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Samstag, 14. September 2019

5. Kompanie des Wachbataillons feiert ihren 60. Geburtstag am Schloss Charlottenburg

Bei Bataillonseinsätzen im Schloss Bellevue marschieren sie immer am Schluss, die Soldaten in Luftwaffenuniform. Erste im Staat - also Präsidenten und Monarchen - werden bei ihren Antrittsbesuchen mit allen drei Teilstreitkräften begrüßt: Heer, Marine und Luftwaffe. Zweite und Dritte im Staate - wie Premierminister oder Kanzler - werden mit nur einer Teilstreitkraft begrüßt. Seit zweieinhalb Jahren in der Regel mit Heeresuniformträgern. Sind die anderen Kompanien im Urlaub oder anderweitig verplant, muss die 5. Kompanie in Heeresuniformen schlüpfen und damit die Gäste begrüßen.

60 Jahre 5. Kompanie Wachbataillon Luftwaffe Schloss Charlottenburg
60 Jahre 5. Kompanie des Wachbataillons (Luftwaffenkompanie): Übernahme der neuen Kompanieflagge während des Feierlichen Appells vor dem Schloss Charlottenburg
Nur bei Botschafter-Akkreditierungen dürfen sie standardmäßig ihre eigene Uniformfarbe tragen. Oder wenn ein Luftwaffenkommandeur seinen Kollegen Ingo Gerhartz besucht. Oder wenn die 5. Kompanie - wie heute - ihren Geburtstag feiert. Der Aufstellungsbefehl zur Gründungstag wurde zwar am 11. September 1959 erteilt, allerdings ist es bei runden Jubiläen üblich, den folgenden Samstag zum Feiern zu nutzen.

60 Jahre 5. Kompanie Wachbataillon Luftwaffe Schloss Charlottenburg
60 Jahre 5. Kompanie des Wachbataillons (Luftwaffenkompanie): "Dienstfahrzeug WachBtl BMVg" im Innenhof von Haus 46 in der Julius-Leber-Kaserne
Die Luftwaffenkompanie war Ende 1959 mit 9 Soldaten - darunter zwei Leutnante - in Siegburg gestartet. Ihre Aufgabe war die Verteidigung des Wachbataillons gegen Angriffe aus der Luft. Sie sollten also nicht selbst fliegen, sondern den Luftraum überwachen und sichern. Dazu bekam die Kompanie entsprechende Flugabwehrkanonen, mit denen eine Feuerkraft von bis zu 1.030 Schuss pro Minute erzeugt werden konnte. Das entspricht in etwa dem, was ein modernes Maschinengewehr leistet.

60 Jahre 5. Kompanie Wachbataillon Luftwaffe Schloss Charlottenburg
60 Jahre 5. Kompanie des Wachbataillons (Luftwaffenkompanie): Feierlicher Appell vor dem Schloss Charlottenburg
Die Verwendung als Flugabwehrbatterie endete 1990. Im Februar 2000 zog die 5. Kompanie von Siegburg nach Berlin um. In Berlin baute sie intensive Patenschaften mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf auf. Praktisch sieht das so aus, dass die Soldaten bei der Renovierung von Kitas helfen oder andere gemeinnützige Aktionen durchführen. Die Beziehung entwickelte sich so positiv, dass im August 2003 die damalige Bezirksbürgermeisterin zum Hauptmann h.c. ernannt wurde und ein Barett mit dem typischen Fraktur-W bekam. Im Gegenzug schenkte sie der Kompanie 2004 einen Buddy-Bären in blauer Luftwaffenuniform. Ergänzend dazu sei noch die Patenschaft mit der Reservistenkameradschaft 04 Wilmersdorf zu erwähnen. Diese hatten im April 2008 eine Kompaniefahne gestiftet.

60 Jahre 5. Kompanie Wachbataillon Luftwaffe Schloss Charlottenburg
60 Jahre 5. Kompanie des Wachbataillons (Luftwaffenkompanie): "Das goldene Buch" des Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf und die Kompaniemaskottchen Pit und Paul. Pit (rechts)war aus Siegburg angereist. Paul (links mit Blick nach oben) wurde gestern durch den Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Kai Beinke, zum Stabsgefreiten befördert.
Den guten Beziehungen zum Bezirk war es auch zu verdanken, dass das Schloss Charlottenburg als Kulisse für den heutigen Feierlichen Appell genutzt werden konnte. Die 5. Kompanie trat in ihrer eigenen Uniformfarbe an. Es wurden Musikstücke gespielt. Die Ehrenformation wurde abgeschritten. Drei Reden wurden gehalten: General Standortaufgaben Andreas Henne, Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und der ehemalige Kompaniechef Brigadegeneral Wolfgang Ohl. Nach den drei Reden wurde eine Auszeichnung verliehen.

60 Jahre 5. Kompanie Wachbataillon Luftwaffe Schloss Charlottenburg
60 Jahre 5. Kompanie des Wachbataillons (Luftwaffenkompanie): (v.l.n.r.) Brigadegeneral Wolfgang Ohl, Brigadegeneral Andreas Henne und Oberstleutnant Kai Beinke vor dem Feierlichen Appell vor Schloss Charlottenburg
Das Highlight dieses Feierlichen Appells war jedoch die Übergabe einer neuen Kompanieflagge durch die Reservistenkameradschaft 04. Was mit der alten Flagge passiert, ist noch unklar. Klar ist jedoch, dass eine Flagge keine Fahne ist. Die Fahne ist in der Regel am Stiel angenagelt und eine Flagge kann gehisst werden. Es geht hier also nicht um die Truppenfahne, sondern um die Flagge, die vor dem Gebäude 46 in der Julius-Leber-Kaserne weht. Das eigentliche Flaggenzeremoniell lief so ähnlich ab wie bei einer Kommandoübergabe oder einem Gelöbnis. Danach folgten nur noch die Nationalhymne, der Schlachtruf "Semper Talis" und der Ausmarsch der Ehrenformation.

60 Jahre 5. Kompanie Wachbataillon Luftwaffe Schloss Charlottenburg
60 Jahre 5. Kompanie des Wachbataillons (Luftwaffenkompanie): Übernahme der neuen Kompanieflagge aus den Händen der Reservistenkameradschaft 04 Wilmersdorf während des Feierlichen Appells vor dem Schloss Charlottenburg
Der gesellige Teil mit Hoffest, Jazzband und Abendveranstaltung startete um 14 Uhr in der Julius-Leber-Kaserne. Zu den Gästen zählten neben den Bezirksvertretern auch ehemalige Soldaten und Offiziere der Luftwaffenkompanie, einige Kameraden aus anderen Kompanien, Familienangehörige und Freunde des Wachbataillons - vergleichbar mit dem alljährlichen Schrippenfest.

60 Jahre 5. Kompanie Wachbataillon Luftwaffe Schloss Charlottenburg
60 Jahre 5. Kompanie des Wachbataillons (Luftwaffenkompanie): Das ist die Kompaniefahne. Der Unterschied zur Truppenfahne besteht darin, dass die Truppenfahne dem Bataillon gehört und Schwarz-Rot-Gold ist. Das Material ist gleich und in der Herstellung ähnlich teuer - etwa 3.500 Euro. Der Unterschied zur Kompnaieflagge besteht darin, dass die Flagge per Schnur gehisst werden kann, während die Fahne fest am Stiel angebracht ist.
Zu Beginn des Jahres war die 5./- (so die interne Schreibweise einer Kompanie)  eine der kleinsten Kompanien des Wachbataillons. Inzwischen konnte ein beachtlicher Nachwuchs gewonnen werden, so dass sich die 5./- nun mit der 2./- oder 3./- messen kann. Der Chef dieser Luftwaffenkompanie wurde schon 1982 von Peter Schilling besungen: Major Tom - Major Tom Nestler.

Videos:
Feierlicher Appel zu 60 Jahren Luftwaffenkompanie des Wachbataillons vor dem Schloss Charlottenburg

Stellprobe von Stabsmusikkorps und 5. Kompanie vor dem Schloss Charlottenburg

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 27. August 2019

Bundespräsident Steinmeier besucht die Luftwaffe in Sanitz bei der FlaRakGrp 21

Der Bundespräsident besucht die Truppe auffallend oft. Im Juni war er bei der Streitkräftebasis in Garlstedt, vor drei Wochen mit dem Präsidenten von Portugal bei der Marine an der Ostsee und heute bei der Luftwaffe in Sanitz bei Rostock. Beim Besuch der slowakischen Präsidentin in der letzten Woche ließ er sogar eine kräftige Befehlsstimme über den Vorplatz von Schloss Bellevue schallen: "Guten Morgen Soldatinnen und Soldaten!"

Bundespräsident Steinmeier Luftwaffe FlaRakGrp 21 Sanitz
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht die Luftwaffe beim FlaRakGrp 21 in Sanitz - Der Bundespräsident im Gespräch mit dem Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz
Die Flugabwehrraketengruppe 21 - kurz FlaRakGrp 21 - gibt es seit 1987. Zu Beginn war sie noch ein Geschwader und wurde 1993 in eine Gruppe umbenannt. Damit besteht sie nur noch aus 23 Buchstaben. Seit 2013 ist sie dem Flugabwehrraketengeschwader 1 unterstellt. Das übergeordnete Geschwader besteht aus neun Silben und 27 Buchstaben. Kein Wunder, dass bei der Bundeswehr alles abgekürzt wird.

Bundespräsident Steinmeier Luftwaffe FlaRakGrp 21 Sanitz
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht die Luftwaffe beim FlaRakGrp 21 in Sanitz - Getarnter Gefechtsstand
Bei der aktuellen Bedrohungslage ist die Flugabwehr ähnlich wichtig, wie der Cyber-Informationsraum (CIR). Die FlaRakGrp 21 verfügt über moderne Technik wie leichte Flugabwehr Systeme (leFlaSys) auf Basis des kleinen Waffenträgers Wiesel sowie das System PATRIOT. Letzteres besteht aus mehreren mobilen Komponenten. Hinzu kommen Luftraumüberwachungsradaranlagen (32 Buchstaben) und bewegliche Gefechtsstände.

Das alles durfte sich der Bundespräsident heute in statischen und dynamischen Vorführungen anschauen. Statische Vorführungen sind eher der langweilige Teil, weil da nichts knallt und raucht. Bei Besuchen von Spitzenpolitiker*innen gibt es normalerweise nur statische Vorführungen. Ist jedoch ein General als Primärer-VIP anwesend, sollten unbedingt Ohrstöpsel eingesetzt werden. Da die Presseabteilung der Luftwaffe weiß, was das Männerherz erfreut, gab es heute eine dynamische Vorführung des PATRIOT-Systems. Allerdings ohne den ersehnten Knall. Die Lenkflugkörper dürfen nämlich nur auf speziellen Übungsplätzen in Zypern oder den USA abgefeuert werden.

Bundespräsident Steinmeier Luftwaffe FlaRakGrp 21 Sanitz
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht die Luftwaffe beim FlaRakGrp 21 in Sanitz - Gespräch mit Soldaten an den Komponenten des Waffensystems PATRIOT
Frank-Walter Steinmeier ist ein Gemeinschaftstyp. Deshalb war ihm das Einmischen in die Truppe wichtig. Dazu gab es Gelegenheit beim Mittagessen auf Holzbänken unter einem Tarnnetz, bei einer längeren Gesprächsrunde über Einsatzerfahrungen und einer Gesprächsrunde mit Regionalpolitikern über das Verhältnis der Gesellschaft zur Bundeswehr. Auch in Sanitz sind Bundeswehr und Gesellschaft eng verflochten. Wegen der sehr speziellen Qualifikation der Soldaten, gibt es wenige Pendler. Viele stammen aus Berlin und haben sich inzwischen im Großraum Rostock angesiedelt. Die Berufszufriedenheit scheint am Standort Sanitz sehr hoch zu sein.

Video:

Besuch des Bundespräsidenten bei der FlaRakGrp 21 in Sanitz

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 15. August 2019

Großer Zapfenstreich für Ursula von der Leyen

Ein großes Geheimnis sollten die Stücke der Serenade beim Großen Zapfenstreich für Ursula von der Leyen sein. Doch bereits am Wochenende war die Playlist an die Provinzpresse durchgesickert und wurde veröffentlicht. Beim Gelöbnis am 20. Juli waren Termin und Ort noch unbekannt. Es wurden Hannover, die Marineschule Mürwik und das Schloss Charlottenburg diskutiert. Drei Tage später standen Termin und Ort fest: 15. August 2019 im Bendlerblock. Wie einfallslos! Dafür aber gut zu erreichen für die etwa 600 Gäste. Eingeladen waren 1.200 mit einer wohl üblichen Teilnehmerquote von 50%.

Großer Zapfenstreich für Ursula von der Leyen
Großer Zapfenstreich für Ursula von der Leyen - Frau Leutnant mit der Urkunde
Die demonstrierte Frauenquote war deutlich höher: Auf dem Podest standen zwei Frauen und der Generalinspekteur. Eine Frau Leutnant übergab die aufwendig gestaltete Urkunde. Ursula von der Leyen hatte während ihrer Amtszeit von sechs Jahren einige unpopuläre Entscheidungen getroffen und mithilfe renommierter Beraterfirmen diverse Change-Prozesse angestoßen. Deshalb hatte sie sich wohl auch als eines der Stücke während der Serenade "Wind of Change" gewünscht.

Abgesehen von internen Changes, hatte sich auch sicherheitspolitisch Einiges in der Welt getan. Der IS kam zur Entfaltung. Russland setzte die historisch übliche Verschiebung von Grenzen am Schwarzen Meer fort. Die NATO einigte sich auf ein nationales Verteidigungsbudget von 2%. Das Weißbuch zur Sicherheitspolitik musste durch die Instanzen des Bundestages gekämpft werden. Hinzu kamen Maßnahmen, die die Work-Life-Balance fördern sollten. Für Letzteres wurde die ehemalige Familienministerin oft ausgelacht und kritisiert. Ganz abgesehen davon, dass ihr allein wegen ihrer Eigenschaft als Frau jegliche Kompetenz in Sachen Bundeswehr abgesprochen wurde.

Eingebettet war "Wind of Change" in "Ave verum corpus" und die Europahymne. "Ave verum corpus" ist Latein und bedeutet in holperiger Kirchensprache "Sei gegrüßet, wahrer Leib". Der aus zwei Strophen bestehende Reim ist ein Glaubensbekenntnis der Ministerin und fasst in wenigen Worten die Geburt von Jesus Christus durch Maria sowie seinen Tod am Kreuz zusammen. Der Text spricht von der durchbohrten Seite, fließendem Blut und der Prüfung des Todes: "in mortis examine".

Großer Zapfenstreich für Ursula von der Leyen
Großer Zapfenstreich für Ursula von der Leyen - Passend zum Genre von "ave verum corpus" hier noch ein kurzer Liedtext von Martin Luther: "... Lass fahren dahin! ..."
Das ist wohl für einige Zuhörer zu blutig, so dass sie den Titel auf "Ave verum" abkürzen. "Ave verum" könnte salopp mit "Hallo Wahrheit" übersetzt werden. Wahrheit und Politik sind nicht immer deckungsgleich. Wahrheit muss man auch vertragen können oder gerne als objektives Lagebild zur Selbstoptimierung annehmen. Gerade in der Bundeswehr, wo es um Leben und Tod geht, sollte das Lagebild immer nüchtern und anhand der wahren Gegebenheiten betrachtet werden.

Dass auch die Europahymne gewünscht wurde, passt natürlich zur nächsten Position Ursula von der Leyens bei der EU. Sie ist nun ganz oben angekommen und hat keine wirklich relevanten Aufstiegsoptionen mehr. Sie könnte noch UNO-Generalsekretärin, NATO-Generalsekretärin oder Päpstin werden, falls sich die katholische Kirche im Wind of Change der Austritte zu einer entsprechenden Frauenquote durchringt. Vielleicht geht sie dann aber auch in den Ruhestand. Immerhin ist sie ja schon 60 Jahre alt, obwohl man ihr das nicht ansieht.

Videos:
Großer Zapfenstreich für Ursula von der Leyen (ohne Wind of Change)
Großer Zapfenstreich für Ursula von der Leyen (Auskoppelung Wind of Change)

Autor: Matthias Baumann

Samstag, 10. August 2019

Voller Einsatz: 3 Tage mit der 4. Kompanie des Wachbataillons in Flensburg

Das hatte schon etwas von Klassenfahrt: 3 Tage unterwegs mit 40 jungen Männern in Flecktarn und davon zweimal sieben Stunden im Bus. "Ich habe vier Paar Schuhe mit", waren die ersten Worte des Presseoffiziers, als wir uns am Parkplatz sortierten. Ich hatte nur zwei Paar mit. Überhaupt war es unklar, wie man sich auf das Wetter in Flensburg vorbereiten sollte. Ein Wetterbericht kündigte Regen an, der andere behauptete das Gegenteil. Beides traf letztlich für Flensburg zu. Das Wetter an der Förde kann von einer Minute auf die andere von wolkenlos auf Monsunregen umschalten. Die Beschleunigung des Windes von Null auf Orkan stellt jedes Elektroauto in den Schatten.

Wachbataillon 4. Kompanie Marineschule Mürwik Flensburg
4. Kompanie des Wachbataillons zur Vereidigung der Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg - Sonnenuntergang gegenüber der Marineschule Mürwik - Segelschiff auf der Förde
Deshalb wurde wohl bei der vorgelagerten Kleidungskontrolle auch der Nässeschutz kontrolliert. Kontrolliert wurden auch die geknoteten Tücher, die Gürtel, die Handschuhe und die Vollzähligkeit der Soldaten. Dann ging es los. Wir waren relativ schnell in Hamburg, brauchten aber lange, bis wir wieder draußen waren. Die Reisezeit demonstrierte sehr anschaulich, wie groß Deutschland ist - und Hamburg. Als wir in Flensburg ankamen, hatte man dort gerade auf Regen umgeschaltet. Die Karabiner wurden eingelagert und die Stuben bezogen. Dann noch ein kurzes Antreten, Infos und Feierabend. Während ich auf der Treppe zur Förde auf den Sonnenuntergang wartete, liefen Offiziersanwärter mit riesigen Pizzaschachteln an mir vorbei. Es duftete. Nach zwei Stunden waren die Schachteln leer und wurden (vermutlich) fachgerecht entsorgt.

Wachbataillon 4. Kompanie Marineschule Mürwik Flensburg
4. Kompanie des Wachbataillons zur Vereidigung der Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg - Der Spieß (vorne links) verteilt die Stubenschlüssel.
Am nächsten Tag sollte die Vorübung für die Vereidigung stattfinden. "Leben in der Lage" heißt in Flensburg, dass sich die geplanten Zeiten dem Wetter anpassen und entsprechend unbeständig sind. So einigten wir uns darauf, immer nur den nächsten Termin anzupeilen und den Rest der einzig verlässlichen Konstante zu unterwerfen: der Lageänderung.

Wachbataillon 4. Kompanie Marineschule Mürwik Flensburg
4. Kompanie des Wachbataillons zur Vereidigung der Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg - Das Wachbataillon ist pünktlich und wartet auf den Start der Vorübung zur Vereidigung. Man beachte das detail im Hintergrund (Mitte).
Während das Wachbataillon bereits "Gewehr bei Fuß" auf dem Rasen vor dem "Roten Schloss am Meer" stand, machten die Offiziersanwärter auf der Treppe ihr gestelltes Gruppenfoto. Die 4. Kompanie hatte den Vormittag schon mit Standardübungen wie Ehrenposten und Bewegungsabläufen der Ehrenformation verbracht. Auch der Gruß des Admirals war geübt worden.

Wachbataillon 4. Kompanie Marineschule Mürwik Flensburg
4. Kompanie des Wachbataillons zur Vereidigung der Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg - Weiterbildung während der langen Busfahrt
Interessant übrigens, dass die Soldaten so trainiert werden, dass sie nur auf die Befehle reagieren, die im Wortlaut korrekt sind und in der passenden Reihenfolge gesprochen werden. Wenn der Kommandierende im falschen Moment "das Gewehr" sagt oder im anderen Moment den Artikel weglässt, kann es sein, dass die Soldaten einfach in ihrer bisherigen Haltung einfrieren. Besonders peinlich ist das beim Grüßen. Wenn die Soldaten das Gewehr nicht abgesetzt haben oder breitbeinig im "Rührt euch!" stehen, grüßen sie nicht zurück. Das Gewehr muss abgestellt und die Beine im "Stillgestanden" positioniert sein. Erst dann erschallt das "Tag Herr Admiral" gegen die nächstgelegene Häuserwand.

Wachbataillon 4. Kompanie Marineschule Mürwik Flensburg
4. Kompanie des Wachbataillons zur Vereidigung der Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg - Das Wachbataillon übt Griffe und Grüße.
Als Oberleutnant zur See kannte sich mein Pressebegleiter bestens an der Marineschule Mürwik aus. Er zeigte mir die im Haus verteilten Sammlerstücke und kannte sämtliche Abkürzungen durch das Gebäude. Es müssen dennoch viele Kilometer gewesen sein, die wir in den drei Tagen zu Fuß zurückgelegt haben. Im umliegenden Park konnten wir Hasen und Rehe beobachten, sahen die Waffenkammer, den Sportplatz und den nachgebauten Hauptmast der Gorch Fock. Unterwegs trafen wir den Presseoffizier der Marineschule, dessen Name den Namen seines Chefs enthielt. Flottillenadmiral Abry und sein Presseoffizier, Fregattenkapitän Gabrys. Ein Flottillenadmiral ist vergleichbar mit einem Brigadegeneral (ein Stern) und ein Fregattenkapitän mit einem Oberstleutnant. Es dauerte etwa drei Tage und einige Fettnäpfchen, bis ich die Dienstgrade ab Bootsmann drauf hatte. Bootsmänner sind vergleichbar mit Feldwebeln.

Wachbataillon 4. Kompanie Marineschule Mürwik Flensburg
4. Kompanie des Wachbataillons zur Vereidigung der Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg - Einweisung und Training der Fahnenabordnung der Marineschule Mürwik
Apropos Bootsmänner: Die Professionalität und die didaktische Kompetenz der Bootsmänner war beeindruckend. Fehler wurden freundlich aber bestimmt korrigiert. Von einer Sekunde auf die andere konnten sie von moderater Erklärstimme auf laute Befehlsstimme umschalten. Geübt wurde so lange, bis die Abläufe sauber funktionierten. So wurde die Fahnenabordnung der Marineschule von drei Bootsmännern des Wachbataillons eingewiesen und trainiert. Immerhin sollte das am Folgetag reibungslos klappen. Dafür gingen bei der Vereidigung andere Dinge schief, die aber nicht im Verantwortungsbereich des Wachbataillons lagen.

Die Vorübung war begleitet von einem stetigen Wechsel des Wetters: pralle Sonne und Starkregen. Es brauchte zwei Durchläufe, bis alle in etwa wussten, was sie wann zu tun oder zu lassen hatten. Es wurden zudem schwarze Schnüre gespannt, um die Stellplätze der einzelnen Züge zu markieren. Gelbe Quadrate setzten die Stoppmarken für die Zugführer. Auch die Fahnenabordnung bekam ihre persönliche Markierung.

Wachbataillon 4. Kompanie Marineschule Mürwik Flensburg
4. Kompanie des Wachbataillons zur Vereidigung der Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg - Das "Rote Schloss am Meer" reflektiert den Sonnenuntergang am Abend vor dem Gelöbnis.
Für den Abend hatte sich die Marineschule ein Betreuungsprogramm für das Wachbataillon ausgedacht: Burger und Förde-Rundfahrt. Letztere wäre beinahe ins Wasser gefallen - wegen des Windes. Für den nächsten Tag war wieder 6:55 Uhr zum Antreten im Vorraum befohlen. Die Soldaten wurden namentlich auf Vollzähligkeit geprüft und dann in den Tagesablauf eingewiesen. Es war davon auszugehen, dass die Vereidigung zum festgesetzten Zeitpunkt starten werde. Vor dem Haus wurde noch einmal angetreten und eine Rasurkontrolle durchgeführt. Dann ging es zum Frühstück und anschließend in die Waffenkammer. Dort waren die Karabiner 98k eingelagert. Jeder dieser Karabiner hat unter dem Visierschieber eine Nummer. Diese ist einem bestimmten Soldaten zugewiesen. Der Soldat hat dafür auch eine Waffenkarte. Aus organisatorischen Gründen werden die Waffen erst nach dem Verlassen der Kammer untereinander getauscht. Diese Aktion könnte man auf die Gestaltung eines Kennenlernabends bei mehrtägigen Seminaren adaptieren.

Wachbataillon 4. Kompanie Marineschule Mürwik Flensburg
4. Kompanie des Wachbataillons zur Vereidigung der Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg - Warten auf die weiteren Beteiligten an der Ehrenformation
Das Wachbataillon setzte sich besonders sportliche Zeitmarken für ihr pünktliches Erscheinen. Das Heeresmusikkorps aus Hannover war in dieser Hinsicht deutlich entspannter. Dieses reiste erst am Morgen an. Zwischen Waffenempfang und Antreten am Sammelpunkt nur eine Stunde Zeit. In dieser Stunde wurden die Stiefel nachgeputzt, die Hemden gebügelt und die Nelson-Knoten zurechtgerückt. Anschließend wurden alle diese Elemente noch einmal von den Ausbildern geprüft und nachgebessert. Uhren oder Zimmerschlüssel wurden in einen zentralen Rucksack geworfen. Ausbuchtungen in den Hosen sind ein No Go. Armbanduhren können beim ständigen Greifen des Karabiners stören oder für Ermüdungserscheinungen beim langen Stehen sorgen. Fällt deswegen ein Karabiner auf den Boden, gibt es die Note 5 für den gesamten Einsatz.

Soweit es das Wachbataillon und dessen trainierte Fahnenabordnung betraf, klappte alles sehr gut bei der Vereidigung. Es war nur nicht so laut, wie im Bundeskanzleramt oder anderen Einsatzorten in Berlin. Die genagelten Stiefel stapften über den Rasen und beim "Gewehr ab" wurde der Karabiner kaum hörbar in das feuchte Gras gerammt.

Wachbataillon 4. Kompanie Marineschule Mürwik Flensburg
4. Kompanie des Wachbataillons zur Vereidigung der Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg - Das ist der Beweis: Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee mit "Burgern in Uniform".
Wie üblich waren viele zivile Zuschauer erschienen. Über das Tourismusbüro hatte man sich wohl Karten für die Vereidigung besorgen können. Entsprechend überlaufen war nach dem Event der Essenssaal. Dort hätte das Wachbataillon gemäß Plan noch ein Süppchen zur Stärkung für die Rückfahrt zu sich nehmen sollen.

Wie schon Sun Tsu sagte, ist Flexibilität eine militärische Tugend. Diese äußerte sich darin, dass die Soldaten ihre Waffen in den Bus packten, Flecktarn anzogen und auf den nächsten Rasthof an der Autobahn hofften. Diese Hoffnung wurde nach Ausreizung der Lenkzeit des Fahrers tatsächlich erfüllt. 45 Minuten hatten die Bürger in Uniform Zeit, Burger und Pommes zu verspeisen. Danach ging es weiter zur Julius-Leber-Kaserne in Berlin-Tegel. Gegen halb neun waren die Waffen, die Truppenfahne und das Gepäck ausgeräumt. Die "Klassenfahrt" war zu Ende. Die Note für den Einsatz: Eins minus.

Videos:
3 Tage mit der 4. Kompanie des Wachbataillons an der Marineschule Mürwik in Flensburg
Vorübung zur Vereidigung an der Marineschule Mürwik

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 9. August 2019

Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt

Die Marineschule Mürwik in Flensburg gilt als eine der schönsten Liegenschaften der Bundeswehr. Sie wurde sogar kurzzeitig als Austragungsort des Großen Zapfenstreiches für Ursula von der Leyen diskutiert. Dass sie öfter für Große Zapfenstreiche genutzt wird, belegen die Berichte des Wachbataillons und die Wachsflecken auf den Stufen zur Hafenanlage. Bezüglich Bausubstanz und Zustand könnte als ziviler Vergleich das Schloss Neuschwanstein herhalten.

Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt
Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt - Fahnenabordnung und Gelöbnisabordnung kurz vor der Vereidigung
Das "Rote Schloss am Meer" wurde 1910 durch Kaiser Wilhelm II. eingeweiht und erlebte epochale Wandel. Bereits bei der Anfahrt zuckten die etwa 40 Soldaten des Wachbataillons zusammen, als ihnen noch einmal nahegelegt wurde, unbedingt auf den korrekten Sitz von Knöpfen, Hosen und sonstigen Uniformteilen zu achten. Man würde gerne auf die zu erwartenden stundenlangen Rechtfertigungen auf den Gängen der Schule verzichten.

Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt
Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt - Rotes Schloss am Meer
Wie straff die Kleiderordnung gehandhabt wird, erlebten wir aus unmittelbarer Nähe. Ein Fregattenkapitän bekam nämlich "eins auf die Mütze", weil der weiße Teil seiner Kapitänsmütze nicht straff genug aufgespannt war - ähnlich einer Kochmütze. Bei den anderen Offizieren war das weiße Oberteil - hier gibt es sicher einen Fachbegriff - so straff gespannt, dass jeden Moment ein Plopp mit anschließendem Abflug zu erwarten war. Die Legende erzählt, dass auch im Essenssaal harte Regeln bestanden hatten. So durften die Studenten erst dann aufstehen, wenn auch der Admiral aufgestanden war. Bei zeitversetztem Essen etwas praxisfremd. Das scheint inzwischen etwas entspannter zu sein. Auch außerhalb der Bundeswehr gibt es Personen, die solche harten Vorschriften mögen: zum Beispiel meine Frau.

Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt
Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt - Vorübung am Donnerstag in Flecktarn
Heute wurde die Crew VII/2019 vereidigt. Crew ist hier als Studienjahrgang zu verstehen. Anhand stilbrechender Mützen in der Gelöbnisaufstellung war zu erkennen, dass auch Franzosen, Polen, Afrikaner und weitere Nationalitäten an der Marineschule Mürwik studieren. Es war sogar ein Heeresoffizier mit Schirmmütze erschienen. Graue Schirmmützen müssen inzwischen selbst gekauft werden, da das Heer das Barett zum Standard erklärt hat. Der Träger meinte jedoch, dass Schirmmützen "wieder im Kommen" seien.

Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt
Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt - Schirmmütze des Heeres vor gestelltem Gruppenfoto mit Offiziersanwärtern der Crew VII/2019
Für die Vereidigung war die 4. Kompanie des Wachbataillons angereist. Es ist zwar unüblich, dass das Wachbataillon bei Gelöbnissen einer Teilstreitkraft auftritt, aber auf Nachfrage lässt sich das gelegentlich einrichten. Immerhin ist die kleine 4. Kompanie die Marinekompanie im Wachbataillon. Besser gesagt, sind die Soldaten dieser Kompanie Marineinfanteristen. Das ist ein wichtiges Detail, denn die "echten" Marinesoldaten reißen ihre Witze über die Marineinfanterie. Diese ist nämlich vorrangig für Sicherungsaufgaben an Land, also im Hafen, am Strand oder in Küstennähe mit Schnellbooten eingesetzt. Viele von ihnen haben in ihrer Dienstzeit noch nicht eine Seemeile zurückgelegt. Dafür aber viele Kilometer im Bus.

Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt
Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt - Rasurkontrolle und letzte Korrekturen an der Kleidung der 4. Kompanie des Wachbataillons
Die Vereidigung lief wie üblich ab: Einmarsch der Offiziersanwärter, Einmarsch der Truppenfahnen mit Ehrenformation, dazu Musik vom Heeresmusikkorps Hannover. Wegen der atemberaubenden Kulisse fiel es gar nicht so sehr auf, dass die Hannoveraner in Heeresuniform über den Rasen marschierten und damit den Stil der Gesamtformation brachen. Hinter der Truppenfahne des Wachbataillons wurde die Truppenfahne der Marineschule Mürwik getragen und dahinter folgte die Truppenfahne einer polnischen Partnerschule. Auch das stellte einen gewissen Stilbruch dar, weil Fahnenträger aus anderen Ländern ihre eigenen Bewegungen und Fahnenhaltungen haben. Optisch erinnerte es an die demokratischen Aufbrüche in Polen zur Zeit der Solidarność.

Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt
Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt - Flottillenadmiral Abry vor der Marineschule Mürwik
Die Rede des Leiters der Schule, Flottillenadmiral Abry, war eine überzeugende PR für die Schule. Er zeigte sich begeistert von der eigenen Bildungseinrichtung und motivierte die Soldaten, sich mit Tradition und Moderne zu beschäftigen. Danach hielt der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landesverfassungsgerichts, Bernhard Flor, seine Rede. Zunächst erklärte er ausführlich mehrere Artikel des Grundgesetzes. Auch lernten die Zuhörer, dass die Bundeswehr deshalb eine Parlamentsarmee sei, weil das Parlament über deren Bezahlung entscheide. Neu war auch der Wunsch, den er am Ende gegenüber den zukünftigen Marineoffizieren aussprach: "Ich wünsche Ihnen die sprichwörtliche Handbreit Wasser unter dem Wasser!"

Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt
Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt - Welcher Dienstgrad ist das? Bestimmung der Dienstgrade ist erlernbar in drei Tagen: Das Foto zeigt einen Fregattenkapitän alias Kap'tän alias Oberstleutnant. Die Streifen sind entscheidend. Der Stern hat für die Bestimmung des Dienstgrades keine Bedeutung..
Da es sich um Offiziersanwärter und nicht um Rekruten handelte, wurde geschworen und nicht gelobt. Deshalb war das auch kein Gelöbnis, sondern eine Vereidigung. Wie wichtig die Verwendung der korrekten Begriffe ist, kann der Besucher der Marineschule in einem Selbsttest erfahren, wenn er durch die Gänge wandelt, anerkennend nickend auf die vielen Exponate an der Wand zeigt und zu einem der Herren mit gut gespannter Offiziersmütze sagt: "Das sind aber große Paddel hier."

Videos:
Vereidigung der Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg
Vorübung zur Vereidigung der Crew VII/2019 an der Marineschule Mürwik in Flensburg

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 25. Juli 2019

Annegret Kramp-Karrenbauer besucht das Einsatzführungskommando in Schwielowsee

Das Plastikschild mit der Aufschrift "PRESSE" verschmolz heute mit den Konturen des Armaturenbretts. Schon um halb zehn war es unangenehm heiß. "Brauchen Sie Sonnencreme?", wurden die reichlich erschienenen Pressevertreter gefragt. Eine Kiste mit kleinen Sonnencremetuben stand bereit. Wer verneinte, hörte: "Sie brauchen Sonnencreme!"

Im Juni vor zwei Jahren hatte Frank-Walter Steinmeier im Einsatzführungskommando seinen Antrittsbesuch bei der Bundeswehr absolviert. Damals war es ähnlich heiß, aber nur etwa fünf externe Pressevertreter vor Ort. Er war mit dem Auto angereist. Annegret Kramp-Karrenbauer wurde heute mit dem Hubschrauber erwartet.

Annegret Kramp-Karrenbauer #AKK besucht das Einsatzführungskommando in Schwielowsee
Annegret Kramp-Karrenbauer #AKK besucht das Einsatzführungskommando in Schwielowsee - Generalleutnant Erich Pfeffer zeigt der Ministerin den "Ehrenhain Kunduz, Afghanistan".
Kurz nach elf waren die Rotorblätter des "Cougars" der Flugbereitschaft zu hören. Es war derselbe Hubschrauber, der uns Anfang des Jahres in den Himmel über Wunstorf gehoben hatte. In jener Gegend war die frisch gebackene Ministerin gestern. Sie hat ein straffes Pensum: Dienstag vor einer Woche die Entscheidung, Verteidigungsministerin zu werden. Am Mittwoch die Amtseinführung mit militärischen Ehren. Am Samstag die erste rede beim Gelöbnis zum 20. Juli und gestern die Vereidigung im Bundestag. Unmittelbar nach der Vereidigung mit Learjet nach Celle, dort gelernt, wie Unteroffiziere und Feldwebel an Gewehren und Pistolen ausgebildet werden. Heute Einsatzführungskommando.

Annegret Kramp-Karrenbauer #AKK besucht das Einsatzführungskommando in Schwielowsee
Annegret Kramp-Karrenbauer #AKK besucht das Einsatzführungskommando in Schwielowsee - Oberstleutnant in Flecktarn mit dem Abzeichen des Einsatzführungskommandos: Adler auf goldenem Grund mit Eisernem Kreuz als Zeichen der Verbundenheit des Landes Brandenburg mit der Bundeswehr
Auf dem Landeplatz wurde sie von Generalleutnant (3 Sterne) Erich Pfeffer begrüßt. Erich Pfeffer trägt normalerweise eine Gebirgsjägermütze. Diese hatte er abgesetzt und hielt sie fest in der Hand - wegen der extremen Saugkraft der Rotorblätter. Die erste Begegnung war sehr ungezwungen und freundlich. Die Ministerin verschwand dann sehr schnell in ihre schwarzen Limousine und wurde zum Kommandogebäude gebracht. Während sie sich ohne Presse über die aktuelle Lage in den Einsatzgebieten informierte, bekamen wir eine Einweisung in die Operationszentrale.

Das Gespräch über die Lagebilder dauerte deutlich länger als geplant. Annegret Kramp-Karrenbauer setzte Prioritäten und nahm sich die Zeit für die Inhalte ihrer neuen Arbeit. Die Presse konnte warten. Nachdem sie durch die Panzertür zur Operationszentrale getreten war, bekam auch sie eine kurze Einweisung in die Besonderheiten dieses wichtigen Ortes. Sie und General Pfeffer fühlten sich dadurch sichtlich gelangweilt. Das änderte sich, als die Liveschaltung zu den drei Einsatzorten Gao (MINUSMA in Mali), Erbil (Counter Daesh im Irak) und Mazar-e-Sharif (Resolute Support in Afghanistan) hergestellt war. Die Ministerin stellte Fragen zur aktuellen Lage, zur Ausrüstungssituation, zur Einsatzdauer und dem Ausbildungsstand. Immer wieder machte sie Notizen. In den nächsten Wochen wird sie verschiedene Einsatzgebiete bereisen.

Annegret Kramp-Karrenbauer #AKK besucht das Einsatzführungskommando in Schwielowsee
Annegret Kramp-Karrenbauer #AKK besucht das Einsatzführungskommando in Schwielowsee - Kranzniederlegung am "Ort der Stille"
Es folgten der obligatorische Gästebucheintrag, ein Gespräch mit Soldaten und ein Pressestatement. Bei Letzterem durften diesmal auch Fragen gestellt werden. Anschließend ging es in den benachbarten Wald der Erinnerung. Interessiert schaute sich AKK die Gedenksteine mit den Namen der im Einsatz gestorbenen Soldaten an. Das Areal ist so angelegt, dass der Besucher durch die Namensstelen hindurch direkt auf den "Ort der Stille" zukommt. Dort ist ein riesiges Eisernes Kreuz befestigt - das Symbol der Bundeswehr. Hier legte Annegret Kramp-Karrenbauer einen Kranz nieder. Begleitet wurde das durch ein Trompetenstück: "Ich hatt' einen Kameraden".

Das Zuhören und das Interesse an den Themen der Bundeswehr sorgten dafür, dass die Ministerin kaum auf die Presse achtete. Wer gestellte Fotos für die Titelseite einer Zeitung brauchte, ging heute leer aus. Egal, wichtiger ist die Arbeit, die sie zu tun hat. Und davon wartet reichlich auf sie.

Videos:
Besuch von Annegret Kramp-Karrenbauer im Einsatzführungskommando
Pressestatement im Einsatzführungskommando
Liveschaltung in drei Einsatzgebiete der Bundeswehr

Autor: Matthias Baumann

Samstag, 20. Juli 2019

20. Juli 2019 und das Gelöbnis im Bendlerblock

Der 20. Juli entwickelt sich zu einem Tag der multiplen Bedeutungen: Am 20. Juli 1944 scheiterte der Anschlag auf Hitler und Stauffenberg wurde noch in derselben Nacht erschossen. Das war vor genau 75 Jahren. Am 20. Juli 1969 gelang die erste Mondlandung, der bis heute nachgesagt wird, sie sei in Hollywood gedreht worden. Das war vor genau 50 Jahren. Am 20. Juli 1967 starb Heinrich Steinbeck. Er war der Komponist des Regimentsgrußes, der regelmäßig beim Ausmarsch der Ehrenformation nach militärischen Ehren gespielt wird. Das Fatale daran ist allerdings, dass das vor genau 52 Jahren war. Damit können noch 18 Jahre lang Urheberrechte für ein Stück geltend gemacht werden, dessen Anlässe und Interpreten bereits über unsere Steuern finanziert sind.

20. Juli 2019 Gelöbnis Bendlerblock AKK Kramp-Karrenbauer Bundeskanzlerin Angela Merkel
20. Juli 2019 Gelöbnis Bendlerblock - Bundeskanzlerin Angela Merkel und die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im Gespräch mit der Rekrutenabordnung; im Hintergrund links Generalinspekteur Eberhard Zorn und rechts hinter der Kanzlerin der Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Kai Beinke
Der 20. Juli 2019 stand ganz im Zeichen der neuen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Der Presseandrang war ungewohnt hoch und die Redakteure lauerten auf den nächsten Fauxpas der neuen Ministerin aus dem Saarland. Aber weder die Kanzlerin zitterte, noch lieferte Annegret Kramp-Karrenbauer Anlass zum Spott.

Ganz im Gegenteil: Angela Merkel und AKK nahmen sich viel Zeit für den direkten Kontakt mit den Rekruten an der Truppenfahne. Sie stellten Fragen und hörten interessiert zu. Die herzliche, aber bestimmte Körperhaltung sowie der feste Blick der neuen Ministerin lassen erwarten, dass sie das Amt mit Gewissenhaftigkeit und Energie ausfüllen wird.

20. Juli 2019 Gelöbnis Bendlerblock AKK Kramp-Karrenbauer Bundeskanzlerin Angela Merkel
20. Juli 2019 Gelöbnis Bendlerblock - Die Alten und die Neuen: Im Vordergrund Soldaten der 5. Kompanie des Wachbataillons und im Hintergrund Rekruten des Wachbataillons
Die Kanzlerin und auch Annegret Kramp-Karrenbauer würdigten in ihren Reden die Bürger in Uniform und insbesondere die Soldaten in den Auslandseinsätzen. Thema war auch das gescheiterte Attentat auf Hitler vor 75 Jahren und die Pflicht des Nachdenkens statt des blinden Gehorsams.

Die heute stellvertretend zum Gelöbnis erschienenen Soldaten kommen aus folgenden Einheiten: Panzergrenadierbataillon 212 aus Augustdorf, Wachbataillon aus Berlin, Logistikbataillon 171 aus Burg, Informationstechnikbataillon 281 aus Gerolstein, Sanitätsregiment 1 aus Weißenfels, Marineunteroffizierschule aus Plön und Luftwaffenausbildungsbataillon aus Roth.

Videos:
Gelöbnis zum 20. Juli 2019 im Bendlerblock
Rede der neuen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 17. Juli 2019

AKK ersetzt UvdL als Verteidigungsministerin

Gelächter schallte über den Parkplatz des Verteidigungsministeriums (BMVg). Ein Kameramann hatte gerade den Witz "AKK47" gerissen, der eine Kombination aus der Abkürzung AKK für Annegret Kramp-Karrenbauer und dem russischen Sturmgewehr AK47 (Kalaschnikow) ist. Während AKK im Saarland eine geschätzte Persönlichkeit war, macht sie sich in der Hauptstadt ständig zum Gespött der Medien. Wird über AKK berichtet, dann über eine linkische Reaktion auf die YouTube-Szene oder einen peinlichen Versprecher im Kreise von CDU-Freunden.

Beim Pressestatement nach ihrem heutigen Amtsantritt waren keine Fragen zugelassen. Das liegt zwar in der Natur eines Statements, war aber für die reichlich anwesende Presse wenig befriedigend. So wird sie wohl nicht nur an den Fronten in Mali, Afghanistan und anderen Auslandseinsätzen kämpfen müssen, sondern einen erheblichen Gegenwind von der Presse bekommen. Sie wäre nicht die erste Spitzenpolitikerin, die mit der Presse steht und fällt. Macron wurde durch die Presse zum Präsidenten "gemacht", Martin Schulz wurde durch die Presse hochgejubelt und Martin Schulz wurde durch die Presse "wie eine Tontaube" abgeschossen.

AKK Kramp-Karrenbauer neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Bendlerblock militärische Ehren
#AKK Annegret Kramp-Karrenbauer wird neue Verteidigungsministerin. Mit Ursula von der Leyen steht sie auf dem roten Podest im Bendlerblock und bekommt zum Amtsantritt die vorgesehenen militärische Ehren.


Die Entscheidung, Annegret Kramp-Karrenbauer zur Nachfolgerin Ursula von der Leyens zu machen, muss wohl sehr kurzfristig gefallen sein. Vermutlich gestern kurz vor halb eins. Das Wachbataillon stand nämlich im Ehrenhof des Kanzleramtes und wartete auf das Erscheinen von Angela Merkel. Sie sollte ein Geburtstagskind aus dem Musikkorps der Bundeswehr beglückwünschen. Zuvor hatte der betreffende Musiker noch Fotos mit Instrument und Luftballon aufgenommen und freute sich auf das Händeschütteln mit der Kanzlerin. Die Kanzlerin erschien jedoch nur wenige Sekunden vor dem Eintreffen der Ministerpräsidentin von Moldawien. Sie hatte im Büro bis Ultimo mit AKK geredet.

Die Saarländerin hatte wohl auch im BMVg niemand als Nachfolgerin auf dem Radar. Ein Wunschkandidat wäre Peter Tauber gewesen. Immerhin ist er Hauptmann der Reserve. Insgesamt bleibt bei diesem spontanen und intransparenten Personalkarussell ein gewisser Beigeschmack. Wer entscheidet? Nach welchem Schema laufen die Entscheidungsprozesse?

AKK muss zeigen, was sie als ehemalige Innenministerin des Saarlandes über Sicherheitspolitik gelernt hat. Sie muss Erfolge bei der Ausrüstung der Bundeswehr vorweisen und dem Bundestag die 2% des Bruttoinlandsproduktes für den Verteidigungshaushalt aus den Rippen leiern. Wenigstens hat sie Peter Tauber und Thomas Silberhorn als Parlamentarische Staatssekretäre bestätigt. Zudem hat sie einen regionalen Bezug zum Generalinspekteur. Eberhard Zorn stammt nämlich auch aus dem Saarland. Die frankophile AKK könnte einen wichtigen Beitrag zum Aufbau gemeinsamer europäischer Streitkräfte leisten. Vielleicht war das der finale Punkt zur Entscheidung.

Der nächste wichtige Schritt für die neue Ministerin ist wohl, die Truppe für sich zu gewinnen.

Video:
Militärische Ehren zum Amtsantritt von Annegret Kramp-Karrenbauer #AKK

Autor: Matthias Baumann

Montag, 15. Juli 2019

Israels Luftwaffe zu Gast in Berlin

Seit 1948 hat sich Israel gegen personell weit überlegene Nachbarn zu verteidigen. Wer der eigenen Hybris oder dem allgemeinen Hass auf alles Jüdische folgte und sich mit dem winzigen Staat anlegte, zahlte in der Regel einen hohen Preis: Am Boden zerstörte Luftwaffen, umfangreiche Gebietsverluste oder festsitzende Flüchtlinge. Besonders hart hatte es die Palästinenser getroffen, die eigentlich nur mal kurz die Fläche räumen wollten, bis Israel "ins Meer getrieben" sein würde.

Inzwischen ist Israel ein wichtiger Berater in Sicherheitsfragen für die westliche Welt. Es stellt die berühmte Handfeuerwaffe UZI und allseits begehrte Drohnen her. Fallschirmjäger werden in der Nahkampftechnik Krav Maga ausgebildet und regelmäßig fliegen Expertenteams zwischen Israel und Deutschland hin und her. Der aktuelle israelische Botschafter hat eine Vergangenheit als Sicherheitsexperte.

Israeli Air Force Amikam Norkin Berlin Inspekteur Luftwaffe Generalleutnant Ingo Gerhartz
Kommandeur der Israeli Air Force (IAF), Generalmajor Amikam Norkin, besucht in Berlin den Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz.
Heute trafen sich der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, und sein israelischer Kollege - pardon Kamerad - Generalmajor Amikam Norkin in Berlin. Das war eine der seltenen Gelegenheiten, militärische Ehren mit einer sortenreinen Luftwaffen-Kompanie mitzuerleben.

Die israelische Luftwaffe ist legendär und im Nahen Osten zu Recht gefürchtet. Mit 322 Kampfflugzeugen ist Israel nach Ägypten (375) und Saudi Arabien (333) die stärkste Luftmacht in der Region. Dabei handelt es sich vorrangig um F15 und F16. Mit seinen 490 Kampfpanzern rangiert es auf Platz 6 und mit seiner Mannschaftsstärke von 169.500 auf Platz 5. Die technologische Überlegenheit kompensiert das jedoch problemlos. Israel hat seine Anstrengungen auf dem Cyber-Sektor seit 2012 stark erhöht und führt auch Lagebereinigungen in der 5. Dimension - dem Cyber-Informationsraum - durch.

Hinzu kommt, dass jeder Israeli Wehrdienst leisten muss: Frauen 24 Monate, Männer 32 Monate und Offiziere entsprechend länger. Bei 8,5 Millionen Einwohnern gibt es 465.000 Reservisten. Die Altersgrenze beträgt dort 40 Jahre. Für Spezialisten gilt eine Altersgrenze von 54 Jahren. Der heutige Gast, Amikam Norkin, ist 52 Jahre alt.

Video:
Militärische Ehren für den Kommandeur der israelischen Luftwaffe, Amikam Norkin

Autor: Matthias Baumann

Samstag, 13. Juli 2019

Tag der offenen Tür 2019 in der Julius-Leber-Kaserne

Julius Leber wurde im Januar 1945 in Plötzensee hingerichtet. Plötzensee befindet sich in der Nachbarschaft der heutigen Julius-Leber-Kaserne. Als sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter war er schon in den ersten Tagen der nationalsozialistischen Herrschaft inhaftiert worden und verbrachte einige Jahre in Gefängnissen und Konzentrationslagern. 1937 kam er frei und tauchte in Berlin unter. Er nahm Kontakt zu Claus Graf Schenk von Stauffenberg auf und sollte nach einem gelungenen Attentat neuer Innenminister werden. Julius Leber wurde jedoch bereits am 5. Juli 1944 verhaftet - also zwei Wochen vor dem Stauffenberg-Attentat. Er wurde zur Veranstaltung eines Schauprozesses benutzt. Im Januar 1945 wurde sein Todesurteil vollstreckt.

Tag der offenen Tür 2019 Julius-Leber-Kaserne Wachbataillon
Tag der offenen Tür 2019 in der Julius-Leber-Kaserne - Flagge des Wachbataillons
Die Julius-Leber-Kaserne wurde einst von den französischen Alliierten genutzt und hieß bis Ende der 1980er Jahre "Quartier Napoleon". Das war wohl auch der Grund, warum heute so viele Franzosen durch das Besucherbild des Tages der offenen Tür liefen. Man erkannte sie am anderen Flecktarn. Die Farben sind zwar denen der Bundeswehr ähnlich, aber die grünen und braunen Flächen viel größer. Zudem liefen sie mit Sturmgewehren durch die Gäste. Der Laie hätte bei diesem Anblick Angst bekommen. Es waren aber keine Magazine eingesetzt.

An der dynamischen Vorführung des Heeres nahmen auch Franzosen mit einem Infanteriepanzer VBCI teil. Der Programmpunkt ließ eine Gefechtssimulation mit Knall und Peng erwarten. Es blieb jedoch beim bildstarken Durchpflügen einer großen Wiese auf dem Gelände der Julius-Leber-Kaserne. Sehr zur Freude des Wachbataillons, das nun endlich auf das eigene Grundstück ausweichen kann, falls die Löscharbeiten auf den Truppenübungsplätzen im Umland wieder etwas länger dauern.

Tag der offenen Tür 2019 Julius-Leber-Kaserne Wachbataillon Heer
Tag der offenen Tür 2019 in der Julius-Leber-Kaserne - dynamische Vorführung von Panzern wie Leopard 2, Fennek, VBCI (Véhicule Blindé de Combat d’Infanterie) und Fuchs. Hier im Bild ist ein Transportpanzer Fuchs zu sehen, mit dem auch Rundfahrten mit Besuchern durchgeführt wurden. Auch das Wachbataillon hat Transportpanzer Fuchs im Einsatz.
Die neu in die Kaserne eingezogene GSG9 trat gar nicht in Erscheinung und die Protokoll-Vorführung der Feldjäger fand diesmal auch nicht statt. Die Feldjäger hatten eine statische Fahrzeugpräsentation aufgebaut, die von Kindern und interessierten Erwachsenen berührt und beklettert werden durfte. Besonders praktisch waren die Karrierecenter der Bundeswehr. Sie boten am Nachmittag einen guten Schutz vor Gewitter und Starkregen. Über den zusätzlich gewonnenen Nachwuchs lagen bis Redaktionsschluss keine belastbaren Zahlen vor.

Jedenfalls freute sich Oberstleutnant Kai Beinke, der Kommandeur des Wachbataillons, über die zahlreich erschienenen Gäste. Er war selbst in Flecktarn unterwegs und tauchte mal hier und mal dort auf. Auch das S3-Protokoll des Wachbataillons hatte alle Hände voll zu tun. Am Ende demonstrierte der Drill Sergeant sogar, wie Bundeswehr-Flecktarn bei 100-prozentiger Durchnässung aussieht. Er hatte keine Zuflucht im Karrierecenter gefunden, sondern das Drillteam vorbereitet. Kaum war der letzte Regentropfen gefallen, trat ein Drillteam der 4. Kompanie auf. Die 4. Kompanie des Wachbataillons ist eine Marinekompanie und besteht nur aus etwa 40 Soldaten. Gerade waren sie von einem "Gastspiel" aus Kanada zurückgekehrt und mussten nun im verregneten Deutschland die Karabiner 98 durch die Luft wirbeln.

Tag der offenen Tür 2019 Julius-Leber-Kaserne Platzkonzert
Tag der offenen Tür 2019 in der Julius-Leber-Kaserne - Auf der Bühne am Bärchenplatz wurden mehrere Platzkonzerte veranstaltet. Hier sind französische Musiker zu sehen.
Sehr positiv fiel die Versorgung mit Trinkwasser auf. Überall standen Paletten mit kleinen Wasserpäckchen, wie sie in der Bundeswehr üblich sind: 500 ml in lila mit Babyaufdruck. Das muss also sehr gesund sein. Es gab auch wieder einige Infostände: Militärseelsorge, Reservisten, T-Shirt-Verkäufer und weitere wichtige Einrichtungen. Zusätzlich konnte man sich bei der Tombola aufhalten, Sandkastenspiele mitmachen, Waffen anschauen, ein Feldlager betreten und sich Flyer über einen Einstieg beim Wachbataillon mitnehmen.

Auf der Bühne am Bärchenplatz - wegen der zwei kleinen Bären rechts und links der Freitreppe - fanden die meisten Vorführungen statt. Es gab ein Platzkonzert des Reservisten Musikzugs Schleswig-Holstein, diverse weitere Musikdarbietungen, eine Vorführung des Salutzuges und den bereits genannten Auftritt des Drillteams.

Man konnte sich hier problemlos mehrere Stunden aufhalten und brauchte keine Bedenken zu haben, einen Programmpunkt zu verpassen. Einige der Vorführungen wurden nämlich mehrfach veranstaltet. Bei cleverer Planung konnte man in vier Stunden sämtliche spannende Dinge mitgenommen haben. Vielen Dank für die gute Organisation dieser Veranstaltung!

Videos:
Drillteam des Wachbataillons
Dynamische Vorführung verschiedener Panzer

Autor: Matthias Baumann

Montag, 24. Juni 2019

Bundespräsident besucht die Streitkräftebasis an der LogSBw in Garlstedt

Der Terminkalender des Bundespräsidenten ist straff getaktet. Viele Termine dauern maximal eine Stunde. Dann ist er wieder weg. Dennoch setzt sich Frank-Walter Steinmeier gerne einmal über die protokollarischen Gepflogenheiten hinweg. Bei der Obdachlosenhilfe verquatscht er sich mit den sozial benachteiligten Besuchern, bei Staatsbesuchen ändert er ad hoc die Bildpositionen, bei Botschafter-Akkreditierungen holt er die Ehepartner zum Gruppenfoto vor seine Fahne und für die Streitkräftebasis nimmt er sich sogar vier Stunden Zeit.

Streitkräftebasis #SKB Logistikschule #LogSBw Bundespräsident Steinmeier
Bundespräsident Steinmeier besucht die Streitkräftebasis #SKB an der Logistikschule der Bundeswehr #LogSBw in Garlstedt: "Wir verstehen Zivil!", war ein passender Slogan für die gute Verständigung beim Besuch des Bundespräsidenten an der LogSBw.
Aber nicht genug damit. Heute erschien er fünf Minuten vor Beginn in der Logistikschule Garlstedt. Die Logistikschule der Bundeswehr - kurz LogSBw - ist das Sprungbrett in sämtliche logistische Verwendungen bei der Bundeswehr. Hier werden Fahrlehrer, Medienexperten und Lagerwirtschafter ausgebildet. Ohne Logistik gibt es keine Versorgung und keinen Nachschub an Kugelschreibern, Handgranaten, Drehstühlen, Laptops, Gartengeräten oder Panzern. Ein spannendes Feld, dass der Streitkräftebasis unterstellt ist. Die Streitkräftebasis steht neben den bekannten Teilstreitkräften Heer, Marine und Luftwaffe und bildet zu diesen eine wichtige Schnittmenge.

Streitkräftebasis #SKB Logistikschule #LogSBw Bundespräsident Steinmeier
Bundespräsident Steinmeier besucht die Streitkräftebasis #SKB an der Logistikschule der Bundeswehr #LogSBw in Garlstedt: Bundespräsident im Gespräch mit der Truppe.
Alles, was nicht so eindeutig den drei Teilstreitkräften oder dem Cyber-Informationsraum (CIR) zuzuordnen ist, wird der Streitkräftebasis unterstellt. Dazu gehören die Feldjäger, das Diensthundewesen, das Kommando territoriale Aufgaben und damit das hier oft thematisierte Wachbataillon. Das Wachbataillon und das Protokoll BMVg waren wohl das initiale Appetithäppchen für den Bundespräsidenten. Hat er doch etwa einmal pro Woche damit zu tun. Während er bei seinem Amtsantritt im März 2017 etwas unbeholfen wirkte und die Ehrenformation mit "Tach Soldaten!" grüßte, konnte er sich in den folgenden Monaten gut an die militärische Präsenz im Schloss Bellevue gewöhnen.

Streitkräftebasis #SKB Logistikschule #LogSBw Bundespräsident Steinmeier
Bundespräsident Steinmeier besucht die Streitkräftebasis #SKB an der Logistikschule der Bundeswehr #LogSBw in Garlstedt: Überschneidung der Zuständigkeiten von Bundespolizei, Landespolizei, Bundeskriminalamt und Feldjägern beim Besuch des Bundespräsidenten an der LogSBw in Garlstedt. Die Feldjäger gehören auch zur Streitkräftebasis und werden in Teilbereichen an der LogSBw ausgebildet.
Der Besuch in Garlstedt beweist, wie wichtig der Link zwischen Bundeswehr und Politik ist. Gelingt es dem Protokoll BMVg, die mit militärischen Ehren bedienten Spitzenpolitiker für sich zu gewinnen, hat das äußerst positive Auswirkungen auf die Bundeswehr. Brigadegeneral André Denk, der aktuelle Kommandeur der LogSBw war bis Januar 2019 Leiter des Protokolls und daher ein vertrautes Gesicht für den Bundespräsidenten. Mit der entsprechenden Sprezzatura des Protokolls führte ihn dieser dann auch an die verschiedenen Stationen des vierstündigen Aufenthaltes.

Das Programm konnte sich sehen lassen: Es begann mit militärischen Ehren - diesmal von einem Logistikbataillon mit G36 statt Karabiner 98 durchgeführt. Am Ende der Ehrenformation standen schon drei Regionalpolitiker bereit, die dem Bundespräsidenten in das Kommandeursgebäude folgten. Bei Kaffee und Keksen erkundigte sich Frank-Walter Steinmeier nach dem Zusammenspiel zwischen Bundeswehr und Zivilgesellschaft in dieser Gegend zwischen Bremen und Bremerhaven. Das Gespräch lief sehr ungezwungen.

Streitkräftebasis #SKB Logistikschule #LogSBw Bundespräsident Steinmeier
Bundespräsident Steinmeier besucht die Streitkräftebasis #SKB an der Logistikschule der Bundeswehr #LogSBw in Garlstedt: Erklärungen zum Standort Garlstedt während der Zusammenkunft mit Regionalpolitikern (rechts und links außerhalb des Bildes), (v.l.n.r.) Schulkommandeur Brigadegeneral Denk, stellvertretender Schulkommandeur Oberst Betz, Verbindungsoffizier BMVg/Bundespräsidialamt Oberst Hoppe, Bundespräsident Steinmeier, Inspekteurs der Streitkräftebasis Generalleutnant Martin Schelleis (Schulterklappe).
Nach einer halben Tasse Kaffee gab es einen Szenenwechsel. Die Regionalpolitiker wurden verabschiedet und es ging ins Büro von General Denk. "Da darf ich sogar Fußball spielen", hatte uns sein Sohn kurz zuvor berichtet. "Jetzt darf ich aber nicht, weil dort ein Fernseher steht", fügte er hinzu und avisierte damit die Power-Point-Präsentation des Inspekteurs der Streitkräftebasis (SKB), Generalleutnant Martin Schelleis. Martin Schelleis ist von Hause aus Luftwaffenoffizier und war auch heute wieder in Blau und mit Schirmmütze erschienen. Die Schirmmütze ist bei der Bundeswehr nur noch selten zu sehen und ist weitestgehend dem Barett gewichen.

Streitkräftebasis #SKB Logistikschule #LogSBw Bundespräsident Steinmeier
Bundespräsident Steinmeier besucht die Streitkräftebasis #SKB an der Logistikschule der Bundeswehr #LogSBw in Garlstedt: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Inspekteur der Streitkräftebasis, Generalleutnant Martin Schelleis.
Sommer und ein Ausflug in die Natur laden natürlich zu einem Gang im Freien ein. So ging es relativ schnell weiter zu einer größeren Freifläche mit Wasseraufbereitungsanlagen, Lastkraftwagen, Kränen, Gabelstaplern, Radladern und weiteren Stationen. Feldjäger erklärten, wie die Tataufklärung nach einen Anschlag auf Fahrzeuge im Auslandseinsatz funktioniert und es wurden Diensthunde vorgestellt. Letztere erfreuten sich besonderer präsidialer Aufmerksamkeit. Frank-Walter Steinmeier blieb stehen, stellte sehr viele Fragen, hörte zu und wollte immer wieder auch wissen, wo der Schuh drückt.

Streitkräftebasis #SKB Logistikschule #LogSBw Bundespräsident Steinmeier
Bundespräsident Steinmeier besucht die Streitkräftebasis #SKB an der Logistikschule der Bundeswehr #LogSBw in Garlstedt: Der Bundespräsident nimmt sich Zeit für ausführliche Erklärungen zur Technik und fragt immer wieder, wo der Schuh drückt.
Schnell waren zwei Stunden um und es ging zum Mittagessen. Hier wieder die klassische Situation, dass sich Frank-Walter Steinmeier zwar zur Essensausgabe führen lässt, dann aber selbst entscheidet, wo er sitzt. An diesem Tisch war jedenfalls kein Platz mehr für die begleitenden Generale. Die neben ihm sitzende Frau Major - oder Majorin - oder wie man das momentan politisch korrekt gendert - jedenfalls die Frau neben ihm - wirkte sichtlich aufgeregt. Während sich der Präsident das Bundeswehressen schmecken ließ, versuchte er, ein Gespräch anzukurbeln.

Streitkräftebasis #SKB Logistikschule #LogSBw Bundespräsident Steinmeier
Bundespräsident Steinmeier besucht die Streitkräftebasis #SKB an der Logistikschule der Bundeswehr #LogSBw in Garlstedt: Oberstleutnant Bollinger erklärt die Ausbildung am Logistischen Übungszentrum.
Nach dem Essen ging es in die große Halle des Logistischen Übungszentrums. Eine moderne Schulungseinrichtung, an der sämtliche Fähigkeiten von der mobilen Datenerfassung bis zum Führen gepanzerter Fahrzeuge erlernt werden können. Das hier eingesetzte Lehrpersonal ist international tätig und schult regelmäßig auch vor Ort. Immer wieder konnte Frank-Walter Steinmeier an seinen Truppenbesuch in Afghanistan erinnert werden. Hier sah er Fotos, Gerätschaften und echte Soldaten aus dem Auslandseinsatz. Er schaute sich einen Gefechtsstand mit vielen PCs und Landkarten an, überwand erfolgreich seine Mittagsmüdigkeit und traf sich dann mit verschiedenen Kommandeuren am Stehtisch.

Die letzte Station war eine Unterrichtsstunde in politischer Bildung. Es ging um das Thema "Vielfalt". Um den Tisch saßen viele Oberleutnants - ohne ST und ohne Eichenlaub. Diese hatten sich mithilfe von Unterrichtsmaterial, das das Zentrum Innere Führung entwickelt hatte, dem Thema angenähert. Es kam insbesondere zur Sprache, dass die Bundeswehr medial gerne in die rechte Ecke gestellt werde. Ein besonders mutiger Oberleutnant forderte den Bundespräsidenten mehrfach heraus, über seinen Beitrag zur Imageverbesserung der Bundeswehr zu reden. Hier schließt sich der Kreis: Je besser das Verhältnis der wenigen Schnittstellen zwischen Bundespolitik und Bundeswehr gestaltet ist, umso mehr wird der "Bürger in Uniform" in die Wahrnehmung der Gesellschaft rücken.

Streitkräftebasis #SKB Logistikschule #LogSBw Bundespräsident Steinmeier
Bundespräsident Steinmeier besucht die Streitkräftebasis #SKB an der Logistikschule der Bundeswehr #LogSBw in Garlstedt: Schulkommandeur Brigadegeneral Denk verlinkt die Bundeswehr mit der Bundespolitik.
Nach vier Stunden jedenfalls war Frank-Walter Steinmeier mit vielen guten Eindrücken versorgt. Er hatte sich an seine Erfahrungen in Afghanistan und während des eigenen Grundwehrdienstes erinnern können sowie von der Professionalität und dem Ausrüstungsstand der Truppe ein Bild gemacht. Ach ja, ein Bild wurde zum Schluss auch noch gemacht mit den aktuellen Lehrgangsteilnehmern und dem Bundespräsidenten. Dann rauschten die schwarzen Limos davon.

Video:
Bundespräsident besucht die Streitkräftebasis #SKB an der Logistikschule der Bundeswehr #LogSBw in Garlstedt

Autor: Matthias Baumann