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Mittwoch, 23. September 2026

Arbeitsalltag in der Truppenküche

Der Arbeitstag in der Truppenküche der Hanse-Kaserne Rostock beginnt um 5.30 Uhr. Bis zum Frühstück für die Mitarbeiter des Marine-Kommandos steht für das Küchenteam noch eine prall gefüllte Stunde auf dem Programm. Erste Waren werden geliefert und müssen überprüft und eingelagert werden. Die Kühlräume werden abgegangen und die Temperaturen protokolliert. Salate werden geschnippelt. Brötchen werden aufgebacken. Erste Vorbereitungen für das Mittagessen werden getroffen.


Deutschlandweit gibt es derzeit etwa 270 Truppenküchen und täglich um die 30.000 Essensgäste. Je nach Standort variieren die Öffnungszeiten. Im Gegensatz zu Truppenübungsplatz-Kasernen ist in Kommandobehörden eine Abendversorgung oft nicht nachgefragt. Was gekocht wird, bestimmt das Verpflegungsamt der Bundeswehr. Hier gibt es grundsätzlich vier Linien zum Mittag: Feldkost für eine mögliche Verbringung ins Gelände, Vegetarisches für Vegetarier, Fitnesskost mit kalorienoptimierten Bestandteilen sowie das Highlight-Essen mit einem erhöhten Kalorienrahmen. Zu letzterem zählen das Schnitzel oder der panierte Fisch.

Die Truppenküchen und deren Personal sind dem Bundeswehr Dienstleistungszentrum (BwDLZ) untergeordnet. Es arbeiten nur Zivilisten dort. Ab und zu werden sie durch Feldköche unterstützt, wenn diese ihre vierwöchige Pflichtzeit in der Truppenküche zu absolvieren haben. Fachlich sind die Truppenküchen dem Verpflegungsamt der Bundeswehr unterstellt und haben sich weitestgehend an deren rotierendem 13-Wochen-Plan zu halten. Das heißt, das jede Truppenküche das gleiche Mittagsangebot hat. Dieses kann saisonal oder gemäß der Nutzerstruktur leicht angepasst werden. Eigene Kreationen der Köche sind nur bei beantragten Sonderessen möglich. Die Truppenküchen stellen auch Lunchpakete zusammen. Auch das erfolgt nach den Vorgaben des Verpflegungsamtes.

Die Preisgestaltung ist nicht nur für Bundeswehrangehörige interessant. Auch zivile Besucher ohne aufladbare Verpflegungskarte essen in Truppenküchen zum Selbstkostenpreis. In den Offizierheimgesellschaften sind die Mahlzeiten etwas teurer, dafür aber deutlich größer portioniert als in den Restaurants außerhalb der Kasernen.

Hygiene wird in der Truppenküche großgeschrieben. Nach sämtlichen Arbeiten werden die Gerätschaften und Räume mit Fett- und Eiweißlöser behandelt und desinfiziert. Das betrifft auch Wände und Türen. Gearbeitet wird mit Handschuhen und Kappen für die Haare. Zudem werden umfangreiche Lebensmittelproben genommen und für sieben Tage aufbewahrt, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten und bei eventuellen Magenverstimmungen die Proben analysieren zu können.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 21. September 2026

Range Control und die Schießsicherheit auf Truppenübungsplätzen

Wenn das Fahrzeug mit der Aufschrift „Range Control“ erscheint, zuckt die übende Truppe zusammen und schaut sich erst einmal um, ob sie irgendetwas falsch gemacht habe und möglicherweise das Schießvorhaben gestoppt werde.


Dabei sind die Soldaten der Truppenübungsplatzkommandantur darauf bedacht, der Truppe einen möglichst hohen Trainingserfolg bei gleichzeitig hohem Sicherheitsstandard zu gewährleisten. Weil auch ausländische Streitkräfte gerne die deutschen Kapazitäten nutzen, beginnen die Planungen oft schon bis zu drei Jahren im Voraus. Wenige Wochen vor der eigentlichen Übung werden die Pläne präzisiert. Hier muss Einiges beachtet werden: Mit welchen Waffen wird geschossen? Welche Bewegungsabläufe sollen geübt werden? Auf welche Entfernung wirkt die Munition? Welche Munition wird eingesetzt? Anhand der Antworten können mit verschiedenen Schablonen die möglichen Bereiche auf der Karte ermittelt werden. Dabei kommt es vor, dass sich mehrere Schießbahnen dasselbe Zielgebiet teilen. Am Tag der Übung gleicht die Schießsicherheit die vorhandene Munition mit der angemeldeten Munition ab.

Die Schießbahnen werden erst freigegeben, wenn sich niemand mehr im Gefahrenbereich befindet. Das können eigene Wartungsteams oder die Bundeswehr-Feuerwehr sein. In der Leitstelle der Kommandantur laufen dazu alle Fäden zusammen. Die Truppe muss sich mit Code-Worten legitimieren und besondere Vorhaben anzeigen. Auch kurzfristige Änderungen sind möglich, wenn sie eng mit dem Range Control abgestimmt und durch diesen genehmigt wurden.

Besonders sensibel ist das Thema Feuer: Durch intensiven Beschuss oder bei Trockenheit kann die Heide schnell mal Feuer fangen, das sich je nach Wind und Lage in benachbarte Wälder ausbreiten kann. Hier stoppen die Range Controler je nach Situation das Schießen und prüfen die Möglichkeit zur Brandbekämpfung. Feuerwehren dürfen erst eingesetzt werden, wenn die Kameraden der Schießsicherheit grünes Licht für die Befahrbarkeit der Wege gegeben hat. Ist das Gebiet zu stark durch Munition und Blindgänger kontaminiert besteht ein erhebliches Risiko für die Löschkräfte.

Range Controler haben in der Regel den Lehrgang Fachkunde Munition absolviert und sich dann in Richtung Kampfmittelabwehr, eine Pionieraufgabe, oder Schießsicherheit, das klassische Range Control, oder Feuerwerker, also Munitionsbewirtschaftung, qualifiziert. Nachdem sie den Truppenübungsplatz mit seinen Besonderheiten kennengelernt haben, dürfen sie auch den Leitstand bedienen. Die Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich, da ständig andere Truppen mit ständig wechselnden Übungsszenarien zugegen sind und auf Situationen schnell und kompetent reagiert werden muss.

Außerhalb der genehmigten Schießzeiten werden Wartungsarbeiten am Übungsplatz vorgenommen: Zielscheiben werden repariert oder ersetzt. Blindgänger werden gesucht, markiert und gesprengt. Zu hoher Bewuchs wird kontrolliert abgebrannt.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 14. September 2026

Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 in Wolgast

Heute fand in der Peene-Werft in Wolgast im Beisein von Verteidigungsminister Boris Pistorius die Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 statt.


Ein Flottendienstboot dient der Flotte zu Aufklärungszwecken und elektronischer Kampfführung. Deshalb wird es gemeinsam von Marine und dem Kommando CIR (Cyber-Informationsraum) betrieben.

Die Zeremonie zur Kiellegung sieht vor, Münzen auf einem Brett einzubringen und Nägel in das Brett einzuschlagen. Anschließend wird das Brett mit schweren Hämmern unter dem ersten Abschnitt des Kiels eingeschlagen. Begleitet wird das vom Wunsch der Festredner, dass das Boot immer „genug Wasser unter dem Kiel“ habe.

Neben dem Geschäftsführer der Peene-Werft, Harald Jaekel, und dem Vorstandsvorsitzenden der Rheinmetall AG, Armin Papperger, waren auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, und Staatsminister Philipp Amthor zugegen. Schwesig und Amthor nutzten den Termin zu Wahlkampfzwecken und stellten sich ausführlich als Kümmerer in der Region dar. Besonders oft wurde der Betriebsrat angesprochen und das eigene Engagement für die Peene-Werft hervorgehoben.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 9. September 2026

Büroleiter – die wichtigen Leute hinter den Militärattachés

Während die Militärattachés an der Cocktailfront glänzen, bei Empfängen, Großen Zapfenstreichen, Kommandoübergaben dabei sind und über das Jahr sämtliche Teilstreitkräfte besuchen, werkeln die Büroleiter oft unbemerkt im Hintergrund.

Jeder noch so kleine Militärattaché-Stab hat seinen Büroleiter. Unser Militärattaché-Stab in Lissabon beispielsweise besteht aus einem Verteidigungsattaché im Dienstgrad Korvettenkapitän oder Oberstleutnant und einem Büroleiter im Feldwebel-Dienstgrad. Die Tätigkeitsbereiche greifen dort so perfekt ineinander, dass sich der Attaché komplett auf seine Report-Aufgaben, die Kontaktpflege und das Repräsentieren der Bundeswehr konzentrieren kann.

Viele ausländische Militärattaché-Stäbe verzichten auf militärische Büroleiter und stellen stattdessen deutsche Ortskräfte an. Diese arbeiten teilweise Jahrzehnte in den Stäben und bieten den Botschaften einen gewissen Heimvorteil beim Organisieren, Kommunizieren oder Verhandeln. Zudem weisen sie eine größere Kontinuität auf als militärische Büroleiter. Militärische Büroleiter wechseln oft nach vier bis fünf Jahren und müssen dann neben der Sprachkompetenz auch die Netzwerke neu aufbauen.

Da die Arbeit der Büroleiter so gerne übersehen wird, wollten sich BMVg und Marie einmal bei den Büroleitern bedanken und haben eine Reise zur Marinetechnikschule in der Nähe von Stralsund eingeladen.


Dort konnten die Büroleiter endlich mal in einer echten Kaserne wohnen und die echte Truppenküche ausprobieren. In diesen Genuss kommen gerade zivile Büroleiter nur selten. An der Marinetechnikschule gab es Motoren, Geschütze und weitere interessante Dinge zu bestaunen. Auch Sport und Brandschutzsimulationen waren dabei. Am zweiten Tag ging es nach Rügen auf die Korvette „Braunschweig“. Die Besatzung erklärte die vielen Bewaffnungen und deren Zweck. Es gab die obligatorische Brandschutzübung und ein „Mann über Bord“. Highlight waren dann die drei Schuss mit der 76-mm-Bordkanone. Die Reise bot einen stetigen Wechsel zwischen militärischer Information, Vernetzung und Tourismus. Letzterer wurde auf Rügen mit Prora, Binz und Putbus bedient.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 4. September 2026

Die lange Militärgeschichte im Nordwesten Berlins

Gestern Abend wurde in der Humboldt-Bibliothek in Tegel ein Buch vorgestellt, das für viele Nordberliner interessant sein dürfte.

Die Autoren, Hauptmann a.D. Ernst Schüßling und Oberst a.D. Andreas von Studnitz, waren viele Jahre in der Julius-Leber-Kaserne tätig und hatten Zugang zu hochwertigem geschichtlichen Material sowie zu Zeitzeugen, die mit Begeisterung weitere Informationen, Fotos und historische Gegenstände zur verfügung stellten. Einige davon sind in der Militärhistorischen Sammlung beim Landeskommando Berlin zu bestaunen.

Auf über 100 Seiten kann nun auch der geneigte Leser an diesem Wissen teilhaben und erfährt, „Wie das Militär den Norden Berlins für sich entdeckte“.

Es beginnt bei den leicht bewaldeten Rehbergen, die um 1826 als natürlicher Schießstand für Handwaffen genutzt wurden. Bei der Suche nach Übungsplätzen für weitreichende Systeme wie Artillerie fiel der Blick ebenfalls auf die Rehberge und man baute das Gelände weiter aus. Der besondere Charme lag darin, dass sich weit und breit keine Ortschaften befanden und Reinickendorf tatsächlich noch ein kleines Dorf war.

Mit der aufkommenden Fliegerei wurde das Gelände einer Doppelnutzung zugeführt, so dass sich Luftschifffahrt und Artillerie abwechseln mussten. Teilweise wurde sogar aus der Luft beobachtet, wie die Artillerie in verschiedenen taktischen Szenarien wirkt. Sehr spannend sind die Schilderungen zu ersten Selbstversuchen von Wissenschaftlern, die die Wirkung der Bedingungen in 10.000 Metern auf den menschlichen Organismus testeten. Nach dem ersten Weltkrieg mussten die Aktivitäten wegen des Versailler Vertrages eingestellt werden. Allerdings stand in dem Vertrag nichts von "Raketentechnik", so dass sich der Erfindergeist in Reinickendorf mit dieser neuen Technologie ausprobieren konnte. Auch namhafte Raketentechniker wie Wernher von Braun machten hier erste Experimente.

Mit Ausweitung des Stadtgebietes nach Nordosten begannen die Konflikte mit den Bürgern. Da ging es um Lärmbelästigung und die versehentlichen Einschläge von Granaten oder Versuchsraketen in Gebäude oder den Tegeler See.

In Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs ließ Hermann Göring auf dem Gelände der heutigen Julius-Leber-Kaserne eine Waldstadt errichten. Diese wirkte von oben wie ein ganz normaler ziviler Ort, war aber in der Bausubstanz bereits auf Luftangriffe vorbereitet: Die Dächer waren mit Stahlbeton verstärkt. Lagerhallen waren in Wirklichkeit riesige Garagenkomplexe. Es gab eine Kirchen-Attrappe und echte Sportkomplexe. Durch diese architektonische Verschleierung wurde die Kaserne im Zweiten Weltkrieg kaum bombardiert und die finalen Zerstörungen hauptsächlich durch Artillerie der Roten Armee verursacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen die Franzosen in den Norden Berlins ein und entdeckten das Areal für sich. Sie bauten den Kasernenkomplex möglichst originalgetreu wieder auf und nannten ihn Quartier Napoleon. Die Kaserne wurde zum Zentrum des französischen Lebens in der nordöstlichen Besatzungszone. Um das Gelände wurden Einkaufszentren, Kinos, Kulturhäuser und sehr viele Wohnungen gebaut. Während der Berliner Luftbrücke wuchsen Westberliner und Besatzer so eng zusammen, dass die Besatzer zu Beschützern wurden.

Mit der deutschen Wiedervereinigung ging auch die Zeit der französischen Präsenz zu Ende. 1994 verließen die alliierten Truppen nach einem Appell und einem Großen Zapfenstreich die Stadt. Kurz darauf zog die Bundeswehr ins Quartier Napoleon ein und benannte die Liegenschaft bereits 1995 in Julius-Leber-Kaserne um.

Die Bezirksbürgermeisterin von Reinickendorf, Frau Emine Demirbüken-Wegner, fühlt sich sehr mit der Bundeswehr, dem Landeskommando Berlin, dem Wachbataillon und der Julius-Leber-Kaserne verbunden. Bis heute will sie nicht akzeptieren, dass die Julius-Leber-Kaserne geografisch dem Bezirk Mitte zugeordnet ist. Weil der Wedding mental so eng mit Reinickendorf verbandelt ist, fühlt sich die Zugehörigkeit des Wedding zu Mitte einfach nur falsch an. Aber auch diese Bezirksaufteilung ist Ergebnis der Wiedervereinigung. Frau Demirbüken-Wegner hat auch eines der Vorworte zu diesem Buch verfasst.

Über den Buchhandel oder Amazon ist das Buch nicht erhältlich. Wer es kostenfrei bestellen möchte, kann sich an die Pressestelle des Landeskommandos Berlin unter LKdoBEPresse@bundeswehr.org wenden.

Zu einigen Aspekten dieses Buches haben wir mit Oberst a.D. von Studnitz folgende Filme gedreht:

Geschichte der Julius-Leber-Kaserne
Zeitzeugen führen durch den französischen Sektor
49 Jahre französische Armee in West-Berlin

Autor: Matthias Baumann