jahre alt und Diplom-Ingenieur im Bereich Landmaschinen und Bewässerungstechnik. Er lehrte auch auf diesem Gebiet. 2003 wurde er Premierminister, hatte aber in dieser Position kaum etwas zu sagen, da in Usbekistan der Präsident das Tagesgeschäft erledigt. In Deutschland und anderen Ländern mit dieser Amtskonstellation ist das umgekehrt. Im Dezember 2016 gewann Shawkat Wirsijojew die Präsidentschaftswahlen mit einem Ergebnis von knapp 89%. Ein Schelm, der diese Zahl hinterfragt.

Video:
Militärische Ehren für Präsident Shawkat Wirsijojew aus Usbekistan

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 18. Januar 2019

Italiens Präsident Sergio Mattarella zum Mittagessen im Schloss Bellevue

Sergio Mattarella stammt aus Palermo (Sizilien). Er ist 77 Jahre alt und der zwölfte Präsident der Italienischen Republik. Der erste Präsident, Enrico de Nicola, trat sein Amt im Januar 1948 an. Die Amtsperiode eines italienischen Präsidenten ist etwas länger als in Deutschland: 7 Jahre. Wobei in Deutschland mehrere Bundespräsidenten nicht einmal die vorgesehenen fünf Jahre geschafft haben.

Italiens Präsident Sergio Mattarella Bundespräsident Steinmeier Schloss Bellevue
Italiens Präsident Sergio Mattarella bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue (Foto: Malte Koch)
Bevor seine politische Karriere begann, lehrte er Staatsrecht an der Universität von Palermo. Dass Sizilien für Rechtswissenschaftler und Politiker nicht ganz ungefährlich ist, merkte die Familie, als sein älterer Bruder Piersanti Mattarella von der regionalen Mafia ermordet wurde. 1983 erschien Sergio Mattarella auf der politischen Bühne. Mehrfach profilierte er sich als Gegner von Berlusconi. Wenn er gegen diesen nichts ausrichten konnte, zog er sich aus den jeweiligen Ämtern zurück.

Politisch lässt sich Sergio Mattarella bei Mitte-Links einordnen, wohl vergleichbar mit der SPD. Wobei italienische Parteien gerne etwas Essbares in die Parteinamen integrieren: L'Ulivo (Olivenbaum) oder La Margherita (Blume Margerite oder Pizza zum Einstiegspreis).

Italiens Präsident Sergio Mattarella Bundespräsident Steinmeier Schloss Bellevue
Italiens Präsident Sergio Mattarella bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue - Nach der Abmeldung der Ehrenformation leitet Frank-Walter Steinmeier seinen Gast zu den Kindern mit den Fähnchen und danach zum Mittagessen ins Schloss. (Foto: Malte Koch)
Von 1999 bis 2001 fungierte Sergio Mattarella als Verteidigungsminister. Zuvor war er für ein Jahr stellvertretender Regierungschef gewesen. Anschließend gab es noch ein Intermezzo als Verfassungsrichter und am 31. Januar 2015 wurde er zum zwölften Präsidenten gewählt. Kurz nach seinem Amtsantritt bereiste er Deutschland. Deshalb hätten ihm heute eigentlich gar keine militärischen Ehren mehr zugestanden. Aber doppelte Ehre kann ja nicht schaden.

Die Ehefrau von Sergio Mattarella starb 2012. Deshalb wird er regelmäßig von seiner Tochter Laura Mattarella zu offiziellen Terminen begleitet. Sie gilt als die neue First Lady. Heute war sie nicht dabei. Der Präsident Italiens hat ähnlich des Bundespräsidenten vorrangig repräsentative Funktionen. Für das politische Tagesgeschäft ist dort der Ministerpräsident Giuseppe Conte zuständig. Dieser war vor einem halben Jahr zum Antrittsbesuch im Kanzleramt. Im Kanzleramt wird Sergio Mattarella heute auch noch erwartet. Danach fliegt er wieder ab.

Video:
Militärische Ehren zum Besuch des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella im Schloss Bellevue

Autor: Matthias Baumann

Montag, 14. Januar 2019

Diplomatisches Korps trifft sich zum Neujahrsempfang 2019 im Schloss Bellevue

42 Minuten Defilee sind schon eine Herausforderung an die Kondition der Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes sowie des Bundespräsidenten, des Außenministers und des BMZ-Ministers Gerd Müller. Mal ganz abgesehen vom hygienischen Aspekt des ununterbrochenen Händeschüttelns während einer Jahreszeit, in der die Grippe so manch eine Urlaubszeit in den heimischen Räumen verlängert.

Diplomatisches Korps Neujahrsempfang 2019 Schloss Bellevue Bundespräsident
Diplomatisches Korps trifft sich zum Neujahrsempfang 2019 im Schloss Bellevue - Schwarze Limousinen aus deutscher Produktion so weit das Auge reicht.
Frank-Walter Steinmeier, Heiko Maas und Gerd Müller hatten aber sichtliche Freude an der Aktion, die traditionell in den ersten Januartagen im Schloss Bellevue stattfindet. Der Neujahrsempfang des Diplomatischen Korps ist neben dem Sommerempfang in Meseberg und der jährlichen Korps-Reise durch das Bundesgebiet der Treffpunkt aller in Deutschland akkreditierten Botschafter.

Botschafter, die seit März 2017 akkreditiert wurden, konnten Frank-Walter Steinmeier heute besonders herzlich die Hand drücken. Hatten sie doch ihr Beglaubigungsschreiben direkt bei ihm abgegeben. Etwa die Hälfte der heute erschienenen 122 Botschafter sind nach Amtsantritt des Bundespräsidenten in Deutschland eingetroffen. Sein erster Botschafter kam aus Nordkorea. Das war im April 2017.

Diplomatisches Korps Neujahrsempfang 2019 Schloss Bellevue Bundespräsident
Diplomatisches Korps trifft sich zum Neujahrsempfang 2019 im Schloss Bellevue - Die markante Kopfbedeckung des Apostolischen Nuntius des Heiligen Stuhls zeigt, wo die Rede stattfinden wird und wer der Doyen des Diplomatischen Korps in Deutschland ist. Der Doyen der Militärattachés ist jedoch kein Vatikanvertreter, sondern Brigadegeneral Rob Rider aus Großbritannien.
Die Reihenfolge beim Defilee richtet sich nach dem Zeitpunkt der Akkreditierung. Die einzige Ausnahme bildet der Apostolische Nuntius des Heiligen Stuhls. In Ländern, die eine Vertretung des Vatikans haben, wird dessen Botschafter automatisch zum Doyen, also zum Chef des Diplomatischen Korps. Egal, wann dieser akkreditiert wurde. Dem Nuntius folgte heute der Botschafter von Kamerun. Dieser konnte am 9. Januar sein 10-jähriges Deutschland-Jubiläum feiern. Der Botschafter von Dschibuti kommt nur auf knapp sieben Jahre und der Botschafter aus China ist seit 6,5 Jahren in Deutschland.

Diplomatisches Korps Neujahrsempfang 2019 Schloss Bellevue Bundespräsident
Diplomatisches Korps trifft sich zum Neujahrsempfang 2019 im Schloss Bellevue - Der britische Botschafter Sebastian Wood begrüßt Frank-Walter Steinmeier. Sebastian Wood wurde mit einem Jaguar XJ vor das Schloss gefahren, die französische Botschafterin mit einem Citroen C7 und der schwedische Botschafter mit einem Volvo. Alle anderen fuhren Mercedes, BMW oder Audi.
Der Britische Botschafter rückt dem Nuntius immer näher. Er stand heute als 33. in der Defilee-Schlange. Immerhin hat er es schon auf 3,5 Jahre in der gut gesicherten Wilhelmstraße 70 geschafft. Das ist bei westlichen Diplomaten eher selten. Auffällig waren die vielen Geschäftsträger ad interim: 38 an der Zahl. Hinzu kamen noch Vertreter diverser Organisationen, deren Anwesenheit sich nicht für jeden erschließt. Die Weltbank und die Europäische Kommission sind ja noch bekannt. Aber was haben das Sekretariat des "Abkommens zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulation" oder die Exekutivsekretärin des "Globalen Treuhandfonds für Nutzpflanzenvielfalt" oder der Direktor des "Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie" mit dem Diplomatischen Korps zu tun?

Einige der Exzellenzen - so redet man Botschafter an - waren trotz ihres Vorkommens auf der Liste nicht erschienen. Saudi-Arabien stand gar nicht erst auf der Liste. Der Malteser Ritterorden reihte sich heute zwischen Österreich und Südkorea ein, da dieser in Deutschland seit Ende 2017 diploamtisch anerkannt ist.

Diplomatisches Korps Neujahrsempfang 2019 Schloss Bellevue Bundespräsident
Diplomatisches Korps trifft sich zum Neujahrsempfang 2019 im Schloss Bellevue - Die Geschäftsträgerin ad interim aus Madagaskar, Florence Isabelle Rafaramalala ép. Ratsimba, begrüßt Außenminister Heiko Maas.
Nach 42 Minuten war das Defilee beendet und die Protagonisten der deutschen Politik folgten den Diplomaten in den großen Saal. Wie üblich hielt der Apostolische Nuntius eine Rede, in der viele Zahlen und Fakten genannt wurden. Er wies auch auf die nächsten Wahlen hin. Ein ganz wunder Punkt des Bundespräsidenten, der anschließend seine Rede hielt. Frank-Walter Steinmeier lobte die guten diplomatischen Beziehungen zu den hier vertretenen Ländern.

Dann begann der gesellige Teil des Empfangs. Während der Bundespräsident in trauter Runde mit dem Nuntius und den Botschaftern aus China und Israel stand, verließ der amerikanische Botschafter Richard Grenell sehr schnell den Saal. Auch die Vertreter von Indonesien und Russland hatten es sehr eilig.

Video:
Neujahrsempfang des Diplomatischen Korps im Schloss Bellevue

Autor: Matthias Baumann

Sonntag, 6. Januar 2019

20*C+M+B+19 Sternsinger aus dem Bistum Trier beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue

Auch wenn die Zahl der beteiligten Gemeinden und Einrichtungen rückläufig ist, hat doch das Spendenvolumen in den letzten Jahren deutlich zugelegt. Bei der aktuellen Sammelaktion sind schon knapp 50 Millionen Euro zusammengekommen. Die Sternsinger ziehen seit 1959 durch die Straßen, schreiben die Jahreszahl und ein CMB an die Türen und sammeln Spenden. In den über 60 Jahren sind mehr als eine Milliarde Euro gesammelt worden.

20*C+M+B+19 Sternsinger Bistum Trier Schloss Bellevue Bundespräsident
20*C+M+B+19 Sternsinger aus dem Bistum Trier im Schloss Bellevue - Sie kommen!
Die Spenden werden derzeit an 1.436 Projekte in 108 Ländern verteilt. Auch YouTuber interessieren sich inzwischen für den Weg der Spenden und ob diese auch wirklich bei den Betroffenen ankommen. Der Fokus der heutigen Sammlung lag auf Kindern mit Behinderungen in Peru. Wie wir später lernen würden, kann man sie auch als Kinder mit Einschränkungen bezeichnen.

20*C+M+B+19 Sternsinger Bistum Trier Schloss Bellevue Bundespräsident
20*C+M+B+19 Sternsinger aus dem Bistum Trier im Schloss Bellevue - Gesang mit Instrumentalbegleitung
Das lateinische CMB (Christus Mansionem Benedicat = Christus segne diese Herberge/Wohnung) lässt auf eine katholische Aktion schließen. Die "Magier aus dem Orient" wurden im Laufe der Kirchengeschichte in "Weise" und letztlich in "Könige" weiterentwickelt. Irgendwann kam noch die Info hinzu, dass es drei gewesen seien. Bezugnehmend auf die in Matthäus 2 genannten Mitbringsel gab man ihnen die Namen Caspar, Melchior und Balthasar.

20*C+M+B+19 Sternsinger Bistum Trier Schloss Bellevue Bundespräsident
20*C+M+B+19 Sternsinger aus dem Bistum Trier im Schloss Bellevue - Gloria, Segen und Gedichte
Die Kinder aus dem Bistum Trier hatten die Schreibweise des CMB offensichtlich geübt, oder kannten deren Bedeutung. In Bayern und an anderen Orten sieht man sehr abenteuerliche Schreibweisen. Korrekt ist: 20*C+M+B+19. Das CMB steht inmitten der neuen Jahreszahl. Als Trennung wird zuerst ein Stern gesetzt als Anklang an den Stern von Bethlehem (Geburt von Jesus) und danach drei Kreuze als Erinnerung an die Kreuzigung von Jesus in der Mitte von zwei Straftätern.

20*C+M+B+19 Sternsinger Bistum Trier Schloss Bellevue Bundespräsident
20*C+M+B+19 Sternsinger aus dem Bistum Trier im Schloss Bellevue - Es ist vollbracht!
Nachdem drei der Kleinen das Werk der Türbeschriftung am Schloss vollendet hatten, durften alle Könige das Schloss betreten. Das Kind einer Mitarbeiterin des Präsidialamtes kommentierte, dass die Sternsinger heute die Wichtigsten seien und im Schloss alles machen dürfen, was sie wollen. Das BKA hatte dazu sicher andere Vorstellungen.

20*C+M+B+19 Sternsinger Bistum Trier Schloss Bellevue Bundespräsident
20*C+M+B+19 Sternsinger aus dem Bistum Trier im Schloss Bellevue - Weinrebe für den heimischen Garten von Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender, rechts unten im Bild die kleine Schatztruhe für die Spenden
Auf dem weichen Teppich des großen Saales im Obergeschoss stellten sich die lieben Kleinen mit ihren Instrumenten und anderen Utensilien auf. So viel Samt und Gold ist hier selten zu sehen. Das passte aber ganz gut zur Inneneinrichtung. Es gab weitere Lieder, eine Vorstellung des Beispiel-Projektes "Segen bringen. Segen sein. Wir gehören zusammen - in Peru und weltweit!", eine Rede des Bundespräsidenten und der Austausch von Geschenken.

20*C+M+B+19 Sternsinger Bistum Trier Schloss Bellevue Bundespräsident
20*C+M+B+19 Sternsinger aus dem Bistum Trier im Schloss Bellevue - Interesse an der Rede des Bundespräsidenten
So bekamen Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender eine Weinrebe für den heimischen Garten geschenkt. Natürlich aus der Region des Bistums. Der Präsident spendete dann einen unbekannten Betrag aus seinem Privatvermögen. Ein Mädchen mit Krone packte das in ihre kleine Schatztruhe, die um ihren Hals hing. Der kleine Junge neben ihr mit seiner riesigen Brille musterte unentwegt den Bundespräsidenten.

20*C+M+B+19 Sternsinger Bistum Trier Schloss Bellevue Bundespräsident
20*C+M+B+19 Sternsinger aus dem Bistum Trier im Schloss Bellevue - Kakao und Brezeln warten im Nachbarraum.
In der Weihnachtsgeschichte nach Matthäus 2 hatten die "Magiar aus dem Orient" alias "drei Könige" von einem Engel den Befehl erhalten, auf keinen Fall über Jerusalem zu reisen, sondern einen anderen Weg in ihre Heimat zu nehmen. Heute befahl der Bundespräsident, dass sie ihm in einen Nachbarraum folgen und nicht mehr an der Presse vorbeilaufen sollen. Im Nebengelass warteten der obligatorische Kakao und Brezeln.

Morgen stehen die Sternsinger wieder auf der Matte. Diesmal im Kanzleramt. Dort allerdings mit dem Unterschied, dass die Kinder aus 27 deutschen Diözesen stammen und nicht nur aus Trier. Eine Diözese ist ein kirchlicher Verwaltungsbezirk und mit einem Bistum vergleichbar. Am Dienstag werden Sternsinger aus europäischen Ländern in Brüssel erscheinen. Die Aktion nimmt also immer größere Dimensionen an. Fehlt jetzt nur noch ein Besuch internationaler Kinder am Mittwoch bei der UNO.

Video:
Sternsinger aus dem Bistum Trier im Schloss Bellevue

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Botschafter von Kolumbien, Italien, dem Tschad und der Dominikanischen Republik akkreditiert

Gerade noch geschafft! Wenige Tage vor dem Neujahrsempfang des Diplomatischen Korps wurden gestern schnell noch vier Botschafter akkreditiert: Kolumbien, Italien, Tschad und Dominikanische Republik. Auch der Bundespräsident hatte sich heute beeilen müssen, da er sich beim vorausgegangenen Termin in der Wärmestube der Heilig-Kreuz-Kirche so lange mit den Obdachlosen an seinem Tisch unterhalten hatte, dass das protokollarische Timing um 20 Minuten überzogen worden war. Um 14:00 Uhr war aber wieder alles im geplanten Takt.

Botschafter akkreditiert Kolumbien Italien Tschad Dominikanische Republik
Botschafter im Schloss Bellevue akkreditiert - Kolumbien, Italien, Tschad und Dominikanische Republik (Foto: Matthias Baumann)
Apropos Takt: Die Botschafter fuhren wie üblich im Halbstundentakt vor und genossen jeder für sich den immer gleichen Ablauf. Einen Trost für die winterliche Witterung konnten die Delegationen aus Zentralamerika und aus dem Tschad wohl nur aus dem gut beheizte Schloss und den illuminierten Weihnachtsbäumen ziehen. Die Reihenfolge der Botschafter sah folgendermaßen aus:

Republik Kolumbien - Hans Peter Knudsen Quevedo
Republik Italien - Luigi Mattiolo
Republik Tschad - Mariam Ali Moussa
Dominikanische Republik - Maibe Altagracia Sánchez Caminero de Calventi

Botschafter Akkreditierung Republik Kolumbien Hans Peter Knudsen Quevedo
Botschafter akkreditiert - Republik Kolumbien - Hans Peter Knudsen Quevedo (Foto: Malte Koch)
Diese Reihenfolge wird auch beim Neujahrsempfang eine Rolle spielen. Die Dominikanische Republik macht dann das Schlusslicht vor den Sondervertretungen und Organisationen.

Kolumbien hatte im Dezember letzten Jahres eine Botschafterin akkreditieren lassen. Dass nach einem Jahr schon wieder ein neuer Botschafter erscheint, ist symptomatisch für die Verweildauer von Diplomaten. Wer Diplomat werden möchte, sollte diese ständigen Wechsel mögen. Offizieren der Bundeswehr geht es ähnlich. Im Sommer hatte Frank-Walter Steinmeier den Präsidenten Kolumbiens empfangen.

Botschafter Akkreditierung Republik Kolumbien Hans Peter Knudsen Quevedo
Botschafter akkreditiert - Republik Kolumbien - Niederholen der Flagge (Foto: Malte Koch)
Wie der Name schon sagt, hat Botschafter Hans Peter Knudsen Quevedo deutsche Wurzeln. Er zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Intelligenz aus. Sein kaufmännisches Studium hatte er mit Auszeichnung abgeschlossen und wirkte danach an mehreren Universitäten als Dozent oder Rektor: Bogotá, Santiago de Chile, Harvard University in Boston, São Paulo, San Diego in Kalifornien und sogar am MIT Massachussets Institute of Technology in Boston. Sein Berufsleben war eine fortlaufende Kombination aus Management und Rektorat. Einer der wenigen Theoretiker, die auch die Praxis kennen. Hans Peter Knudsen Quevedo spricht neben Englisch und Spanisch auch Deutsch.

Botschafter akkreditiert Italien Luigi Mattiolo
Botschafter akkreditiert - Republik Italien - Luigi Mattiolo ruft seine Frau zum Gruppenfoto mit dem Bundespräsidenten. (Foto: Malte Koch)
Von Botschafter zu Botschafter wurden die begleitenden Delegationen immer größer. Als nächstes war Italien an der Reihe. Der neue Botschafter Luigi Mattiolo ist ein echter Römer. Er wurde 1957 geboren und ist seit den 1980er Jahren im diplomatischen Dienst unterwegs. Zunächst in Moskau, dann in Bern und anschließend in Belgrad.

Botschafter akkreditiert Italien Luigi Mattiolo
Botschafter akkreditiert - Republik Italien - Niederholen der Flagge (Foto: Malte Koch)
Seine Erfahrungen mit der Vertretung Italiens bei der EU in Brüssel reichen bis in das Jahr 1995 zurück. Der Wechsel ging dann munter weiter: Vereinte Nationen in New York, Gesandter beim Nordatlantikrat, Botschafter in Israel und danach noch Botschafter in der Türkei. Jetzt sitzt der 62-Jährige in der stilechten Botschaft zu Berlin.

Botschafterin akkreditiert Tschad Mariam Ali Moussa
Botschafterin akkreditiert - Republik Tschad - Mariam Ali Moussa beim Foto mit dem Bundespräsidenten (Foto: Malte Koch)
Nur gut, dass die Flaggen im Flaggenkeller des Schlosses mit Edding beschriftet sind. Die Flagge des Tschad unterscheidet sich nur leicht im Farbton von der Flagge Rumäniens: Blau, Gelb, Rot. Die Republik Tschad hat 15 Millionen Einwohner und liegt auf derselben geografischen Höhe wie Mali und Niger. Der Tschad gehört zur sicherheitspolitisch brisanten Sahelzone.

Botschafterin akkreditiert Tschad Mariam Ali Moussa
Botschafterin akkreditiert - Republik Tschad - Die Flagge des Tschad könnte mit der von Rumänien verwechselt werden. (Foto: Malte Koch)
Knapp 60% der Bevölkerung gehören dem sunnitischen Islam an. Ein Drittel sind Christen und der Rest beschäftigt sich mit afrikanischen Naturreligionen. Man spricht französisch und arabisch. 1960 wurde das Land unabhängig von Frankreich. Die neue Botschafterin Mariam Ali Moussa brachte neben ihrem Ehemann auch eine umfangreiche Delegation mit. Die Fotografen freuten sich über die regionale Amtstracht.

Botschafterin akkreditiert Dominikanische Republik Maibe Altagracia Sánchez Caminero de Calventi
Botschafterin akkreditiert - Dominikanische Republik - Maibe Altagracia Sánchez Caminero de Calventi beim Foto mit dem Bundespräsidenten (Foto: Malte Koch)
Mit Einbruch der Dunkelheit rollte die Botschafterin der Dominikanischen Republik auf den Hof vor dem Schloss. Die dritte Botschafterin aus der Äquator-Gegend. Die Dominikanische Republik hat 10 Millionen Einwohner und ist wohl hauptsächlich durch ihre All-Inclusive-Reisen bekannt. 80% der Bevölkerung bezeichnet sich als römisch-katholisch. Ein Viertel der Bevölkerung leidet an Unterernährung. Die Armut auf dem Inselstaat erlebte durch die Rezession von 2003 einen deutlichen Anstieg. 10% der dominikanischen Männer besitzt eine Schusswaffe.

Botschafterin akkreditiert Dominikanische Republik Maibe Altagracia Sánchez Caminero de Calventi
Botschafterin akkreditiert - Dominikanische Republik - Flaggenparade während der winterlichen Dämmerung (Foto: Malte Koch)
Frauen und Kinder werden in der Waffen-Statistik nicht geführt. Botschafterin Maibe Altagracia Sánchez Caminero de Calventi hatte offensichtlich keine Schusswaffe dabei. Ihr Vorgänger in Berlin war am 19. August 2018 vermutlich an einem Herzinfarkt verstorben und wurde wenige Tage später in sein Heimatland überführt.

Video:
Botschafter-Akkreditierung im Schloss Bellevue: Kolumbien, Italien und Tschad

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 30. November 2018

Weihnachtsbäume, Christbaumschmuck und Lichterketten im Schloss Bellevue und im Deutschen Historischen Museum

Beim Wachbataillon gibt es die Tradition, jedes Jahr eine Kugel vom Weihnachtsbaum des Bundespräsidenten zu entwenden. Das ist rechtlich unkritisch, da die Kugel im behördlichen Kreislauf bleibt und lediglich vom Schloss Bellevue in den Schrank des Kommandeurs wandert. Nur 2016 war das nicht so gut möglich, da das BKA zu genau auf den Weihnachtsbaum geachtet hatte. Der für die Entwendung zuständige Offizier fragte deshalb direkt beim Bundespräsidenten nach und durfte dann die Kugel offiziell mitnehmen.

Weihnachtsbaum Schloss Bellevue Havelmüller Grundschule Reinickendorf
Kinder der Havelmüller-Grundschule Berlin-Reinickendorf haben zusammen mit dem Bundespräsidenten das Licht am Baum vor dem Schloss Bellevue eingeschaltet
So ranken sich um den Weihnachtsbaum viele Traditionen. Das erste Auftreten des Baumes ist wohl kaum noch eindeutig zu ermitteln. Fakt ist aber, dass viele Kulturen den Weihnachtsbaum kennen und dieser kein rein christliches Symbol ist. Das Deutsche Historische Museum - kurz DHM - hat sich deshalb in einer Sonderausstellung auf die letzten 200 Jahre konzentriert und 500 Exponate zusammengetragen.

Christbaumschmuck DHM Deutsches Historisches Museum Sonderausstellung
Sonderausstellung zu Christbaumschmuck aus zwei Jahrhunderten im DHM (Deutsches Historisches Museum)
Allein 250 Baumverzierungen hängen in einer aufwendigen Installation aus feinen Drähten. Es gibt bemalte Pappkugeln aus Kaschmir zu bestaunen, daneben ein aufgeblasener Kopf von Karl Marx, ein Kopf von Martin Luther, ein Handy, eine Krippe, Engel, Schlitten, Krippen, Tiere, Sterne und vieles mehr. Alles in einer harmonisch aufeinander abgestimmten Größe, so dass die 250er-Installation schon fast wie der Ferritkern-Speicher eines vorsintflutlichen Großrechners von IBM anmutet.

Christbaumschmuck DHM Deutsches Historisches Museum Sonderausstellung
Sonderausstellung zu Christbaumschmuck aus zwei Jahrhunderten im DHM (Deutsches Historisches Museum)
Die weiteren 250 Exponate sind auf 80m² verteilt. Diese wirken wegen der eng gestellten Vitrinen eher wie 20m² und bieten Stoff für eine gute halbe Stunde Aufenthalt. Da es sehr warm wird, sollte die Jacke vorher an der Garderobe abgegeben worden sein. Interessant ist die Vielseitigkeit des Christbaumschmucks: Baumspitzen mit Hakenkreuz, Runen-Gehänge, grober Metallschmuck, niedliche Männchen der Hitler-Jugend, ausgewählt kitschiger Baumschmuck aus den USA, Kugeln mit Innenlicht und diverse religiöse Behänge wie die islamische Hand, der Felsendom, der Chanukka-Leuchter oder das griechische Weihnachtsschiff.

Das Weihnachtsschiff ersetzt in Griechenland den Baum, da das Christentum vom Apostel Paulus per Schiff nach Griechenland gebracht worden war. Während Griechenland längere Zeit von der Schiffstradition abgewichen war und den Baum aufgestellt hatte, wird seit 2014 wieder das Schiff verwendet. Es schlägt eine thematische Brücke zu den vielen Flüchtlingen, die nun per Schiff in Griechenland eintreffen.

Christbaumschmuck DHM Deutsches Historisches Museum Sonderausstellung
Sonderausstellung zu Christbaumschmuck aus zwei Jahrhunderten im DHM (Deutsches Historisches Museum)
Eine Wand der Ausstellung war auch Familienfotos gewidmet. Anhand von Familienfotos konnten die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums auch sehr gut die gesellschaftliche Entwicklung einzelner Personen und Familien ermitteln. Die Konstante war jeweils der Weihnachtsbaum, um den sich die Protagonisten gruppierten. Erst im Anzug, dann in bestimmten Uniformen mit steigenden Dienstgraden und dann entsprechende Lücken.

Die Sonderausstellung wird noch bis zum 3. März 2019 im Deutschen Historischen Museum zu sehen sein.

Der Rundgang war eine Steilvorlage für den anschließenden Besuch im Schloss Bellevue. Dort sollte nämlich das Licht am großen Baum auf dem Vorplatz eingeschaltet werden. Auch hier gibt es eine Tradition. Am Freitag vor dem ersten Advent erscheinen Grundschüler, singen Lieder und knipsen dann mit einem riesigen Taster - in Schwarz-Rot-Gold natürlich - das Licht am Baum an.

Weihnachtsbaum Schloss Bellevue Havelmüller Grundschule Reinickendorf
Kinder der Havelmüller-Grundschule Berlin-Reinickendorf singen für den Bundespräsidenten - Kontakt auf Augenhöhe
Traditionell ist es eisig kalt an diesem Tag. Diese Tradition wurde zwar auch heute nicht gebrochen, aber es gab ein neues Element: Regen. Deshalb wurde die Zeremonie ins Innere des Schlosses verlegt. Dort stand der Baum mit den begehrten Kugeln für das Wachbataillon. Unter dem Baum waren die traditionellen Tüten für die lieben Kleinen aufgebaut. In diesem Jahr durften Kinder aus der Havelmüller-Grundschule Berlin-Reinickendorf singen. Die Instrumentalbegleitung kam aus einer kleinen Box und wurde per Smartphone gesteuert. Dazu sangen die Kinder. Es wurde auch ein Gedicht vorgetragen.

Es gab noch eine weitere Abweichung zur Tradition: Elke Büdenbender, die Frau des Bundespräsidenten, war nicht dabei. So stellte sich Frank-Walter Steinmeier neben die Dirigentin und stellte Augenkontakt zu den Schülern her. Es gab auch schon Illuminationen, bei denen sich das Präsidentenpaar unter die Schüler gemischt und mitgesungen hatte.

Weihnachtsbaum Schloss Bellevue Havelmüller Grundschule Reinickendorf
Kinder der Havelmüller-Grundschule Berlin-Reinickendorf schalten zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Lichter der Weihnachtsbäume im Schloss Bellevue ein
Nach dem kurzen Programm wurde der große Knopf in Schwarz-Rot-Gold hereingetragen. Zwei Kinder durften helfen und zusammen mit dem Bundespräsidenten das Licht einschalten. Klick! Die Lichterketten am Weihnachtsbaum im Schloss und am Baum vor dem Schloss waren eingeschaltet. Nur bei genauer Betrachtung erkannte man den Fake dieser Aktion. Das Kabel, das draußen zwischen Button und Baum verläuft, fehlte. Ja, und bald wird wohl auch eine Kugel am Baum fehlen und die Kugelsammlung des Kommandeurs des Wachbataillons bereichern.

Video:
Christbaumschmuck im DHM und Einschalten der Weihnachtsbaumbeleuchtung im Schloss Bellevue

Autor: Matthias Baumann