Vor 20 Jahren
starb Johannes Rau. Er war von 1999 bis 2004 Bundespräsident. Wegen seines
klaren Bekenntnisses zum Christentum wurde er zuweilen auch als „Bruder
Johannes“ bezeichnet. Während die CDU eine starke Fraktion von Katholiken
beheimatet, finden sich in der SPD die Protestanten. So ist es kaum
verwunderlich, dass an der heutigen Kranzniederlegung auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte neben dem amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (SPD) weitere SPD-Politiker teilgenommen
haben.
Die
Kranzniederlegung war ein guter Anlass, noch einmal das Wirken von Johannes Rau
ins Gedächtnis zu rufen. Er war als Politiker der alten Schule im Gedächtnis
geblieben und Bürger, die ihn noch bewusst erlebt hatten waren erschrocken,
dass er nun schon 20 Jahre tot ist. Statt einer Grabrede las die Witwe des
Präsidenten a.D. die Tagesverse aus der Herrnhuter Losung vor. Auf seinem
Grabstein ist der provokante Vers zu lesen: „Dieser war auch mit dem Jesus von
Nazareth.“ Im Kontext geht es um Petrus, der sich aus der Ferne die
Verurteilung von Jesus anschaut und plötzlich als dessen Anhänger erkannt wird.
Kurz darauf hat Petrus so getan, als kenne er Jesus nicht.
Wer in den letzten
vier Jahren wiederholt Litauen besucht hat, wird die enorme Geschwindigkeit von
Bauvorhaben und infrastrukturellem Aufwuchs bestätigen können. Diesem Tempo
schließt sich auch der Wechsel der Verteidigungsminister Litauens an.
Verteidigungsminister
Arvydas Anušauskas hatte es von Dezember 2020 bis März 2024 durchgehalten und
reichte dann überraschend seinen Rücktritt ein. Sein Nachfolger war Laurynas
Kasčiūnas. Der konservative Kasčiūnas wurde
von der litauischen Presse bezüglich der Kosten im Zusammenhang mit der
deutschen Brigade Litauen unter Druck gesetzt. So gab er bereits im Dezember
2024 sein Amt wieder ab. Es folgte die Kriminalpsychologin Dovilė Šakalienė. Sie gehört der Bauernpartei
Litauens an. Dovilė Šakalienė konnte sich keine zwölf Monate im Amt halten.
Der aktuelle
Verteidigungsminister Robertas Kaunas ist Sozialdemokrat und seit November 2025
im Amt. Heute absolvierte er seinen Antrittsbesuch bei Boris Pistorius im
Bendlerblock.
Die Panzerhaubitze
2000 (PzH 2000) hat eine Kampfentfernung von 40 Kilometern, die durch moderne
Munition auf bis zu 70 Kilometer erweitert werden kann. Das Fahrzeug basiert
auf dem Leopard 1, der sich mit 1.000 PS durch die Landschaft bewegt.
Nachdem wir
bereits über das Artillerie-Geschütz-Modul (AGM) für den Boxer berichtet haben,
wollten wir uns auch die PzH 2000 etwas genauer anschauen. Die Panzerhaubitze
dient mit ihrer Reichweite der Feuerunterstützung der Kampftruppe. Aus sicherer
Entfernung stört sie den Feind, baut Nebelwände auf oder beleuchtet das
Gefechtsfeld. Sie kann aber auch den Gegner zerstören oder vernichten. Der Laie
erkennt hier keinen großen Unterschied: Zerstören ist die Vorstufe zum
Vernichten. Hier geht es hauptsächlich darum, eine Kampfunfähigkeit
herzustellen, indem Material und Personal erheblich beschädigt werden. Das
entspricht in etwa dem Begriff des Neutralisierens, wie ihn schon Clausewitz
vor 200 Jahren verwendet hatte. Das Vernichten wird dem Wortstamm „nichts“ gerecht
und bedeutet, dass auch keine Regeneration der Kampfkraft mehr möglich sein wird.
Die
155-Millimeter-Geschosse sind mit programmierbaren Zündern versehen. Diese
können kurz vor Auftreffen, beim Auftreffen oder mit einer leichten Verzögerung
auslösen. Die Wirkung der etwa 11.000 Splitter ist dann unterschiedlich. Die
Artilleristen vor Ort machten mehrfach deutlich, dass es eine gute Idee sei,
sich nicht im Umfeld des Einschlags aufzuhalten. Als Richtwert wurde ein Radius
von 50 Metern genannt.
Aber wie trifft
die PzH 2000 auf 30 Kilometer Entfernung?
Es beginnt beim
Beobachtungsstand. Beobachter fahren zum Beispiel mit dem Spähpanzer Fennek
durchs Gelände und erspähen dort den Gegner. Sie beobachten, was der Gegner gerade
tut und leiten daraus seine nächsten Schritte ab. Mit entsprechenden optischen
Geräten ermitteln sie die Entfernung und die Koordinaten des Gegners und geben
diese zusammen mit einer Empfehlung zur Bekämpfung an die höhere Entscheidungsebene,
den Gefechtsstand, weiter.
Da die Panzerhaubitze Teil eines größeren taktischen
Zusammenspiels ist, entscheidet der Gefechtsstand, wie mit der Empfehlung des
Beobachters umzugehen ist. Stimmt dieser zu, leitet er die Koordinaten und die
Art der Bekämpfung an den Feuerleitstand weiter. Dieser ist beweglich und befindet
sich gut getarnt in der Nähe der Panzerhaubitzen. Der Feuerleitstand setzt den
Befehl des Gefechtsstandes in die technischen Details um und leitet die
Koordinaten sowie die gewünschte Art der Munition an die Panzerhaubitzen weiter.
Das kann per Funk oder per Datensatz-Übertragung erfolgen.
Der Feuerleitstand erteilt
die Feuerfreigabe. Dazu bewegen sich die PzH 2000 schnell aus ihrer Deckung
heraus, schießen und fahren sofort wieder in ihre Deckung zurück. Die Wege, um
sich zwischen Deckung und Feuer auf freiem Feld zu bewegen, wurden vorab
festgelegt. Nun sind wir wieder beim Beobachter: Dieser beobachtet die Wirkung
des Treffers und gibt diese Informationen auf dem Dienstweg an den Gefechtsstand
weiter.
Es sind also vier
Instanzen am Schuss mit der Panzerhaubitze beteiligt: Beobachter,
Leitungsebene, Feuerleitstand, Panzerhaubitze.
Heute wurde die
Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja
Kallas, mit militärischen Ehren im Bendlerblock empfangen. In den
anschließenden Gesprächen ging es um die Stärkung der europäischen
Verteidigungsbereitschaft und die Unterstützung der Ukraine.
Kaja Kallas war
von 2021 bis 2024 Premierministerin Estlands und gehört dort zur Reformpartei, die
in etwa mit unserer FDP zu vergleichen wäre. In Estland ist sie jedoch stärkste
politische Kraft. Kaja Kallas hatte sich innerhalb der EU und der NATO
besonders stark für die Unterstützung der Ukraine eingesetzt, da sich Estland
als direkter Nachbar Russlands einer konkreten Bedrohungslage gegenüber sieht.
Auch das IISS hatte 2021 noch vermutet, dass Russland das
Baltikum statt der Ukraine angreifen werde, um Handlungsfähigkeit und
Handlungswillen der NATO auszutesten.
Heute fand der traditionelle Neujahrsempfang des
Diplomatischen Korps bei Bundespräsident Steinmeier statt.
Bei weit über 100 diplomatischen Vertretungen und
internationalen Organisationen kann allein schon das Defilee mehr als eine Stunde dauern. Normalerweise wird die Begrüßungszeremonie durch den Doyen des
Diplomatischen Korps angeführt und erfolgt dann in der Reihenfolge ihrer
Akkreditierung. Bei der Akkreditierung kommt es neben dem Datum auch auf die
Uhrzeit an. Mitte Dezember 2025 waren noch die drei Botschafter aus Indonesien,
der Komoren und von São Tomé und Príncipe in ebendieser Reihenfolge akkreditiert
worden.
Dem Defilee schließen sich die Reden des Bundespräsidenten
und des Doyen an und gehen dann in ein kurzes Stehbankett über. Letzteres ist
im diplomatischen Dienst besonders wichtig, weil dort auf kurzem Wege so manch
eine wichtige Verabredung getroffen werden kann. Wenn ein Land diplomatische
Beziehungen zum Vatikan unterhält, wird der Doyen in der Regel durch den
„Apostolischen Nuntius des Heiligen Stuhls“ gestellt. Seit 2013 fungiert der
aus Kroatien stammende Erzbischof Nikola Eterovic als Doyen für das
Diplomatische Korps in Deutschland.