Im März 2026 wurde die neue Militärgeschichtliche Sammlung (MGS) im Stabsgebäude des Wachbataillons in der Julius-Leber-Kaserne eröffnet. Diese konzentriert sich auf zwei Räume, einen Flur und das Treppenhaus. Sie ist in vier Kapitel eingeteilt, die sich mit allgemeinen Betrachtungen von Garden, deren Besonderheiten wie das Gardemaß, mehr oder weniger tradierenden Persönlichkeiten, Zeitachsen und der fast 70-jährigen Geschichte des heutigen Wachbataillons beschäftigen. Bei einer Begehung der Ausstellung erklärt der Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Maik Teichgräber, das Traditionsverständnis seines Verbandes und die Identität stiftende Neubelebung des Schlachtrufs „Semper talis!“:
Bis vor zehn Jahren stand beim Wachbataillon noch die Traditionslinie zum Ersten Garderegiment zu Fuß (EGRzF) im Raum. Dieses Regiment war 1806 nach der Niederlage gegen Napoleon aufgestellt worden. Die Kaserne des EGRzF lag gegenüber der Garnisonkirche in Potsdam. 1819 wurde das Infanterie-Lehrbataillon gegründet und dem Ersten Garderegiment zu Fuß unterstellt. Dieses Elitebataillon hatte nicht nur Schutz- und Repräsentationsaufgaben, sondern durfte auch sämtliche neuen Waffen und Taktiken erproben. 1820 führte König Friedrich Wilhelm III. das Schrippenfest ein. Das Schrippenfest diente der Gemeinschaftsförderung zwischen den Familien der Soldaten. Hier konnten sich die Angehörigen mal so richtig sattessen.
Bis 2019 wurde das Schrippenfest auch noch mit viel Aufwand durch das Wachbataillon gestaltet. Zunehmender Personalmangel, reger Personalwechsel und letztlich auch die mehrjährigen Einschränkungen durch COVID führten zu Zäsuren bei der Pflege von Tradition und Brauchtum. Deshalb wurde ab 2023 überlegt, wie man Identität stiftend und zeitgemäß unter Einbeziehung des Traditionserlasses von 2018 mit den preußischen Exponaten von Möllendorff-Degen über alte Gemälde, Pickelhauben und Grenadiersmützen bis hin zu kunstvoll gestalteten Truppenfahnen umgehen könne. Auch wurde über den Schlachtruf „Semper talis!“ (immer gleich) diskutiert. Das Ergebnis wird nun einerseits in der Ausstellung präsentiert und andererseits in die politische Bildung des Verbandes integriert. Die Buchstaben von "Semper talis!" wurden mit Identität stiftenden Begriffen untermauert und statt des Schrippenfestes gibt es seit einigen Jahren das wesentlich kleiner gestaltete Bataillonsfest, das nach Innen wirkt und dem Zusammenhalt des Verbandes inklusive dessen Familienangehöriger dient.
Autor: Matthias Baumann