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Donnerstag, 30. April 2026

Das Heer stellt seine zukünftige Kampfweise im Verbund von bewährten Waffen und Drohnen vor

Zurzeit stellt das Heer auf dem Truppenübungsplatz Munster seine zukünftige Kampfweise vor. Wer das Gefechtsschießen bei den ILÜs (Informationslehrübungen) im Gedächtnis hat, wird mit verschiedenen Neuerungen überrascht. Es sind nicht nur die neuen Module für den GTK Boxer, sondern auch Unmengen an Drohnen: Landdrohnen mit schweren Maschinengewehren, Landdrohnen mit Transportfunktion, Landdrohnen als Basis für Drohnenschwärme, große Aufklärungsdrohnen, kleine Aufklärungsdrohnen, Drohnen zum Minenlegen oder Drohnen als Loitering Munition (warten auf das Vorbeikommen eines Ziels).


All diese neuen Gerätschaften, aber auch altbewährte Systeme wie die Panzerhaubitze 2000, der Wiesel, der Leopard 2, der Puma, der Tiger und der Fuchs werden im zukünftigen Gefecht eingesetzt. Nur eben anders und gemäß der sich wandelnden Situation auf dem Gefechtsfeld. Es geht um billige Masse, um Abstand, um Präzision und um Geschwindigkeit. Dass einzelne Waffensystem, wie groß und laut es auch sein mag, geht im Verbund der Waffen auf. Man könnte es mit einem Orchester vergleichen, welches auch nur im Zusammenspiel einen guten Klang entfaltet und einzelne Instrumente nur punktuell aus der Teamarbeit hervortreten.

Da das Gefechtsfeld inzwischen sehr transparent geworden ist, müssen Schutzschirme aufgebaut werden, die die eigenen Kräfte in verschiedenen Dimensionen und Höhen absichern. Dabei ist der Gegner möglichst auf Abstand zu halten. Hier kommen Abstandswaffen wie die bewährte Panzerhaubitze 2000, der fernsteuerbare RCH155 (Artillerie auf GTK Boxer) oder der Raketenwerfer MARS II zum Einsatz. Letzterer hat eine Kampfentfernung von bis zu 84 Kilometern bei einer hohen Trefferwahrscheinlichkeit. Rückt der Feind näher, werden ihm zunächst unbemannte Systeme entgegengeschickt. Ist das Areal gesichert, folgen die bemannten Kräfte. Besonders kritisch und tödlich ist es, wenn sich der eigene Schutzschirm mit dem des Gegners überschneidet. Hier kommt es auf Geschwindigkeit bei Erfassung des Lagebildes, Entscheidung und schneller, präziser Wirkung auf die vulnerablen Punkte der Gegenseite an.

Das Heer hat sich sehr genau die Entwicklungen in der Ukraine angeschaut. Nachdem viele Ukrainer in Deutschland ausgebildet worden waren, greift die Bundeswehr inzwischen auf deren Fronterfahrung zurück und profitiert von deren Wissen. Auch die Rüstungsindustrie klinkt sich in die innovativen Entwicklungen der Ukrainer ein. So kehrt das jahrelange Investment nach Deutschland zurück.

Weitere Infos zum Campaign Plan Heer 2035+: https://www.btb-concept.de/bild/Heer_Plan_2025_20260424.pdf

Pressebegegnung mit Generalleutnant Dr. Freuding: https://youtu.be/i6hG9InofaI

Pressestatement von Bundeskanzler Friedrich Merz: https://youtu.be/h9c2IN4vyJ8

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 21. April 2026

Mehr als nur Drohnen – SeaSEC zivil-militärische Übung Data2Sea 2026 in Rostock und Warnemünde

Zurzeit findet in Rostock und Warnemünde die zivil-militärische Übung „Data2Sea 2026“ des SeaSEC statt. SeaSEC steht für Seabed Security Experimentation Centre (Meeresboden-Sicherheit-Experimentierzentrum).


Bei SeaSEC treffen sich Rüstungsunternehmen und innovative zivile Firmen für mehrere Wochen, um gemeinsam Lösungen zur Abwehr von Szenarien der Bedrohung, des Angriffs, der Spionage oder der Sabotage zu erarbeiten. SeaSEC läuft wie ein Wettbewerb ab, bei dem die teilnehmenden Firmen tageweise zu Konsortien zusammengeschlossen werden und mit ihren jeweiligen Kompetenzen und Produkten gemeinsam(!) die gestellten Herausforderungen zu meistern versuchen. Die Konsortien werden dann wieder gemischt, so dass ein breiter Austausch stattfindet, neue Geschäftsbeziehungen entstehen, Fähigkeitslücken erkannt und Prozesse optimiert werden. Das jeweilige Konsortium hat ganzheitliche Lösungen für eine Problemstellung zu erarbeiten und muss bei physischen Einflüssen wie Wellengang, regen oder Motordefekt seine Kreativität spielen lassen. Entscheidend ist das Ergebnis: Angriff erkannt, verfolgt, identifiziert, analysiert und bekämpft. Die zu sichernden Objekte können sehr unterschiedlich sein: Seekabel, Off-Shore-Plattformen oder Hafenanlagen.

Hier die Pressebegegnung mit Konteradmiral Richard Ernst Kesten (Chef des Stabes Marinekommando), Normen Großmann (Präsident der Bundespolizei) und Carine van Bentum (Direktorin des SeaSEC - Seabed Security Experimentation Centre):


Autor: Matthias Baumann

Montag, 13. April 2026

Tradition und Brauchtum des Wachbataillons

Im März 2026 wurde die neue Militärgeschichtliche Sammlung (MGS) im Stabsgebäude des Wachbataillons in der Julius-Leber-Kaserne eröffnet. Diese konzentriert sich auf zwei Räume, einen Flur und das Treppenhaus. Sie ist in vier Kapitel eingeteilt, die sich mit allgemeinen Betrachtungen von Garden, deren Besonderheiten wie das Gardemaß, mehr oder weniger tradierenden Persönlichkeiten, Zeitachsen und der fast 70-jährigen Geschichte des heutigen Wachbataillons beschäftigen. Bei einer Begehung der Ausstellung erklärt der Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Maik Teichgräber, das Traditionsverständnis seines Verbandes und die Identität stiftende Neubelebung des Schlachtrufs „Semper talis!“:


Bis vor zehn Jahren stand beim Wachbataillon noch die Traditionslinie zum Ersten Garderegiment zu Fuß (EGRzF) im Raum. Dieses Regiment war 1806 nach der Niederlage gegen Napoleon aufgestellt worden. Die Kaserne des EGRzF lag gegenüber der Garnisonkirche in Potsdam. 1819 wurde das Infanterie-Lehrbataillon gegründet und dem Ersten Garderegiment zu Fuß unterstellt. Dieses Elitebataillon hatte nicht nur Schutz- und Repräsentationsaufgaben, sondern durfte auch sämtliche neuen Waffen und Taktiken erproben. 1820 führte König Friedrich Wilhelm III. das Schrippenfest ein. Das Schrippenfest diente der Gemeinschaftsförderung zwischen den Familien der Soldaten. Hier konnten sich die Angehörigen mal so richtig sattessen.

In Bonn hatte das Wachbataillon ein jährliches Bataillonsfest gefeiert, das im kleinen Rahmen nach Innen wirken und dem Zusammenhalt des Verbandes inklusive dessen Familienangehöriger dienen sollte. Mit dem Umzug nach Berlin war das uralte Schrippenfest wieder aufgegriffen worden. Dieses wurde dann bis 2019 mit viel Aufwand durch das Wachbataillon gestaltet.

2018 wurde der neue Traditionserlass der Bundeswehr herausgegeben. Eine angespannte Personalsituation, das Tagesgeschäft, drei Ministerwechsel und COVID ließen das Thema Tradition in den Hintergrund treten. Mit einer Entspannung der Lage wurde dann ab 2023 überlegt, wie man Identität stiftend und zeitgemäß mit den preußischen Exponaten von Möllendorff-Degen über alte Gemälde, Pickelhauben und Grenadiersmützen bis hin zu kunstvoll gestalteten Truppenfahnen umgehen solle. Auch wurde über den Schlachtruf „Semper talis!“ (immer gleich) diskutiert. Das Ergebnis wird nun einerseits in der Ausstellung präsentiert und andererseits in die politische Bildung des Verbandes integriert. Die Buchstaben von "Semper talis!" wurden mit Identität stiftenden Begriffen untermauert.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 6. April 2026

16K3-Märsche erinnern an das Karfreitagsgefecht von 2010

Am Osterwochenende fanden bundesweit Märsche zum Gedenken an das Karfreitagsgefecht von 2010 statt. Das war vor 16 Jahren. Auf diese 16 Jahre bezieht sich die „16“ in „16K3“. Man war bestrebt, eine Marschstrecke von 16 Kilometern Länge mit 16 Kilogramm Gepäck zu absolvieren. Das „K“ in „16K3“ steht für Karfreitag und die „3“ für die drei gefallenen Bundeswehrsoldaten.


Am 2. April 2010 – es war Karfreitag – wurden 34 Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 373 aus Seedorf beauftragt, Sprengfallen aufzuklären und diese zu beseitigen. Bei Isa Khel, südwestlich von Kunduz, gerieten sie in einen komplexen Hinterhalt der Taliban. Das Gefecht dauerte acht Stunden. Dabei gab allein die Bundeswehr 25.000 Schuss ab. Am Ende gab es viele Schwerverletzte und Tote – darunter auch die drei Bundeswehrsoldaten Hauptfeldwebel Nils Bruns, Stabsgefreiter Robert Hartert und Hauptgefreiter Martin Augustyniak.

Weitere Infos:
https://zms.bundeswehr.de/de/mediathek/afghanistan-dossier-karfreitagsgefecht-5746712

Das Karfreitagsgefecht war ein Einschnitt in der Wahrnehmung der Auslandseinsätze, die in Deutschland bislang eher als humanitäre Aktionen mit Brückenbau und Brunnenbohrung verkauft wurden. In der Folge wurden Ehrenhaine errichtet und Druck bezüglich der stark vernachlässigten Veteranen- und Gedenkkultur aufgebaut. 2025 fand dann sogar der erste Nationale Veteranentag statt.

Seit 2020 gibt es die Märsche zum Gedenken an das Karfreitagsgefecht: 10K3, 11K3, 12K3 bis 16K3 in 2026. Wer schon mehrfach teilgenommen hatte, trägt stolz den Patch der Vorjahre an der Kleidung oder dem Rucksack. Die Märsche sind so unterschiedlich wie die Schwerpunkte der Veteranenvereinigungen. So kann es Märsche mit Motorrad, zu Fuß oder per Fahrrad geben. Die Teilnehmer sind Veteranen, aktive Soldaten, Reservisten, Familienangehörige, ausländische Kameraden und am Thema interessierte Bürger. Letzteren gilt besonderes Augenmerk, da Gesamtverteidigung nur dann funktioniert, wenn auch die zivile Seite der Bevölkerung, die keinen Bezug zu Blaulichtorganisationen oder der Bundeswehr hat, eingebunden wird.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 13. März 2026

Präzisionsgewehr G82 bei der Jägertruppe

Das G82 wiegt knapp 13 kg und hat eine maximale Kampfentfernung von 1.800 Metern. Die Kampfentfernung ergibt sich durch die standardisierte Optik. Rein technisch kann das G82 mit der Munition von 12,7 x 99 mm bis auf 7.000 Meter Wirkung erzielen.


Es wird gegen leicht gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt, bei denen idealerweise der Motor oder wichtige Teile des Fahrwerks getroffen werden, damit das jeweilige Fahrzeug bewegungsunfähig wird. Das G82 wird aber auch eingesetzt, um die Optik auf gepanzerten Fahrzeugen zu zerstören und damit deren Manövrierfähigkeit zu erschweren. Gegen Personen wird es nicht eingesetzt.

Das G82 ist in vielen Jägertrupps anzutreffen. Diese führen es immer dann mit, wenn ein Gegner mit leicht gepanzerten Fahrzeugen erwartet wird. Scharfschützen nutzen das G82 nur dann, wenn es ihnen für den jeweiligen Auftrag zweckmäßig erscheint.

Weitere Infos zum G82

Autor: Matthias Baumann