Die Panzerhaubitze 2000 (PzH 2000) hat eine Kampfentfernung von 40 Kilometern, die durch moderne Munition auf bis zu 70 Kilometer erweitert werden kann. Das Fahrzeug basiert auf dem Leopard 1, der sich mit 1.000 PS durch die Landschaft bewegt.
Nachdem wir bereits über das Artillerie-Geschütz-Modul (AGM) für den Boxer berichtet haben, wollten wir uns auch die PzH 2000 etwas genauer anschauen. Die Panzerhaubitze dient mit ihrer Reichweite der Feuerunterstützung der Kampftruppe. Aus sicherer Entfernung stört sie den Feind, baut Nebelwände auf oder beleuchtet das Gefechtsfeld. Sie kann aber auch den Gegner zerstören oder vernichten. Der Laie erkennt hier keinen großen Unterschied: Zerstören ist die Vorstufe zum Vernichten. Hier geht es hauptsächlich darum, eine Kampfunfähigkeit herzustellen, indem Material und Personal erheblich beschädigt werden. Das entspricht in etwa dem Begriff des Neutralisierens, wie ihn schon Clausewitz vor 200 Jahren verwendet hatte. Das Vernichten wird dem Wortstamm „nichts“ gerecht und bedeutet, dass auch keine Regeneration der Kampfkraft mehr möglich sein wird.
Die 155-Millimeter-Geschosse sind mit programmierbaren Zündern versehen. Diese können kurz vor Auftreffen, beim Auftreffen oder mit einer leichten Verzögerung auslösen. Die Wirkung der etwa 11.000 Splitter ist dann unterschiedlich. Die Artilleristen vor Ort machten mehrfach deutlich, dass es eine gute Idee sei, sich nicht im Umfeld des Einschlags aufzuhalten. Als Richtwert wurde ein Radius von 50 Metern genannt.
Aber wie trifft die PzH 2000 auf 30 Kilometer Entfernung?
Es beginnt beim Beobachtungsstand. Beobachter fahren zum Beispiel mit dem Spähpanzer Fennek durchs Gelände und erspähen dort den Gegner. Sie beobachten, was der Gegner gerade tut und leiten daraus seine nächsten Schritte ab. Mit entsprechenden optischen Geräten ermitteln sie die Entfernung und die Koordinaten des Gegners und geben diese zusammen mit einer Empfehlung zur Bekämpfung an die höhere Entscheidungsebene, den Gefechtsstand, weiter.
Da die Panzerhaubitze Teil eines größeren taktischen Zusammenspiels ist, entscheidet der Gefechtsstand, wie mit der Empfehlung des Beobachters umzugehen ist. Stimmt dieser zu, leitet er die Koordinaten und die Art der Bekämpfung an den Feuerleitstand weiter. Dieser ist beweglich und befindet sich gut getarnt in der Nähe der Panzerhaubitzen. Der Feuerleitstand setzt den Befehl des Gefechtsstandes in die technischen Details um und leitet die Koordinaten sowie die gewünschte Art der Munition an die Panzerhaubitzen weiter. Das kann per Funk oder per Datensatz-Übertragung erfolgen.
Der Feuerleitstand erteilt die Feuerfreigabe. Dazu bewegen sich die PzH 2000 schnell aus ihrer Deckung heraus, schießen und fahren sofort wieder in ihre Deckung zurück. Die Wege, um sich zwischen Deckung und Feuer auf freiem Feld zu bewegen, wurden vorab festgelegt. Nun sind wir wieder beim Beobachter: Dieser beobachtet die Wirkung des Treffers und gibt diese Informationen auf dem Dienstweg an den Gefechtsstand weiter.
Es sind also vier Instanzen am Schuss mit der Panzerhaubitze beteiligt: Beobachter, Leitungsebene, Feuerleitstand, Panzerhaubitze.
Autor: Matthias Baumann