Dienstag, 7. April 2015

#wirtschaftfm und die Reziprozität eines Podiumsgespräches im Wirtschaftsministerium

Das Markenzeichen deutscher Fachbücher manifestiert sich in einer überaus großen Dichte an Fremdwörtern. Wenn nach der Lektüre fünf neue Begriffe in den eigenen Wortschatz aufgenommen werden konnten, hat sich das Studium eines 70-Euro-Werkes mit 450 Seiten bereits gelohnt, zumal dann bekannt ist, dass es sich um einen großen Autoren der deutschen Wissenschaft gehandelt haben muss. Die Vermittlung fachlicher Inhalte ist dabei sekundär.

Beim "homo oeconomicus" bestimmen allerdings Effektivität und zielführender Wissenserwerb das Handeln, so dass in unseren Regalen vorwiegend Fachbücher englischsprachiger Autoren zu finden sind. Kein Wunder also, dass uns nach dem heutigen Gespräch zwischen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Prof. Dr. Armin Falk die Frage beschäftigte: "Wie korrelieren Paternalismus, soziale Präferenzen und altruistische Reziprozität"?

wirtschaftfm Wirtschaft für Morgen Sigmar Gabriel Armin Falk
#wirtschaftfm - Wirtschaft für morgen - Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Gespräch mit Prof. Dr.Armin Falk
Reziprozität zog sich durch die gesamte Veranstaltung "Wirtschaft für morgen". Reziprozität gibt es als positive und negative Variante, wobei Männer wohl eher zur Negativversion tendieren. Der Professor stellte diverse Studien vor, in denen die Motivation von Mitarbeitern oder Steuerzahlern im gesellschaftlichen Sozialgefüge getestet wurden. Was wird als fair und was als unfair wahrgenommen? Wie wirken sich Divergenzen der Arbeitsatmosphäre hinsichtlich Vertrauen und Misstrauen gegenüber Mitarbeitern auf die Gesamtergebnisse eines Unternehmens aus? Wie schlägt eine gerechte oder als ungerecht empfundene Entlohnung auf den Gesundheitszustand von Arbeitnehmern durch?

Armin Falk machte anhand von Studien deutlich, dass ein als fair empfundenes Steuersystem nachhaltig positive Auswirkungen auf die Steuermoral habe. In seinem nahezu frei gesprochenen Vortrag ging er auch mehrfach auf die vorherige Rede des Wirtschaftsministers ein.

Während der finalen Diskussionsrunde zwischen Sigmar Gabriel und Armin Falk hatten das anwesende und das multimedial verbundene Publikum Gelegenheit zu Koreferaten und Fragen. Die Koreferate wurden relativ gut gekürzt und die Fragen direkt an die beiden Herren auf dem Podium durchgereicht. Sigmar Gabriel wurde auch mit der üblichen Frage "Wie kann ich mitbestimmen" konfrontiert und konterte mit einem klaren: "Einfach machen"! Auf die kürzlich durch einen Schüler gestellte Frage, was er denn gegen dessen Politikverdrossenheit tun wolle, sagte er: "Gar nichts". Damit forderte er zur aktiven Teilnahme am politischen Geschehen auf.

Es kamen auch Fragen zur aktuellen Situation mit Griechenland. Im Bezug auf eine positive Reziprozität handelten die Griechen äußerst "dumm". Immerhin wollten sie ja etwas von Deutschland. Die "leichte politische Übung" werde durch unpassende Äußerungen oder thematisch abgekoppelte Reparationsforderungen zu einer negativen Reziprozität geführt. Griechenland habe seine Ressourcen selbst ausgeweidet und wundere sich nun über den Paternalismus der europäischen Geldgeber. Mit seichten Nudge-Methoden sei da nichts mehr zu stabilisieren.

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Mitschnitt der Veranstaltung aus der BMWi-Mediathek

Autor: Matthias Baumann

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