Montag, 16. Dezember 2013

Social Media in der Konrad-Adenauer-Stiftung

Der heutige Abend in der Konrad-Adenauer-Stiftung thematisierte die Rolle von Social Media im Wahlkampf 2013.

Mit Michael Fuchs alias "cdu-fuchs" hatten wir uns ja bereits zum PKM-Sommerfest 2011 bezüglich der Google-Rangordnung gemessen. Angela Merkel wurde von RTL-Chefin Anke Schäferkordt bei der CDU Medianight 2013 sogar als "Social Media Queen" bezeichnet. Das legt die Vermutung nahe, dass die sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co. aktiv zur Unterstützung des Wahlkampfes genutzt wurden. Ob sich das auch mit Zahlen belegen lässt, wollten wir nun erfahren.

Prof. Dr. Christoph Neuberger vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung stellte hierzu eine Studie vor, in deren Rahmen während des Wahlkampfes etwa 350 relevante Suchbegriffe bei Twitter, in 76 ausgewählten Blogs, in 16 News-Portalen und im Forum meta.tagesschau beobachtet wurden.

Konrad-Adenauer-Stiftung
Konrad-Adenauer-Stiftung
Dabei fiel auf, dass unterschiedlich politisch ausgerichtete Personen bestimmte Präferenzen bei der Wahl des sozialen Mediums haben. Während Twitter sehr stark von kleinen Parteien wie den Piraten (20%) oder der AfD (10%) genutzt wird, sind Blogs fast zu 2/3 Rot-Rot-Grün ausgerichtet.

Die Beurteilung der Spitzenkandidaten war auch sehr aufschlussreich. Steinbrück stand weitestgehend im Zusammenhang mit "Stinkefinger" und anderen Eigenschaften seiner Persönlichkeit. Angela Merkel hingegen wurde vorwiegend im Kontext von Sachthemen genannt.

Da Twitter gerne wie ein Platzregen auf aktuelle Meldungen reagiert, gab es bei ungünstigen Äußerungen der Kandidaten einige starke Negativausschläge im Twitter-Monitoring. Diese waren jedoch immer nur von kurzer Dauer.

Frank Lübberding von der FAZ berichtete, dass Twitter bei Journalisten sehr beliebt sei und dass man sich wundere, welche zunächst harmlosen Äußerungen von Spitzenpolitikern plötzlich in sämtlichen Zeitungen präsent sind, wenn sie nur oft genug bei Twitter erscheinen. Prominentes Beispiel sei das Schlagwort #Neuland beim Obama-Besuch gewesen.

Die nachhaltigste Werbung für einen Kandidaten geschehe nach wie vor über dessen Webseite. Selbst bei Vorhandensein einer entsprechenden Kontaktinfrastruktur in Social Media, werde diese nicht genutzt. Der Test eines ehemaligen Verteidigungsministers, auf welche seiner virtuellen Freunde er denn auch in der Realität bauen könne, hatte ein äußerst ernüchterndes Ergebnis.

Überhaupt sei nicht zu erkennen, dass Social-Media-Aktivitäten auch nur ansatzweise die Themenrelevanz aus Bürgersicht widerspiegeln. Das liege daran, dass die Social-Media-Kanäle von unterschiedlichen politischen Akteuren so unterschiedlich genutzt werden. Themen, die bei Twitter an erster Stelle zu finden sind, rangieren in Blogs auf dem fünften Platz. Umgekehrt beschäftigen sich Blogs mit Inhalten, die bei Twitter kaum eine Rolle spielen.

Man war sich in der anschließenden Podiumsdiskussion einig, dass Social Media immer mehr zum Bestandteil unserer Gesellschaft werde und es damit auch ein Instrument zukünftiger Wahlkämpfe sei. Die Politik müsse jedoch eine Vision entwickeln, die Social Networks für ihre Zwecke zu nutzen und nicht immer nur zu re-agieren. Nichtstun verhindert nicht die Tatsachen, sondern lässt den Anschluss verlieren.

Angela Merkel hat den Trend der neuen Medien erkannt und lebt deren aktive Nutzung bereits vor.

Autor: Matthias Baumann

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