Montag, 26. Januar 2026

Antrittsbesuch des litauischen Verteidigungsministers Robertas Kaunas

Wer in den letzten vier Jahren wiederholt Litauen besucht hat, wird die enorme Geschwindigkeit von Bauvorhaben und infrastrukturellem Aufwuchs bestätigen können. Diesem Tempo schließt sich auch der Wechsel der Verteidigungsminister Litauens an.

Verteidigungsminister Arvydas Anušauskas hatte es von Dezember 2020 bis März 2024 durchgehalten und reichte dann überraschend seinen Rücktritt ein. Sein Nachfolger war Laurynas Kasčiūnas. Der konservative Kasčiūnas  wurde von der litauischen Presse bezüglich der Kosten im Zusammenhang mit der deutschen Brigade Litauen unter Druck gesetzt. So gab er bereits im Dezember 2024 sein Amt wieder ab. Es folgte die Kriminalpsychologin Dovilė Šakalienė. Sie gehört der Bauernpartei Litauens an. Dovilė Šakalienė konnte sich keine zwölf Monate im Amt halten.

Der aktuelle Verteidigungsminister Robertas Kaunas ist Sozialdemokrat und seit November 2025 im Amt. Heute absolvierte er seinen Antrittsbesuch bei Boris Pistorius im Bendlerblock.

 

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 20. Januar 2026

Wie trifft eine Panzerhaubitze 2000 auf 30 Kilometer?

Die Panzerhaubitze 2000 (PzH 2000) hat eine Kampfentfernung von 40 Kilometern, die durch moderne Munition auf bis zu 70 Kilometer erweitert werden kann. Das Fahrzeug basiert auf dem Leopard 1, der sich mit 1.000 PS durch die Landschaft bewegt.

Nachdem wir bereits über das Artillerie-Geschütz-Modul (AGM) für den Boxer berichtet haben, wollten wir uns auch die PzH 2000 etwas genauer anschauen. Die Panzerhaubitze dient mit ihrer Reichweite der Feuerunterstützung der Kampftruppe. Aus sicherer Entfernung stört sie den Feind, baut Nebelwände auf oder beleuchtet das Gefechtsfeld. Sie kann aber auch den Gegner zerstören oder vernichten. Der Laie erkennt hier keinen großen Unterschied: Zerstören ist die Vorstufe zum Vernichten. Hier geht es hauptsächlich darum, eine Kampfunfähigkeit herzustellen, indem Material und Personal erheblich beschädigt werden. Das entspricht in etwa dem Begriff des Neutralisierens, wie ihn schon Clausewitz vor 200 Jahren verwendet hatte. Das Vernichten wird dem Wortstamm „nichts“ gerecht und bedeutet, dass auch keine Regeneration der Kampfkraft  mehr möglich sein wird.


Die 155-Millimeter-Geschosse sind mit programmierbaren Zündern versehen. Diese können kurz vor Auftreffen, beim Auftreffen oder mit einer leichten Verzögerung auslösen. Die Wirkung der etwa 11.000 Splitter ist dann unterschiedlich. Die Artilleristen vor Ort machten mehrfach deutlich, dass es eine gute Idee sei, sich nicht im Umfeld des Einschlags aufzuhalten. Als Richtwert wurde ein Radius von 50 Metern genannt.

Aber wie trifft die PzH 2000 auf 30 Kilometer Entfernung?

Es beginnt beim Beobachtungsstand. Beobachter fahren zum Beispiel mit dem Spähpanzer Fennek durchs Gelände und erspähen dort den Gegner. Sie beobachten, was der Gegner gerade tut und leiten daraus seine nächsten Schritte ab. Mit entsprechenden optischen Geräten ermitteln sie die Entfernung und die Koordinaten des Gegners und geben diese zusammen mit einer Empfehlung zur Bekämpfung an die höhere Entscheidungsebene, den Gefechtsstand, weiter.

Da die Panzerhaubitze Teil eines größeren taktischen Zusammenspiels ist, entscheidet der Gefechtsstand, wie mit der Empfehlung des Beobachters umzugehen ist. Stimmt dieser zu, leitet er die Koordinaten und die Art der Bekämpfung an den Feuerleitstand weiter. Dieser ist beweglich und befindet sich gut getarnt in der Nähe der Panzerhaubitzen. Der Feuerleitstand setzt den Befehl des Gefechtsstandes in die technischen Details um und leitet die Koordinaten sowie die gewünschte Art der Munition an die Panzerhaubitzen weiter. Das kann per Funk oder per Datensatz-Übertragung erfolgen.

Der Feuerleitstand erteilt die Feuerfreigabe. Dazu bewegen sich die PzH 2000 schnell aus ihrer Deckung heraus, schießen und fahren sofort wieder in ihre Deckung zurück. Die Wege, um sich zwischen Deckung und Feuer auf freiem Feld zu bewegen, wurden vorab festgelegt. Nun sind wir wieder beim Beobachter: Dieser beobachtet die Wirkung des Treffers und gibt diese Informationen auf dem Dienstweg an den Gefechtsstand weiter.

Es sind also vier Instanzen am Schuss mit der Panzerhaubitze beteiligt: Beobachter, Leitungsebene, Feuerleitstand, Panzerhaubitze.

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 13. Januar 2026

Kaja Kallas zum Antrittsbesuch bei Boris Pistorius

Heute wurde die Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, mit militärischen Ehren im Bendlerblock empfangen. In den anschließenden Gesprächen ging es um die Stärkung der europäischen Verteidigungsbereitschaft und die Unterstützung der Ukraine.


Kaja Kallas war von 2021 bis 2024 Premierministerin Estlands und gehört dort zur Reformpartei, die in etwa mit unserer FDP zu vergleichen wäre. In Estland ist sie jedoch stärkste politische Kraft. Kaja Kallas hatte sich innerhalb der EU und der NATO besonders stark für die Unterstützung der Ukraine eingesetzt, da sich Estland als direkter Nachbar Russlands einer konkreten Bedrohungslage gegenüber sieht. Auch das IISS hatte 2021 noch vermutet, dass Russland das Baltikum statt der Ukraine angreifen werde, um Handlungsfähigkeit und Handlungswillen der NATO auszutesten.

Autor: Matthias Baumann

Neujahrsempfang des Diplomatischen Korps im Schloss Bellevue

Heute fand der traditionelle Neujahrsempfang des Diplomatischen Korps bei Bundespräsident Steinmeier statt.


Bei weit über 100 diplomatischen Vertretungen und internationalen Organisationen kann allein schon das Defilee mehr als eine Stunde dauern. Normalerweise wird die Begrüßungszeremonie durch den Doyen des Diplomatischen Korps angeführt und erfolgt dann in der Reihenfolge ihrer Akkreditierung. Bei der Akkreditierung kommt es neben dem Datum auch auf die Uhrzeit an. Mitte Dezember 2025 waren noch die drei Botschafter aus Indonesien, der Komoren und von São Tomé und Príncipe in ebendieser Reihenfolge akkreditiert worden.

Dem Defilee schließen sich die Reden des Bundespräsidenten und des Doyen an und gehen dann in ein kurzes Stehbankett über. Letzteres ist im diplomatischen Dienst besonders wichtig, weil dort auf kurzem Wege so manch eine wichtige Verabredung getroffen werden kann. Wenn ein Land diplomatische Beziehungen zum Vatikan unterhält, wird der Doyen in der Regel durch den „Apostolischen Nuntius des Heiligen Stuhls“ gestellt. Seit 2013 fungiert der aus Kroatien stammende Erzbischof Nikola Eterovic als Doyen für das Diplomatische Korps in Deutschland.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 12. Januar 2026

Finanzieller Druck zwingt die deutsche Entwicklungspolitik zur Fokussierung

Ministerin Alabali Radovan stellte heute in der Bundespressekonferenz die Neuausrichtung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit vor. Das gesetzte Thema war „Zukunft zusammen global gestalten“. Insgesamt wurde deutlich, dass die Neuausrichtung aufgrund des finanziellen Drucks auf das BMZ notwendig und mit einem Reformprozess verbunden ist. Dessen Einsparungen sollen bereits 2027 greifen. Beziffern konnte Frau Radovan das nicht, bezeichnete jedoch schon die aktuellen Kürzungen als „schmerzhaft“.

Die Neuausrichtung basiere auf drei Säulen. Demnach soll die deutsche Entwicklungshilfe erstens strategischer werden, zweitens fokussierter und drittens partnerschaftlicher.


 

Zur Strategie gehöre zwar weiterhin die Bekämpfung von Ungleichheit und Armut, aber auch eine Stärkung unserer Sicherheitsinteressen durch Krisenanalyse und Krisenprävention. Zudem sollen Kooperationen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit gestärkt werden. Man wolle weg vom Geber-Nehmer-Prinzip kommen und die Eigenverantwortung der Schwellenländer einfordern. Praktisch bedeutet das, dass die Länder rückzahlbare KfW-Kredite bekommen und ansonsten eigene Ressourcen beizusteuern haben. Nur noch Lowest Developed Countries (LDC) werden ohne Kredite unterstützt. Aber auch das solle nicht mehr per „Gießkanne“ geschehen, sondern fokussiert und in Lastenteilung mit anderen Geberländern. Konkrete Fälle von „Gießkanne“ wollte die Ministerin auch auf Nachfrage nicht nennen.

Der Ausstieg der USA aus der weltweiten Entwicklungshilfe habe eine Lücke gerissen, die Deutschland nicht ausfüllen könne und wolle. China sei inzwischen ein Wettbewerber bei der Vergabe von Entwicklungshilfe. Die LDC „fordern“ prioritär Hilfe beim Ausbau der Infrastruktur. China liefert und lässt sich das entsprechend mit Einfluss und Rohstoffen honorieren. Deshalb werde China seitens des BMZ inzwischen nicht mehr gefördert.

Ein wichtiger strategischer Schwerpunkt bleiben Katastrophen, Krieg und Flucht. Hier gebe es enge Abstimmungen und kurze Entscheidungswege mit dem Auswärtigen Amt. Aber auch hier setze man auf internationale Partnerschaften und die Vermeidung von Redundanzen.

Immer wieder betonte die Ministerin, dass die Arbeit des BMZ fokussierter werde. So lasse man beispielsweise die Flüchtlingsprojekte in Asien und Südamerika auslaufen und konzentriere sich auf MENA, Sahel und den Nahen Osten. Das sind Nord- und Zentralafrika sowie die Arabische Halbinsel plus Iran. Statt mit der „Gießkanne“ zu agieren, treffe man sich vermehrt mit der Diaspora beispielsweise aus Syrien oder Gaza und erarbeite zusammen mit dieser entsprechende Konzepte der Aufgaben- und Arbeitsteilung.

Die umstrittene Organisation UNRWA in Gaza werde auch perspektivisch gleichbleibend durch das BMZ unterstützt. In Gaza halte man an der Zusammenarbeit mit „durchführenden Organisationen“ und UN-Organisationen fest. Der „Autonomiebehörde“ habe man einmalig Geld überwiesen, weil Israel Steuermittel zurückgehalten habe. Überhaupt unterlägen Finanzströme nach Gaza einer besonders scharfen Kontrolle über COGAT.

Die Fokussierung bewirke zwar, dass andere Regionen der Welt in der Unterstützung heruntergefahren werden, man ziehe sich jedoch nicht komplett zurück. Vielmehr wolle man internationale Allianzen nutzen und damit effizienter agieren. Genau daraus ergibt sich die dritte Säule der Partnerschaften. Frau Radovan merkte an, dass Deutschland auch mal klar seine Interessen benennen müsse, damit sich auch die Partner entsprechend darauf einstellen könnten. Sie selbst blieb allerdings die Antwort schuldig, welche Interessen und Werte das denn seien. Insgesamt klang der Ansatz gut, internationale Synergien zu nutzen und die Lasten zu teilen.

Autor: Matthias Baumann