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Donnerstag, 11. Juni 2026

ILA 2026 mit Drohnen, Politprominenz und Vorführungen

Vom 10. bis 14. Juni findet am Berlin ExpoCenter Airport - auf der Westseite des Flughafens BER - die ILA (Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung) statt. Die Tage vor dem Wochenende sind für Fachbesucher vorgesehen. Bundeskanzler Friedrich Merz hielt gestern seine Eröffnungsrede, absolvierte einen dreistündigen Rundgang und enthüllte dabei eine Drohne.


Schwerpunkte sind in diesem Jahr die Drohnen, der Weltraum und Verteidigung. Von IRIS-T über Skyranger bis F-35 ist alles ausgestellt, was derzeit nachgefragt wird. Militärattachés, Minister, Regionalpolitiker und Bundeswehroffiziere geben sich bei der Industrie die Klinke in die Hand.

Passend zur ILA 2026 wurde das deutsch-französische Projekt FCAS abgesagt und eine Luftfahrtstrategie der Bundesregierung unter dem Titel „Deutschland als führende Luftfahrtnation, wettbewerbsfähig, souverän, resilient und nachhaltig veröffentlicht.

Besonders beeindruckend war die Vorführung des italienischen Kampfhubschraubers Leonardo AW249. Dieser glänzt durch Agilität, Geschwindigkeit und Rückwärtsflug. Die Vorführung war eine atemberaubende Choreografie, die mit klassischer Musik unterlegt worden war.


 
Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 9. Juni 2026

Fallzahlen 2025 der Politisch motivierten Kriminalität vorgestellt

Heute Vormittag wurden die neuen Fallzahlen der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) durch Innenminister Alexander Dobrindt und BKA-Präsident Holger Münch in der Bundespressekonferenz vorgestellt.



Neu ist ein deutlicher Anstieg der Politisch motivierten Kriminalität von Links. Dieser Anstieg zieht sich durch sämtliche Bereiche von Sachbeschädigung, Beleidigung, Propaganda, Körperverletzung, Verstöße gegen das Versammlungsgesetz, Straftaten im Internet, Gewalttaten und Körperverletzungen. PMK blieb weitestgehend konstant, liegt aber nominell weit über den Fallzahlen der PMK links. Bei Gewalttaten verzeichnet PMK rechts einen Zuwachs von 7,39 Prozent auf 1.598 Taten gegenüber 1.087 Taten aus PMK links. Letzteres bedeutet einen Zuwachs von 42,65 Prozent. Ausländische und religiöse Ideologie halten sich mit 6.886 und 1.983 Straftaten auf einem hohen Niveau, das sich jedoch wegen der Situation in Nahost thematisch verschoben hat. 802 Gewalttaten gehen auf die Konten dieser beiden PMK-Bereiche.

PMK links und PMK rechts bekämpfen sich nur bedingt gegenseitig. Oftmals sind Dritte betroffen. Ziel von PMK rechts sind hauptsächlich Ausländer, während die PMK links bei Amtsträgern, dem Staat oder der Polizei ihre Tatschwerpunkte hat. Die Qualität der Taten verschärft sich. Auch sind zunehmend Taten im Zusammenhang mit dem Klima, wegen sexueller Orientierung oder aus Antisemitismus zu verzeichnen.

Der Innenminister wurde mehrfach zu § 188 StGB (Majestätsbeleidigung) befragt. Auf die überproportionale Nutzung durch Spitzenpolitiker wie Robert Habeck, Marie-Agnes Strack-Zimmermann oder Friedrich Merz wollte er nicht eingehen und erinnerte an die Ursprünge dieses Paragrafen: Regionalpolitiker, die Macher vor Ort, Direktkandidaten als der Realpolitik, sollten damit vor Angriffen geschützt werden. Alexander Dobrindt zeigte sich aber offen für eine Konkretisierung des Paragrafen auf Regionalpolitiker. Es könne nicht sein, dass niemand mehr in die Regionalpolitik gehen wolle, nur weil der Gegendruck so hoch sei.

Bezüglich der Angriffe auf Polizisten und anderes Blaulichtpersonal arbeite man gerade an einer Verschärfung des Strafrechts. Auf Nachfrage zum Sinn einer Verschärfung sagte der Innenminister: „Ich glaube an die abschreckende Wirkung des Strafrechts.“

Autor: Matthias Baumann

Montag, 8. Juni 2026

Taktisches Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann" trainiert zusammen mit dem Hamburger Flughafen (HAM)

Das Taktische Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann" (TaktLwG 51 "I") aus Jagel führt in dieser Woche eine gemeinsame Übung mit dem Flughafen Hamburg (HAM) durch.


Dabei wird das zivil-militärische Zusammenspiel von Luftwaffe und Flughafenpersonal trainiert. Es geht um Start, Landung, Zeitkoordination, Wetterinformationen, Betankung, Verpflegung und weitere Dinge, über die sich der Urlaubsreisende keine Gedanken macht, die aber funktionieren müssen. Die sechs Tornados werden in den normalen zivilen Flugverkehr integriert und erscheinen sogar auf der Tafel mit den Abfluginformationen. Nach Aussage des Kommodore, Oberst Jens Schumacher, hat das Zusammenwirken mit dem Flughafen HAM bei früheren Trainings hervorragend funktioniert. Deshalb zeigte er sich zuversichtlich, dass die Aktion auch diesmal ein voller Erfolg wird.

Der Flughafen Hamburg ist nur 120 Kilometer vom Heimatflugplatz des TaktLwG 51 "I" entfernt. Der Start lohnt sich dennoch, weil die Tornados unterwegs weitere Trainings absolvieren. Geflogen wird in diesem Fall ohne Bewaffnung.

Starts und Landungen auf Autobahnen, wie sie während des Kalten Krieges in Deutschland geübt wurden, stehen derzeit nicht auf dem Programm. Schweden und Finnland üben das jedoch wieder, um nach der möglichen Zerstörung von Flughäfen immer noch Fähig zum Luftkampf zu sein.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 1. Juni 2026

Alles über den Hohen Norden – lesenswerte Neuerscheinung des ZMSBw

Auch Lesern, die sich schon länger mit dem Hohen Norden beschäftigen, bietet das Taschenbuch „Wegweiser zur Geschichte– Hoher Norden“ auf seinen knapp 300 Seiten einen erheblichen Erkenntnisgewinn.


Die kurzen Kapitel sind von verschiedenen Autoren verfasst, lesen sich aber wie aus einer Feder. Der Reiz dabei ist, dass die Autoren die unterschiedlichen Aspekte der Arktis aus ihrer jeweiligen Perspektive beleuchten und der Leser damit ein gut ausdifferenziertes Lagebild erhält. Die Beiträge ergänzen und bestätigen sich. Durch gelegentliche Wiederholungen bleiben wichtige Themen und Daten noch besser haften.

Das Buch beginnt mit der spannenden Historie der arktischen Gebiete, geht auf die Bedeutung der Wikinger, die politischen Konstellationen, die Sprachen, die Ethnien, das Klima, die Geografie und die Tierwelt ein. Aufbauend auf diesem regionalen Grundverständnis steigen die Autoren immer tiefer in die Zusammenhänge von Wirtschaft, Forschung, Rohstoffen, Militär und geostrategischen Ambitionen ein. Ausführlich und gut verständlich werden völkerrechtliche Fragen wie die UN-Seerechtskonvention erklärt oder der Frage nachgegangen, ob sich die Nutzung der Nordost- oder der Nordwestpassage zwischen Atlantik und Pazifik wirtschaftlich überhaupt lohnt.

Das Buch wurde vom ZMSBw (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr) herausgegeben.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 29. Mai 2026

Einfluss der Seemacht auf die Geschichte

Was der preußische Generalmajor Carl von Clausewitz für kontinentale Strategie, ist Konteradmiral Alfred Thayer Maher wohl für den maritimen Bereich. In seinem Buch „The Influence of Sea Power Upon History“ (Einfluss der Seemacht auf die Geschichte) analysiert er die Seeschlachten von 1660 bis 1783 und deren Einfluss auf das globale Kräfteverhältnis.


Die Hauptakteure sind England, Frankreich, Spanien, Niederlande und Nordamerika. Spanien wird als durchgängig schwach dargestellt und taucht immer nur als Verbündeter Frankreichs ohne eigenen Gestaltungswillen auf. Frankreich ist eine treibende Kraft der Landkriege in Europa und kann sich bei seinen territorialen Vorteilen nicht so recht entscheiden, ob es sich auf den Landkrieg konzentrieren oder eine globale Seemacht werden möchte. Ständige Wechsel in den europäischen Königshäusern und  innenpolitische Befindlichkeiten lähmen Frankreich und geben England die Möglichkeit, sich unabhängig zu entwickeln.

Auch in England gibt es innenpolitische Zerwürfnisse und hausgemachte Probleme, die die Marine schwächen. Frankreich schafft es dann erstaunlich schnell, genügend Schiffe zu produzieren, um es mit England aufzunehmen. Allerdings weist die Disziplin und die Einheit der französischen Offiziere erhebliche Schwachstellen auf, so dass manch eine leicht zu gewinnende Schlacht ohne die erhofften Ergebnisse endet. Da weigert sich der adelige Kapitän, den Kommandos des Admirals zu folgen und bringt die Kampflinie durcheinander oder driftet einfach weg. Interessant an den Ausführungen Mahers ist, dass es auch damals schon kritische Kriegsgerichte gab, die ungehorsame oder unfähige Kapitäne mit harten Strafen bis zum Tod belegt hatten.

Im Großen und Ganzen kann man die über 400 Seiten des Buches auf folgende Prinzipien eindampfen:

Wer die Seewege kontrolliert, kann produzieren, liefern, kommunizieren und globale Märkte nutzen.

Um zur See erfolgreich zu sein, bedarf es nach Maher sechs entscheidender Voraussetzungen:

1) geografische Position des Landes

2) physische Beschaffenheit des Landes

3) Ausbreitung des Territoriums

4) Bevölkerungsanzahl

5) nationale Eigenheiten

6) Kompetenz der Regierung

Länder ohne Meerzugang oder mit einem territorial ausgerichteten Blick sind als Seemacht ungeeignet. Die Niederlande und England sind Beispiele dafür, wie Länder ohne viel Landpotenzial durch globale Expansion ihre Möglichkeiten erweitert haben – und das sehr wertschöpfend.

Ein weltweites Agieren setzt aber auch eine große Flotte voraus, die aus Kriegsschiffen und Handelsschiffen besteht. Die Anlaufstellen sind oft weit auseinander und die Wege sollten möglichst ungehindert passiert werden können. Inseln auf dem Weg dienen als Versorgungsstützpunkte und zum Rückzug bei Bedrohungen. Wer keinen Zugriff auf solche Stützpunkte hat, kann trotz anfänglicher Überlegenheit empfindliche Verluste erleben, weil Nachschub und Regeneration fehlen.

Anhand verschiedener Fehler in den Kämpfen zwischen 1660 und 1783 zeigt sich, dass es sinnvoll ist, sich mit dem Gegner nicht an vielen kleinen Schauplätzen zu verzetteln, sondern deren Hauptflotte anzugreifen und zu vernichten. Dazu wird Entschlossenheit zum Angriff, taktische Flexibilität, gute Kommunikation zwischen den Kommandoebenen, Fernaufklärung der Bewegung feindlicher Verbände, ausreichend Verbrauchs- und Reparaturmaterial und mindestens Gleichstand bei Anzahl und Feuerkraft der Schiffe benötigt. Am verwundbarsten sind die Flotten, wenn sie im Hafen liegen. Neben dem Angriff auf Schiffe im Hafen, kommt noch die Blockade der Ausfahrt in Frage. Das haben die Engländer aber selten mit Frankreichs praktiziert, weil es kapazitiv sinnvoller war, die Langstrecken unterwegs abzuschneiden oder entfernte Häfen so zu besetzen, dass die Franzosen unterwegs keinen Ruhepunkt finden konnten. Ein strategisches Bonbon ist Gibraltar, das den Weg ins Mittelmeer kontrolliert und lange im Besitz Englands war. Malta, dass im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle für die Briten gespielt hatte, wird vom Autor nur am Rande erwähnt.

Am Ende des Buches wird deutlich, dass die transatlantischen Beziehungen auch eine Frage der Seemacht sind. Während das europäische Engagement in Indien als abgekoppelt angesehen wird, muss der Atlantik mit seinen Gegenküsten in Europa, Afrika und Amerika als strategische Einheit betrachtet werden. Die Küsten sind nur durch Wasser verbunden und es müssen auf dem Weg keine Landhindernisse wie Afrika oder der Nahe Osten überwunden werden. Die gleiche geostrategische Situation bahnt sich übrigens in der Arktis an, wenn dort demnächst das Eis abgeschmolzen sein wird.

Autor: Matthias Baumann