Oberstleutnant Teichgräber hatte am 30. November 2023 recht
kurzfristig das Wachbataillon übernommen und dieses nun drei Jahre lang geführt.
Sein erklärter Schwerpunkt war die Herausstellung des Doppelauftrages als
infanteristischer Schutzverband und als Verband für den protokollarischen
Ehrendienst. So erfolgten regelmäßige Übungen im Grünen – auch im Ausland - und
so medienwirksame Trainings wie „Bollwerk Bärlin“, das maßgeblich durch einen
verbandsinternen Fallschirmjäger-Major konzipiert und geleitet worden war. Seit
2023 wuchs der Personalbestand auf und der Bart wurde erlaubt. Letzteres war
bei internen Diskussionsrunden als Personalbindungsmittel identifiziert worden.
Im Oktober 2024 wurde das Wachbataillon dem Kommando Feldjäger
unterstellt. Das geschah im Zuge verschiedener Umstrukturierungen in der
Bundeswehr. Mit den Feldjägern arbeitet das Wachbataillon insbesondere bei
Minister- oder Inspekteursbesuchen zusammen.
Heute und morgen
findet die Berlin Security Conference (BSC) statt. Es ist gute Tradition, dass
die BCS den Fokus auf einen Staat setzt, der gleichzeitig aktiv an der
Gestaltung der Konferenz mitwirkt. Im letzten Jahr war es Schweden unter
Beteiligung hochrangiger Gäste wie der Kronprinzessin. In diesem Jahr ist es
Litauen, deren Präsident eigens dafür angereist. Vorab war er noch mit
militärischen Ehren im Bundeskanzleramt begrüßt worden.
Wegen des
Russland-Problems war Schweden der NATO beigetreten und Litauen baut seit
Jahren aktiv seine Verteidigungsstrukturen aus. Deutschland leistet hier einen
wichtigen Beitrag. In einigen Bereichen wie dem Konzept der Gesamtverteidigung
sind Länder wie Schweden und Litauen deutlich weiter als Deutschland. Hier
können wir noch viel lernen. Deutschland hole laut eines PwC-Analysten schnell
auf, aber es gehe immer noch zu langsam. So wisse der Bürger in Deutschland
bisher nicht, was seine Rolle im Falle eines Krieges oder einer größeren Krise
sei. Taiwan beispielsweise bereitet seine Bevölkerung auf einen Angriff durch
China vor und bedient sich dazu ähnlicher Mittel wie Schweden. Fei Fan Lin, der
stellvertretende Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates Taiwans,
zeigte dazu heute stolz das kleine Heft „In Case of Crisis“. Abschreckung sei nur dann glaubhaft, wenn der Gegner den Eindruck habe, dass die gesamte Gesellschaft wehrhaft reagiere.
Die BSC war noch
nie so gut besucht wie heute. Da für den Nachmittag auch der ukrainische
Präsident Selenskyj erwartet wurde, waren die Sicherheitsvorkehrungen auf die
höchste Stufe gefahren worden. Wer einen Laptop oder eine Tasche dabeihatte,
musste mit Wartezeiten bis zu 90 Minuten rechnen. Auch bei S-Bahn, U-Bahn, Tram
und Autoverkehr gab es erhebliche Einschränkungen. Viele Berliner waren darauf
nicht vorbereitet.
Als Selenskyj mit
einiger Verspätung eintraf wurde er mit Standing Ovations und zahllose Handyaufnahmen
empfangen. Der Saal war bis zum letzten Stehplatz gefüllt. Selenskyj zeigte
sich sehr dankbar gegenüber den Unterstützern der Ukraine. Deutschland sei ein
Garant für Freiheit und Stabilität in Europa. Allerdings erkenne er auch, dass
die Bevölkerung in Deutschland nicht bereit sei für die aktuelle Phase des
Krieges gegen den Westen. Man müsse mit Russland die gleiche Sprache sprechen,
die es selbst anwende, weil es die Sprache der Diplomatie weder verstehe noch
spreche.
Der Umgang mit
Russland zog sich durch sämtliche Podiumsdiskussionen und Nebenveranstaltungen.
Russland müsse auf hybride Maßnahmen ausweichen, da es die NATO auf konventionellem
Wege nicht schlagen könne. Ein regelmäßig getesteter Punkt ist die Einheit innerhalb
der NATO. Generalleutnant a.D. Ben Hodges plädierte dafür, das Problem endlich
beim Namen zu nennen und nicht immer nur von „Grauzonen“ oder „hybridem Krieg“
zu reden: „Russland ist im Krieg mit dem Westen.“ NATO-General Ingo Gerhartz
ging darauf ein, dass Europa immer unterstellt werde, es tue zu wenig. Das sei
nicht richtig. Man führe Manöver an der Ostflanke durch und zeige Russland,
dass man entschlossen und fähig sei, Kaliningrad einzunehmen, wenn es denn sein
muss. Die Kosten für Russland müssen so in die Höhe getrieben werden, dass ein
Angriff unattraktiv erscheint.
Das Programm der
BSC ist umfangreich: Auf der Hauptbühne gibt es Diskussionsrunden zu
Wachsamkeit, glaubhafter Abschreckung, Gesamtverteidigung unter Einbeziehung
der gesamten Gesellschaft, Engagement an Nebenschauplätzen, Zusammenhalt in der
NATO, hybride Sicherheitsszenarien und sich wandelnde gegnerische Akteure,
militärische Fähigkeiten und Drohnen. Regional wird auf das Baltikum, das
Mittelmehr und den Indo-Pazifik geschaut. Jede Teilstreitkraft der Bundeswehr hat
hochkarätig besetzte Workshops. Und in den Pausen gibt es viel Gelegenheit zur
Vernetzung. Militärattachés, die Rüstungsindustrie, Generale, Minister und
Verteidigungsexperten sind hier auf engstem Raum zusammen und können sich gar nicht
übersehen.
Unter Ausschluss von Presse und Öffentlichkeit wurden heute
Abend Generalleutnant Lutz Kohlhaus und Generalleutnant Thorsten Poschwatta mit
einem Großen Zapfenstreich in den Ruhestand versetzt.
Generalleutnant Kohlhaus war zuletzt als stellvertretender
Inspekteur der Luftwaffe eingesetzt. Er blickt auf 46 Dienstjahre bei der
Bundeswehr zurück. Sein Schwerpunkt war die Raketenflugabwehr. Neben dem
deutschen Generalstabslehrgang absolvierte er auch den französischen.
Französisch stellt in der Bundeswehr eine Mangelressource dar.
Generalleutnant Poschwatta blickt auf 45 Dienstjahre bei der
Bundeswehr zurück. Seit 2021 war er in verschiedenen Verwendungen beim Joint
Air Power Competence Centre (JAPCC) in Kalkar eingesetzt – seit 2025 als
Kommandeur Air Component Command und als NATO-Commander des Combined Air
Operations Centre (CAOC) in Uedem. Seine ersten Dienstjahre verbrachte er beim
Jagdbombergeschwader 31 „Boelcke“. Im weiteren Verlauf war er oft im Ausland
tätig und kehrte bis ins Jahr 2000 in verschiedenen Funktionen mehrfach zu
seiner Stammeinheit „Boelcke“ zurück. Von 2004 bis 2007 war er Kommodore des
Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“ in Jagel. Von 2014 bis 2020 war Thorsten
Poschwatta stellvertretender Befehlshaber des Einsatzführungskommandos in
Schwielowsee bei Potsdam.
Heute wurde beim Sanitätsregiment 1 in Berlin-Kladow das
Gebäude 2 der Blücher-Kaserne in Feldwebel-Arndt-Haus umbenannt.
Feldwebel Alexander Arndt war am 14. Oktober 1993 als erster
Bundeswehrsoldat bei einem Auslandseinsatz gefallen. Er war in Phnom Penh,
Kambodscha, von Unbekannten auf offener Straße erschossen worden. Er war Teil
des 150 Soldaten des Sanitätsdienstes umfassenden Bundeswehr-Kontingentes der
UN-Missionen UNAMIC und UNTAC.
Das Game of Remembrance wird seit 2012 jährlich zwischen Angehörigen
der deutschen und der britischen Streitkräfte ausgetragen. Es erinnert an gemeinsame
Fußballspiele während der Waffenruhe 2014 im Ersten Weltkrieg. Gleichzeitig
erinnert es aber auch an die Gefallenen auf beiden Seiten.
Während im Spiel mit harter Siegesperspektive gekämpft wird,
werden davor und danach die guten Beziehungen der beiden Nationen gepflegt.
Zwischen Bundeswehr und den britischen Streitkräften gibt es verschiedenen
Schnittmengen, die gemeinsame Übungen, das Pionierbrückenbataillon 130 in
Minden, den GTK Boxer und weitere Themen umfassen. Auf dem Truppenübungsplatz Bergen
arbeiten immer noch Briten, die sich so mit Deutschland angefreundet hatten,
dass sie 1994 nicht auf die Insel zurückgekehrt waren.
Die britischen Mannschaften (Frauen und Männer) wurden in
diesem Jahr durch den britischen Zweig des deutschen Unternehmens Heckler &
Koch gesponsert. Das Team der Bundeswehr-Fußball-Nationalmannschaft braucht
kein Sponsoring, da es auf ohnehin vorhandene Ressourcen der Bundeswehr wie
Busse, Transportmaschinen, Truppenküchen und Unterkünfte zurückgreifen kann.
Der Kader rekrutiert sich aus sämtlichen Dienstgradgruppen und
Zivilangestellten der Bundeswehr.
Beim gestrigen Spiel wurde teilweise bei Starkregen
unermüdlich gekämpft. Das deutsche Männerteam war zur Halbzeit mit 1:0 in
Führung und konnte diese Führung kurz nach der Halbzeit mit einem 2:0 festigen.
Die Freude währte jedoch nicht lange, da die Briten kurz hintereinander drei
Tore schossen. Am Ende trennten sich die Mannschaften mit einem 4:3 für
Deutschland.