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Mittwoch, 30. September 2026

Kommandowechsel bei der Deutschen Marine

Heute Nachmittag wurde das Kommando der Deutschen Marine von Vizeadmiral Jan Christian Kaack an Konteradmiral Wilhelm Tobias Abry übergeben. Die Übergabe erfolgte unter Nutzung der Kulisse der Marineschule Mürwik in Flensburg.


Vizeadmiral Kaack war im März 2022 zum Inspekteur der Marine ernannt worden und hatte die Aufgabe, die Marine auf „Kriegstüchtigkeit“ umzubauen. Diese Aufgabe ging er mit viel Engagement an und sein Motto „Stahl ins Wasser“ zu bringen, ist vielen Marineangehörigen präsent. Auch seine Führungsqualitäten werden vielfach seitens der Truppe gelobt.

Sein Nachfolger Wilhelm Tobias Abry wird morgen zum Vizeadmiral ernannt. Er kennt die Marineschule Mürwik sehr gut, da er diese von 2018 bis 2021 führen durfte. Abry machte in seiner Rede deutlich, dass er den Kurs seines Vorgängers konsequent fortsetzen werde.


Am Abend wurde Vizeadmiral Kaack mit einem Großen Zapfenstreich in den Ruhestand verabschiedet. Auch dafür wurde die Marineschule Mürwik genutzt.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 23. September 2026

Arbeitsalltag in der Truppenküche

Der Arbeitstag in der Truppenküche der Hanse-Kaserne Rostock beginnt um 5.30 Uhr. Bis zum Frühstück für die Mitarbeiter des Marine-Kommandos steht für das Küchenteam noch eine prall gefüllte Stunde auf dem Programm. Erste Waren werden geliefert und müssen überprüft und eingelagert werden. Die Kühlräume werden abgegangen und die Temperaturen protokolliert. Salate werden geschnippelt. Brötchen werden aufgebacken. Erste Vorbereitungen für das Mittagessen werden getroffen.


Deutschlandweit gibt es derzeit etwa 270 Truppenküchen und täglich um die 30.000 Essensgäste. Je nach Standort variieren die Öffnungszeiten. Im Gegensatz zu Truppenübungsplatz-Kasernen ist in Kommandobehörden eine Abendversorgung oft nicht nachgefragt. Was gekocht wird, bestimmt das Verpflegungsamt der Bundeswehr. Hier gibt es grundsätzlich vier Linien zum Mittag: Feldkost für eine mögliche Verbringung ins Gelände, Vegetarisches für Vegetarier, Fitnesskost mit kalorienoptimierten Bestandteilen sowie das Highlight-Essen mit einem erhöhten Kalorienrahmen. Zu letzterem zählen das Schnitzel oder der panierte Fisch.

Die Truppenküchen und deren Personal sind dem Bundeswehr Dienstleistungszentrum (BwDLZ) untergeordnet. Es arbeiten nur Zivilisten dort. Ab und zu werden sie durch Feldköche unterstützt, wenn diese ihre vierwöchige Pflichtzeit in der Truppenküche zu absolvieren haben. Fachlich sind die Truppenküchen dem Verpflegungsamt der Bundeswehr unterstellt und haben sich weitestgehend an deren rotierendem 13-Wochen-Plan zu halten. Das heißt, das jede Truppenküche das gleiche Mittagsangebot hat. Dieses kann saisonal oder gemäß der Nutzerstruktur leicht angepasst werden. Eigene Kreationen der Köche sind nur bei beantragten Sonderessen möglich. Die Truppenküchen stellen auch Lunchpakete zusammen. Auch das erfolgt nach den Vorgaben des Verpflegungsamtes.

Die Preisgestaltung ist nicht nur für Bundeswehrangehörige interessant. Auch zivile Besucher ohne aufladbare Verpflegungskarte essen in Truppenküchen zum Selbstkostenpreis. In den Offizierheimgesellschaften sind die Mahlzeiten etwas teurer, dafür aber deutlich größer portioniert als in den Restaurants außerhalb der Kasernen.

Hygiene wird in der Truppenküche großgeschrieben. Nach sämtlichen Arbeiten werden die Gerätschaften und Räume mit Fett- und Eiweißlöser behandelt und desinfiziert. Das betrifft auch Wände und Türen. Gearbeitet wird mit Handschuhen und Kappen für die Haare. Zudem werden umfangreiche Lebensmittelproben genommen und für sieben Tage aufbewahrt, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten und bei eventuellen Magenverstimmungen die Proben analysieren zu können.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 14. September 2026

Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 in Wolgast

Heute fand in der Peene-Werft in Wolgast im Beisein von Verteidigungsminister Boris Pistorius die Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 statt.


Ein Flottendienstboot dient der Flotte zu Aufklärungszwecken und elektronischer Kampfführung. Deshalb wird es gemeinsam von Marine und dem Kommando CIR (Cyber-Informationsraum) betrieben.

Die Zeremonie zur Kiellegung sieht vor, Münzen auf einem Brett einzubringen und Nägel in das Brett einzuschlagen. Anschließend wird das Brett mit schweren Hämmern unter dem ersten Abschnitt des Kiels eingeschlagen. Begleitet wird das vom Wunsch der Festredner, dass das Boot immer „genug Wasser unter dem Kiel“ habe.

Neben dem Geschäftsführer der Peene-Werft, Harald Jaekel, und dem Vorstandsvorsitzenden der Rheinmetall AG, Armin Papperger, waren auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, und Staatsminister Philipp Amthor zugegen. Schwesig und Amthor nutzten den Termin zu Wahlkampfzwecken und stellten sich ausführlich als Kümmerer in der Region dar. Besonders oft wurde der Betriebsrat angesprochen und das eigene Engagement für die Peene-Werft hervorgehoben.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 9. September 2026

Büroleiter – die wichtigen Leute hinter den Militärattachés

Während die Militärattachés an der Cocktailfront glänzen, bei Empfängen, Großen Zapfenstreichen, Kommandoübergaben dabei sind und über das Jahr sämtliche Teilstreitkräfte besuchen, werkeln die Büroleiter oft unbemerkt im Hintergrund.

Jeder noch so kleine Militärattaché-Stab hat seinen Büroleiter. Unser Militärattaché-Stab in Lissabon beispielsweise besteht aus einem Verteidigungsattaché im Dienstgrad Korvettenkapitän oder Oberstleutnant und einem Büroleiter im Feldwebel-Dienstgrad. Die Tätigkeitsbereiche greifen dort so perfekt ineinander, dass sich der Attaché komplett auf seine Report-Aufgaben, die Kontaktpflege und das Repräsentieren der Bundeswehr konzentrieren kann.

Viele ausländische Militärattaché-Stäbe verzichten auf militärische Büroleiter und stellen stattdessen deutsche Ortskräfte an. Diese arbeiten teilweise Jahrzehnte in den Stäben und bieten den Botschaften einen gewissen Heimvorteil beim Organisieren, Kommunizieren oder Verhandeln. Zudem weisen sie eine größere Kontinuität auf als militärische Büroleiter. Militärische Büroleiter wechseln oft nach vier bis fünf Jahren und müssen dann neben der Sprachkompetenz auch die Netzwerke neu aufbauen.

Da die Arbeit der Büroleiter so gerne übersehen wird, wollten sich BMVg und Marie einmal bei den Büroleitern bedanken und haben eine Reise zur Marinetechnikschule in der Nähe von Stralsund eingeladen.


Dort konnten die Büroleiter endlich mal in einer echten Kaserne wohnen und die echte Truppenküche ausprobieren. In diesen Genuss kommen gerade zivile Büroleiter nur selten. An der Marinetechnikschule gab es Motoren, Geschütze und weitere interessante Dinge zu bestaunen. Auch Sport und Brandschutzsimulationen waren dabei. Am zweiten Tag ging es nach Rügen auf die Korvette „Braunschweig“. Die Besatzung erklärte die vielen Bewaffnungen und deren Zweck. Es gab die obligatorische Brandschutzübung und ein „Mann über Bord“. Highlight waren dann die drei Schuss mit der 76-mm-Bordkanone. Die Reise bot einen stetigen Wechsel zwischen militärischer Information, Vernetzung und Tourismus. Letzterer wurde auf Rügen mit Prora, Binz und Putbus bedient.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 29. Mai 2026

Einfluss der Seemacht auf die Geschichte

Was der preußische Generalmajor Carl von Clausewitz für kontinentale Strategie, ist Konteradmiral Alfred Thayer Maher wohl für den maritimen Bereich. In seinem Buch „The Influence of Sea Power Upon History“ (Einfluss der Seemacht auf die Geschichte) analysiert er die Seeschlachten von 1660 bis 1783 und deren Einfluss auf das globale Kräfteverhältnis.


Die Hauptakteure sind England, Frankreich, Spanien, Niederlande und Nordamerika. Spanien wird als durchgängig schwach dargestellt und taucht immer nur als Verbündeter Frankreichs ohne eigenen Gestaltungswillen auf. Frankreich ist eine treibende Kraft der Landkriege in Europa und kann sich bei seinen territorialen Vorteilen nicht so recht entscheiden, ob es sich auf den Landkrieg konzentrieren oder eine globale Seemacht werden möchte. Ständige Wechsel in den europäischen Königshäusern und  innenpolitische Befindlichkeiten lähmen Frankreich und geben England die Möglichkeit, sich unabhängig zu entwickeln.

Auch in England gibt es innenpolitische Zerwürfnisse und hausgemachte Probleme, die die Marine schwächen. Frankreich schafft es dann erstaunlich schnell, genügend Schiffe zu produzieren, um es mit England aufzunehmen. Allerdings weist die Disziplin und die Einheit der französischen Offiziere erhebliche Schwachstellen auf, so dass manch eine leicht zu gewinnende Schlacht ohne die erhofften Ergebnisse endet. Da weigert sich der adelige Kapitän, den Kommandos des Admirals zu folgen und bringt die Kampflinie durcheinander oder driftet einfach weg. Interessant an den Ausführungen Mahers ist, dass es auch damals schon kritische Kriegsgerichte gab, die ungehorsame oder unfähige Kapitäne mit harten Strafen bis zum Tod belegt hatten.

Im Großen und Ganzen kann man die über 400 Seiten des Buches auf folgende Prinzipien eindampfen:

Wer die Seewege kontrolliert, kann produzieren, liefern, kommunizieren und globale Märkte nutzen.

Um zur See erfolgreich zu sein, bedarf es nach Maher sechs entscheidender Voraussetzungen:

1) geografische Position des Landes

2) physische Beschaffenheit des Landes

3) Ausbreitung des Territoriums

4) Bevölkerungsanzahl

5) nationale Eigenheiten

6) Kompetenz der Regierung

Länder ohne Meerzugang oder mit einem territorial ausgerichteten Blick sind als Seemacht ungeeignet. Die Niederlande und England sind Beispiele dafür, wie Länder ohne viel Landpotenzial durch globale Expansion ihre Möglichkeiten erweitert haben – und das sehr wertschöpfend.

Ein weltweites Agieren setzt aber auch eine große Flotte voraus, die aus Kriegsschiffen und Handelsschiffen besteht. Die Anlaufstellen sind oft weit auseinander und die Wege sollten möglichst ungehindert passiert werden können. Inseln auf dem Weg dienen als Versorgungsstützpunkte und zum Rückzug bei Bedrohungen. Wer keinen Zugriff auf solche Stützpunkte hat, kann trotz anfänglicher Überlegenheit empfindliche Verluste erleben, weil Nachschub und Regeneration fehlen.

Anhand verschiedener Fehler in den Kämpfen zwischen 1660 und 1783 zeigt sich, dass es sinnvoll ist, sich mit dem Gegner nicht an vielen kleinen Schauplätzen zu verzetteln, sondern deren Hauptflotte anzugreifen und zu vernichten. Dazu wird Entschlossenheit zum Angriff, taktische Flexibilität, gute Kommunikation zwischen den Kommandoebenen, Fernaufklärung der Bewegung feindlicher Verbände, ausreichend Verbrauchs- und Reparaturmaterial und mindestens Gleichstand bei Anzahl und Feuerkraft der Schiffe benötigt. Am verwundbarsten sind die Flotten, wenn sie im Hafen liegen. Neben dem Angriff auf Schiffe im Hafen, kommt noch die Blockade der Ausfahrt in Frage. Das haben die Engländer aber selten mit Frankreichs praktiziert, weil es kapazitiv sinnvoller war, die Langstrecken unterwegs abzuschneiden oder entfernte Häfen so zu besetzen, dass die Franzosen unterwegs keinen Ruhepunkt finden konnten. Ein strategisches Bonbon ist Gibraltar, das den Weg ins Mittelmeer kontrolliert und lange im Besitz Englands war. Malta, dass im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle für die Briten gespielt hatte, wird vom Autor nur am Rande erwähnt.

Am Ende des Buches wird deutlich, dass die transatlantischen Beziehungen auch eine Frage der Seemacht sind. Während das europäische Engagement in Indien als abgekoppelt angesehen wird, muss der Atlantik mit seinen Gegenküsten in Europa, Afrika und Amerika als strategische Einheit betrachtet werden. Die Küsten sind nur durch Wasser verbunden und es müssen auf dem Weg keine Landhindernisse wie Afrika oder der Nahe Osten überwunden werden. Die gleiche geostrategische Situation bahnt sich übrigens in der Arktis an, wenn dort demnächst das Eis abgeschmolzen sein wird.

Autor: Matthias Baumann