Heute wurde der indische Verteidigungsminister, Rajnath
Singh, mit militärischen Ehren durch seinen Amtskollegen Boris
Pistorius im Bendlerblock empfangen. Am Nachmittag reisten Boris Pistorius und Rajnath
Singh zu thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) nach Kiel.
Rajnath Singh ist 74 Jahre alt und fungierte mehrfach als
Vorsitzender seiner konservativen, hinduistisch geprägten Partei BJP. Seit 2019
ist er für das Verteidigungsressort im Kabinett Modi zuständig.
Indien hat 1,4 Milliarden Einwohner und ein stattliche
Verteidigungsbudget von 78,3 Milliarden USD. Damit rangiert Indien auf Platz 6
der Weltrangliste. Hauptgegner ist nach wie vor Pakistan. Pakistan und Indien
besitzen Atomwaffen. Indien hatte bislang sehr enge Kontakte zu Russland
unterhalten. Russland konnte allerdings wegen seines andauernden Ukraine-Abenteuers
viele Bestellungen nicht mehr ausliefern, so dass sich Indien schon seit 2023
westwärts orientiert – nach dem Handelsprinzip: „Wenn A nicht liefert, kaufe
ich bei B“. Indien schaut sehr kritisch auf das chinesische Engagement Chinas
im Indipazifik und nimmt deshalb auch gerne an multinationalen Übungen wiePacific Skies 2024 teil.
Am Nachmittag wurde der brasilianische Präsident, Luiz
Inácio Lula da Silva, auf Schloss Herrenhausen in Hannover mit militärischen
Ehren empfangen. Anlass des Besuchs sind die 3. Deutsch-Brasilianischen Regierungskonsultationen.
Teil des Programms sind Begegnungen mit Wirtschaftsvertretern sowie ein
Rundgang auf der Hannover-Messe.
Lula da Silva hatte zuvor an der Konferenz „Global Progressive Mobilisation“ in
Barcelona teilgenommen. Auch Lars Klingbeil und Funktionäre seiner Partei waren
dabei. Die Teilnehmer hatten darüber beraten, wie sie der schwindenden
Akzeptanz sozialistischer Ideen entgegentreten können.
Heute wurde der Taoiseach der Republik Irland, Micheál
Martin, mit militärischen Ehren zu seinem Antrittsbesuch im Bundeskanzleramt
begrüßt. Seit einigen jahren ist die Eigenart zu beobachten, dass Fremdwörter
statt der übersetzten Bezeichnungen verwendet werden. Taoiseach wird in etwa „Tie-Schach“
ausgesprochen mit Regierungschef oder Premierminister übersetzt.
Micheál Martin ist 65 Jahre alt und seit 1985 in der Politik
tätig. Er ist liberal-konservativ und hat sich über die Jahre durch die politischen
Instanzen hochgearbeitet. Er war Gesundheitsminister und leitete das Außenministerium.
Von 2020 bis 2022 war er bereits Premierminister und wurde 2025 erneut in dieses
Amt berufen. Privat hatte er einige Herausforderungen zu meistern: zwei seiner fünf
Kinder waren 2000 und 2010 und aus gesundheitlichen Gründen verstorben.
Heute fand im Bendlerblock das 53. Ministertreffen der Ukraine
Defense Contact Group (UDCG) statt. Daran nahmen Verteidigungsminister Boris
Pistorius, NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der britische Verteidigungsminister
John Healey und der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Federov teil.
Bei diesen Treffen ist es üblich, dass sich die anwesenden
Minister in verschiedenen Kombinationen austauschen: bilateral, trilateral oder
multilateral und dann die Ergebnisse des jeweiligen Treffens zusammenfassen.
Das erste Treffen dieses Koordinierungsgremiums für die
materielle Unterstützung der Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen Russland fand
am 26. April 2022 in Ramstein statt. Es war von den USA initiiert worden und
hieß zunächst Ramstein-Format. Im Laufe der Zeit wurde es in Ukraine Defense
Contact Group (UDCG) umbenannt und seit April 2025 unter deutsch-britischem
Vorsitz durchgeführt. Normalerweise tagt die UDCG im NATO-Hauptquartier in
Brüssel. Es wird jedoch ausdrücklich betont, dass die UDCG kein NATO-Gremium
ist. Inzwischen gehören 50 westliche Nationen zum Unterstützerkreis der UDCG.
Im März 2026 wurde die neue Militärgeschichtliche Sammlung (MGS)
im Stabsgebäude des Wachbataillons in der Julius-Leber-Kaserne eröffnet. Diese
konzentriert sich auf zwei Räume, einen Flur und das Treppenhaus.
Sie ist in vier Kapitel eingeteilt, die sich mit allgemeinen Betrachtungen von
Garden, deren Besonderheiten wie das Gardemaß, mehr oder weniger tradierenden
Persönlichkeiten, Zeitachsen und der fast 70-jährigen Geschichte des heutigen
Wachbataillons beschäftigen. Bei einer Begehung der Ausstellung erklärt der
Kommandeur des Wachbataillons, Oberstleutnant Maik Teichgräber, das
Traditionsverständnis seines Verbandes und die Identität stiftende Neubelebung
des Schlachtrufs „Semper talis!“:
Bis vor zehn Jahren stand beim Wachbataillon noch die
Traditionslinie zum Ersten Garderegiment zu Fuß (EGRzF) im Raum. Dieses
Regiment war 1806 nach der Niederlage gegen Napoleon aufgestellt worden. Die
Kaserne des EGRzF lag gegenüber der Garnisonkirche in Potsdam. 1819 wurde das
Infanterie-Lehrbataillon gegründet und dem Ersten Garderegiment zu Fuß
unterstellt. Dieses Elitebataillon hatte nicht nur Schutz- und
Repräsentationsaufgaben, sondern durfte auch sämtliche neuen Waffen und
Taktiken erproben. 1820 führte König Friedrich Wilhelm III. das Schrippenfest
ein. Das Schrippenfest diente der Gemeinschaftsförderung zwischen den Familien
der Soldaten. Hier konnten sich die Angehörigen mal so richtig sattessen.
In Bonn hatte das Wachbataillon ein jährliches Bataillonsfest gefeiert, das im kleinen Rahmen nach Innen wirken und dem Zusammenhalt des Verbandes inklusive dessen Familienangehöriger dienen sollte. Mit dem Umzug nach Berlin war das uralte Schrippenfest wieder aufgegriffen worden. Dieses wurde dann bis 2019 mit viel Aufwand
durch das Wachbataillon gestaltet.
2018 wurde der neue Traditionserlass der Bundeswehr herausgegeben. Eine angespannte Personalsituation, das Tagesgeschäft, drei Ministerwechsel und COVID ließen das Thema Tradition in den Hintergrund treten. Mit einer Entspannung der Lage wurde dann ab 2023 überlegt, wie man Identität stiftend und zeitgemäß mit
den preußischen Exponaten von Möllendorff-Degen über alte Gemälde, Pickelhauben
und Grenadiersmützen bis hin zu kunstvoll gestalteten Truppenfahnen umgehen solle. Auch wurde über den Schlachtruf „Semper talis!“ (immer gleich)
diskutiert. Das Ergebnis wird nun einerseits in der Ausstellung präsentiert und
andererseits in die politische Bildung des Verbandes integriert. Die Buchstaben von "Semper talis!" wurden mit Identität stiftenden Begriffen untermauert.