Montag, 6. Oktober 2014

Nicaragua trifft deutsche Wirtschaft

Nicaraguas Präsidialamtsminister Dr. Paul Oquist reist durch die Welt und wirbt für sein wirtschaftlich erstarkendes Land. Nach vielen Jahren auf den letzten Plätzen des Armutsindex und herben Rückschlägen durch Naturkatastrophen rappelt sich diese zentralamerikanische Nation wieder auf.

Um der Armut nachhaltig Herr zu werden, wurden durch die Regierung mehrere Programme aufgelegt. Bildung und Gesundheitsversorgung seien kostenlos nutzbar. Nicaragua habe zudem die niedrigsten Lebenshaltungskosten Lateinamerikas. Der Minister gab jedoch zu bedenken, dass "niedrige Lebenshaltungskosten auch das Leben kosten" können. Dennoch habe man im Gegensatz zu sämtlichen Nachbarstaaten die niedrigste Kriminalität. Diese sei weiterhin rückläufig. Besonders spüre man das bei Kfz-Diebstählen, von denen auch Dr. Oquist bereits betroffen war. Das in der Region äußerst populäre Express Kidnapping sei in Nicaragua kaum ein Thema. Deshalb bezeichnete der Minister sein Land als "Oase der Ruhe".

Nicaragua Bundesforum Mittelstand
Nicaraguas Präsidialamtsminister Dr. Paul Oquist und Botschafterin Karla Beteta während der Wirtschaftspräsentation
Nicaragua diversifiziert seine Kooperationen mit Investoren. Mit den USA besteht ein Freihandelsabkommen und auch Großunternehmen aus China sind gern gesehen. Die geografische Lage mit Wind, Wasser und Vulkantätigkeit machen Nicaragua zu einem interessanten Siedlungsgebiet für unterschiedliche Energiegewinnungsformen. In diesem Bereich gebe es ein Abkommen mit Brasilien. Dennoch reiche das aktuelle Wachstum von 5% nicht aus, um die Armut effektiv zu beseitigen. Das Wachstum müsse bei acht bis zehn Prozent liegen.

Einen Wachstumsschub der ganz besonderen Art bekommt Nicaragua jedoch zur Zeit durch den Bau des "El Gran Canal", der den Atlantik mit dem Pazifik verbinden soll. Der nördlich orientierte Schiffsverkehr spart dadurch etwa 1.000 Kilometer Seeweg gegenüber der Nutzung des Panamakanals. Auf die Menge der bewegten Frachten ergibt sich daraus ein beachtliches Einsparpotenzial.

Obwohl bereits vor 500 Jahren die Möglichkeit einer solchen Schifffahrtsstraße thematisiert wurde, kam es erst 2012 zur finalen Zustimmung des Parlaments zum Bau dieses Kanals.

Während des gesamten zweiten Teils des ministerialen Vortrages fragte ich mich, warum es den Kanal nicht schon lange gibt? Das wäre doch der ultimative Wirtschaftsmotor der Region. Schaut man sich die Geschichte an, so ist diese von Desinteresse, wechselnden Machtverhältnissen und regionalen Befindlichkeiten geprägt. Immer wieder gab es Vorstöße zu Planung und Bau, aber immer wieder kam etwas dazwischen: Kanonenboote, Finanzkrise, gesetzliche Regelungen oder gestürzte Monarchen.

Das aktuelle Bauprojekt hat eine sportliche Zielvorgabe. Innerhalb von fünf Jahren soll der Kanal fertiggestellt sein. Vergleicht man das mit Bauprojekten am Stadtrand von Berlin, scheint dieses Vorhaben nahezu unmöglich. Allerdings wurde das Konsortium HKND aus Hongkong mit ins Boot geholt. Firmen aus Fernost schaffen das.

Zusammen mit dem Kanal sind fast 600 Kilometer Straßen zu bauen, ein Flughafen, Touristenzentren und zwei größere Häfen. An der Pazifikküste ist eine Freihandelszone vorgesehen.

All diese Informationen ermutigten die Gäste aus der Wirtschaft, die heute in das Haus der Bundespressekonferenz gekommen waren, mit Nicaragua auf Tuchfühlung zu gehen. Axel Hübner vom Bundesforum Mittelstand nannte konkrete Projekte, die bereits über die Dominikanische Republik laufen. Mit einem begeisterten "excelente" bestätigte Dr. Oquist den Bedarf an der Zusammenarbeit mit deutschen Firmen im Energie-, Umwelt- und Softwarebereich. Er wolle entsprechende Kontakte herstellen. Bildungstransfer sei ebenfalls willkommen. Die bestehenden Netzwerke über Universitäten und Unternehmen der Dominikanischen Republik seien als Sprungbrett nach Nicaragua äußerst nützlich.

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 30. September 2014

BND und die Wahrnehmung von Konflikten

Sucht man bei Google nach Ernst Uhrlau, wird einem zunächst "Urlaub" vorgeschlagen. Bunte Bilder aus aller Welt schmücken die Ergebnisseite. Erst wenn man die Suche um ein Leerzeichen und die Buchstabenfolge "bnd" ergänzt, erscheint der ehemalige BND-Chef Ernst Uhrlau. Vor vierzig Jahren begann Ernst Uhrlau als Lehrkraft an der Landespolizeischule Hamburg und erreichte den Höhepunkt seines beruflichen Werdeganges Ende 2005 als Präsident des Bundesnachrichtendienstes.

Ernst Uhrlau ist ein Sicherheitsexperte, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat und den Teilnehmern des heutigen Unternehmerfrühstücks der Preußischen Gesellschaft im Hilton einige interessante Zusammenhänge erläutern konnte. Da er seit 2012 außer Dienst ist, habe er nun auch mehr Freiheiten in der Argumentation.

Viele Konflikte nehme man hier in Europa gar nicht wahr, was auch darin begründet sei, dass die Medien gar keinen Platz mehr dafür zur Verfügung hätten. Deshalb konzentriere man sich dort nur auf ausgewählte Krisenherde.

BND Präsident a.D. Ernst Uhrlau
BND-Präsident a.D. Ernst Uhrlau mit Michael Kayser und Volker Tschapke (vlnr.)
In Fernost sei inzwischen ein Machtkampf um Inseln entbrannt, deren Zugehörigkeit nie so recht definiert war. Nach erfolgreichen Probebohrungen setze China nun die Macht des Stärkeren ein, um sich Rohstoffe und Fischereipotenziale zu sichern.

Priorisiert werden von der deutschen Presse eher die näheren Konflikte wie Ukraine und Nahost. Dadurch könnten in Teilen der Erde Entwicklungen stattfinden, deren Folgen uns in den nächsten Jahren zunehmend beschäftigen werden. Was niemand wusste ist, dass Nigeria inzwischen die Wirtschaftsführung des Kontinentes vor Südafrika eingenommen hat. Die allgemeine Unwissenheit bedingt, dass die dortigen Probleme inklusive Boko Haram nicht in den Griff zu bekommen sind.

Russland koppele sich zunehmend von Europa ab und richte seine Aufmerksamkeit auf China und Fernost. Wichtig dabei sei, dass die Partnerstaaten es nicht so genau mit den Freiheiten der Bevölkerung nehmen. In Russland habe Putin jedoch die Führungsriege und das Volk hinter sich, da er als Inbegriff von Stabilität und Berechenbarkeit angesehen werde.

Dass Unwissenheit vor Strafe nicht schützt, haben die USA insbesondere beim aktuellen IS-Thema erleben müssen. Sie seien plötzlich aufgewacht als die erste amerikanische Geisel enthauptet wurde. Plötzlich habe man erkannt, das ehemalige Verbündete zu Feinden geworden sind. Plötzlich habe man gesehen, dass die Gegner über gut ausgebildete Militärkräfte, moderne Waffensysteme und durch Frustration motivierte Bevölkerungsgruppen verfügen. "Es wäre mir peinlich gewesen, wenn ich die Verantwortung gehabt hätte und mir diese Entwicklungen entgangen wären", kommentierte Ernst Uhrlau dieses plötzliche Erwachen der USA. Ein Nachrichtendienst müsse die Lage durch vielfältige Informationen, durch "read the lips" und die rote Linie der Handlungsweisen von Spitzenpolitikern beurteilen.

Dabei wurde dieser Konflikt schon lange Zeit vorher angeheizt. Es gab Unterstützung der Moslembrüder durch die Türkei, um die Kräfteverhältnisse in bestimmte Richtungen zu verlagern. Es gab die Ausrüstung der irakischen Streitkräfte, die nun vom IS "gekauft" wurden. Und zwischendrin immer wieder die tsunamigerechte Einstellung "guckt mal, das Wasser geht gerade wieder zurück", bevor die eigentliche Welle über das Land fegt. Der zweifelhaft agierende Türke Erdogan sieht sich nun selbst in einer ungeplanten Lage, da die IS einen Keil zwischen die kurdischen Kantone getrieben habe und Grenzsicherungen und Flüchtlingsströme nicht mehr kalkulierbar seien.

"Erst mitzündeln und dann bei der Feuerwehr dabei sein", war Uhrlaus lakonische Zusammenfassung dieser politischen Spiele.

Zu den Luftschlägen sagte Ernst Uhrlau, dass diese nur mit genauer Kenntnis erfolgreich seien. Ohne Bodentruppen könne man diesen Konflikt nicht lösen. Da die Zielbestimmung zu ungenau sei und zwischen Abflug und Beschuss wieder ganz andere Konstellationen am Boden herrschen können. Man müsse die Gegner an ihren empfindlichen Stellen wie beispielsweise den Finanzströmen treffen, zumal die flüchtenden Streitkräfte nicht nur moderne Waffen, sondern auch weitere notwendige Ressourcen hinterlassen hatten.

Interessant waren auch die Ausführungen über den Terror-Tourismus aus Europa. Dieser gestalte sich mengenmäßig sehr unterschiedlich, da es in den EU-Staaten unterschiedliche islamistische Migrantenstrukturen gebe, die nicht unbedingt mit dem IS harmonieren. Ernst Uhrlau betonte, dass es sich in jedem Fall um einen "religiösen Split" handele, in den nicht nur die Region, sondern auch Europa und die USA mit Langzeitwirkung verwoben sein werden.

Anschließend unterhielten wir uns noch über die möglichen Manipulationsszenarien bei Bildern und Videos, die Echtheit und Aktualität von Pressefotos sowie die ambivalente Verwertbarkeit von Satellitenaufnahmen.

Autor: Matthias Baumann

Freitag, 26. September 2014

Kommunikationskongress 2014 #kk14 - Kanzleramtsminister Peter Altmaier @kkongress

Es war kein virtueller Stau. Auch das "Internet der Dinge" konnte diesen nicht lösen, als Kanzleramtsminister Peter Altmaier zu seinem Votrag über "Politik und Medien im digitalen Zeitalter" beim Kommunikationskongress 2014 ins Berlin Congress Center eilte. So begann die Rede des "Bundesministers für besondere Aufgaben" unter Einhaltung des Akademischen Viertels.

Am Vortragsstil merkt man sehr schnell, ob sich ein Minister mit dem Gesagten identifiziert, oder ob er die fachkompetenten Zeilen eines Ghostwriters abliest. Peter Altmaier könnte man als Vollblut-Twitterer bezeichnen, nachdem er mit viel Elan und eigenen Praxisbeispielen über die Wandlungen in der Politik durch den medialen Fortschritt referierte.

Kommunikationskongress 2014 #kk14 Peter Altmaier
Kanzleramtsminister Peter Altmaier auf dem Kommunikationskongress 2014 #kk14
Die Politik könne die technische Entwicklung nicht aufhalten, sie könne lediglich gute Rahmenbedingungen schaffen. "Das Internet kann nicht nur Wahlkampf", wir müssten uns auf eine ganz neue Art des Politikmachens einstellen. Die durch die Französische Revolution geschaffenen demokratischen Mechanismen würden durch die Digitalisierung und die damit verbundene Geschwindigkeit der Informationsvermittlung auf den Prüfstand gestellt.

Peter Altmaier erzählte ein Beispiel, wo er nachts um 2:00 Uhr einen Tweet abgesetzt hatte, der um 6:00 Uhr bereits im Deutschlandfunk aufgegriffen, mittags bereits 1.000 Mal retweetet wurde und am nächsten Tag die Printmedien tangierte. So komme es heute auch vor, dass unbedeutende Fauxpas wie beispielsweise bei der Übergabe eines Präsentkorbes so über die sozialen Netzwerke verteilt werden, dass sie von der unbedeutenden Panne zur nachhaltigen Diskreditierung eines Politikers im Wahlkampf werden können.

"Das Internet ermöglicht politische Partizipation in Permanenz", sagte der Kanzleramtsminister und untermauerte das mit dem Beispiel eines Rentners, der von seinem heimischen PC aus seine Meinung zu politischen Themen im Internet hinterlässt.

Kommunikationskongress 2014 #kk14 Peter Altmaier
Kommunikationskongress 2014 #kk14
Das Internet werde aber nicht nur genutzt, sondern auch zunehmend missbraucht. Das zeigten kriminelle Informations- und Vermarktungsstrukturen. So habe der Nutzen auch eine Kehrseite, die wiederum in die Regulierungsobhut des Justiz- und Innenministerium falle.

Peter Altmaier fand es nicht angebracht, dass es inzwischen modern sei, über die großen Internetkonzerne zu schimpfen. Man solle doch viel lieber einmal mit ihnen reden. In diesem Zusammenhang ging er auf die Digitale Agenda ein und darauf, dass eine neue Unternehmenskultur zu Gunsten von Startups zu entwickeln sei. Viele Startups scheiterten bereits in den ersten zwei Jahren und seien dann moralisch so am Boden zerstört, dass sie einen weiteren Anlauf oft nicht wagen. In den USA sei das ganz anders. Deshalb müsse man sehen, hier nicht den technologischen Anschluss zu verlieren.

Der Kommunikationskongress 2014 hatte gestern begonnen. Die Reden im Plenum werden flankiert von unzähligen Einzelseminaren rund um die Themen Medien, PR, Journalismus und Internet. Am gestrigen Abend gab es die beliebte Gala "Speakersnight" mit Gastredern wie dem ehemaligen amerikanischen Botschafter John Kornblum.

Die Aussteller im Berlin Congress Center lassen sich immer wieder neue mediale Magneten einfallen. Am Stand von Landau Media trafen wir Vorstandsmitglied Michael Busch, während im Hintergrund Vorstand Uwe Mommert als James-Bond-Double im BMW Z4 über die virtuelle Leinwand raste.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 24. September 2014

Personalmanagement und demographischer Wandel

Thomas Sattelberger konnte viel aus seiner Manager-Karriere bei Daimler, Lufthansa, Continental und der Telekom berichten. Sein Arbeitsschwerpunkt lag vorwiegend im Personalbereich. "Ich bin ein Freund des atmenden Unternehmens", sagte er in seinem einführenden Vortrag anlässlich der heutigen Veranstaltung "Personalmanagement in Zeiten des demographischen Wandels".

Eingeladen hatte dazu der BAP Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister in die Landesvertretung Rheinland-Pfalz.

BAP Landesvertretung Rheinland-Pfalz
BAP in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz
Thomas Sattelberger zeigte einige Diagramme, die recht interessante Entwicklungen verdeutlichten. So gebe es bis 2030 mit 8,6 Mio. Erwerbstätigen eine regelrechte Akademikerschwemme, die das Defizit an praxisorientierten Ausbildungen nicht so recht zu kompensieren vermag. Facharbeiter werden nach diesen Hochrechnungen nur etwa 3,5 Mio. zur Verfügung stehen. Das alte Prinzip von zwei Facharbeitern auf einen Akademiker ist dann umgekehrt. In diesem Zusammenhang erinnern wir uns gerne an das Zitat von Norbert Blüm: "Früher zählte noch Leistung, heute reicht ein Diplom".

Auch wenn von Seiten internationaler Handelskammern und politisch Verantwortlicher immer wieder die weltweite Einführung unserer dualen Berufsausbildung gelobt wird, verliere diese jedoch in der deutschen Gesellschaft kontinuierlich an Wert.

Der ehemalige Telekom-Manager ist auch ein großer Befürworter von Diversity, die in verschiedener Couleur auf sämtliche seiner Thesen Einfluss hatte. Das begann bei der Hinterfragung der Mehrsprachigkeit von Speiseplänen in der Kantine und endete bei der direkten Ansage, dass zu homogene Führungsteams kein wetterfestes Unternehmen leiten könnten. Er forderte zudem eine qualifizierte Zuwanderung und eine damit verbundene gute Willkommens-Kultur. Die Verbleibdauer der benötigten Fachkräfte sei einfach zu kurz. Abgesehen von interkultureller und internationaler Vielfalt fehle es den Unternehmen in der Zukunft auch an Kreativität. Da Kreativität eher durch Talent als durch Ausbildung zur Entfaltung kommt, werden solche Kräfte bald sehr kostbar sein.


BAP Landesvertretung Rheinland-Pfalz
Es gebe sechs konkrete Handlungsfelder im Personalbereich:

Bildung
Arbeitgeberattraktivität
Diversity (Vielfalt)
Gesundheit
Führung
Personalplanung

Auf all diese Bereiche ging Thomas Sattelberger ausführlich ein.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die Thesen unter anderem mit BAP-Vize Sebastian Lazay diskutiert und mit vielen Praxisbeispielen untermauert.

Die Personaldienstleistung zeigt bereits jetzt, dass sich auch die Werbungsrichtung verändert. Während sich früher die Arbeitnehmer beworben und angestanden haben, bewerben sich inzwischen die Unternehmen um Mitarbeiter und können froh sein, wenn sie das passende Personal finden. Bei letzterem hilft die Zeitarbeit.

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 23. September 2014

Fußball mit Bundestagspräsident Norbert Lammert

Schon zum fünften Mal hatten Bundestagspräsident Norbert Lammert und die Konrad-Adenauer-Stiftung zur Diskussionsreihe "Vom Glanz und Elend der öffentlichen Rede" eingeladen. Nach bisherigen Schwerpunkten wie Rechtssystem, Kirche und Wirtschaft ging es heute um Sport.

Norbert Lammert ist nicht nur Präsident und Mitglied des Bundestages, sondern auch Mitglied des VfL Bochum. Von Ämterhäufung kann man in diesem Falle noch nicht reden. Das wurde jedoch mit einem zwinkernden Auge dem ebenfalls anwesenden Christoph Metzelder unterstellt. Dieser hatte früher beim FC Schalke 04 gespielt und bringt nun seinen Heimatverein TuS Haltern nach oben. Neben dem Fußball engagiert er sich auch sozial und hat sogar eine Stiftung gegründet. Wie übrigens auch andere Profi-Fußballer und Norbert Lammert.

Norbert Lammert Christoph Metzelder Wolfgang Niersbach Konrad-Adenauer-Stiftung
Sport in der Konrad-Adenauer-Stiftung - Christoph Metzelder und Norbert Lammert
Auch bei Eberhard Gienger sind Sport und Politik eng verwoben. Der heutige Bundestagsabgeordnete hatte damals den Gienger-Salto am Reck erfunden und tritt nun im Plenarsaal unter der Reichstagskuppel für die Sache des Sports ein. Er bedauerte, dass der Fußball einen so überdimensionalen Stellenwert habe, danach irgendwann die Formel 1 komme und das Turnen gerade mal die Fünfprozent-Hürde des allgemeinen Interesses überspringt. Nach seinen finalen Recherchen liege das an den fehlenden Moderatoren für seine Sportart. Es fehle Hintergrundwissen und Begeisterung, so dass in der Regel nur unkommentierte Bilder über den Flatscreen gesendet werden.

Norbert Lammert konnte diesen Interessenkonflikt im Vergleich von Bundestagsveranstaltungen am Brandenburger Tor und dem Auftritt der aktuellen Fußball-Weltmeister bestätigen: "Die Freude am Sport ist größer als die Freude an der Politik".

Norbert Lammert Christoph Metzelder Wolfgang Niersbach Konrad-Adenauer-Stiftung
Sport in der Konrad-Adenauer-Stiftung - vlnr. Eberhard Gienger, Wolfgang Niersbach, Moritz Müller-Wirth
Da der Fußball ein so übergewichtiges Thema in der Gesellschaft ist, war ein weiterer Gast aus diesem Bereich in die Konrad-Adenauer-Stiftung gekommen: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Er ist Chef des zweitgrößten Fußballbundes der Welt. Die Chinesen seien wohl die Größten, zählten aber auch anders.

Wolfgang Niersbach blickt auf eine interessante Historie im deutschen Fußball zurück. Er war immer nah dran, wenn es um wichtige Entscheidungen zu Austragungsorten ging und es Verbindungen zwischen Sport und Politik herzustellen galt. In seinem Impulsvortrag berichtete er sehr anschaulich über die Entwicklung der Fußball-WM 2006, über Widerstände der Stehplatzbesucher und über Befindlichkeiten von Nachbarländern über eine Austragung in Deutschland. "Die Welt zu Gast bei Freunden" und das Smiley-Logo konnten diese Befindlichkeiten sehr gut entschärfen. Auf politischer Ebene war es gerade mit dieser WM gelungen, einen gesunden Patriotismus zu erzeugen. Man sei nun auch bereit, wieder Flagge zu bekennen, nämlich Schwarz-Rot-Gold.

Es sei zudem ein ganz neues Gemeinschaftsgefühl gewachsen. Der prognostizierte Trend zum Chips essenden Fan vor dem privaten Bildschirm blieb aus. Stattdessen gewann das Public Viewing so sehr an Bedeutung, dass heute sogar Tickets dafür gekauft werden, um ein Fußballspiel in Gemeinschaft auf einer Videoleinwand zu sehen.

Norbert Lammert Christoph Metzelder Wolfgang Niersbach Konrad-Adenauer-Stiftung
Sport in der Konrad-Adenauer-Stiftung - vlnr. Moritz Müller-Wirth, Christoph Metzelder, Norbert Lammert
In anderen Ländern hinterlässt der Sport ebenfalls Spuren. Während es in China vor den Olympischen Spielen offiziell keine Behinderten gab, wurden diese plötzlich zu den Paralympics sichtbar. Dabei ist die Zahl der Behinderten in China mit der Einwohnerzahl Deutschlands vergleichbar.

Dass Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck im Stadion erscheinen und begeistert mit der Nationalmannschaft mitfiebern sei auch nicht selbstverständlich. Genauso wie die Teilnahme von Gesundheitsminister Gröhe an dieser Veranstaltung.

Moderiert wurde der Abend übrigens von Moritz Müller-Wirth, der für "Die Zeit" schreibt. Er wurde von Norbert Lammert als jemand vorgestellt, der schon mal über Sport geschrieben habe - auch kritisch.

Insgesamt war es ein sehr interessanter Abend, an dem klar wurde, wie eng Sport, Politik und gesellschaftliches Wohlbefinden zusammenhängen.

Hier geht es zum Bericht und Interviews (Videos) der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Autor: Matthias Baumann

Sonntag, 21. September 2014

21. Summerbrunch im Kosaido Golf Club

Was hat sommerliches Wetter mit Heinz F.W. Wilkening zu tun? Und was verbindet Lebensmittel mit Golf und BMW?

21. Summerbrunch im Kosaido Golf Club
Gestern fand im Kosaido Golf Club in Düsseldorf der 21. Summerbrunch statt. Eingeladen hatten der Düsseldorfer Unternehmensberater Heinz F.W. Wilkening und die weltweit agierende Werbeagentur McCann. Von Jahr zu Jahr werden es mehr Gäste. Hier treffen sich die Geschäftsführer und wichtigsten Entscheider der Lebensmittelbranche. Auch die immer hervorragend informierte Lebensmittelzeitung war zugegen.

Selbst wenn keiner der Gäste zum Golfspielen gekommen war, bot die Location auch in diesem Jahr wieder ein gelungenes Ambiente für die Beherbergung dieses traditionsreichen Events.

Einige der Gäste fragten sich: "Wie macht der Heinz Wilkening das nur immer mit dem Wetter"? Die Antwort konnten wir auch nicht geben, zumal wir gut 75% des Weges von Berlin nach Düsseldorf durch mehr oder weniger starken Regen gefahren waren.

Die Anfahrt hatte uns der BMW Excellence Club mit einer Erlebnisfahrt im BMW 640d Grand Coupé versüßt. 1.200 km durch die Bundesrepublik mit dem viertürigen Sportwagen der Premiumklasse hatte einen gewissen Reiz. 313 PS und ein Verbrauch von 6,9 Litern Diesel bei durchschnittlich 130 km/h sind schon eine bemerkenswerte Ingenieursleistung.

21. Summerbrunch im Kosaido Golf Club
21. Summerbrunch im Kosaido Golf Club - wiederholt schönes Wetter
Bei ausgiebigen Gesprächen und gutem Essen verging die Zeit wie im Fluge. Zwischendrin gab es noch das traditionelle Gruppenfoto.

Vielen Dank an Denise und Heinz F.W. Wilkening sowie McCann für diesen interessanten Tag im grünen Gürtel von Düsseldorf.

Autor: Matthias Baumann

21. Summerbrunch im Kosaido Golf Club
21. Summerbrunch im Kosaido Golf Club

21. Summerbrunch im Kosaido Golf Club
21. Summerbrunch im Kosaido Golf Club


Zum Video von center.tv Düsseldorf ...

Donnerstag, 18. September 2014

2. Zentralamerikatage des Bundesforums Mittelstand und der DGVN

Der Herr im schwarzen Anzug schloss gerade sein Fahrrad vor dem Stadthaus in der City von Cottbus an. Wir grüßten uns freundlich in der Annahme, dass wir gleich gemeinsam die Auftaktveranstaltung der 2. Zentralamerikatage erleben werden. Oberbürgermeister Frank Szymanski redet nicht nur über umweltschonende Energie in der Region Cottbus. Er lebt deren Nutzung konsequent vor, indem er sich selbst per Fahrrad gesund hält und nur selten ein Fahrzeug aus dem Bestand des Amtes nutzt.

2. Zentralamerikatage Bundesforum Mittelstand DGVN
Botschafterin Karla Beteta - Nicaragua
Viele der anwesenden Botschafter der SICA-Staaten hatten auf ihren Chauffeur verzichtet und waren mit dem Zug gekommen. Cottbus ist knapp eine Bahnstunde von Berlin entfernt und auch mit dem Auto nicht schneller zu erreichen. Autofahrer leben im entschleunigten Cottbus ohnehin gefährlich. Selbst vierspurige Straßen sind auf Tempo 30 begrenzt und mit stationären Blitzern versehen.

Oberbürgermeister Szymanski beeindruckte jedoch nicht nur mit seiner Sportlichkeit, sondern auch mit einem Film zum Standort Cottbus. Der gemeine Berliner kennt Cottbus gar nicht. Brandenburger wissen noch, dass dort die Braunkohle durch die Umwelt bläst. Der Imagefilm begann beim Cottbusser Postkutscher, thematisierte die sportlichen Erfolge, das vielschichtige Theaterleben, die Festspiele des osteuropäischen Films, die Textilindustrie und die Universität mit 1.500 Studenten aus 100 Nationen. Das Potenzial ist beachtlich.

Auch die wieder gewählte Bildungsministerin des Landes Brandenburg, Dr. Martina Münch, identifizierte sich so mit Cottbus, dass sie immer wieder von "unser Haus" und "unsere Stadt" sprach, obwohl sie aus Heidelberg stammt. Sie freute sich sehr über den Bildungstransfer zwischen Deutschland und Zentralamerika. Ein Vertreter der Universidad ISA war sogar aus der Dominikanischen Republik angereist.

Die Zusammenarbeit war auch das Thema der Reden von Thorsten Ladwig, Präsident Bundesforum Mittelstand, und Dr. Lutz-Peter Gollnisch von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen. Während Dr. Gollnisch einen besonderen Fokus auf die sozialen Entwicklungen in der Welt legte, betrachtete Thorsten Ladwig die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Immer wieder ließ er spanische Worte einfließen und ließ diese von Axel Hübner, Mitglied der Geschäftsführung des Bundesforums Mittelstand, validieren. Axel Hübner ist im Spanischen zu Hause, wobei das mehr die Sprache als den Lebensstil betrifft. So habe er immer noch mit dem "anachronistischen Zeitverständnis" zu kämpfen. Deutsche Unternehmer sollten zudem wissen, dass es in Zentralamerika andere Vorstellungen zur Fachkompetenz gebe, die sich jedoch in Kooperation mit Universitäten wie der ISA kompensieren ließen.

Karla Beteta, die Botschafterin Nicaraguas, hielt ihre Rede auf Deutsch. Andrés Lora Bastidas, Botschaftsrat der Dominikanischen Republik, ließ sich übersetzen, obwohl er schon einige Jahre in Berlin arbeitet. Seine Begründung war einleuchtend: Wann immer er mit Deutschen die Sprache praktizieren möchte, können die Englisch und dann wird Englisch geredet. Auch ich hatte sofort umgeschaltet.

2. Zentralamerikatage Bundesforum Mittelstand DGVN
2. Zentralamerikatage des Bundesforums Mittelstand und des DGVN - Gruppenfoto vor dem Stadthaus Cottbus
Nach einem Gruppenfoto vor dem Stadthaus Cottbus gab es eine kurze Pressekonferenz und danach den Sommerempfang des Bundesforums Mittelstand. Botschafter, Regionalpolitiker und Unternehmer kamen dabei gut ins Gespräch.

Wir konzentrierten uns zunächst auf Mittelstandsberater Dr. Herrmann, der zurzeit stark frequentiert wird, wenn es um Fördergelder für Aktivitäten in Zentralamerika geht. Interessant war auch die persönliche Begegnung mit der Firma RCS, die in den letzten Wochen erfolgreich ihre Großküchen-Software auf den SICA-Markt gebracht hatte und zugleich ein Bildungsprogramm mit der Universidad ISA aufgelegt hat.

Damit genügend Zeit für das umfangreiche Programm und die Projektvorstellungen zur Verfügung steht, hatten die 2. Zentralamerikatage am Dienstag begonnen und finden nach den heutigen Unternehmensbesuchen ihren Abschluss.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 17. September 2014

Emir von Katar bei Angela Merkel

Die Flagge am mittleren Fahnenmast wirkte untypisch gegenüber den sonstigen Flaggen, die hier gehisst werden. Eine weiße und eine kastanienbraune Fläche sind durch neun Zacken miteinander verbunden. Die Flagge Katars unterscheidet sich nur im Rot- und Braunton und der Anzahl der Zacken von der des Nachbarstaates Bahrain, mit dem Katar auch sonst sehr eng verbunden ist.

Emir von Katar bei Bundeskanzlerin Angela Merkel
Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani, bei Bundeskanzlerin Angela Merkel
Das Bruttoinlandsprodukt Katars lag in 2011 bei knapp 100.000 USD je Einwohner, so dass auch beim heutigen Besuch des Erbmonarchen Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani einige hochrangige Wirtschaftsvertreter anwesend waren. Katar ist mit beachtenswerten Anteilen an deutschen Unternehmen wie Volkswagen, Hochtief oder der Deutschen Bank beteiligt.

Der Emir von Katar hatte sein Amt im Sommer letzten Jahres von seinem Vater übernommen. In Katar gilt die Scharia und wird konsequent angewendet. Immer wieder gab es Gerüchte, dass Katar die IS und weitere Terror-Organisationen wie die Hamas unterstützt. Nun ist das Emirat als Partner zur Stabilisierung der Region vorgesehen.

Am Vormittag war der Scheich von Bundespräsident Gauck empfangen worden. Danach ging es zu weiteren Gesprächen ins Kanzleramt, wo der Monarch mit militärischen Ehren empfangen wurde. Angela Merkel und Tamim bin Hamad Al-Thani wirkten beim Abschreiten der Ehrenformation recht entspannt. Die anschließenden Gespräche dauerten etwas über eine Stunde und endeten mit einer Pressekonferenz im Kanzleramt.

Videos:
Ankunft und Begrüßung mit militärischen Ehren
Ankunft der Begleitdelegation im Kanzleramt
Einzug der Ehrenformation

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 16. September 2014

5. Hauptstadtmesse der Fonds Finanz

"Wo immer Ihre Kunden stehen, sitzen oder liegen" war einer der vielen Fachvoträge auf der diesjährigen Hauptstadtmesse der Fonds Finanz betitelt. Ein Titel, der das signifikant gewandelte Kaufverhalten des modernen Kunden in wenigen Worten zusammenfasst. Vertreterbesuche und Haustürgeschäfte waren gestern. Heute schließt der Kunde online ab.

Neben weiteren Fachvorträgen zu Altersvorsorge, § 34f, Baufinanzierung oder dem Vertrieb von GKV-Produkten tauchten immer wieder Kurzseminare zur effektiven Nutzung von Internet und Social Networks auf. Die Fonds Finanz selbst bietet ihren Maklern umfangreiche Unterstützung per CRM Kundenmanagement, papierloser Antragsaufnahme oder professioneller Webpräsenz an. Auch dazu gab es Schulungen.

Hauptstadtmesse Fonds Finanz
5. Hauptstadtmesse der Fonds Finanz
Das geballte Wissen, welches seit fünf Jahren im Estrel Convention Center durch kompetente Redner vermittelt wird, zieht immer mehr Makler und Akteure der Branche an. Die Pausen wurden wie üblich rege zum Knüpfen neuer Kontakte und für Rundgänge durch die Messehallen genutzt. Bei der Hauptstadtmesse waren von AfW bis Zurich Life alle Player der Branche vertreten, die Rang und Namen haben.

Erstmalig fiel in diesem Jahr auch eine große Zahl branchenfremder Gäste auf.

Selbst wenn das Einsammeln von Kugelschreibern, bedruckten Labellos, Papierhaltern, Gummibärchen und sonstigen Werbegeschenken einen Reiz jeder Messe darstellt, konnten doch die Fachbesucher umso mehr vom Sammeln der "gut beraten" -Weiterbildungspunkte profitieren und Dank der umfangreichen Betreuung durch die Fonds Finanz ihre Position am Markt sichern. Denn auch ein Kunde, der beim Abschluss sitzt oder liegt, will gut beraten sein.

Autor: Matthias Baumann

Montag, 15. September 2014

UVB - 24. Unternehmertag

"Einfach mal die Schnauze aufmachen", war der flapsige Aufruf des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit beim heutigen 24. Unternehmertag der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg.

Die UVB Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg hatten über 500 Gäste aus Politik und Wirtschaft ins Ritz Carlton am Potsdamer Platz eingeladen, darunter auch Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer und Abgeordnetenhaus-Präsident Ralf Wieland.

UVB Unternehmertag
UVB - 24. Unternehmertag
In seiner Begrüßungsrede würdigte UVB-Präsident Dr. Udo Niehage die Arbeit des Senates und des scheidenden Bürgermeisters Klaus Wowereit. Dieser konnte dann in seinem anschließenden Vortrag auf viele der genannten Punkte eingehen.

Man merkte Klaus Wowereit die Entspannung an, die sich durch seinen Abschied vom Amt des "Regierenden" eingestellt hatte. Er sei nun in das Stadium der Weisheit eingetreten und hoffe auch nach seiner Amtszeit auf Einladungen zu Vortragsveranstaltungen und möglichst eine Rente mit 63.

Humorvoll pointierte Aussagen wechselten sich mit ernsten Mahnungen an die Zukunftsgestalter Berlins ab. Er blickte realistisch auf eine sehr wechselhafte wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zurück, freute sich über den Umzug der Bundesregierung nach Berlin und endete mit der Aussage "Berlin kann Olympia".

Die Berliner sollten einen größeren Stolz für ihre Stadt entwickeln und bei den inzwischen überstrapazierten Witzeleien bezüglich des BER auch mal auf die guten Entwicklungen verweisen. Die Politiker ermutigte er, keine Angst vor Volksentscheiden zu haben. Vielmehr sollten sie den Dialog mit den Wählern suchen und nicht alle Entscheidungen opportun gemäß der neuesten Umfragen treffen. "Einfach mal die Schnauze aufmachen", auch wenn das nicht zu den Umfrageergebnissen passe. In der Wirtschaft sei man übrigens auch in der Verschmelzung der Bundesländer Berlin und Brandenburg der Politik voraus, wie der 24. Unternehmertag der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg im Titel zum Ausdruck bringe.

UVB Unternehmertag
UVB - 24. Unternehmertag der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg - Empfang im Ritz Carlton
BDA-Präsident Ingo Kramer bedankte sich beim weise werdenden Bürgermeister und legte in seiner Rede sehr viel Wert auf konzentrierte Arbeit in den eigenen Kompetenzfeldern. Die Politik solle sich doch bitte aus Bereichen heraushalten, von denen sie nichts verstehe. Die Wirtschaft halte sich im Gegenzug auch aus Dingen heraus, die Sache der Politik seien. Er verdeutlichte das am Beispiel des Ukrainekonfliktes. Obwohl Ingo Kramer in dieser Region unternehmerisch tätig sei, vertraue er sich den außenpolitischen Entscheidungen der Bundesregierung an. Die sei in diesem Bereich einfach kompetenter.

Sehr ernst sah er die Lage am Arbeitsmarkt. Der Fachkräftemangel werde massiv zunehmen und man könne dieses Loch mit eigenen Bürgern nicht stopfen. Neben dem demografischen Aspekt sei noch die Ausbildungssituation zu nennen. Lehrer könnten nicht mehr ungestört ihre Arbeit verrichten, da sie ständig mit Reformen gegängelt werden. Schüler glänzen durch Desinteresse. Deutschland brauche Zuwanderung entsprechender Fachkräfte, da eine Steigerung der Geburtenraten nicht zu erwarten sei.

Im Anschluss luden der Regierende Bürgermeister und die UVB zu einem Empfang ein.

Autor: Matthias Baumann


Freitag, 12. September 2014

ESCP - Erfinder der Business School

Die Geschichte der ESCP reicht bis ins Jahr 1819 zurück. Vor fast 200 Jahren fanden sich bedeutende Unternehmer und Wirtschaftswissenschaftler zusammen und gründeten die weltweit erste Business School. Den Initialen E wie Ecole, S wie Spéciale bzw. Supérieure und C wie Commerce blieb man über die Jahre treu. Inzwischen wurde noch ein Europe angehängt, welches den internationalen Charakter der Schule ausdrücken soll.

Bereits auf dem Hof vor dem eleganten Schulgebäude in der Nähe des Schlosses Charlottenburg begegneten uns Studenten unterschiedlicher Nationen. Die intelligenten Blicke verrieten uns, dass hier keine "ewigen Studenten", sondern hochmotivierte Führungspersönlichkeiten der Zukunft ausgebildet werden. Man sprach Französisch.

ESCP Europe
ESCP Europe - weltweit erste Business School - gegründet 1819
Bei einem kurzen Rundgang durch das Haus schauten wir in Seminarräume und Hörsäle unterschiedlicher Größe und Nutzung. Die Studenten, denen wir begegneten, waren sehr aufmerksam und begleiteten uns zu dem Raum, wo unser Probeblock zum Thema "Learning how to develop your strategy" stattfand.

Prof. Dr. Stefan Schmid erläuterte lebendig und mit viel Interaktion, wie Unternehmen ihre Strategien entwickeln. Die Beispiele reichten von McDonalds bis zur Daimler AG, so dass das Thema für jeden der Zuhörer einen greifbaren Alltagsbezug hatte.

Das Publikum dieser heutigen "Learning Experience" war gut durchmischt. Den Altersdurchschnitt schätzten wir auf knapp unter vierzig. Einige der Teilnehmer waren mehrere hundert Kilometer angereist. Auch eine Jazz-Sängerin und eine ehemalige Medizinstudentin waren unter den Gästen. Sie interessierten sich konkret für ein Studium an der ESCP.

Die "Learning Experience" umfasste insgesamt drei Unterrichtsblöcke, bei denen man drei der ESCP-Professoren erleben konnte. Jeder von ihnen hatte seinen eigenen Stil und brachte seine ganze Persönlichkeit in die Vermittlung des Wissens ein.

Zwischen den Blöcken kam man sehr schnell ins Gespräch mit den Professoren und Gästen. Es fand ein entspannter Dialog auf Augenhöhe statt. In den Pausen wurde die Lehrsprache von Englisch auf Deutsch umgeschaltet. Mehrsprachigkeit ist für die ESCP selbstverständlich. Schließlich ist sie heute in den fünf Metropolen Paris, London, Berlin, Madrid und Turin angesiedelt.

Die ESCP bietet Masterstudiengänge im Bereich Business und Management jeglicher Spezialausrichtung von regional bis global. Die Studiengebühren beginnen im vierstelligen Bereich für mehrtägige Kurzseminare und enden für einen 18-monatigen berufsbegleitenden Masterabschluss im mittleren fünfstelligen Bereich. Wer dieses Geld ausgibt, erwartet Qualität der Stoffvermittlung und einen nachhaltigen beruflichen Erfolg. Über beide Aspekte machen wir uns bei der ESCP keine Sorgen.

Diese erste "Learning Experience" klang mit der "European Summer Night" im gemütlichen Innenhof der ESCP aus. Europa ganz praktisch - mitten in Berlin.

Autor: Matthias Baumann

Donnerstag, 11. September 2014

Wirtschaftsrat bei Belectric

Fast wären wir vorbei gefahren. Mit Vollbremsung und scharfem Lenkeinschlag gelangten wir auf einen unscheinbaren betonierten Waldweg im Nichts. Irgendwo im Brandenburgischen bei Templin liegt ein alter russischer Militärflughafen. Der Militärflughafen mit der größten und stärksten Landebahn außerhalb Russlands. Eineinhalb Meter tief wurde der Beton gegossen und war damit stabil genug, die Notlandung einer Raumfähre zu verkraften. Das weiträumige Gelände wurde nach dem Abzug der Streitkräfte an verschiedene Interessenten vermarktet.

Auf der holprigen Betonstraße kamen uns ununterbrochen große Audi- und Mercedes-Limousinen entgegen. Zügig fuhren sie durch den Wald und hinterließen einen Hauch von Konspiration. Wir waren gespannt.

Belectric Driving Center Groß Dölln
Belectric und Driving Center Groß Dölln bei Templin
Als sich der Wald lichtete, sahen wir riesige Flächen mit Solaranlagen. Das Solarkraftwerk unseres heutigen Gastgebers Belectric GmbH nutzt eine Fläche von etwa 200 Hektar.

Nach einigen Kilometern Fahrt durch die spiegelnden Flächen trafen wir am Ziel ein. Shelter 3 ist einer der umfunktionierten russischen Bunker und beherrbergt heute das Driving Center Groß Dölln.

Auf der benachbarten Freifläche waren noch einige Trainings mit Oberklasse-Limousinen im Gange. Man trainiere hier auch Bodyguards, wusste einer der Gäste, die ebenfalls der Einladung durch den Wirtschaftsrat der CDU gefolgt waren.

Der Abend begann mit einer Podiumsdiskussion über erneuerbare Energien und deren spezielle Herausforderungen. Die Diskussionsteilnehmer waren aus unterschiedlichen Interessensvertretern zusammengesetzt.

Belectric Solarkraftwerk
Belectric - Spiegelung im Solarkraftwerk
Bernhard Beck, der Geschäftsführer von Belectric, berichtete über sein Unternehmen, welches in über zwanzig Ländern aktiv sei und weltweit Solarkraftwerke baue, die sich bereits ab dem ersten Jahr rentieren. Man setze bei Belectric auf Dünnschicht-Anlagen, die bei Herstellung und Recycling deutlich umweltverträglicher sind, als die altbekannten Solarzellen. Knackpunkt seien die Schwermetalle, ohne die Elektrizität kaum vorstellbar wäre.

Ulrich Meyer von der ZukunftsAgentur Brandenburg lobte an seinem Bundesland, dass es bereits zwanzig Jahre in der energietechnischen Entwicklung voraus sei, allerdings aber auch schon die daraus folgenden Konflikte erlebt habe. Besondere Konflikte gebe es immer wieder mit Bürgerinitiativen, die sich jedoch bei einer Rückkehr zur sachlichen Auseinandersetzung immer konstruktiv lösen ließen.

Burkhard Voß vom BUND Brandenburg sieht die Naturschutzverbände zunehmend zwischen den Stühlen sitzen. Wenn die Bürgerinitiativen durch den BUND nicht mit geschützten Arten bedient werden, die eine Bebauung bestimmter Flächen verhindern würden, stehen die offiziellen Naturschützer plötzlich mit den Betreibern in einer Front.

David Wortmann vom Berlin-Brandenburg Energie Network beschrieb die Entwicklung der erneuerbaren Energien in den Köpfen der Entscheider. Die physikalische und technische Machbarkeit wurde prozentual von Jahr zu Jahr nach oben korrigiert.

Belectric Solarkraftwerk
Belectric - Solarkonstruktion mit genug Raum für die frei wachsende Natur
Immer wieder tauchte das Wort "volatil" auf, welches die flüchtige und unkalkulierbare Verfügbarkeit von Solar- und Windenergie bezeichnet. Wenn es regnet werden zwar die riesigen Solarflächen sauber, aber es wird kein Strom produziert. Nachts wird bei Belectric ebenfalls kein Strom produziert. Windenergie kann nur genutzt werden, wenn es Wind gibt. Das wäre zwar bei Regen und in der Nacht möglich, aber nicht garantiert. Fehlender Wind kann tagsüber durch Sonnenenergie kompensiert werden.

Wenn nun aber nachts kein Wind weht, müssen wieder die klassischen Kraftwerke ran. Diese sind erst dann verzichtbar, wenn die volatile Energie irgendwie gespeichert werden könnte. Diese Speicherung ist ein so primärer Punkt, dass sie den ganzen Abend über thematisiert wurde.

Nach der Podiumsdiskussion bestiegen wir einen Reisebus und fuhren durch den Solarpark. Wären wir nicht mitten im Wald gewesen, hätte man von einer interessanten "Stadtbilderklärung" durch Bernhard Beck reden können. Die Konstruktion der Anlagen sah sehr simpel aus, war aber bis ins letzte Detail gut durchdacht.

Belectric Solarkraftwerk
Belectric Solarkraftwerk - Untergang der Energiequelle
Die Solarelemente sind angeschrägt auf Gestellen mit unbehandelten Holzbalken angebracht. Dadurch werden sie vom Regenwasser gereinigt und das Holz muss nach der Nutzung nicht als Sondermüll entsorgt werden. Gras und Pflanzen können nahezu ungehindert im Schatten der Solarflächen wachsen und werden nur einmal im Herbst abgemäht. Schafe wie auf dem Gelände des BMW-Werkes in Leipzig seien hier jedoch nicht vorgesehen.

Eine Firma aus Frankfurt/Oder hatte die Solarplatten geliefert. Man produziere hier etwa 128 Megawatt, was dem Jahresbedarf von etwa 128.000 Personen-Haushalten entspricht.

Interessant war noch die Kostengestaltung der Energie. Etwa 20% seien durch politischen Ballast und politische Fehlentscheidungen bedingt. Man müsse auch das optimale Maß an Effizienz finden, da Hyper-Effizienz mit einem erheblichen Mehraufwand an Kosten verbunden sei. So habe das technisch Machbare nicht immer dass sinnvollste Preis-Leistungs-Verhältnis. Letztlich sei es aber immer der Verbraucher, der zahlt.

Auf dem Rückweg konnten wir gerade noch die Konturen des eHighway erkennen. Siemens hatte auf dem ehemaligen Russen-Flughafen einen Autobahnabschnitt nachgebildet und testet dort elektrisch betriebene und während der Fahrt nachladbare LKW.

Ein interessanter Abend in Brandenburg ging zu Ende.

Autor: Matthias Baumann

Mittwoch, 10. September 2014

Zweiter Weltkrieg und Haushaltsdebatte im Bundestag

Der polnische Staatspräsident Bronisław Komorowski ist nach seinem Onkel benannt, der während des Zweiten Weltkrieges in Vilnius erschossen worden war. Komorowski wurde in der Nähe von Breslau im ehemaligen Haus eines Deutschen geboren.

Bundestag Gedenkstunde Zweiter Weltgrieg polnischer Staatspräsident Komorowski
Schon allein in diesen beiden Informationen steckt die Brisanz der deutsch-polnischen Geschichte. Am 1. September 1939, also vor etwa 75 Jahren, hatte Deutschland das Nachbarland auf mehreren Ebenen angegriffen und innerhalb kürzester Zeit weite Landesteile eingenommen. Hitler hatte sich damals einiger diplomatischer Tricks und Schachzüge bedient, die ihm in Folge einen schnellen Sieg verschafften.

Bundestagspräsident Norbert Lammert berichtete in seiner einleitenden Rede über die systematische Vernichtung der polnischen Intelligenz und Führungselite, darunter auch Kirchenvertreter.

Johannes Paul II sagte bei einem Berlin-Besuch nach dem Fall der Mauer, dass nun erst der Zweite Weltkrieg vorbei sei.

Staatspräsident Komorowski ging in seiner anschließenden Rede auf die jüngere Geschichte, sämtliche Bereiche der europäischen Zusammenarbeit und die aktuellen Krisenherde ein. Die Bundesminister hörten ihm sehr aufmerksam zu.

Auch der Diplomatenblock war bis auf den letzten Platz gefüllt. In der ersten Reihe saß der amerikanische Botschafter John B. Emerson.

Bundestag Gedenkstunde Zweiter Weltgrieg Botschafter
Bundestag - Gedenkstunde anlässlich des Beginns des Zweiten Weltkrieges - Botschafterblock
Zum Abschluss erklang die Europahymne, die in eine kurze Sitzungspause überleitete. Danach sollte es um den neuen Bundeshaushalt gehen.

Als wir in den Plenarsaal zurückkehrten war Linken-Fraktionschef Gregor Gysi gerade mit einem Rundumschlag gegen Arbeit und Pläne der amtierenden Bundesregierung beschäftigt. Das Spektrum begann bei der Maut und endete beim Anspruch auf Kita-Plätze. Aus dem Oppositionsblock gab es immer wieder Applaus für die geschliffenen Worte des begabten Rhetorikers. Wir waren gespannt, welcher Dialog sich zwischen Bundestagspräsident Lammert und Gysi ergeben werde, wenn der Linken-Politiker seine bekannte Redezeitüberschreitung praktizierte. Dazu kam es aber nicht, da Gysi die erste Zeitmahnung ernst nahm und zum Ende kam.

Bundestag Haushaltsdebatte 2015
Bundestag - Haushaltsdebatte - Gregor Gysi bei seiner flammenden Oppositionsrede
Als nächste Rednerin stand Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der bunt zusammengestellten Agenda. Dazu hatten sich die Bundesminister wieder auf ihre Plätze begeben, drehten ihre Sessel wieder in Richtung Plenarsaal und legten die Mobiltelefone zur Seite. Nur einzelne Abgeordnete wie Peer Steinbrück blätterten noch in ihren Akten.

Bundestag Haushaltsdebatte 2015
Bundestag - Haushaltsdebatte - Bundesminister folgen der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel
Die Kanzlerin begann mit der Aussage, dass heute der erste Haushalt ohne Schulden seit 1969 diskutiert werde. Das solle durch "strikte Ausgabendisziplin" und ein "solides Haushalten" gewährleistet werden. Sie zeichnete ein ausgewogenes Bild von Einsparung und Investition. Investitionen seien bereits bei Ausbildung, Netzneutralität, Mittelstand, IT-Wirtschaft und Industrie 4.0 in vollem Gange. Die Bundesregierung arbeite an einem IT-Sicherheitsgesetz und habe ein Kompetenzzentrum für Big Data eingerichtet. Angela Merkel entfaltete eine Themenvielfalt, die weit über die Haushaltsdebatte hinausging. Insbesondere antwortete sie mit einem Exkurs in die deutsche Asylpolitik auf die sozialpolitischen Vorwürfe der Opposition.

Autor: Matthias Baumann

Dienstag, 9. September 2014

Die Macht der Sichtbarkeit

"Google hat entschieden". Robert M. Maier, Geschäftsführer der Visual Meta GmbH, präsentierte ein Chart zum Sichtbarkeitsindex einer seiner Webpräsenzen. An zwei Stellen war die Kurve komplett eingebrochen. Darüber prangten zwei Stopp-Schilder und die zitierte Aussage.

Flankiert wurde dieser Duktus der heutigen Veranstaltung "Suchmaschinen zwischen Neutralität, Eigenoptimierung und Marktdominanz - Welche Regeln braucht das Netz?" in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz durch das einleitende Video des Open Internet Project. Darin wurde reklamiert, dass Google seine marktbeherrschende Stellung zur Lancierung bezahlter oder eigener Angebote auf Kosten organischer Suchergebnisse misbrauche. Als der Held des Videos dann hilfesuchend zur EU Kommission schaute, ging ein spontanes Gelächter durch die Reihen der Internetunternehmer, Journalisten und Politiker.

Das Video bot eine Steilvorlage für die anschließende Schilderung der Frusterfahrungen des Visual Meta Chefs Robert M. Maier. Immerhin stehe im Koalitionsvertrag, dass Neutralität von Suchmaschinen zu verlangen sei und Ergebnisse diskriminierungsfrei präsentiert werden sollen. Google beherrsche nicht nur die Suchmaschinenlandschaft, sondern habe mit Gmail, YouTube und weiteren Angeboten bereits viele Internetdienstleistungen vereinnahmt. Ferner seien bereits 85% der aktuell ausgelieferten Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android ausgestattet.

Zur Untermauerung zeigte Robert M. Maier einen Screenshot mit Google-Maps-Hinweisen oberhalb der organischen Suchergebnisse. Es könne nicht sein, dass solche Eigendarstellungen insbesondere auf kleineren Displays erfolgen. Gerade dieses Chart mit den von uns als sehr praktisch erfahrenen Regionalverweisen erhärtete den Eindruck, dass Herr Maier hier eine private Rechnung mit Google begleichen wolle.

Beim Blick auf die Referentenliste fiel zudem auf, dass kein Google-Vertreter für die Vorträge oder die Podiumsdiskussion vorgesehen war. Bei der CDU-Medianight 2013 konnte wenigstens noch Dr. Haller von Google Deutschland einen Dialog mit seinen vier Kontrahenten auf dem Podium führen.

Suchmaschinen zwischen Neutralität, Eigenoptimierung und Marktdominanz - Welche Regeln braucht das Netz?
Suchmaschinen zwischen Neutralität, Eigenoptimierung und Marktdominanz - Welche Regeln braucht das Netz?
Fairness im Wettbewerb forderte Staatssekretär Gerd Billen. Der "personifizierte Verbraucherschutz" hält Suchmaschinen für eine geniale Sache, der die Verbraucher ein sehr hohes Vertrauen entgegen bringen. Gerade deshalb sei es wichtig, dass Google seine Monopolstellung nicht misbraucht. Die Politik wünscht sich deshalb eine Regulierung. Wer in Europa unternehmerisch aktiv sei, habe sich auch an europäische Regeln zu halten, egal wo er sitze. Die kürzlich verabschiedete "Digitale Agenda der Bundesregierung" solle dafür sorgen, dass auch deutsche Firmen ihren Platz am Markt behaupten können.

Staatssekretär Björn Böhning (SPD) ging auf die Euphorie der Nutzer ein, die eine kritische Betrachtung verdecke.

Dr. Günter Krings MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium, betrachtete den erheblichen Einfluss der Suchergebnisse auf die Entscheidungen des Nutzers. Das betreffe inzwischen den Kauf des Autos, das Ziel für die Urlaubsreise oder politische Ausrichtungen. Über Google angebotene Suchmöglichkeiten für Shopping, allgemeine Informationen und News hätten einen dramatischen Einfluss auf die Meinungspluralität. Da sich ein Großteil der Bevölkerung inzwischen auf die Dienste von Google verlasse, sei es ein integraler Bestandteil der Infrastruktur geworden, der deshalb staatlich reguliert werden müsse.

Nach einer kurzen Podiumsdiskussion wurde das Mikrofon für Fragen aus dem Publikum freigegeben. Der gefährlichste Moment im Leben eines Moderators. Werden doch gerade diese Situationen gerne für Koreferate genutzt.

Es meldete sich Sabine Frank. Leiterin der Abteilung Regulierung/Jugendschutz/Medienkompetenz bei Google. Sie zeigte sich "irritiert über das Vorgehen hier". Google sei nicht als Diskussionspartner eingeladen worden, stehe hier aber durchweg in der Kritik. Sie wurde begleitet von Google-Anwältin Julia Holtz, die auf einige Details der Anschuldigungen einging. Dabei wurde sie immer wieder von Robert M. Maier unterbrochen. Die klare Antwort war, dass Google den Nutzern Informationen geben und nicht Traffic auf Webseiten erzeugen wolle.

Es wurde noch einmal deutlich gemacht, dass Google sich in einem harten Wettbewerb behauptet hatte und immer wieder neu an dieser Marktposition feilen müsse. Man finanziere sich durch Werbung und platziere deshalb entsprechende Inhalte an repräsentativer Stelle. Dennoch arbeite man beständig an der Optimierung der Suchalgorithmen, um den Nutzern wertige Ergebnisse zu liefern. Die Nutzer seien nicht dumm. Wenn Google nur Werbung und minderwertige Ergebnisse liefern würde, wären sie bald kein Marktführer mehr.

Im Jahr laufen etwa 1.000 Experimente und es gebe durchschnittlich zwei Neuerungen pro Tag. Man habe sogar die Algorithmen nach Brüssel einsenden müssen, wo sie geprüft und für "unproblematisch" befunden wurden. Eine Regulierung habe immer eine Qualitätsminderung zur Folge, da sich technische Neuerungen in keinem praktikablen Verhältnis zu politischen Entscheidungsprozessen entwickeln lassen.

Autor: Matthias Baumann