Dienstag, 29. September 2026

Präsident von Kasachstan in Berlin empfangen

Heute Mittag wurde der Staatspräsident der Republik Kasachstan, Kassym-Schomart Tokajew, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit militärischen Ehren im Bendlerblock empfangen.


Das Protokoll testet immer noch geeignete Orte für militärische Ehren des Bundespräsidenten aus. Der kürzlich empfangene Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate hatte es abgelehnt, vor dem Interimsbau empfangen zu werden, so dass noch einmal zur Villa Borsig ausgewichen werden musste. Im Auswärtigen Amt zeigt man sich wenig erfreut darüber, dass deren Gästehaus ständig von Bundespräsident und Bundeskanzler genutzt wird. Der Bendlerblock hat mehrere Vorteile: Er ist in Relation zum Interimsbau am Spreebogen gut gelegen und die Hauptstadtpresse hat keine Ausrede mehr, die Termine des Bundespräsidenten wegen der suboptimalen Anreise zu boykottieren.

Kassym-Schomart Tokajew ist 73 Jahre alt und seit 2019 Präsident seines Landes. Der Mann hat Rückgrat und emanzipiert sich auch gegenüber der typisch russischen Übergriffigkeiten. Als er im Dezember 2019 seinenAntrittsbesuch bei Angela Merkel absolvierte, standen zwei Stühle auf dem Podest, damit die Kanzlerin im Sitzen der Nationalhymnen lauschen konnte. Zur kasachischen Hymne stand Tokajew auf und legte seine rechte Hand auf die Brust. Das tat er auch heute. Zusätzlich sang die Begleitpresse den Text der Hymnemit. Das ist schon einzigartig.

Kasachstan hat 20 Millionen Einwohner. Auch wenn Russland noch einen traditionellen Einfluss ausübt, spricht man dort kein Russisch, sondern Kasachisch. Viele Spätaussiedler hatten zuletzt in Kasachstan gelebt. Von daher ist es wenig verwunderlich, dass in Berliner Kleingartenanlagen zuweilen die blaue Flagge Kasachstans weht.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 28. September 2026

Das Buch zum Nationalen Sicherheitsrat

Der Nationale Sicherheitsrat (NSR) steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Seine „Mutter“ ist die Politologin Christina Moritz. In ihrem kurzweilig geschriebenen „Buch zum Nationalen Sicherheitsrat“ stellt sie fest, dass er noch nicht so wirklich laufen gelernt hat.

Bereits 2016 hatte sie ihr Konzept zum NSR vorgestellt und war auf sehr unterschiedliche Reaktionen gestoßen. Da gab es die Bedenkenträger, die Verhinderer sowie die Sammler neuer Posten.

Umso erstaunter war die Autorin, dass mit Beginn der Regierung Merz auch die Gründung eines NSR auf die Tagesordnung kam. Seitdem wurde der NSR mehrmals einberufen, um aktuellen Ereignissen wie dem Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig oder Anschlägen auf die Stromversorgung hinterher zu hecheln.

Wenn es nach Christina Moritz ginge, würde das Alles viel schneller und konzeptionell besser strukturiert ablaufen. Sie plädiert nicht nur für eine Rotation der Spitzenposten, sondern auch für eine breite Sicht in die Gesellschaft. So sollten Informationen von Wirtschaft, Bürgern, Institutionen, Behörden und Diensten gleichermaßen betrachtet und daraus ein realistisches Lagebild gebaut werden.

Das Buch ist in kurze Kapitel eingeteilt, die auch selektiv oder in einer anderen Reihenfolge gelesen werden können. Die Überschriften geben das Thema vor und referenzieren auf bekannte Zitate und Ereignisse von Bibel bis Star Trek.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 25. September 2026

Ungarn ist zurück – Boris Pistorius absolviert seinen Antrittsbesuch in Budapest

Heute besuchte Verteidigungsminister Boris Pistorius seinen Amtskollegen, Dr. Romulusz Ruszin-Szendi, in Budapest.


Das Programm war eng getaktet. Nach fünf Stunden flog die Delegation schon wieder nach Berlin zurück. Zunächst gab es auf dem Heldenplatz militärische Ehren mit Hymnen und einer Kranzniederlegung. Dann ging es weiter ins benachbarte Verteidigungsministerium, wo bilaterale Gespräche auf Minister- und Delegationsebene stattfanden. Die anschließende Pressekonferenz dauerte wegen des konsekutiven Dolmetschens (Deutsch und Ungarisch nacheinander) fast eine Stunde. Die wichtigste Botschaft war wohl, dass Ungarn zurück am Tisch der europäischen Staaten ist und zwar nicht als Nettoempfänger, sondern als konstruktiver Partner. Zum Abschluss besuchte Boris Pistorius noch die Gedenkstätte und die Synagoge in der Dohánystraße und legte auch dort einen Kranz und einen Stein nieder.

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 24. September 2026

70 Jahre Luftwaffe mit Großem Zapfenstreich gefeiert

Heute Abend wurde im Beisein von Verteidigungsminister Boris Pistorius in Berlin-Gatow mit einem Großen Zapfenstreich der 70. Gründungstag der Luftwaffe gefeiert.


Die Luftwaffe blickt auf eine bewegte Zeit zurück. Während des Kalten Krieges waren die Auslandseinsätze der Luftwaffe vorrangig humanitärer Natur. So leistete sie in Äthiopien, Sudan, Mosambik und Marokko Hilfe bei Naturereignissen. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurden NVA-Soldaten und deren Technik wie die MiG-29 in die Bundeswehr eingegliedert. Ab 1991 wurde es robuster und die Luftwaffe nahm an der Operation Ace Guard im Golfkrieg, der Sarajevo-Luftbrücke, der Operation Deliberate Force in Bosnien und der Operation Allied Force im Kosovo teil. Seit den islamistischen Anschlägen auf das World Trade Center in New York City am 11. September 2001 ist die Luftwaffe zunehmend mit globalen Krisen und der Bündnisverteidigung beschäftigt. Dazu gehört der langjährige Einsatz in Afghanistan und die dramatische Evakuierungsaktion im August 2021. Einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der NATO-Ostflanke leistet die Luftwaffe beim Air Policing in Rumänien und Polen, aber auch im GIUK-Gap (Seewege zwischen Grönland, Island und Großbritannien). 2024 und 2025 warfen A400M der Luftwaffe Lebensmittel über Gaza ab. Zu erwähnen wäre hier auch noch die Großübung Pacific Skies 2024, bei der von Alaska über Japan und Australien bis nach Indien zusammen mit europäischen und regionalen Partnerstreitkräften trainiert wurde.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 23. September 2026

Arbeitsalltag in der Truppenküche

Der Arbeitstag in der Truppenküche der Hanse-Kaserne Rostock beginnt um 5.30 Uhr. Bis zum Frühstück für die Mitarbeiter des Marine-Kommandos steht für das Küchenteam noch eine prall gefüllte Stunde auf dem Programm. Erste Waren werden geliefert und müssen überprüft und eingelagert werden. Die Kühlräume werden abgegangen und die Temperaturen protokolliert. Salate werden geschnippelt. Brötchen werden aufgebacken. Erste Vorbereitungen für das Mittagessen werden getroffen.


Deutschlandweit gibt es derzeit etwa 270 Truppenküchen und täglich um die 30.000 Essensgäste. Je nach Standort variieren die Öffnungszeiten. Im Gegensatz zu Truppenübungsplatz-Kasernen ist in Kommandobehörden eine Abendversorgung oft nicht nachgefragt. Was gekocht wird, bestimmt das Verpflegungsamt der Bundeswehr. Hier gibt es grundsätzlich vier Linien zum Mittag: Feldkost für eine mögliche Verbringung ins Gelände, Vegetarisches für Vegetarier, Fitnesskost mit kalorienoptimierten Bestandteilen sowie das Highlight-Essen mit einem erhöhten Kalorienrahmen. Zu letzterem zählen das Schnitzel oder der panierte Fisch.

Die Truppenküchen und deren Personal sind dem Bundeswehr Dienstleistungszentrum (BwDLZ) untergeordnet. Es arbeiten nur Zivilisten dort. Ab und zu werden sie durch Feldköche unterstützt, wenn diese ihre vierwöchige Pflichtzeit in der Truppenküche zu absolvieren haben. Fachlich sind die Truppenküchen dem Verpflegungsamt der Bundeswehr unterstellt und haben sich weitestgehend an deren rotierendem 13-Wochen-Plan zu halten. Das heißt, das jede Truppenküche das gleiche Mittagsangebot hat. Dieses kann saisonal oder gemäß der Nutzerstruktur leicht angepasst werden. Eigene Kreationen der Köche sind nur bei beantragten Sonderessen möglich. Die Truppenküchen stellen auch Lunchpakete zusammen. Auch das erfolgt nach den Vorgaben des Verpflegungsamtes.

Die Preisgestaltung ist nicht nur für Bundeswehrangehörige interessant. Auch zivile Besucher ohne aufladbare Verpflegungskarte essen in Truppenküchen zum Selbstkostenpreis. In den Offizierheimgesellschaften sind die Mahlzeiten etwas teurer, dafür aber deutlich größer portioniert als in den Restaurants außerhalb der Kasernen.

Hygiene wird in der Truppenküche großgeschrieben. Nach sämtlichen Arbeiten werden die Gerätschaften und Räume mit Fett- und Eiweißlöser behandelt und desinfiziert. Das betrifft auch Wände und Türen. Gearbeitet wird mit Handschuhen und Kappen für die Haare. Zudem werden umfangreiche Lebensmittelproben genommen und für sieben Tage aufbewahrt, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten und bei eventuellen Magenverstimmungen die Proben analysieren zu können.

Autor: Matthias Baumann