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Mittwoch, 3. Juni 2026

Alles über den Hohen Norden – lesenswerte Neuerscheinung des ZMSBw

Auch Lesern, die sich schon länger mit dem Hohen Norden beschäftigen, bietet das Taschenbuch „Wegweiser zur Geschichte– Hoher Norden“ auf seinen knapp 300 Seiten einen erheblichen Erkenntnisgewinn.


Die kurzen Kapitel sind von verschiedenen Autoren verfasst, lesen sich aber wie aus einer Feder. Der Reiz dabei ist, dass die Autoren die unterschiedlichen Aspekte der Arktis aus ihrer jeweiligen Perspektive beleuchten und der Leser damit ein gut ausdifferenziertes Lagebild erhält. Die Beiträge ergänzen und bestätigen sich. Durch gelegentliche Wiederholungen bleiben wichtige Themen und Daten noch besser haften.

Das Buch beginnt mit der spannenden Historie der arktischen Gebiete, geht auf die Bedeutung der Wikinger, die politischen Konstellationen, die Sprachen, die Ethnien, das Klima, die Geografie und die Tierwelt ein. Aufbauend auf diesem regionalen Grundverständnis steigen die Autoren immer tiefer in die Zusammenhänge von Wirtschaft, Forschung, Rohstoffen, Militär und geostrategischen Ambitionen ein. Ausführlich und gut verständlich werden völkerrechtliche Fragen wie die UN-Seerechtskonvention erklärt oder der Frage nachgegangen, ob sich die Nutzung der Nordost- oder der Nordwestpassage zwischen Atlantik und Pazifik wirtschaftlich überhaupt lohnt.

Das Buch wurde vom ZMSBw (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr) herausgegeben.

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 28. Mai 2026

Gelöbnis des Wachbataillons am Berliner Abgeordnetenhaus

Am späten Nachmittag fand aus Anlass des 77. Jahrestages des Grundgesetzes ein Feierliches Gelöbnis des Wachbataillons vor dem Berliner Abgeordnetenhaus statt. Drei Wochen zuvor war der kleine Platz vor dem Abgeordnetenhaus in Margot-Friedländer-Platz umbenannt worden.


Die Rekruten gehörten zur 2. Kompanie des Wachbataillons. Die 2. Kompanie ist eine der Heereskompanien. Die Ehrenformation wurde von der 4. Kompanie gestellt. Diese ist zwar die Marineinfanterie-Kompanie des Wachbataillons, musste aber dem Anlass entsprechend ihre Heeresuniform anziehen. Neben einer umfangreichen musikalischen Begleitung durch das Stabsmusikkorps unter Leitung von Oberstleutnant Kiauka, gab es insgesamt vier Reden, von denen die humorvolle Ansprache einer Rekrutin hervorzuheben ist:


Nach dem Gelöbnis waren Rekruten, Angehörige und Gäste zu einem Empfang eingeladen, wo sich die Berliner Landespolitik, das Landeskommando Berlin, das Wachbataillon und die Familienangehörigen der Rekruten bei Currywurst und Häppchen vernetzen konnten.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 20. Mai 2026

Automitive-Industrie sucht Anschluss bei der Rüstungsproduktion

Gestern fand im Marienpark Berlin-Tempelhof ein Netzwerktreffen der Automotive-Industrie und Partnern aus der Ukraine statt. Das Thema war "From Prototype to Arsenal, Applying Automotive Principles to Scale Europe's Drone Production" (Vom Prototyp zum Arsenal: Anwendung von Prinzipien aus der Automobilindustrie zur Skalierung der europäischen Drohnenproduktion).


Es ist ein ermutigendes Zeichen im Sinne der Gesamtverteidigung, dass sich allerorts auch zivile Akteure Gedanken um ihren Beitrag machen. Für die Koordinierung dieser Initiativen wäre das Innenministerium zuständig, hat sich aber durch sein zu langes Zögern selbst von der Entwicklung abgehängt. Die Bundeswehr und das BMVg, die dafür nur marginal zuständig zeichnen, sind eine treibende Kraft, die Fähigkeiten zu bündeln, können und wollen das aber nicht vollumfänglich leisten.

So entwickeln sich Insellösungen parallel und bilden ab und zu Schnittstellen. Die IHK Berlin unter Manja Schreiner hatte am 27. April 2026 den „TechHUB SVI Ost“ vorgestellt, an dem der Regierende Bürgermeister, die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Berlin Partner, die Unternehmensverbände (UVB) Berlin-Brandenburg und die Privatwirtschaft beteiligt sind. Bei diesem ganztägigen Anlass kamen auch die Entwickler des Marienparks in Berlin-Tempelhof zu Wort. Der Marienpark solle über die nächsten Jahre zu einem Zentrum der DefTech (Verteidigungstechnologie) mit öffentlichen und gesicherten Bereichen werden.

Interessant also, dass sich die Automotiv-Industrie gerade dort traf. Interessant aber auch, dass es offensichtlich keine Verbindungen zu anderen Akteuren wie dem „TechHUB SVI Ost“ gab. Auch kannte kaum jemand von den Teilnehmern den Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie e.V., welcher sich als Übersetzer im Dialog zwischen Rüstungsindustrie und Behörden versteht. Die Firmen der Automotiv-Industrie erleben derzeit eine mehr oder weniger große Flaute, die sie mit Rüstungsprodukten oder Einzelkomponenten aufzufangen suchen. Sie haben sich ihren eigenen Weg zur Umsetzung gesucht und Kontakt zu ukrainischen Herstellern und Endabnehmern aufgenommen. Der Vernetzungsgrad ist sehr hoch und es werden auch schon Geschäfte gemacht.

Besonders interessant waren die Vorträge der ukrainischen Gäste, da sie den direkten und täglichen Bezug zu den Produkten haben. Die Ukrainer freuen sich, wenn sie deutsche Produkte im Realszenario testen können und bieten diese Tests proaktiv an. Der Flaschenhals sei nicht die eigentliche Herstellung, sondern der Test im realen Szenario. Besteht ein Produkt den Test und liefert entsprechende Ergebnisse, wird das Produkt sehr schnell vom ukrainischen Verteidigungsministerium zertifiziert und in die Truppe integriert. Gleichzeitig beginnt das Training der Soldaten am Produkt und die Serienproduktion kann beginnen. Oftmals zieht das sogar eine globale Nachfrage nach sich, wodurch die Umsätze erheblich gesteigert werden können. Den Zuhörern wurden einige dieser Erfolgsgeschichten vorgestellt.

Aber Achtung! Die Ukrainer geben bei aller Begeisterung über insbesondere deutsche Rüstungsgüter zu bedenken, dass diese sehr gut, aber nur bis 2022 nützlich sind. Hier müsse ein Umdenkungsprozess stattfinden: Zeitgemäße Rüstungsprodukte müssten demnach günstig in der Anschaffung, reichlich verfügbar und modular aufgebaut sein. Zudem sollten Firmen immer auch eine Zerstörung ihrer Produktionsstätte einkalkulieren und Maßnahmen zur lückenlosen Weiterproduktion ergreifen. Auch sei es wichtig, mögliche Gegenprodukte mitzudenken, um schnell auf die Einführung dieser Gegenmaßnahmen reagieren zu können. Die Zeitzyklen der Entwicklung werden immer kürzer. Ging man 2022 von Mitteln aus, die ein Ziel bekämpfen und manuell gesteuert werden, sind es aktuell ferngesteuerte Systeme, die 50 Ziele bekämpfen können. Bis 2029 wird erwartet, dass autonome Systeme bis zu 500 Ziele bekämpfen können. 2029 ist in drei Jahren und entspricht dem Jahr, in dem die Bundeswehr einen russischen Angriff auf die NATO für möglich hält.

Autor: Matthias Baumann

Samstag, 16. Mai 2026

Mit Kernwaffen und Feuerkraft mal schnell Westeuropa überrennen

In "Kriegsschauplatz Deutschland: Erfahrungen und Erkenntnisse eines NVA-Offiziers" erklärt ein ehemaliger Oberst der NVA die Strategien des Warschauer Vertrages bis Ende der 1980er Jahre. Der Autor, Siegfried Lautsch, wurde später in die Bundeswehr übernommen. Bis 1985 hatte der Warschauer Vertrag unter strikter Führung sowjetischer Befehlshaber eine äußerst aggressive Vorstellung von der Übernahme Westeuropas. Ein tatsächlicher oder vermuteter Angriff der NATO diente wohl eher als Feigenblatt zur Durchführung der eigenen Übernahmegelüste.

Detailreich geht das Buch auf Stoßrichtungen, geografische Besonderheiten, Planungen, Hindernisse und Kräfteverhältnisse ein. Interessant ist, dass Nuklearsprengköpfe neben Artillerie und Kampfhubschraubern fester Bestandteil der Kampfhandlungen sein sollten. Überhaupt verfolgte man das Ziel, einen schnellen und brachialen Sieg zu erringen, bei dem die Verwüstungen in Westeuropa keine Rolle zu spielen schienen. Das änderte sich erst 1985, als der Warschauer Vertrag feststellen musste, dass sich das Kräfteverhältnis so entwickelt hatte, dass ein Sieg durch Angriff unwahrscheinlich geworden war. Von da an stellte man sich auf Verteidigung ein. Für ehemalige DDR-Bürger und Norddeutsche dürfte der zweite Teil des Buches besonders interessant sein, weil dort konkrete Orts- und Geländeangaben zu den Stoßrichtungen und Verteidigungslinien der 5. Armee der NVA gemacht werden. Auch auf der A24, der nördlichen A7 oder der A2 kann man nach Lesen des Buches kaum noch unterwegs sein, ohne an diesen vorgeplanten Konflikt zu denken: Wittenberge, Lauenburg, Nienburg, Magdeburg, Lüneburg – all diese Orte waren in den Plan eingebunden.

Zur Auflockerung wird in der Mitte ein Kapitel über die Stasi-Erfahrungen mit Telefonwanzen, Bespitzelung durch Nachbarn und finaler Versetzungsintrige eingeschoben. Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass Siegried Lautsch ein militärischer Handwerker war, der politische Dinge eher als lästiges Beiwerk ansah.

Das Buch wurde 2013 durch das ZMSBw (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften) herausgegeben 

Autor: Matthias Baumann 

Freitag, 15. Mai 2026

7 Interviews zum Thema „Soldat und Politiker“

Immer wieder begegnen wir Politikern, die bei Apellen in Uniform auftauchen oder bei passender Gelegenheit von ihrer Bundeswehrvergangenheit berichten. Dem wollten wir nachgehen und haben sieben Politiker befragt, wie die Wechselwirkung militärischer Erfahrung mit der Arbeit in der Politik harmoniert.


Um ein ausgewogenes Verhältnis der Parteienlandschaft darzustellen, kommen vier Politiker der Regierungsparteien und drei der Opposition zu Wort. Die Linke war zwar auch eingeladen, hat aber abgesagt. Die Interviewpartner in alphabetischer Reihenfolge sind:

Stefan Bley, CDU, Oberstleutnant der Reserve, Bezirksstadtrat

Hannes Gnauck, AfD, Oberfeldwebel außer Dienst, Mitglied des Bundestages

Dr. Timur Husein, CDU, Obergefreiter der Reserve, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses

Lucas Koppehl, SPD, Kapitänleutnant d. R., Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold

Dr. Tobias Lindner, Grüne, Oberleutnant d. R. InfoDVag, Staatsminister a.D. im Auswärtigen Amt

Rüdiger Lucassen, AfD, Oberst i.G. außer Dienst, Mitglied des Bundestages

Alexander Slotty, SPD, Oberleutnant der Reserve, Staatssekretär und Amtschef


Und das sind die Fragen an alle Gesprächspartner:

Was war Ihre Motivation, nach dem aktiven Dienst in die Politik zu gehen?

Was ist Ihre Motivation, weiter in der Reserve zu dienen?

Wie verbinden Sie Politik und Bundeswehr?

Wie nützlich ist Ihre Bundeswehrerfahrung im politischen Tagesgeschäft?

Wie stehen Sie zum Nationalen Sicherheitsrat?

Was halten Sie von Katastrophenschutz und Amtshilfe?

Was halten Sie von Gesamtverteidigung? Was könnte noch getan werden?


Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 13. Mai 2026

Feierliches Gelöbnis beim Kommando ZMZ in Nienburg

Heute Nachmittag fand im Stadion von Nienburg/Weser ein Feierliches Gelöbnis von Rekruten des Kommandos Zivil-Militärische Zusammenarbeit (KdoZMZBw), des Bataillons Elektronische Kampfführung 912 und des Jägerbataillons 91 statt.


Die zivil-militärische Zusammenarbeit ist in Deutschland ein leidiges Thema. Ursprünglich war das Bundeskanzleramt dafür zuständig. In der Ära Merkel wurde dem aber kaum Bedeutung beigemessen, obwohl das BMVg schon 2016 vor einer hybriden Bedrohungslage sprach. Bei den Treffen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, kurz BOS oder Blaulichtorganisationen genannt, schichte das Kanzleramt irgendwelche Praktikanten und demonstrierte damit sein Desinteresse. Um der Lustlosigkeit zu begegnen, wurde die Zuständigkeit an das Bundesinnenministerium (BMI) übertragen, wo es seitdem etwas besser lief und zumindest die BOS unter einen Hut gebracht wurden.

Aber auch das BMI kommt nicht wirklich in die Puschen, so dass das BMVg und die Bundeswehr immer wieder als Treiber fungieren – auch wenn sie gar nicht zuständig sind. Der außenstehende Bürger verortet die Zuständigkeit schon bei der Bundeswehr. Ist diese doch seit Jahren als Retter in der Not aufgetreten und hatte im Rahmen der Amtshilfe im Ahrtal oder in der Pandemie geholfen.

Das heutige Kommando ZMZ wurde 2003 als CIMIC Bataillon 100 aufgestellt und über die Jahre mehrfach umstrukturiert. CIMIC ist die englische Version des ZMZ und ist inzwischen mit einem anderen Inhalt gefüllt. Während sich ZMZ mit innerdeutscher Zusammenarbeit beschäftigt, geht es bei CIMIC um internationale oder einsatzbezogene zivil-militärische Zusammenarbeit. Beim nach wie vor geheimen OPLAN Deutschland kommen ZMZ und CIMIC zum Einsatz, da sich nationale und internationale Zuständigkeiten überschneiden.

Dass zivil-militärische Zusammenarbeit innerhalb der BOS funktioniert, haben Bundeswehr und Blaulichtorganisationen bereits mehrfach unter beweis gestellt. Die entsprechenden Übungen werden mehr und intensiver. Eine erste Übung dieser Art hatten wir im Sommer 2023 in der Oberlausitz begleitet. Im Juni 2026 wird es die Übung „CIMIC Quadriga 2026“ geben, bei der der Suwalki-Gap, der geografische Flaschenhals zwischen Polen und Litauen, maßstabsgetreu in Deutschland nachgebaut und zivil-militärische beübt wird. An der Übung nehmen verschiedene NATO-Staaten teil, die sich mit echten zivilen Stellen über die Sprachbarrieren hinweg koordinieren müssen.

Apropos Gap (Lücke): Eine große Lücke gibt es noch zwischen den immer besser eingespielten BOS auf der einen Seite und der Zivilbevölkerung auf der anderen Seite. Diese Lücke wird so langsam geschlossen, aber eben sehr langsam. Das passiert durch die Sichtbarkeit der Bundeswehr im öffentlichen Raum wie zum Beispiel der Bahn oder die Auftritte des Verteidigungsministers oder Situationen wie der Stromausfall zum Jahreswechsel in Berlin. Dennoch ist hier viel zu tun. Auch die Presse wird nur halbherzig zur Berichterstattung über das Thema Gesamtverteidigung animiert. Das Kommando ZMZ bemüht sich hier um eine Verbesserung, stößt aber aufgrund seiner geografischen Lage und fehlender Netzwerke an seine Grenzen. Gesamtverteidigung geht uns alle an und das BMI müsste aufgrund seiner Zuständigkeit das Thema forcieren.

Autor: Matthias Baumann