Die in Deutschland akkreditierten Militärattachés werden durch das Referat Streitkräfte IV 4 (SK IV 4) des BMVg, ehemals MEO I 4 und SE I 4, bestens betreut. Neben Empfängen, Konferenzen und sportlichen Veranstaltungen mit Feldanzug im Grünen organisiert das Referat mehrtägige Reisen zu den Teilstreitkräften der Bundeswehr. So gab es auch in diesem Jahr Reisen zum Heer, zum Unterstützungskommando, zur Luftwaffe, zum Cyber-Informationsraum und abschließend auch zur Marine.
Die Reise zur Marine war besonders gut besucht, weil das Programm einige spannende Punkte enthielt. Beginnen sollte es beim Seebataillon, einer schlagkräftigen Marineinfanterie-Einheit. Danach stand ein Tagesausflug auf dem Tender „Werra“ mit verschiedenen Fähigkeitsdarstellungen auf dem Programm und am letzten Tag sollte es zum 1. U-Bootgeschwader in Eckernförde gehen. Einige Attachés hatten ihre Ehepartner dabei. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Netzwerkbildung.
Beim Seebataillon gab es den üblichen Theorieteil und ein Essen in der Truppenküche. Danach ging es in die Ausstellung des Bataillons, wo sämtliche Exponate angefasst und ausprobiert werden konnten. Es wurde gefachsimpelt und bei manch einem Oberst erwachte das Kind im Manne. Am Abend ging es zur inhaltlichen Abwechslung in den schleswig-holsteinischen Landtag. Die Attachés konnten dort mit Landtagsabgeordneten verschiedener Parteien diskutieren und üben, wie Flensburger Pils mit einem hörbaren „Plopp“ geöffnet wird.
Der zweite Tag war für einen Ausflug mit dem Tender „Werra“ reserviert. Ein Tender fasst bis zu 125 Personen und 25 Container. Er kann bis zu 150 Tonnen Munition transportieren und schützt sich mit mehreren Bordkanonen und Maschinengewehren. Der Tender ist ein Boot und kein Schiff. Der Unterschied zwischen Boot und Schiff liegt in der Kommandostruktur. Das Schiff hat neben dem Kapitän noch einen Ersten Offizier. Das Boot hat diesen nicht. Deshalb ist die „Gorch Fock“ ein Schiff und der Tender „Werra“ ein Boot.
Während des langen Ausfluges in die Kieler Bucht gab es Vorführungen, die einige Heeres- und Luftwaffenattachés so noch nie gesehen hatten: Der Austausch von Post zwischen zwei Schiffen – ähm Booten, das Boarding vom Hubschrauber aus, die Rettung eines über Bord gegangenen Kameraden, die Brandbekämpfung, den Gruß nach Laboe oder das Show of Force (Machtdemonstration) durch den tiefen Überflug zweier Eurofighter.
Den letzten Tag verbrachten die Reisenden beim 1. U-Bootgeschwader in Eckernförde. Besonderes Highlight war das Ausbildungszentrum mit vielen Exponaten aus dem U-Bootalltag und modernen Simulatoren zur Ausbildung der Besatzungen.
Auch im nächsten Jahr wird es wohl wieder Reisen zu den Teilstreitkräften geben – zu anderen Standorten und mit anderen Teilnehmern, aber sicher auch so interessant.
Autor: Matthias Baumann