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Mittwoch, 9. September 2026

Büroleiter – die wichtigen Leute hinter den Militärattachés

Während die Militärattachés an der Cocktailfront glänzen, bei Empfängen, Großen Zapfenstreichen, Kommandoübergaben dabei sind und über das Jahr sämtliche Teilstreitkräfte besuchen, werkeln die Büroleiter oft unbemerkt im Hintergrund.

Jeder noch so kleine Militärattaché-Stab hat seinen Büroleiter. Unser Militärattaché-Stab in Lissabon beispielsweise besteht aus einem Verteidigungsattaché im Dienstgrad Korvettenkapitän oder Oberstleutnant und einem Büroleiter im Feldwebel-Dienstgrad. Die Tätigkeitsbereiche greifen dort so perfekt ineinander, dass sich der Attaché komplett auf seine Report-Aufgaben, die Kontaktpflege und das Repräsentieren der Bundeswehr konzentrieren kann.

Viele ausländische Militärattaché-Stäbe verzichten auf militärische Büroleiter und stellen stattdessen deutsche Ortskräfte an. Diese arbeiten teilweise Jahrzehnte in den Stäben und bieten den Botschaften einen gewissen Heimvorteil beim Organisieren, Kommunizieren oder Verhandeln. Zudem weisen sie eine größere Kontinuität auf als militärische Büroleiter. Militärische Büroleiter wechseln oft nach vier bis fünf Jahren und müssen dann neben der Sprachkompetenz auch die Netzwerke neu aufbauen.

Da die Arbeit der Büroleiter so gerne übersehen wird, wollten sich BMVg und Marie einmal bei den Büroleitern bedanken und haben eine Reise zur Marinetechnikschule in der Nähe von Stralsund eingeladen.


Dort konnten die Büroleiter endlich mal in einer echten Kaserne wohnen und die echte Truppenküche ausprobieren. In diesen Genuss kommen gerade zivile Büroleiter nur selten. An der Marinetechnikschule gab es Motoren, Geschütze und weitere interessante Dinge zu bestaunen. Auch Sport und Brandschutzsimulationen waren dabei. Am zweiten Tag ging es nach Rügen auf die Korvette „Braunschweig“. Die Besatzung erklärte die vielen Bewaffnungen und deren Zweck. Es gab die obligatorische Brandschutzübung und ein „Mann über Bord“. Highlight waren dann die drei Schuss mit der 76-mm-Bordkanone. Die Reise bot einen stetigen Wechsel zwischen militärischer Information, Vernetzung und Tourismus. Letzterer wurde auf Rügen mit Prora, Binz und Putbus bedient.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 4. September 2026

Die lange Militärgeschichte im Nordwesten Berlins

Gestern Abend wurde in der Humboldt-Bibliothek in Tegel ein Buch vorgestellt, das für viele Nordberliner interessant sein dürfte.

Die Autoren, Hauptmann a.D. Ernst Schüßling und Oberst a.D. Andreas von Studnitz, waren viele Jahre in der Julius-Leber-Kaserne tätig und hatten Zugang zu hochwertigem geschichtlichen Material sowie zu Zeitzeugen, die mit Begeisterung weitere Informationen, Fotos und historische Gegenstände zur verfügung stellten. Einige davon sind in der Militärhistorischen Sammlung beim Landeskommando Berlin zu bestaunen.

Auf über 100 Seiten kann nun auch der geneigte Leser an diesem Wissen teilhaben und erfährt, „Wie das Militär den Norden Berlins für sich entdeckte“.

Es beginnt bei den leicht bewaldeten Rehbergen, die um 1826 als natürlicher Schießstand für Handwaffen genutzt wurden. Bei der Suche nach Übungsplätzen für weitreichende Systeme wie Artillerie fiel der Blick ebenfalls auf die Rehberge und man baute das Gelände weiter aus. Der besondere Charme lag darin, dass sich weit und breit keine Ortschaften befanden und Reinickendorf tatsächlich noch ein kleines Dorf war.

Mit der aufkommenden Fliegerei wurde das Gelände einer Doppelnutzung zugeführt, so dass sich Luftschifffahrt und Artillerie abwechseln mussten. Teilweise wurde sogar aus der Luft beobachtet, wie die Artillerie in verschiedenen taktischen Szenarien wirkt. Sehr spannend sind die Schilderungen zu ersten Selbstversuchen von Wissenschaftlern, die die Wirkung der Bedingungen in 10.000 Metern auf den menschlichen Organismus testeten. Nach dem ersten Weltkrieg mussten die Aktivitäten wegen des Versailler Vertrages eingestellt werden. Allerdings stand in dem Vertrag nichts von "Raketentechnik", so dass sich der Erfindergeist in Reinickendorf mit dieser neuen Technologie ausprobieren konnte. Auch namhafte Raketentechniker wie Wernher von Braun machten hier erste Experimente.

Mit Ausweitung des Stadtgebietes nach Nordosten begannen die Konflikte mit den Bürgern. Da ging es um Lärmbelästigung und die versehentlichen Einschläge von Granaten oder Versuchsraketen in Gebäude oder den Tegeler See.

In Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs ließ Hermann Göring auf dem Gelände der heutigen Julius-Leber-Kaserne eine Waldstadt errichten. Diese wirkte von oben wie ein ganz normaler ziviler Ort, war aber in der Bausubstanz bereits auf Luftangriffe vorbereitet: Die Dächer waren mit Stahlbeton verstärkt. Lagerhallen waren in Wirklichkeit riesige Garagenkomplexe. Es gab eine Kirchen-Attrappe und echte Sportkomplexe. Durch diese architektonische Verschleierung wurde die Kaserne im Zweiten Weltkrieg kaum bombardiert und die finalen Zerstörungen hauptsächlich durch Artillerie der Roten Armee verursacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen die Franzosen in den Norden Berlins ein und entdeckten das Areal für sich. Sie bauten den Kasernenkomplex möglichst originalgetreu wieder auf und nannten ihn Quartier Napoleon. Die Kaserne wurde zum Zentrum des französischen Lebens in der nordöstlichen Besatzungszone. Um das Gelände wurden Einkaufszentren, Kinos, Kulturhäuser und sehr viele Wohnungen gebaut. Während der Berliner Luftbrücke wuchsen Westberliner und Besatzer so eng zusammen, dass die Besatzer zu Beschützern wurden.

Mit der deutschen Wiedervereinigung ging auch die Zeit der französischen Präsenz zu Ende. 1994 verließen die alliierten Truppen nach einem Appell und einem Großen Zapfenstreich die Stadt. Kurz darauf zog die Bundeswehr ins Quartier Napoleon ein und benannte die Liegenschaft bereits 1995 in Julius-Leber-Kaserne um.

Die Bezirksbürgermeisterin von Reinickendorf, Frau Emine Demirbüken-Wegner, fühlt sich sehr mit der Bundeswehr, dem Landeskommando Berlin, dem Wachbataillon und der Julius-Leber-Kaserne verbunden. Bis heute will sie nicht akzeptieren, dass die Julius-Leber-Kaserne geografisch dem Bezirk Mitte zugeordnet ist. Weil der Wedding mental so eng mit Reinickendorf verbandelt ist, fühlt sich die Zugehörigkeit des Wedding zu Mitte einfach nur falsch an. Aber auch diese Bezirksaufteilung ist Ergebnis der Wiedervereinigung. Frau Demirbüken-Wegner hat auch eines der Vorworte zu diesem Buch verfasst.

Über den Buchhandel oder Amazon ist das Buch nicht erhältlich. Wer es kostenfrei bestellen möchte, kann sich an die Pressestelle des Landeskommandos Berlin unter LKdoBEPresse@bundeswehr.org wenden.

Zu einigen Aspekten dieses Buches haben wir mit Oberst a.D. von Studnitz folgende Filme gedreht:

Geschichte der Julius-Leber-Kaserne
Zeitzeugen führen durch den französischen Sektor
49 Jahre französische Armee in West-Berlin

Autor: Matthias Baumann

Sonntag, 23. August 2026

Drohnen über Neuhardenberg: 4 Tage European Defense Tech Festival

Vom 20. bis 23. August 2026 fand auf dem Flugplatz Neuhardenberg 50 km östlich von Berlin das European Defense Tech Festival statt.


Organisiert wurde das Festival durch den European Defense Tech Hub (EDTH). Über 1.000 Teilnehmer hatten sich angemeldet, von denen etwa 300 einen Job in der Defense-Tech-Branche suchen. Viele neue Firmen entstehen und suchen Talente und Fachleute in Sachen Embedded Programming und Elektronik für die Hardware. Der EDTH vernetzt hier aber nicht nur die eigentlichen Defense-Tech-Unternehmen und Talente untereinander, sondern auch wichtige Akteure der Nebenschauplätze - wie zum Beispiel Rechtsanwälte.

Bis die Aktivitäten des EDTH bei der klassischen, deutschen Rüstungsindustrie fruchten, arbeitet er bereits international - von Europa über die Ukraine bis Nordamerika und Australien. Die Kontakte zur Bundeswehr und den BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) sind noch ausbaufähig. Jahrelange Versäumnisse bei der zivil-militärischen Zusammenarbeit lassen sich nicht von heute auf morgen ausgleichen, so dass die Defense-Tech-Branche schon mal alleine beginnt.

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 20. August 2026

Großer Zapfenstreich für USAREUR General Donahue

Am späten Abend des 20. August 2026 wurde US-General Christopher Todd Donahue in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet.


General Donahue war seit Dezember 2024 Commander United States Army Europe an Africa (USAREUR-AF). Das Hauptquartier des USAREUR-AF befindet sich in Wiesbaden. Am 30. Juni 2026 hatte er noch in Funktion des Kommandeurs NATO Allied Land Command (LANDCOM) die Verantwortung für Teile der NATO-Verteidigung an der Ostflanke vom Multinationalen Korps Nordost (MNC NE) an das 1. Deutsch-Niederländische Korps (1GNC) übergeben. Noch in derselben Woche wurde er vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Das Dienstende sei direkt durch den amerikanischen Verteidigungsminister Pete Hegseth veranlasst worden. Bei Truppe und Generalität war General Donahue hoch angesehen und hatte 2021 als letzter US-Soldat Afghanistan verlassen.

Mit auf dem Podest stand die stellvertretende Generalinspekteurin, Frau Generaloberstabsarzt (GOSA) Dr. Nicole Schilling. General Donahue hatte sich folgende Stücke für die Serenade gewünscht:

Heading South - Zach Bryan
The Army Goes Rolling Along - Edmund L. Gruber und William Bryden
Boogie Woogie Bugle Boy - Don Raye und Hughie Prince

Weitere Infos:
Übergabeappell in Valga/Valka (Estland/Lettland): https://youtu.be/Hc3cbqY_gBo
Rede beim Übergabeappell in Valga/Valka: https://youtu.be/OSQGarNfsCw

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 30. Juli 2026

Marsch zum Gedenken an die gefallenen Soldaten der Bundeswehr

Seit 2018 findet der Marsch zum Gedenken an die 120 gefallenen Soldaten sowie die 3.447 im Dienst verstorbenen Angehörigen der Bundeswehr statt. Der Marsch ist eine Initiative der Hinterbliebenen, ehemaligen Kameraden und des Reservistenverbandes. Der Marsch geht über mehrere Tage, in denen Kameraden und Angehörige im Gedenken an die Verstorbenen 120 Kilometer (120 Gefallene) zurücklegen.

Der diesjährige Start war am 27. Juli 2026  auf dem Truppenübungsplatz Lehnin und führte über verschiedene Stationen am 30. Juli 2026 bis zum Reichstag und ins Verteidigungsministerium (BMVg, Bendlerblock). Die abschließende Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung im BMVg ist seit einigen Jahren nicht mehr presseöffentlich.


Hier der Bericht aus 2025: https://youtu.be/2lx_88tWrGM

Hier der Bericht aus 2024: https://youtu.be/XSR6uItejSA

Hier der Bericht aus 2023: https://youtu.be/uOHFtBGkP4o

Hier der Bericht aus 2022: https://youtu.be/r98su9nRrEA

Hier unsere Doku über die Tradition der Bundeswehr anhand des Beispiels Tobias Lagenstein, der als Feldjäger-Personenschützer durch seinen Tod das Leben seiner Schutzperson, General a.D. Markus Kneip, gerettet hat: https://www.youtube.com/watch?v=bStSbHzQck8

Autor: Matthias Baumann